Geld in Not

Gegenwärtig in den Zeiten der Euro-Krise kann man es sich vielleicht gut vorstellen, wie es sich anfühlen kann, wenn das Geld nicht mehr den ursprünglichen Wert hat. Wenn es zu einem Spielobjekt von Spekulanten geworden ist.

So wie es den Menschen im vorigen Jahrhundert widerfuhr, als nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges durch den Metallbedarf der Industrie und den Sammlungsdrang der Bevölkerung Münzen knapp wurden. Damals begannen verschiedene Städte Deutschlands deshalb das sogenannte Notgeld zu drucken. Diese Währung, die selbstverständlich nur für den eigenen Stadtbereich ein Zahlungsmittel war, fand nach und nach mehr Nachahmer. Zudem entwickelten sich diese die von Künstlern gestalteten und recht hübsch anzusehenden Notgeldscheine zu begehrten Sammlerobjekten. In Wedel begann man recht spät mit der Produktion der Scheine. Noch im Oktober 1919 erhielt der Blankeneser Rechtanwalt Löwenhagen für seine dem Wedeler Bürgermeister Friedrich Eggers vorgebrachte Idee eine Abfuhr. Erst zwei Jahre später, besann man sich eines Besseren und produzierte unter Hochdruck die „Kleingeldersatzwertzeichen“. Die Eile hatte einen Grund. Zum einen stiegen die Kleingeldausgaben, also die für Fahrkarten oder in den Gastwirtschaften der Gemeinden an und zum anderen gab es Hinweise darauf, dass das Drucken von Notgeld untersagt werden könnte. Deshalb beantragte die Stadtvertretung beim Regierungspräsidenten im Eilverfahren die Genehmigung zur Erstellung der Scheine. Gestaltet wurden die Wedeler Notgeldscheine von O. Kurtz, von dem leider nichts weiter bekannt ist. Die Lithos wurden in der Firma H.O. Persiehl in Hamburg erzeugt, den Druck übernahm die Firma Walter Kröger aus Wedel. Es wurden drei Motive in Auftrag gegeben. So wurden 40.000 Stück der 50-Pfg.-Scheine mit dem Motiv Roland, 20.000 Stück der 25-Pfg.-Scheine mit dem Motiv Rist-Denkmal und 40.000 Stück der 1-Mark-Scheine mit dem Motiv Bauer und Gärtner angefertigt. Die zusätzlich angefertigten Motive mit dem Steilufer Schulau oder der Lühe-Schulau-Fähre wurden nicht in den Druck gegeben, sondern liegen nur im Entwurf im Stadtarchiv Wedel vor. Geliefert wurden die meisten der Scheine übrigens nicht an die Bevölkerung, sondern an einen Notgeldhändler in Glückstadt. Noch heute ist das Notgeld ein beliebtes Sammlerobjekt und ist zu erschwinglichen Preisen auf dem Markt zu finden.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

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