Wedel feiert drei Jahrzehnte „Weltoffene Gemeinde“

Engagement in Wedel für Toleranz ist auch 30 Jahre nach der offiziellen Auszeichnung quicklebendig.

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Das Banner über der Bahnhofstraße feiert die Auszeichnung Wedels als „Weltoffene Gemeinde“, die sich in diesem Jahr zum 30. Mal jährt. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Das Banner über der Bahnhofstraße feiert die Auszeichnung Wedels als „Weltoffene Gemeinde“, die sich in diesem Jahr zum 30.…

Das soziale Klima in Teilen der Gesellschaft ist rau. Rechtsradikale Mordtaten erschüttern Deutschland – und an der Elbe macht sich eine Stadt bei Hamburg stark gegen rechten Hass und für ein tolerantes Zusammenleben der Kulturen. Spannendes Detail: Diese Geschichte spielt nicht nur heute, sondern auch vor ziemlich genau 30 Jahren. Am 21. Mai 1990 wurde die Stadt Wedel als eine von nur sieben Kommunen deutschlandweit im Rahmen des Projektes „Eine Welt für alle“ der Bundesrepublik Deutschland für ihren „Arbeitskreis der Stadt Wedel gegen Rechtsradikalismus“ als „Weltoffene Gemeinde“ ausgezeichnet. Der 25. Jahrestag der Auszeichnung war im Jahr der so genannten „Flüchtlingskrise“ groß im voll besetzten Wedeler Ratssaal mit der Schleswig-Holsteinischen Ministerin für Justiz, Kultur und Europa gefeiert worden.

Auch wenn die Corona-Pandemie eine große Feier des 30. Jahrestages unmöglich macht, wollen die Vertreterinnen und Vertreter des Arbeitskreises, der Parteien, der Verwaltung und der Stadtöffentlichkeit auch gerade jetzt ein Zeichen für Toleranz und gegen Spaltung und Rechtsradikalismus in allen Ausprägungen setzen. So wird am 21. Mai 2020 ein Banner des Arbeitskreises über der Bahnhofstraße wehen.    

Wurzelnd in der Arbeit der Friedenswerkstadt Wedel stellte sich die Ratsversammlung der Rolandstadt schon 1989 gegen rechte Umtriebe. Am 27. April 1989 fasste sie folgenden Beschluss: „... Der Rat der Stadt Wedel (Holstein) und die in ihm vertretenen Parteien werden daher alle rechtlichen und politischen Möglichkeiten ausschöpfen, den Bestrebungen und Zielen dieser Gruppierungen in Wedel entgegenzuwirken. […] Die politische Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus dient auch dem Schutz von Minderheiten“.  

In der Umsetzung dieses Beschlusses lud Bürgermeister Jörg Balack Anfang 1990 ins Rathaus ein und es wurde der „Arbeitskreis der Stadt Wedel gegen Rechtsradikalismus und Ausländerfeindlichkeit“ gegründet, für dessen Arbeit Wedel am 21. Mai 1990 als „Weltoffene Gemeinde“ auf Bundesebene ausgezeichnet wurde.

Dieser Auszeichnung fühlen sich Wedelerinnen und Wedeler noch heute verbunden und zeigen dies in vielfacher Weise. So hat gerade das oft ehrenamtliche Engagement der Stadtgesellschaft geholfen, dass die Geflüchteten, die im Zuge der Fluchtwellen im Jahr 2015 und danach nach Wedel gekommen waren größtenteils sehr gut integriert werden konnten und trotz aller notwendigen Anstrengungen vor allem als Bereicherung und nicht als Belastung wahrgenommen werden. (Einen ausführlichen Überblick hierzu finden Sie hier.)

Vertreterinnen der Parteien und der Stadt Wedel nutzen den 30. Jahrestag „Weltoffene Gemeinde“ um Ihrerseits ein Signal für den Zusammenhalt gegen Gesellschaftliche Spaltung und rechte Tendenzen zu setzen. CDU, SPD, Bündnis 90/Grüne, FDP, WSI und Die Linke, der Landtagsabgeordnete Thomas Hölck (SPD) sowie der „VVN-BdA – Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten“ hatten dem Arbeitskreis um Irmgard Jasker und Rainer Bleuel entsprechende Glückwünsche und Grußworte zukommen lassen. Auch Stadtpräsident Michael Schernikau und Bürgermeister Niels Schmidt, riefen angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen zum Zusammenhalt und zur Einigkeit gegen demokratiefeindliche Kräfte auf:

„Ich bin sehr stolz auf diese Stadt und ihre Einwohnerinnen und Einwohner, dass auch nach 30 Jahren die Anstrengungen nicht nachlassen, wenn es darum geht Menschen, die vor Krieg und Vertreibung flüchten, hier einen guten Start für ein neues Leben zu ermöglichen. Das ehrenamtliche Engagement, das sich dabei durch alle Teile der Gesellschaft zieht, ist dabei gleichzeitig ein starkes Signal, dass Hass und Gewalt niemals eine Grundlage für den Weg Wedels in eine gute Zukunft sein können“, sagt Bürgermeister Niels Schmidt.  

„Das demokratische Ringen der politischen Kräfte auf dem Boden unseres Grundgesetzes um die besten Lösungen für unsere Stadt, ist das Fundament unseres Zusammenlebens. Meinungsverschiedenheiten können also gut und wichtig sein. Ich bin aber froh, dass die Wedeler Parteien in einem Punkt seit mehr als 30 Jahren einig sind: In ihrem gemeinsamen Kampf für die Demokratie und gegen Fremdenhass und gesellschaftliche Spaltung in der Rolandstadt“, sagte Michael Schernikau zum 30. Jahrestag der Auszeichnung weltoffene Gemeinde.

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