Hintergrund: Wedeler Rat setzt Signal für Solidarität mit Geflüchteten

Zahl der Neuzugezogenen sinkt 2018 auf 40. Zahlreiche Projekte und Initiativen fördern Integration.

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Mit der Verabschiedung einer Flüchtlings-Resolution unterstützte der Wedeler Rat (hier ein Symbolbild) die offene…
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Die Foto-Ausstellung „We work“ des jungen Fotografen Mohamad Alzabadi aus Syrien und Sandra Lüpping vom Diakonieverein…
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Teilnehmerinnen der Wedeler Kochgruppe „Heimat-Kochen mit neuen Mitbürgern“ verteilten vor der jüngsten Einwohnerversammlung…
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Das Projekt „impakt Integration“ der Stadt Wedel soll neben der Bündelung von Hilfs- und Beratungsangeboten auch die…
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Bei der von Hüseyin Inak ins Leben gerufene Aktion „Sauberer Strand in Wedel“ reinigen Neu- und Altwedeler gemeinsam die…
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Die aus Neuwedelern bestehende Fangruppe „Yalla Risters“ unterstützt die Mannschaften des SC Rist lautstark auch auf…

Die Stadt Wedel setzt ganz im Sinne ihres Ehrentitels „Weltoffene Gemeinde“ ein Signal zur Rettung von Menschen in See- und Kriegsnot. In seiner Novembersitzung verabschiedete der Wedeler Rat  mit 19:15 Stimmen bei keiner Enthaltung eine Resolution, die von der Linken-Fraktion eingebracht worden war. Mit der Annahme der Resolution unterstützt der Wedeler Rat ausdrücklich die offene Flüchtlingspolitik des Schleswig-Holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther.  

Die Resolution hat den folgenden Wortlaut:
„Die Stadt Wedel sieht sich in der Lage, ein unseren personellen und räumlichen Möglichkeiten entsprechendes Kontingent an Personen bis zur Klärung ihrer Asylanträge zu beherbergen und sie, wenn möglich, langfristig zu integrieren. Wir wollen damit den Kurs für ein solidarisches, humanitär handelndes und hilfsbereites Europa unterstützen, wie es bereits unser Ministerpräsident Daniel Günther für Schleswig-Holstein getan hat. Wie viele Städte und Gemeinden in Deutschland wollen wir zur Aufnahme von Menschen aus See- und Kriegsnot beitragen.“

Die Stadt Wedel und ihre Einwohner zeigen seit langem aber auch und gerade seit 2015 herausragendes Engagement bei der Integration neu zugewanderter Menschen, von denen viele durch Krieg und Gewalt in Syrien und angrenzenden Staaten wie dem Irak stammen. 2015 auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegung kamen 177 Neuzugewanderte nach Wedel. Seitdem nimmt die Zuwanderung deutlich ab. 2016 waren es noch 137 Menschen und 2017 schließlich 33 Personen. 

Im Jahr 2018 sind bisher 40 Personen zugewandert, hinzukommen vier weitere, die bereits privat untergekommen sind. Hier spielt auch der neu geregelte Familiennachzug eine Rolle. Ab dem 1. August 2018 ist der Familiennachzug von engsten Familienangehörigen zu subsidiär Schutzberechtigten wieder möglich. Allerdings für ein begrenztes Kontingent von 1.000 Personen pro Monat deutschlandweit. Familiennachzug nach Wedel findet statt aber in weit geringeren Dimensionen als von der Verwaltung erwartet. Zudem haben zahlreiche Neuzugewanderte Wedel bereits wieder verlassen.Neben der Aufnahme der Neuzugewanderten – so erforderlich - in städtischen Unterkünften (die für alle Menschen ohne Obdach egal welcher Staatsangehörigkeit zur Verfügung stehen), der Koordinierungsstelle Integration der Stadt Wedel, die von Marta Litke und Joachim Rose geleitet wird, sowie der Arbeit der Volkshochschule bei Sprach- und Integrationskursen und weiteren integrativen Angeboten im Stadtteilzentrum „mittendrin“ gibt es in Wedel zahlreiche Initiativen sozialer Träger oder privater engagierter die sich regelmäßig und nachhaltig für die Integration Neuzugewanderter einsetzen. 

Details gibt es hier oder im Newsletter „Flüchtlingsarbeit in Wedel“, der hier zu finden ist.

Die aktuellen Beispiele für eine vielfältige Integrationskultur in Wedel sind vielfältig und sie zeigen, dass Integration keine Einbahnstraße ist, sondern dass auch Impulse aus der Gemeinschaft der Neu-Wedeler an die Rolandstadt:

Zentrale Drehscheibe ist und bleibt das „WillkommensCafé“. Jeden Dienstag von 15 bis 17:30 Uhr in der Höbüschentwiete 11, finden Neu-wedelerinnen und Neuwedeler in  den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde Wedel einen Ort, wo man Kontakte knüpfen, Spaß haben und lernen kann, denn auch viele engagierte Alt-Wedeler sind hier regelmäßig dabei.

Wedel hat darüber hinaus, als eine von 15 ausgewählten Kommunen, mit dem Projekt „impakt Integration“  an einem Unterstützungs- und Begleitungsprogramm der Wübbenstiftung teilgenommen. Diese stellte u.a. ein Entwicklungsbudget zur Verfügung, um die Kommune zu unterstützen und zu begleiten in dem Prozess, ihre Bildungsstrategien noch besser auf mehr Bildungs- und Teilhabechancen für jugendliche Neuzugewanderte ausrichten zu können. Die Federführung für dieses Programm übernahm der Fachdienst Weiterbildung, also Volkshochschule und Integrationskoordination der Stadt Wedel. Ein wichtiges Element für junge Neuzugezogene und deren öffentlichen und privaten Unterstützer soll dabei eine interaktive Bildungslandkarte werden, die die bereits bestehenden Hilfs- und Anlaufstellen in den unterschiedlichen Bereichen von Bildung bis hin zur Integration in den Arbeitsmarkt aufzeigen soll. Ihr Start ist im ersten Quartal 2019 geplant. 

Die Foto-Ausstellung „We Work“ des jungen Fotografen Mohamad Alzabadi aus Syrien, der selbst als Zugewanderter nach Wedel kam, zeigt Geflüchtete, die Dank guter Integrationsangebote und eigenen Engagements eine Arbeit gefunden haben und von ihren Arbeitgebern hoch geschätzt werden. Zusammen mit Sandra Lüpping, Mitarbeiterin im Diakonieverein Migration, hatte Alzabadi geplant und umgesetzt. Die Bilder sind vom 11. bis 28. Februar im Foyer der VHS zu den Öffnungszeiten in der Volkshochschule zu sehen.

Ebenfalls eine Initiative des Diakonievereins Migration ist die von Hüseyin Inak ins Leben gerufene Aktion „Sauberer Strand in Wedel“ hier reinigen Neu- und Altwedeler gemeinsam die Wedeler Strände und säubern sie von liegengelassenem Müll und Treibgut. Inak betreut auch die Gruppe „Yalla Risters“ – den ersten und weithin hörbaren Geflüchteten-Fanclub der Basketballer des SC Rist, der die Mannschaft auch bis zu weit entfernten Auswärtsspielen begleitet.

Die Kochgruppe „Heimat-Kochen mit neuen Mitbürgern“ trifft sich in der Villa und wird von Malivan Lange geleitet. Teilnehmerinnen verteilten vor der jüngsten Einwohnerversammlung süßes syrisches Backwerk an die Besucher.

Wie wertvoll das Engagement gerade von Menschen sein kann, die nicht in Wedel geboren wurden, zeigt nicht zuletzt das Wirken von Nancy Gomez in zahllosen Wedeler Projekten rund um das Stadtteilzentrum „mittendrin“. Für ihre Verdienste beim Brückenbauen zwischen den Kulturen wurde Gomez in diesem Jahr in Kiel von Ministerpräsident Daniel Günther mit der Ehrennadel des Landes Schleswig-Holsteins ausgezeichnet.   

Die Stadt Wedel trägt den Ehrentitel „weltoffene Gemeinde“ seit 1990. Er wurde ihr verliehen, weil sie Menschen aus aller Welt, die als Nicht-Deutsche, Asylsuchende und Geflüchtete in Wedel lebten zu einer großen Informationsveranstaltung über das neue Asyl- und Ausländerrecht ins Wedeler Rathaus eingeladen hatte. (27. Dezember 2018, Stadt Wedel/Kamin)

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