Städtepartnerschaft mit Caudry schlägt Wurzeln im Museumsgarten

Museumsleiter Holger Junker pflanzt eine junge Boscs Flaschenbirne.

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Holger Junker (Stadtmuseum Wedel, von rechts), Burkhard Springer (Leiter des Fachdienstes Bildung, Kultur und Sport der Stadt Wedel) und Lisa Stachnick pflanzten eine Boscs Flaschenbirne. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Holger Junker (von rechts), Burkhard Springer und Lisa Stachnick pflanzten eine Boscs Flaschenbirne. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Boscs Flaschenbirne: eine Sorte mit Geschichte. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Boscs Flaschenbirne: eine Sorte mit Geschichte. Foto: Stadt Wedel/Kamin

Mit einer kleinen Geste der Verbundenheit setzt das Stadtmuseum Wedel ein symbolträchtiges Zeichen für die Städtepartnerschaft zwischen Wedel und der nordfranzösischen Stadt Caudry. Im Museumsgarten pflanzten Museumsleiter Holger Junker, der Leiter des Fachdienstes Bildung, Kultur und Sport, Burkhard Springer, und die Wedeler Comic-Künstlerin Lisa Stachnick am heutigen Montag, 16. November eine junge Boscs Flaschenbirne. Als Museumsleiter Holger Junker das Angebot von der Kurt und Karin Barnekow – Stiftung (KUBAH-Stiftung) erhielt, einen weiteren Obstbaum für den Museumsgarten gestiftet zu bekommen, wählte Junker die alte französische Birnensorte: „Ein Birnbaum ist gleich ein doppelt schönes Symbol: Zum einen ist die Veredelung von Birnbäumen seit jeher eine französische Spezialität. Zum anderen ist die Birne spätestens seit Theodor Fontanes Gedicht ‚Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland‘ ein Zeichen für vorausschauendes und großherziges Handeln. Dieser Baum wird, so er an seinem neuen Standort gut gedeiht, deshalb viele Jahre lang an die lebendige Verbundenheit von Caudry und Wedel erinnern“, sagte Junker während der Pflanzaktion.

Die Baumpflanzaktion ist ein weiteres Element in den Bemühungen der Stadt Wedel die Städtepartnerschaft zu Caudry weiter zu intensivieren. Ein für dieses Jahr anstehender Besuch einer Wedeler Delegation, zu dem Caudrys Bürgermeister Frédéric Bricout, seinen Amtskollegen Niels Schmidt eingeladen hatte, musste wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Allerdings stehen Bricout und Schmidt derzeit weiterhin in regelmäßigem Kontakt, um die Zusammenarbeit weiter auszubauen. In der jüngsten Videokonferenz ging es um die Möglichkeit von Austauschpraktika, französischer Berufsschüler in Wedeler Betrieben. Zuletzt war eine französische Delegation 2018 zum Ochsenmarkt nach Wedel gekommen. Darüber hinaus ist die Stadt Wedel dankbar für das zunächst private Engagement der Wedeler Andreas Müller und Olaf Wuttke, die eine Initiative gestartet haben, um die Partnerschaft noch lebendiger auszugestalten. Hier wird Bürgermeister Schmidt zum Jahresbeginn mit Müller und Wuttke weitere Gespräche führen.     

  

Hintergrund:

Die Kurt und Karin Barnekow – Stiftung (KUBAH-Stiftung) war und ist Wedel seit Jahrzehnten verbunden. Hauptanliegen dieser gemeinnützigen Stiftung ist es, das Andenken und die Erinnerung an den Wedeler Unternehmer Kurt Barnekow wachzuhalten. Neben anderen Projekten in Wedel wird auch das Stadtmuseum Wedel jährlich mit einer finanziellen Spende bedacht.

In einem Telefonat mit dem Geschäftsführer der Stiftung, Herrn Frank Schneider, hat sich Herr Junker für diese Zuwendung bedankt. Daraus entsponn sich ein launiges Gespräch, in dem Herr Schneider das Museum und den Museumsgarten als besonderen Schatz der Stadt Wedel hervorhob. Spontan entschloss sich Herr Schneider, dem Museumsgarten einen Obstbaum zu stiften. Die Auswahl der Obstsorte wurde dem Stadtmuseum überlassen.

Das Stadtmuseum Wedel entschied sich für eine alte Birnensorte, die
Boscs Flaschenbirne. Diese seit der Zeit um 1800 bekannte französische Sorte wurde nach dem Naturforscher Louis Augustin Guillaume Bosc d'Antic (1759 – 1828) benannt. In Norddeutschland findet sich auch die Bezeichnung „Kaiserkrone“.

Interessanter Weise gelang es dieser französischen Birne, sich im Jahre 1922 einen Platz als deutsche „Reichsobstsorte“ zu sichern. Die „Deutsche Obstbau-Gesellschaft“ legte auf ihrer Fachtagung in Eisenach jeweils drei Apfel- und Birnensorten fest, die sich aufgrund des Geschmacks, der Widerstandsfähigkeit und der Wirtschaftlichkeit besonders für den Anbau eignen sollten. Die anderen Sorten waren „Bohnapfel“, „Jakob Lebel (Eisenbahner)“, „Ontarioapfel“, „Williams Christ“ und die „Köstliche aus Charneux“. Allerdings verhinderten die Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg eine Umsetzung der standardisierten Reichsobstsorten im Obstbau.

Die Birnenfrucht an sich ist spätestens seit der Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ von Theodor Fontane aus dem jahre1889 als ein Zeichen von Beständigkeit, Philanthropie und Weitsicht im Kollektivgedächnis etabliert. Die Ballade wurde auch in andere Sprachen übertragen (unter anderem natürlich ins Französische). Diese Texte sind auf der Internetpräsenz der Familie von Ribbeck zu finden.

An der Pflanzung nahm auch die Wedeler Comic-Künstlerin Lisa Stachnick teil, die derzeit bereits im Stadtmuseum mit den Vorbereitungen für die nächste Ausstellung beschäftigt ist, an der sie beteiligt ist. Die Ausstellung wird ebenfalls länderübergreifend sein – auch mit Beiträgen aus Dänemark.  

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