24 Stunden einsatzbereit

Die Jugendfeuerwehren aus Wedel und Holm bekamen bei der 24-Stunden-Übung an der Feuerwache Wedel einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutet, rund um die Uhr einsatzbereit zu sein.

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Lagebesprechung der Gruppenführer mit Organisator Lucas Sandweg
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Antreten auf dem Hof der Feuerwache Wedel
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Schnell unter Kontrolle: Feuer in einer Garage
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Erste schnelle Hilfe: Versorgung eines Verletzten
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Zwangslage: Bei einem Verkehrsunfall ist eine Person unter dem PKW eingeklemmt
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"Hilfe!" – Personen im brennenden Gebäude!
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Nullsicht: Der Angriffstrup auf dem Weg zum Brandherd
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Auf dem Hof wird eine Verletztensammelstelle eingerichtet

Freitagnachmittag, 17 Uhr: 26 Jugendfeuerwehrleute aus Wedel und 17 junge Brandschützer aus Holm und Hetlingen beziehen Quartier in der Feuerwache Wedel an der Schulauer Straße. Sie werden in fünf Gruppen eingeteilt und jeweils einem Feuerwehrfahrzeug zugeordnet. Kaum haben sich die Jugendlichen eingerichtet, da melden sich in den Gruppen 3 und 4 die Funkmeldeempfänger mit einem eindringlichen Piepton: Einsatz! Bei der Firma medac in der Theaterstraße ist die Brandmeldeanlage ausgelöst worden. Eine Stunde später der nächste Alarm: Der Rettungsdienst, der diese Übung mit einem Rettungswagen samt Personal unterstützt, erbittet Unterstützung beim Öffnen einer Wohnung, deren Bewohner nach einem Hausunfall bewegungsunfähig ist. Und so geht es weiter: ein Kleinfeuer, ein Ölfleck auf der Straße, Erstversorgung einer Person, ein PKW-Unfall, bei der eine Person (in diesem Fall ein Dummy) per Hebekissen befreit werden muss, ein großes Feuer. Es ist bereits 23 Uhr, als die Jugendlichen die wohlverdiente Nachtruhe antreten.

Sonnabendmorgen, 6:12 Uhr: Der eine oder andere hätte sicherlich gerne noch ein paar Minuten länger geschlafen, aber darauf wird – wie im richtigen Leben – keine Rücksicht genommen. Wieder gilt es, eine Person zu versorgen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Nach dem Frühstück sind dann erstmals alle fünf Gruppen gemeinsam gefragt. Passanten wollen beobachtet haben, dass eine Person am Willkomm Höft in die Elbe gefallen ist. Einsatzleiter Richard Angermeyer hat nun alle Hände voll zu tun. Er muss jetzt schnell die richtigen Entscheidungen treffen. Der Tidenkalender sagt: Flut. Also muss der Bereich in Richtung Hamburg abgesucht werden – zu Land und zu Wasser. Die beiden Mehrzweckboote der Feuerwehr Wedel suchen die Elbe und die Nebenelbe hinter Hanskalbsand ab. Angermeyer koordiniert, nimmt im Sekundentakt Funksprüche der Fahrzeuge entgegen, setzt aus den Statusmeldungen die Gesamtlage zusammen und trifft auf der Grundlage dieser Informationen die nächsten Entscheidungen.

Auch der Sonnabend geizt nicht mit Alarmierungen. Fabian Keller und Martin Konetzny, beide in der Einsatzabteilung der Feuerwehr Wedel aktiv, haben insgesamt 18 Szenarien ausgearbeitet, die von den fünf Gruppen abgearbeitet werden müssen. Jede Gruppe hat innerhalb der 24 Stunden sieben Einsätze zu bewältigen – mal allein, mal gemeinsam mit einer oder mehreren der anderen Gruppen. Auch die Statisten sind aktive Feuerwehrleute. Gerne spendieren sie einen Teil ihrer Freizeit, um dem Nachwuchs ein möglichst realistisches Bild vom Leben als Einsatzkraft einer Freiwilligen Feuerwehr zu bieten. Die fachliche Leitung hat Jugendfeuerwehrausbilder Lucas Sandweg, der auf die Unterstützung er anderen Ausbilder bauen kann.
Neben den Einsätzen geht es bei dieser Übung auch um den Teamgeist. Beim gemeinsamen Grillen und der Pizza kommt man sich näher, das freundschaftliche Verhältnis zwischen den Jugendfeuerwehren wird gestärkt. Da sich das Wetter von seiner besten Seite zeigt, vergeht die Zeit an der Feuerwache wie im Flug. Und wenn der Wedeler Nahversorger "Ihr Kaufmann" für alle Beteiligten ein Eis spendiert, kommt fast schon Urlaubsgefühl auf – obwohl die Sommerferien gerade vorbei sind und das Schuljahr wieder begonnen hat.

Das große Finale am Nachmittag beginnt recht unscheinbar. Die Brandmeldeanlage an der Ernst-Barlach-Gemeinschaftsschule wurde ausgelöst, weil jemand den Feuermelder gedrückt hat. Böswilliger Alarm? Bei der Erkundung des betreffenden Melders schlägt dem Gruppenführer plötzlich Brandrauch (in Form von Theaternebel) entgegen. Feuer! Auf der rückwärtigen Seite des Gebäudes steht eine Person am Fenster im zweiten Stock und ruft um Hilfe. So wird aus der Alarmmeldung "FEU BMA" (Brandmeldeanlage) ein "FEU G Y" (Feuer groß, Menschenleben in Gefahr). Schnell werden die restlichen Fahrzeuge nachalarmiert. Die im Gebäude befindlichen Personen werden über die Drehleiter und von Einsatztrupps im Innenangriff gerettet und draußen erstversorgt. Dann ist die Lage unter Kontrolle. Übungsende. Durchatmen. Das Material wird wieder in die Feuerwehrfahrzeuge verstaut, und es geht zurück an die Wache zur Abschlussbesprechung.

Fazit der Jugendfeuerwehrwarte Robin Thießen (Wedel) und Jan-Hermann Ladiges (Holm/Hetlingen): Die jungen Brandschützer haben sich mal wieder von ihrer besten Seite gezeigt. Kameradschaft, Einsatzwille und Fachwissen sind die Stärken, mit denen die Jugendlichen einen Tag und eine Nacht lang ihr Können unter Beweis gestellt haben. Die aktiven Brandschützer, die an dieser Übung beteiligt waren, zollten dem Nachwuchs größten Respekt. Mehr als einmal war der Satz zu hören: "Das hätten wir auch nicht besser hinbekommen!"

Die Jugendlichen hätten nichts dagegen, wenn die nächste Übung dieser Art bereits in wenigen Wochen stattfände. Da aber Vorbereitung und Durchführung mit viel Aufwand verbunden sind, bitten die Organisatoren um zwei Jahre Geduld. Dann ist turnusgemäß die Feuerwache in Holm für 24 Stunden fest in der Hand der Jugendfeuerwehrleute. (Holger Koschek/Feuerwehr Wedel/11.9.16; Fotos: Jens Buhr, Martin Konetzny, Holger Koschek)

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