Deutliche Worte von der Feuerwehr

Jahreshauptversammlung: Kritik an Kommunalpolitik und zu anspruchsvollen Bürgern

in Freiwillige Feuerwehr, Leben in Wedel

1/6
Fand deutliche Worte: Wedels Wehrführer Michael Rein
2/6
Neu in die Wehr aufgenommen: Britta Heinemann, Claus Köpcke, Jutta Krüger, Susanne Lustig und Alexander Witt
3/6
30 Jahre Mitglied: Ehrenwehrführer Heinz Jüttemeier
4/6
In die Ehrenabteilung verabschiedet: Feuerwehr-Urgestein Martin "Aggi" Skowronek
5/6
Überraschung: Die angemessene Einsatzkleidung für Küchenfee Regina Fischer
6/6
Holms Wehrführer Lukas Krack (Mitte) überreicht zwei Fotobecher als Erinnerung an das Großfeuer in Wedel

Der Wehrführer redete Klartext. "Die Anfahrt mit den Privatfahrzeug zur Wache wird zur Geduldsprobe und verzögert das Ausrücken der Einsatzfahrzeuge merklich. Die Einhaltung der gesetzlichen Hilfsfrist von zehn Minuten ist teilweise nicht mehr garantiert", beschrieb Michael Rein die verkehrlichen Zustände in Wedel und machte eine eindeutige Ansage: "Daher muss ich dringend alle politischen Fraktionen aufrufen, nach Jahrzehnten ohne Ergebnis den Neustart für Planungen einer so dringend benötigten Umgehungsstraße endlich ins Leben zu rufen. Der gesetzlich vorgeschriebene Schutz einer sich räumlich ausdehnenden Stadt mit weiterhin steigendem Verkehrsaufkommen ist von einer zentral gelegenen Wache in naher Zukunft sonst nicht mehr erfüllbar."  Die notwendigen Entschlüsse dürfen nicht weiterhin in die ferne Zukunft geschoben werden.

Mehr als 100 Wedeler Feuerwehrleute plus Gäste aus befreundeten Wehren, von der Polizei, DLRG, THW, DRK, des Fördervereins sowie verschiedenen Abteilungen der Stadtverwaltung hörten auf der Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr die deutlichen Worte – und Vertreter von Wedels CDU, SPD, Grüne und FDP hörten sie auch.  Sie werden sich diese Worte sicherlich zu Herzen nehmen, denn im Mai wird gewählt.

Doch die Feuerwehr hat noch mehr Sorgen: Respektlosigkeit und Brutalität gegenüber Einsatzkräften, quer durch alle Hilfsorganisationen. "Die Anfänge davon sind auch im letzten Jahr bei uns spürbar geworden. Wüste Beschimpfungen durch Autofahrer an Straßensperrungen wegen sichtbar umgestürzter Bäume hinterlassen mich fassungslos und innerlich wütend", kritisierte der Wehrführer unter klopfender Unterstützung der Kameraden. "Unverständnis, Egoismus und individuelle Hilflosigkeit nehmen scheinbar unaufhaltsam zu", konstatierte Michael Rein und führte aus: "Trotz Aufklärung und Brandschutzerziehung ist leider festzustellen, dass die Bürger immer mehr an Selbständigkeit und Einschätzungsvermögen vermissen lassen. Selbst ein bereits ausgebrannter, noch qualmender Papierkorb wurde per Notruf 112 gemeldet."

Insgesamt wurde die Wehr im abgelaufenen Jahr 441 Mal alarmiert, im Vergleich zu 389 Alarmen im Vorjahr. Extreme Wettersituationen samt Orkan und Hochwasser machten allein 80 Einsätze aus. Aber auch die Zahl der Brände stieg wieder an. Größtes Ereignis war dabei der Großbrand des Komplexes mit Disko, Spielhalle und Autovermietungen an der Rissener Straße, wo erst lange nach Anrücken der Wedeler und vieler Kräfte aus der Nachbarschaft klar wurde, dass sich im Untergeschoss des brennenden Hauses zwei Personen ohne Aufenthaltserlaubnis in den Sanitärräumen eines Restaurants versteckt hielten und sich durch das Löschwasser nicht vertreiben ließen.

Auf dieses glücklicherweise glimpflich ausgegangene Ereignis nahm Bürgermeister Niels Schmidt mit einem Augenzwinkern Bezug. Er habe gelernt, dass sämtliche Feuerwehren nicht so viel Wasser pumpen können, dass es einem chinesischen Koch Angst wird. Ernsthaft fügte er seinen aufrichtigen Dank hinzu, dass die Einsatzkräfte so professionell arbeiteten, sodass es zu keinem ernsthaften Personenschaden kam.

Holms Wehrführer Lukas Krack überbrachte die Grüße der zahlreich erschienenen Nachbarwehren, die alle am Großeinsatz beim Brand des Gebäudekomplexes an der Rissener Straße beteiligt gewesen waren. Bei der juristischen Aufarbeitung des Geschehens werde der enorme zeitliche Aufwand, den die vielen ehrenamtlichen Helfer, erbracht haben, wohl keine Rolle spielen, bedauerte Krack. „Es wird um große Geldsummen gehen, aber nicht um die Empfindungen der Kameradinnen und Kameraden, die in eine Brandstätte gehen, um Menschenleben zu retten“, resümierte er, bevor er dem Einsatz auch etwas Gutes abgewann: Er hat die freundschaftliche Beziehung der Wehren aus Holm und Wedel weiter verstärkt. Als sichtbare Zeichen der Erinnerung überreichte er Michael Rein und Sebastian „Inge“ Meisel einen Kaffeebecher, den ein Foto vom Einsatz ziert. Der Wedeler Meisel trägt darauf eine Weste mit der Aufschrift „Abschnittsleiter FF Holm“.

Auch der stellvertretende Kreisbrandmeister Stefan Mohr verwies auf die gute Zusammenarbeit der freiwilligen Feuerwehren im Kreis Pinneberg und darüber hinaus, die sich auch im guten Verhältnis der Wehrführer untereinander widerspiegelt. Nur mit einem solchen Zusammenhalt lassen sich Großveranstaltungen wie der Familientag meistern, mit dem im September 2017 das 125-jährige Bestehen des Kreisfeuerwehrverbands Pinneberg sowie 70 Jahre Kreisjugendring Pinneberg gefeiert wurden. Mit Unverständnis reagierte Mohr auf die zunehmende Bedeutung und Geschwindigkeit der sozialen Medien bei Einsätzen. Oft tauche ein Einsatz schon auf Facebook auf, noch bevor die Feuerwehr am Einsatzort eintrifft. Wenn all jene, die in solchen Fällen die sozialen Medien bespielen, stattdessen ihre Freizeit in den Dienst einer freiwilligen Feuerwehr stellten, dann gäbe es keine Nachwuchsprobleme mehr, so Mohr.

Stadtpräsident Ulrich Kloevekorn, der die Entwicklung der Feuerwehr Wedel über lange Jahre begleitete,  anfangs im Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss, zollte auf seiner „Abschiedstournee“ als Politiker den Mitgliedern der Wehr Respekt dafür, dass sie nicht nur ihren Dienst engagiert versehen, sondern für die Gemeinschaft immer noch ein bisschen extra leisten – sei es auf dem Osterfeuer, dem Weihnachtsmarkt oder bei anderen geselligen Gelegenheiten, die aber immer auch viel Arbeit bedeuten: "Dieser Geist von Gemeinsinn, Zusammenhalt und Kameradschaft ist phänomenal! Und ebenso bewundernswert ist die Tatsache, dass diese Werte auch der jungen Generation vermittelt wird: der Jugendfeuerwehr."

Weitere Highlights: Martin „Aggi“ Skowronek wurde von der Wehrführung in die Ehrenabteilung überführt – „Schweren Herzens“, wie Skowronek nach mehr als 48 Jahren aktivem Feuerwehrdienst in seiner kurzen und bewegenden Rede anmerkte. In seiner unnachahmlichen Art – immer freundlich, aber klar in der Ansage – erinnerte „Aggi“ alle Kameraden daran, welch große Verpflichtung sie mit dem Ehrenamt Feuerwehr übernommen haben. Dann ließ er sich von den anwesenden Mitgliedern der Ehrenabteilung in deren Runde aufnehmen. Versüßt wurde ihm der Übertritt mit einem Präsentkorb und einem ganz persönlichen Geschenk, überreicht vom Gruppenführer der Reserveabteilung Hans-Rudolf Lefs, der Skowronek nur ungern aus seiner Gruppe entlässt.

Zehn Jahre intensive Arbeit im Beschaffungsausschuss der Freiwilligen Feuerwehr – das war für Klaus Andresen irgendwann nicht mehr mit den zeitlichen Anforderungen seines Berufs vereinbar. Folgerichtig legte er das Amt nieder. Der stellvertretende Wehrführer Uwe Brandt, ebenfalls Mitglied im Beschaffungsausschuss, dankte Andresen für die engagierte und sachkundige Unterstützung mit einem Erinnerungsfoto und einer Mettwurst.

In seinem Schlusswort rechnete Wedels stellvertretender Wehrführer Uwe Brandt den Anwesenden vor, dass die Mitglieder der Feuerwehr im Durchschnitt täglich 1,5 Termine mit Feuerwehrbezug haben. Hier sei eine Grenze des ehrenamtlich Machbaren erreicht, so Brandt. Er appellierte an die Stadtverwaltung und die Politik, mit neuen Ideen für Entlastung zu sorgen. Brandt betonte, dass der Wehrführung insbesondere die Kameradschaft und die Menschlichkeit in der Wehr enorm wichtig sind, denn ohne engagierte Menschen lässt sich eine Feuerwehr nicht betreiben. „Die Technik kann man kaufen. Die Menschen, die diese Technik bedienen, nicht.“, fasste Brandt diese Auffassung treffend zusammen.

Beförderungen
Übernahme in die Einsatzabteilung und Beförderung zur Feuerwehrfrau / zum Feuerwehrmann:
JFF Marie Kühn
JFM Richard Angermeyer
JFM Lucas Hinz
JFM Fabian Sanftleben

Beförderung zur Feuerwehrfrau / zum Feuerwehrmann
ANW Britta Heinemann
ANW Jutta Krüger
ANW Susanne Lustig
ANW Claus Köpcke
ANW Alexander Witt

Beförderung zur Oberfeuerwehrfrau / zum Oberfeuerwehrmann
FF Laura Essig
FM Andreas Löffler
FM Björn Dege
FM Julian Malz
FM Damian Quast
FM Marcel Stockfleth

Beförderung zum Löschmeister
HFM Knut Ahlers
HFM Jens Benölken
HFM Kevin Evers
HFM Niklas Münchow
HFM Thorsten Schneider
HFM Bastian Stute
HFM Michael Wegener

Beförderung zum Oberlöschmeister
LM Philip Brandt
LM Kai Koch

Ehrungen:
10 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr
OFF Nadine Kube
HFM Florian Naujok
LM Andreas Pols
LM Helge Sabow
FM Andreas Abel

20 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr
OLM Fabian Keller

25 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwillige Feuerwehr
OLM Thomas Hitzemann
LM Christian v. Kostka
LM Armin Weinack

30 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr
BM Kai Körner
HBM*** Heinz Jüttemeier

40 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr
OLM Volker Tiede
OLM Helge Jape

Verleihung des Brandschutzehrenzeichens in Gold am Bande
OLM Helge Jape

Verleihung des deutschen Feuerwehr-Fitness-Abzeichens (dFFA)
Julian Malz (Silber)
Sven Mähl (Silber)
Jens Benölken (Gold)
Gregor Karpeljuk (Gold)
Holger Koschek (Gold)

(Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, Holger Koschek/Pressewart Feuerwehr Wedel, 19.2.2018)

Mit freundlicher Unterstützung von...