Stadtpräsidentin a.D. Sabine Lüchau verstorben

Engagierte Wedelerin erlag schwerer Krankheit im Alter von 80 Jahren

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Ein Jahre gewohntes Bild: Stadtpräsidentin Sabine Lüchau am Rednerpult.
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Ein Jahre vertrautes Bild: Stadtpräsidentin Sabine Lüchau am Rednerpult.
So begann die Karriere: Sabine Lüchau in den 80ern auf einer Parteiversammlung
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So begann die Karriere: Sabine Lüchau in den 80ern auf einer Parteiversammlung
Soziales war ihr schon damals wichtig: Sabine Lüchau (links) auf einer Veranstaltung der Familienbildung
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Soziales war ihr schon damals wichtig: Sabine Lüchau (links) auf einer Veranstaltung der Familienbildung
Waren ein gutes Team: Sabine Lüchau und Bürgermeister Niels Schmidt
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Waren ein gutes Team: Sabine Lüchau und Bürgermeister Niels Schmidt
Sabine Lüchau mit Landrat Oliver Stolz bei der 800-Jahr-Feier
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Sabine Lüchau mit Landrat Oliver Stolz bei der 800-Jahr-Feier
Treue Unterstützerin: Sabine Lüchau mit Jürgen Doppelstein, dem Leiter des Ernst-Barlach-Museums.
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Treue Unterstützerin: Sabine Lüchau mit Jürgen Doppelstein, dem Leiter des Ernst-Barlach-Museums.
Sabine Lüchau war großer Fan des Spitzerdorf-Schulauer Männergesangvereins.
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Sabine Lüchau war großer Fan des Spitzerdorf-Schulauer Männergesangvereins.
Mittendrin statt nur dabei: Sabine Lüchau gemeinsam mit Mann Jan-Peter beim SC Rist
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Mittendrin statt nur dabei: Sabine Lüchau gemeinsam mit Mann Jan-Peter beim SC Rist
Erfolgreiche "Klinkenputzerin" - Sabine Lüchau mit einem von vielen Spendenschecks für WeKi.
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Erfolgreiche "Klinkenputzerin" - Sabine Lüchau mit einem von vielen Spendenschecks für WeKi.

"Niemand ist unersetzlich", heißt es. Doch es gibt Menschen, deren Verlust schmerzhafte Wunden hinterlassen, die nur schwer oder vielleicht nie wieder so richtig zuheilen werden. Sabine Lüchau war eine von ihnen. Die Stadtpräsidentin a.D., die Frau mit dem großen Herzen für Bedürftige und leidenschaftliche Kunstförderin ist jetzt an schwerer Krankheit verstorben. Sie wurde 80 Jahre alt.

Sabine Lüchau gab in ihrem Leben ein Beispiel dafür, wie der Mensch an einem harten Schicksal wachsen und wie eigenes Leid zur Kraftquelle für die gute Tat, für Mitmenschlichkeit werden kann  Bei Sabine Lüchau war es das traumatisierende Ereignis der Flucht 1945. Bis dahin hatte die kleine Sabine behütet und idyllisch die ersten fünf Jahre ihres Lebens als Tochter des Gutsbesitzers August Goldenbaum in Ostpreußen bei Königsberg verbracht. Die Sowjetarmee rückte näher. Während Vater und großer Bruder zurückblieben, geriet Sabine mit ihrer Schwester Gisela auf eine Odyssee. Ziel war die Mutter, die sich in Bad Gastein zu einer Kur aufhielt. Die beiden Mädchen erreichten die Mutter nach Irrungen, die drei fanden als Flüchtlinge auf Eiderstedt eine Bleibe - hier starb die Mutter nach kurzer Zeit. Der Vater in Ostpreußen war von den Russen erschossen worden, auch der Bruder kam um. Innerhalb von Monaten brach die Welt einer kaum Sechsjährigen zusammen - die große Schwester als einziger Halt, aber ansonsten viel Ablehnung der Flüchtlinge und dauernd Hunger. Diese Erfahrung ließ sie ihr Leben lang nicht los. Sie schämte sich der Tränen nie, die ihr immer kamen, wenn sie davon erzählte.

Diese Erfahrung, ihre Erziehung zum Mitgefühl für andere und ihr christliches Bekenntnis wurden zur Motivation für Hilfe für jene, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen. Am eindrücklichsten wurde das durch ihre Tätigkeit für WeKi, die Initiative, die bedürftigen Kindern in Schulen und Kitas kostenlose Mahlzeiten verschafft. Es mag gute und weniger gute Gründe geben, warum Eltern ihrem Nachwuchs nicht das Mindesteste verschaffen: Essen. Das jedoch spielte für Sabine Lüchau keine Rolle. Wichtig war für sie ausschließlich: Kein Kind sollte das erleben müssen, was sie in ihrer Kindheit zu ertragen hatte: Hunger.

Deshalb war sie Feuer und Flamme, als der Kinderschutzbund vor rund 15 Jahren die WeKi-Initiative ins Leben rief und sie sagte sofort Unterstützung zu, sie wolle dafür "Klinken putzen gehen", wie sie immer sagte. Aufgrund ihrer guten Vernetzung in Wedel verlief das erfolgreich: Zehntausende von Euro kamen über die Jahre zusammen, Sabine Lüchau öffnete die Herzen von Verantwortlichen in vielen Firmen - und wenn das nicht beim ersten Mal klappte, bekam ihre ostpreußische Hartnäckigkeit zu spüren. Aber auch an vielen anderen Stellen, wo es galt, Menschen in Not zur Seite zu stehen oder wohltätige Institutionen zu unterstützen, war Sabine aktiv, manchmal bekamen andere etwas davon mit - aber viel öfter half sie ohne großes Aufsehen. Für ihr Engagement erhielt sie den Wedeler Sozialpreis.

Anfang der 60er Jahre - Sabine Goldenbaum war da Hauswirtschaftsleiterin und arbeitete in Rissen - lernte sie den Unternehmer Jan-Peter Lüchau kennen und lieben und kam nach Wedel. Zwei Söhne kamen zur Welt und sie arbeitete im Betrieb mit, kümmerte sich um Personalfragen, wurde zur Seele der Firma.

Über einen Schulelternbeirat kam sie zur Politik, trat in die CDU ein, kämpfte seit 1986 im Rat insbesondere für schulische und kulturelle Anliegen. Weil sie den Schul- und Kulturausschuss souverän leitete, weil ihr eine klare, aber verbindliche und niemals verletzende Art des Umgangs zu eigen war, wurde sie 2003 zur Stadtpäsidentin nominiert - ein Amt, das ihr unglaublich viel Freude machte, weil sie etwas für ihre Ziele bewirken konnte, indem dieses Amt sie noch stärker an wichtige Menschen heranbrachte, die ihr helfen konnten.

Neben der sozialen Tat war die Kultur ein wichtiges Anliegen. Sie förderte Veranstaltungen wie die Wedeler Musiktage, arbeitete in der Amschler-Kultur-Stiftung mit, kämpfte - oft in ihrer Partei allein auf weiter Flur - fürs Ernst-Barlach-Museum, verpasste kaum ein Konzert ihres geliebten Spitzerdorf-Schulauer Männergesangvereins und unterstützte die Johann-Rist-Gesellschaft und vieles andere mehr.

Das alles wird es nun so nicht mehr geben. Wedels Bürgermeister Niels Schmidt: "Sabine Lüchau war eine großartige Frau. Die Stadt hat ihr so viel zu verdanken."

Fürs Gemeinwesen in der Stadt ist durch den Tod von Sabine Lüchau eben eine solche Wunde entstanden, die nur schwer heilt. Aber jeder Wedeler, jede Wedelerin kann dazu beitragen, dass das vielleicht doch geschieht - indem man eben diese Mitmenschlichkeit zeigt, wie sie auch Sabine Lüchau verbreitete. Sie würde sich bestimmt darüber freuen. 

Wer helfen möchte, Sabine Lüchaus Herzenssache zu stärken: Spendenkonto Deutscher Kinderschutzbund O.V. Wedel  e.V, Stadtsparkasse Wedel. IBAN: DE69 2215 1730 0000 095613 Stichwort „WeKi“ (Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 28.7.2020)

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