Wedeler Klimaschutzfonds zum Tag der Umwelt

Vorsitzender Michael Koehn gibt zum 6. Juni Denkanstöße zum 6. Juni für lokales Handeln

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Klimaschutzfonds-Vorsitzender Michael Koehn: Global denken, lokal handeln!
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Klimaschutzfonds-Vorsitzender Michael Koehn: Global denken, lokal handeln!
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Neben vielem anderen ist eine Ursache von Corona unser Umwelt-unfreundlicher Lebensstil, wenn man
einer großen Zahl von Forschern glaubt. So gibt es immer weniger unberührte, ursprüngliche Regionen
mit solitärer Fauna und Flora. In viele Gebiete dringt der Mensch immer massiver ein auf der Suche
nach Gold, Ackerland, Tropenholz und vielem mehr. Und der Mensch schleppt Bakterien und Viren dort
ein, gegen die es dort keine Abwehr gibt.

Aber, die Mehrheit der Wissenschaftler hält es für sicher, dass der Mensch dabei auch Viren mitbringt in
die Zivilisation, in Tieren beispielsweise, die sich dann „über die Menschen“ hermachen - das haben wir
jetzt leidvoll erfahren müssen.

Der galoppierende Klimawandel schafft zusätzlich Risiken: Urwälder leiden unter Trockenheit, weniger
Sauerstoff wird produziert (es sei hier auch auf den Zusammenhang von Photosynthese und
Trockenheit verwiesen), auf der anderen Seite leben immer mehr Menschen, gerade in der so
genannten „dritten Welt“, ohne Einkommen aus selbstversorgender Landwirtschaft. Sie rutschen in
Armut ab, leiden Hunger und verlieren damit an Widerstandskraft auch gegen Infektionskrankheiten.
Wie wir jetzt am eigenen Leibe erfahren haben, lässt sich ein Virus in einer globalisierten Welt nicht
einhegen, sondern verbreitet sich in rasender Geschwindigkeit rund um den Globus.

Daher meinen wir, es ist höchste Zeit, etwas zu verändern – Hilfe bieten dazu die Maßnahmen der
Bundesregierung, von Landesregierung und EU zum Rettung unserer Wirtschaft – die wir in Wedel jetzt
nutzen sollten! Prämien können Anreize sein, Arbeitsplätze zu erhalten und zu schaffen, die nicht nur
ökonomisch, sondern auch ökologisch sinnvoll sind.

So könnte mit Anreizprämien die energetische Sanierung (vor allem Teil-Sanierung auch unter der
aktuell Effizienzquote) von Wohn- und Bürogebäuden vorangetrieben werden- Ein besonderes
Augenmerk sollte dabei auf Verwendung natürlicher Baustoffe (z.B. Ton, Pflanzenfasern, etc.) liegen.
Diese Maßnahmen würden z.B. für Wedel Nord einen weiteren, positiven Schub bedeuten können,
besonders in Verbindung mit der Schaffung eines lokalen Wärmenetzes.

Selbstverständlich muss jede Deckelung beim Ausbau regenerativer Energien werden sowie eine
Regelung für den sinnvollen Weiterbetrieb „alter“ Solaranlagen dringend gefunden werden. Der
Klimaschutzfonds besitzt so eine Anlage, die hohe finanzielle Belastung für den „Verkauf“ des Stroms
für die Nutzung durch unser Rathaus lässt uns über die Demontage der Anlage auf dem Dach des
Verwaltungssitzes ernsthaft nachdenken.

Weiterhin können wir uns eine stärkere Förderung von Forschung und Entwicklung zu
gebäudeintegrierter Solartechnik vorstellen, kombiniert mit zentraler, lokaler Wärmeversorgung. Auch
hier profitieren innovative Firmen in Wedel– für Solarnova kommt das leider zu spät.

Der Verkehrsbereich ist ebenso ein Feld, in dem einige Maßnahmen den Spagat zwischen Umwelt und
moderner Infrastruktur schaffen können. Viele Straßen oder Straßenteile können zu breiteren, sicheren
Rad- und Fußwegen umbaut werden. Wir können innerstädtische Straßen zu Fahrradstraßen
umwidmen (gute Beispiele dazu gibt es in Rendsburg), wir können mehr Spielstraßen ausweisen und
einige Parkplätze z.B. in der Bahnhofstraße zu Begegnungs- und Lebensräumen umbauen.

Mit der Umgestaltung von öffentlichen und nicht-öffentlichen (Anreiz-Prämien) Flächen nach
ökologischen Maßstäben, mit der Förderung von „public gardening“, mit der Anlage von Blühwiesen und
durchgehenden Grünzügen werden Arbeitsplätze gesichert und Lebensqualität für viele erzeugt. Und,
wie wäre es, einzelne Flächen des öffentlichen „Verkehrsbegleitgrüns“ in die Verantwortung von privaten
Initiativen zu geben?

Die Umgestaltung unserer Haupt-Einkaufsstraße wird seit geraumer Zeit diskutiert. Dabei muss
allerdings der Fokus auch auf Mobilität einer älter werdenden Gesellschaft gerichtet sein und nichtindividuale
Verkehrsmittel (Leasing, Sharing, ÖPNV, etc.) forciert - und auch die während Corona
verstärkte Fahrrad-Nutzung verstetigen werden.

Nachdem manche Arbeitnehmer während Corona das Home-Office schätzen gelernt haben, muss auch
in Wedel – unter Federführung unserer Stadtwerke! – eine leistungsfähige Glasfaser-Infrastruktur zügig
hergestellt werden – bis hinein in die Wohnungen; als Familien- und Zukunfts-gerichtete Investitionen!
Dazu gehört zwingend auch eine wesentlich bessere Ausstattung der Schulen mit der notwendigen ITInfrastruktur.
Tablet oder Laptop muss, wie Schulbücher, zur Grundausstattung gehören und am Anfang
eines jeden Schuljahres an die Kinder ausgegeben werden.

Langfristig dürften durch diese breit wirkenden Maßnahmen Arbeitsplätze in Wedel besser und
nachhaltiger gesichert werden (damit auch Steuereinnahmen), als mit einer von der Autoindustrie
gewünschte Abwrackprämie für den Austausch von Kleinwagen mit geringem Verbrauch gegen durstige
SUVs. Und sie generieren mehr Klimaschutz und höhere Lebensqualität für mehr Menschen!

In diesem Zusammenhang fällt uns sofort unser Mitglied ein, das Autohaus Rosenbaum mit seiner
riesigen Solaranlage. Oder Firma Henke, der von unserer (damaligen) Klima-Managerin Simone Zippel
für energetisch vorbildhafte Investition ausgezeichnet worden ist.

Eine schmerzhafte Wahrheit zum Schluss: Die Todesrate in Deutschland in einer Hitzewelle ist mit der
Covid-19 Todesrate vergleichbar (https://www.aerzteblatt.de/archiv/209155/Uebersterblichkeit-bei-
Hitzewellen-in-Deutschland-Zahl-der-hitzebedingten-Todesfaelle-zwischen-einigen-Hundert-und-vielen-
Tausenden). Wir wünschen uns, dass die Regierungen in EU, Bund, Länder und auch bei uns in Wedel
die haupt- und ehrenamtliche Verwaltung sich dieser Tatsache bewusst ist und entsprechend handeln.
Unsere Wedeler Politikerinnen und Politiker haben im vergangenen Jahr angemerkt, der ausgerufene
„Klimanotstand“ sei lediglich Symbol und müsse in Handeln umgesetzt werden.

Ja, Jetzt! Global denken – lokal handeln! (Michael Koehn/Klimaschutzfonds Wedel, 6.6.2020)

 

Mit freundlicher Unterstützung von...