Der lange Weg zur "Kon-Tiki"

Frank Steffgen baute sich selbst ein Hausboot - jetzt schwimmt es

in Top-News, Elbe Maritimes

Die "Kon Tiki"  durch Wedel unterwegs - mit Polizeibegleitung brachte Nico Bilzinger das Boot der anderen Art zum Wasser. Foto: Finn Ole Kleinfeldt
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Die "Kon-Tiki" durch Wedel unterwegs - mit Polizeibegleitung brachte Nico Bilzinger das Boot der anderen Art zum Wasser. Foto: Finn Ole Kleinfeldt
Der Traum von Frank Steffgen ging in Erfüllung - nach fast zehn Jahren.
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Der Traum von Frank Steffgen ging in Erfüllung - nach fast zehn Jahren.
Weil der Kran im Hamburger Yachthafen überfordert war, setzte ein Telekran das Schiff im Tonnenhafen ins Wasser.
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Weil der Kran im Hamburger Yachthafen überfordert war, setzte ein Telekran das Schiff im Tonnenhafen ins Wasser.
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So fing es an - mit nur einem Doppelrumpf in Wabenstruktur.
Gemütlich: das "Wohnzimmer" der "Kon Tiki".
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Gemütlich: das "Wohnzimmer" der "Kon-Tiki".
Kojen, Schränke - alles selbstgebaut.
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Kojen, Schränke - alles selbst gebaut.
Die Küche ist Teil des Wohnbereichs. Unverztchtbar: die Espresso-Maschine.
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Die Küche ist Teil des Wohnbereichs. Unverzichtbar: die Espresso-Maschine.

Wenn Menschen einen Traum haben, gehen sie über ihre Grenzen hinweg. Sie opfern jede Menge Zeit und viel Geld und wenden all ihre Energie auf, um Widrigkeiten wegzuwischen, um sich diesen Traum zu erfüllen. Der Traum von Frank Steffgen heißt "Kon-Tiki". Denn er möchte auf dem Wasser leben.

"Kon-Tiki" - das ist das Hausboot, das sich Frank Steffgen in einer Wedeler Halle in den vergangenen neun Jahren - mit mehr oder weniger langen Pausen - mit eigenen Händen baute. Manche von jenen, die das beobachteten, glaubten in der Zet nicht immer, dass das Boot jemals fertig würde oder dass es spätestens beim Kranen auseinanderbricht. Sie alle haben sich getäuscht - es schwimmt und Frank ist glücklich.

Aber dahin war es ein langer Weg. Er begann irgendwann in Frank Steffgens Kindheit in den 70er-Jahren. Mit seinen Eltern genoss der heute 57-Jährige Segel- und Bootsurlaube in Holland. Als Erwachsener tourte er mit Segelbooten in viele Häfen und Buchten der Welt, entdeckte Hausboote in Amsterdam, Kopenhagen, Stockholm und Sausalito und wünschte sich immer stärker "Man müsste mal..."

Weil viele Männer in ihrer Lebensmitte oft etwas wunderlich werden und auf - sagen wir mal - unkonventionelle Ideen kommen, griff er zu, als er bei ebay einen Doppelrumpf entdeckte. Ein Rohbau in Wabenstruktur, rund zehn Meter lang für günstige 5000 Euro, ein Zehntel des üblichen Preises. Das Schwimmding aus Rostock sollte die Basis für die Erfüllung seines Traums werden.

Aber dieser Ponton war nicht nur nackt, sondern musste auch Richtung Wedel. Mit zwei Langschaft-Außenbordern tuckerte er über Rostock, Kühlungsborn, Wismar, Travemünde, durch den Elbe-Lübeck-Kanal zur Elbe. Frank Steffgen ließ sich dabei weder von abgerissenen Motorhalterungen, skeptischen Wasser- und Schifffahrtsamt-Mitarbeitern und noch von der Wasserschutzpolizei aus der Ruhe bringen. Das "Ding" war versichert und registriert und durfte fahren - egal, wie es auch aussah. Und bei der nachdrücklich gewünschten Registrierung unterwegs in Lübeck entstand auch der Name "Kon-Tiki" in Anlehnung an das legendäre Floß des Forschers Thor Heyerdahl.

Es war 2013, als Frank Steffgen im Hamburger Yachthafen ankam. Nico Bilzinger und sein Team von Wrede Bootstransporte brachten das gute Stück dann in eine Halle, wo es die nächsten Jahre in ein Hausboot verwandelt werden sollte.

Frank Steffgen errichtete ein Holzständerwerk, füllte die Lücken mit  Styrodur-Platten und laminierte alles zusammen. Er baute Fenster ein - und nahm sie wieder heraus, weil sie undicht waren. Er baute noch mal Fenster ein, zog Zwischenwände, baute Kojen und eine biologische Kläranlage in den "Keller", in einen der beiden Schwimmkörper. Es kamen Schränke hinein und eine Küche mit Spülmaschine, Dampfgarer und Espressomaschine (Frank Steffgen: "Unverzichtbar!"). Es folgten ein dänischer Holzofen, ein Beamer mit einrollbarer Leinwand und was man sonst noch so für ein gechilltes Leben braucht.

Für das alles brauchte Frank Steffgen Jahre, und zwar neun. Es wäre vielleicht schneller gegangen, doch zwischendurch wollte der Ingenieur erst mal ein Sabbat-Jahr machen und mit Frau und Baby die Seewelt genießen - auf anderen Booten selbstverständlich.

Aber jetzt endlich ist die "Kon-Tiki" so weit hergerichtet, dass sie ins Wasser konnte. Gut, ein paar "Kleinigkeiten" wie eine Photovoltaikanlage und eine Regenwasser-Auffanganlage fehlen noch, aber das kann man auch im Wasser machen.

So kam wieder Nico Bilzinger zum Einsatz. Jedoch: So einfach ohne Hilfe nur mit hydraulischen Pressen war das Hausboot jetzt nicht mehr zu bewegen. Es brauchte einen Telekran. Und das war dann der Moment, wo es mit den gehässigen Wetten losging...

Aber alles ging ja gut. Mit Polizeibegleitung wurde die "Kon-Tiki" zum Tonnenhafen gebracht und dort in die Elbe gekrant. Die Skeptiker hatten ihre Wette verloren und werden jetzt einiges an Bier-Schulden bezahlen.

Das nächste Ziel ist die Bille. Dort bekommt die "Kon-Tiki" einen Liegeplatz. Frank Steffgen jedoch wird dort erst einmal nicht einziehen können. "Für die nächsten Jahre hat sich mein Sohn das Boot als Studentenbude gesichert", sagte er, "aber das wird wohl das letzte Hindernis zu meinem Leben auf dem Wasser sein." (Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 7.5.2022)

 

Letzte Änderung: 09.05.2022

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