Hintergrund: Hohe Grundwasserpegel in Wedel

Die neue Wedel.de-Rubrik „Hintergrund“ liefert in loser Folge Dokumente und Materialien, zu aktuellen Diskussionen und Hintergründen für wichtige Entwicklungen in der Stadt. Diesmal das Thema: Die gestiegenen Grundwasserstände in Wedel

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Natürliche Ereignisse wie besonders starke oder ausbleibende Regenfälle haben Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Natürliche Ereignisse wie besonders starke oder ausbleibende Regenfälle haben Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel. Foto: Stadt Wedel/Kamin

In der Stadt Wedel kann in einigen Teilen des Stadtgebietes bereits in einer Tiefe von zwei Metern zur Geländeoberfläche auf Grundwasser gestoßen werden, mancherorts bereits schon in deutlich geringeren Tiefen. Das kann zu Problemen führen, wenn Kellerbauwerke an solchen Orten in diese Tiefe hinabreichen. Die Folge kann eine Kellervernässung durch eindringendes Grundwasser sein.

An welchen Stellen im Stadtgebiet das Grundwasser besonders nah an die Oberfläche heranreicht, ist nicht immer leicht abzuschätzen, da die Bodenschichtung unter der Rolandstadt nicht regelmäßig ist, sondern eher mit einem Mamorkuchen verglichen werden kann. Daraus resultieren höchst ungleichmäßige Verläufe der Grundwasserleiter, sodass ein Grundstück von einem hohen Grundwasserstand betroffen sein kann, wohingegen es auf dem Nachbargrundstück keine Probleme gibt. Veränderungen der Grundwassersituation machen sich so mitunter erst relativ weit von der Ursache entfernt bemerkbar. Abhängig von besonders nassen oder besonders trockenen Wetterperioden ist der Grundwasserspiegel zudem im Jahresverlauf generell erheblichen Schwankungen unterworfen.

In der Stadt Wedel ist in der jüngsten Vergangenheit ein genereller Anstieg des Grundwasserpegels zu verzeichnen. Der Stadt Wedel ist bekannt, dass es dadurch an einigen Standorten im Stadtgebiet verstärkt zu Kellervernässungen kommt. Auch die Stadt Wedel selbst ist durch eindrückendes Grundwasser in der Tiefgarage des Rathauses und an den Parkplätzen am Bahnhof von dieser Entwicklung betroffen.

Wegen der komplexen Untergrundstruktur ist die zweifelsfreie Ermittlung einer konkreten Ursache für einen Grundwasseranstieg an einem bestimmten Standort allerdings in Wedel praktisch unmöglich. Die Experten der Stadt Wedel, die eng mit dem Fachdienst Umwelt des Kreises Pinneberg zusammenarbeiten, gehen deshalb von verschiedenen Faktoren aus, die die Grundwasserstände in Wedel beeinflussen. So war das Jahr 2017 ein besonders regenreiches. Die Grundwasserpegel wiesen deshalb zum Jahreswechsel 2017/2018 entsprechende Höchststände auf.

Die Pegelstände im benachbarten Rissen können hier bei der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie an der Karte der Grundwassermessstellen eingesehen werden.  

Gleichzeitig könnte sich auch die Einstellung der jahrzehntelangen Wasserförderung der Möller-Werke Ende 2015 auf die Pegel ausgewirkt haben. Welche Folgen der generelle Trend, seit Ende der 1970er Jahre im Großraum Hamburg die Grundwasserentnahme massiv zurückzufahren, für das Wedeler Grundwasser hat, ist ebenfalls schwer zu beziffern. So berichtete das "Hamburger Abendblatt" 2013, dass sich die Wasserfördermengen nach Angaben der Umweltbehörde seit 1974 von jährlich 200 Millionen Kubikmetern auf 90 Millionen Kubikmeter verringert hätten. Inwieweit sich diese Effekte durch eine zeitliche Überlagerung derzeit gegenseitig noch verstärken ist ebenfalls nicht bekannt.

Den Artikel finden Sie hier. (Oder Suchbegriffe: „Grundwasser“, „Hamburg“, „Fördermenge“, „Keller“ nutzen)

Die großen Fördermengen hätten den Grundwasserpegel gewissermaßen künstlich abgesenkt. Ein Recht auf einen solchen künstlich niedrig gehaltenen Grundwasserspiegel haben Hausbesitzer allerdings nicht. Vielmehr müssen Architekten und Bauherren für Ihre Planungen den natürlichen Grundwasserpegel zugrunde legen und gegebenenfalls  entsprechende Abdichtungsmaßnahmen treffen, wenn sie unterkellerte Bauwerke entwerfen.

Der Kreis Pinneberg empfiehlt Bauherren und Planern im Kreisgebiet aus genau diesem Grund bereits seit mehreren Jahrzehnten bei der Neuerrichtung von Gebäuden mit Weißer Wanne zu bauen. Eine Weiße Wanne ist eine tragende Konstruktion aus wasserundurchlässigem Beton, um Gebäudeteile vor der Einwirkung von Wasser, zum Beispiel Bodenfeuchte, Sicker- oder Grundwasser zu schützen. Da eine Weißer Wanne die Errichtung von Gebäuden verteuert, wird aus Kostengründen allerdings bisweilen auf sie verzichtet.

Eine umfangreiche Broschüre mit Empfehlungen für Bauherren, Hausbesitzer und Planer hat die Hamburger Behörde für Energie und Umwelt herausgegeben. Sie kann hier heruntergeladen werden. 

Die Stadt Wedel ist nicht die einzige Kommune, in der in jüngerer Vergangenheit Probleme mit den Grundwasserständen aufgetreten sind. Die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie schreibt in einer entsprechenden Information: "Probleme mit hohen Grundwasserständen sind in den letzten Jahren in vielen Städten und Gemeinden in der Bundesrepublik und anderen Staaten aufgetreten. Die Ursachen dafür sind vielfältig und lokal oft unterschiedlich. Ein Grund können zurückgegangene oder stillgelegte öffentliche oder industrielle Wasserförderungen sein. In Regionen, in denen über Jahrzehnte der Grundwasserstand durch Förderungen abgesenkt worden ist, wurde bei zwischenzeitlich durchgeführten Baumaßnahmen oftmals nicht bedacht, dass der natürliche Grundwasserstand höher anzutreffen ist und es keine Garantie für die Aufrechterhaltung bestehender Wasserentnahmen gibt."

Die entsprechende Quelle finden Sie hier.

Die Hamburger Behörde für Umwelt und Energie verweist in diesem Zusammenhang auch auf den Statusbericht des BWK (Bund der Ingenieure für Wasserwirtschaft, Abfallwirtschaft und Kulturbau). Der Bericht "Nutzungskonflikte bei hohen Grundwasserständen - Lösungsansätze"  ist beim BWK erhältlich.

Die im Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschuss vom Januar 2019 angesprochenen Materialien zur Grundwasserproblematik in Berlin finden sie hier.

(Kamin/Stadt Wedel/27. August 2018, letzte Aktualisierung vom 21. Februar 2019)

Letzte Änderung: 28.03.2022

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