Sandabtrieb: „Untersuchungen dauern ein halbes Jahr“

Prof. Dr.-Ing. Peter Fröhle, Leiter des Instituts für Wasserbau an der Technischen Universität Hamburg, im Interview über die geplante Untersuchung zu Strömungen am Wedeler Elbufer.

in Rathaus & Politik, Elbe Maritimes

Der Sandabtrieb am Wedeler Strand soll untersucht werden. Foto: Stadt Wedel/Kamin

Zuviel Elbsand im Hafen zu wenig am Strand – was kann die Stadt Wedel dagegen tun? In der jüngsten Sitzung sprachen sich die Mitglieder des Umwelt-, Bau- und Feuerwehrausschusses dafür aus, das Institut für Wasserbau an der Technischen Universität Hamburg mit einer Untersuchung zu beauftragen, die herausfinden soll, warum es am Wedeler Strand zu verstärktem Sandabtrieb kommt, während der Hafen mit Verschlickung zu kämpfen hat. Wedel.de hat mit Prof. Dr.-Ing. Peter Fröhle, dem Leiter des Instituts über die geplante Untersuchung gesprochen.

Frage: Herr Prof. Fröhle, Ihr Institut ist von der Stadt Wedel beauftragt worden, die Elbströmungen, ihre Ursachen, ihre Folgen und daraus resultierend mögliche Gegenmaßnahmen gegen die Verschlickung des Hafens und den Sandabtrieb am Strand zu untersuchen. Welche Fragen soll Ihre Analyse genau beantworten?

Prof. Fröhle: Es geht um drei Bereiche. Erstens soll geklärt werden, was zur Verschlickung oder Verlandung der Bereiche am Anleger am Willkomm Höft sowie im und am Hafen führt. Zweitens soll daraus resultierend geschaut werden, welche Maßnahmen ergriffen werden können, um diesen Prozessen entgegenzuwirken. Drittens soll analysiert werden, warum der Sand im Bereich des Strandbads weggespült wird.

Frage: Wie lange werden die Untersuchungen dauern?

Prof. Fröhle: Es ist verabredet, dass die Untersuchungen ein halbes Jahr umfassen werden.

Frage: Was geschieht in dieser Zeit?

Prof. Fröhle: Im Bereich Willkomm Höft und Hafen haben wir naturgemäß nicht die Möglichkeit, einen Vorher-Zustand zu messen und zum Beispiel zu schauen, wie die Strömungsverhältnisse ohne den Anleger wären. Deshalb erstellen wir für diese Abschnitte numerische Modelle auf. Das heißt, dass wir basierend auf unser bestehendes numerisches Elbe-Strömungsmodel die theoretisch-mathematischen Berechnungen für die beiden Bereiche so weit verfeinern, dass wir in einer Auflösung im Dezimeter- bis Meterbereich die Strömungsverhältnisse berechnen können. Mit den Modellen können wir dann die Verhältnisse vor dem Umbau und nach dem Umbau ermitteln und vergleichend bewerten.

Frage: Für den Strand kommt ein anderes Verfahren zum Einsatz?

Prof. Fröhle: Ja, dort haben wir den Vorteil, dass wir dort über einen längeren Zeitraum die aktuellen Entwicklungen noch erfassen können, indem zunächst eine Vermessung der Unterwasser- und Landtopographie vorgenommen wird. Parallel dazu bringen wir Messgeräte aus, die über mehrere Monate unter anderem die Strömungen, Schiffswellen und Wasserstände erfassen. Nach sechs Monaten vermessen wir die Über- und Unterwassertopographie dann erneut. So können wir nicht nur sehen, was sich in dieser Zeit verändert hat, sondern auch welche Faktoren zu dieser Veränderung geführt haben.

Frage: Das heißt, für eine Prognose der Ursachen für den Sandabtrieb ist es noch zu früh?

Prof. Fröhle: Ja, sonst bräuchte man ja nicht mehr untersuchen. Unsere Erfahrung bei vielen anderen ähnlichen Untersuchungen an Nord- und Ostsee und in Flüssen wie Elbe und Weser zeigen, dass man stets mehrere verschiedene Hypothesen für die Ursachen im Blick haben muss. Denn die Ausgangslage ist häufig ähnlich: Sediment landet sich immer dort an, wo man es nicht gebrauchen kann, und erodiert an Stellen, wo man gerne Sediment hätte bzw. Strände nutzen möchte. Die Antworten, wie man dieses Problem lösen kann, müssen jedoch von Standort zu Standort ganz neu erarbeitet werden. Und das ist unsere Aufgabe in den kommenden sechs Monaten für die Fragestellungen in Wedel. (23. Juli 2018, Stadt Wedel/Kamin)

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