DLRG Wedel: 80 Jahre und kein bisschen greise

Wedeler Lebensretter haben ereignisreiche Jahrzehnte absolviert - am Sonnabend großes Sommerfest im Strandbad

in Elbe Maritimes, Leben in Wedel, Top-News

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Auf Patrouille mit der Königin: Das DLRG-Rettungsboot "Klaar Kimming" und die "Queen Mary 2" - die schönen Momente mit der…
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...dramatische Stunden am Strom bei der Sturmflut 1976: DLRG-Helfer im Einsatz.
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Und so sahen die Einsatzfahrzeige zu Beginn aus: Muskel- statt Motorkraft.
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Eine Zeitenwende: Der letzte DLRG-Übungsabend im alten Hallenbad, zu dessen Bau der Verein selbst einen Zuschuss nach Kräften…
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Die Alten erinnern sich noch mit Ehrfurcht: Wenn es um die Interessen "seiner" DLRG ging, war der einstige Vorsitzende…
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Wachdienst am Strandbad in alter Zeit - aber auch heutzutage haben DLRG-Schwimmer in der Sommersaison Wochenende für…
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Typischer Einsatz: Das Boot eines Wassersportlers ist leck geschlagen, droht zu sinken - DLRG-Retter sichern es vor dem…
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Der Übungs-Klassiker: Abschleppen der Puppe. Jahr für Jahr finden in der BADEBUCHT DLRG-Vergleichswettkämpfe um den…
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Auch ein Einsatzfahrzeug: Das Luftkissenboot leistet im Sommer insbesondere in flachen Gewässern und im Winter auf…
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Die Zukunft: Das Jugendeinsatzteam (JET). Jugendliche erleben hier spannende Stunden, lernen in lockerer Atmosphäre viele…

Kinder, wie die Zeit vergeht! Sage und schreibe 80 Jahre ist die DLRG Wedel alt geworden - ein kleiner Blick zurück in die teils turbulente Geschichte: Die Gruppe wurde im Juni 1936 gegründet. Der genaue Tag ist leider nicht bekannt, da durch die große Sturmflut 1962 alle Dokumente des Vereins vernichtet wurden. Dreiundzwanzig Jahre nach der Gründung der DLRG in Deutschland begann damit auch in Wedel die Zeit der Aufklärung und Prävention rund um das Element Wasser.

Der damalige Schulrektor der Altstadtschule, Arnold Hufe, gründete gemeinsam mit Julius Tobies, Otto Mühlfrenzl und Friedrich Aschmotat die Ortsgruppe Wedel im DLRG Bezirk Altona. Ziel war es, den Wedeler Bürgern das Schwimmen zu lehren und für die Sicherheit im Strandbad zu sorgen.

Damals gab es bereits das Strandbad und dabei handelte sich damals um das einzige Schwimmbad in Wedel Ausgestattet mit Wasserrutsche, Liegewiese und Gaststätte wurde die Gründung der DLRG Wedel mit einem großen Volksfest im Strandbad gefeiert.

Im Rahmen der Hamburger Gebietsreform wurden Altona und die Elbvororte vom Kreis Pinneberg getrennt und zum 1.Januar 1938 Hamburg angegliedert. Aufgrund der bereits damaligen strategischen Bedeutung der DLRG in Wedel, beschlossen die Landesverbände Hamburg und Schleswig-Holstein, die Ortsgruppe Wedel in einen Stadtbezirk umzuwandeln. Wie die meisten Vereine und Organisationen, erlebte auch die DLRG Wedel das dunkle Kapitel des zweiten Weltkrieges durch ein Verbot ihrer Arbeit. Die Arbeit kam vollständig zum Erliegen.

Drei Jahre nach Kriegsende, im Herbst 1948, erlaubten die Siegermächte wieder ein Vereinsleben in Deutschland und so begann auch das damalige Gründungsmitglied Julius Tobies, gemeinsam mit dem späteren Rektor der Theodor Storm Schule, Wilhelm Lucas und Heinz Kuhn, die DLRG Wedel wieder aufzubauen. Die Mitglieder der ersten Stunde sowie Flüchtlinge aus dem Osten ließen die Arbeit wieder aufleben.

Bereits ein Jahr später wurde mit dem Wachdienst an der Elbe, dem Grundstein für den heutigen Rettungsdienst auf dem Wasser, begonnen. Auf acht Kilometer Uferlänge sorgten die Rettungsschwimmer freiwillig für die Sicherheit und nahmen den Schwimmausbildungsbetrieb im Strandbad auf.  Das Schwimmen in der Elbe war damals selbstverständlich.

Jährlicher Höhepunkt in dieser Zeit war das Elbeschwimmen, zu dem Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland kamen und zwischen Zuckerspeicher und Strandbad um die Wette schwammen. Dieser Wettkampf fand seine spätere Fortsetzung im Rolandpokal.

1954 wurde im Strandbad die erste feste Wachstation errichtet und mit dem Ruderboot „Fritz“ das erste Rettungsboot in Dienst gestellt. Als 1960 infolge der massiven Elbverschmutzung der Bade- und Ausbildungsbetrieb in der Elbe eingestellt werden musste, wurden von Seiten der DLRG Wedel und der Bevölkerung die Forderungen nach einem Hallenbad laut. Die Schwimmausbildung musste ins Freibad Bad Marienhöhe in Blankenese und das Bismarckbad in Altona verlegt werden, was sinkende Mitgliederzahlen zur Folge hatte.

Die große Sturmflut 1962 zerstörte die Rettungswache, das Boot und fast alle Dokumente und Einsatzgeräte. Die Arbeit musste erneut von vorne beginnen. 

Um den Ernst der Forderung nach einem Hallenbad in Wedel zu unterstreichen, wurde ein Kuratorium gegründet, dem auch die DLRG Wedel angehörte. Das Kuratorium unterstützte nicht nur ideologisch, sondern auch finanziell. So beteiligte sich die DLRG Wedel am Bau eines Hallenbades mit  1.000 Mark was einem Drittel des Vereinsvermögens entsprach! Der Bau konnte endlich beginnen.

 Die Sportschifffahrt auf der Elbe gewann immer mehr Freunde, so dass die Notwendigkeit des Wasserrettungsdienstes weiter Bestand hatte. Die gestiegenen Anforderungen an die Retter führten zur Anschaffung des ersten Motorrettungsbootes: „Hein Schuss“, benannt nach dem Spitznamen des damaligen Bademeisters im Strandbad: Sigfrid Martini. Im Juli 1967 konnte der Neubau einer Rettungswache in Dienst genommen werden und die schmerzhafte Lücke der Sturmflut schließen.

Mit der Eröffnung des Wedeler Hallenbades im Jahr 1969, begann für die DLRG Wedel ein großer Aufschwung! Endlich konnte die Schwimmausbildung wieder vor Ort geleistet werden. Die Mitgliederzahlen verdoppelten sich.  Die Eröffnung des Hallenbades war auch die Geburtsstunde des Rolandpokals, ganz im Zeichen des Wahrzeichens unserer Stadt und der sportlichen Verbundenheit der DLRG. Bis wird dieser Traditionswettkampf in Wedel ausgetragen und lockt Rettungsschwimmer aus ganz Deutschland, Holland, Schweden und England an.

Mit der „Stadt Wedel“ konnte 1973 ein neues, leistungsfähiges Motorrettungsboot durch den damaligen Bürgermeister Dr. Klaus Hörnig in Dienst gestellt werden. Im Jahr 1975 konnte die DLRG Wedel erstmals einen eigenen Schulungsraum einweihen. Er befand sich im Hallensportzentrum an der Rudolf-Breitscheid-Straße.

Bei der schweren Sturmflut 1976 verlor die DLRG Wedel erneut fast alles. Trotz des eigenen Schicksals konnten die Rettungskräfte der DLRG aber ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. 67 Menschen werden von den freiwilligen Helfern, teilweise unter Einsatz des eigenen Lebens aus den Fluten und zusammengebrochenen Häusern gerettet.

Da der zunehmende Schiffsverkehr auf der Elbe immer größere und leistungsfähigere Rettungsmittel erforderlich machte, wurde 1981 durch Finanzierung der Stadt und dem Kreis Pinneberg das neue Motorrettungsboot „Hol di Stief“ in Dienst genommen und sorgt bis heute für die Sicherheit auf der Elbe.

Die Eröffnung des Wedeler Freizeitbades 1983 war die Geburtsstunde einer bis heute andauernden Partnerschaft mit den Stadtwerken Wedel. Seit der Eröffnung unterstützen Rettungsschwimmer bei der Wasseraufsicht. "Wir trainieren in der BADEBUCHT und veranstalten dort auch unseren Rolandpokal. Wir bedanken uns herzlich für die langjährige Zusammenarbeit", so DLRG-Vorsitzender Jochen Möller.  

 Seit 1988 beteiligt sich die DLRG Wedel mit anderen Ostvereinen aus Hamburg und Niedersachsen an der neu gegründeten Drei-Länder-Elbe-Kommission. Ziel war und ist die gemeinschaftliche Koordination des gesamten Wasserrettungsdienstes auf der Unterelbe. Bereits 1989 fand diese Arbeit beim Einsatz anlässlich der Sail und dem 800. Hafengeburtstag Ihre Feuertaufe. Alleine in Wedel waren über 80 Einsatzkräfte mit Rettungsbooten vor Ort.

 Mit der Entlassung der DLRG Wedel in die Selbstständigkeit als eingetragener Verein und damit Unabhängigkeit, begann 1994 ein weiteres bedeutendes Kapitel. Gleichzeitig endete die Ära des langjährigen Bezirksleiters Engelhard Lengen, der mehr als zwei Jahrzehnte erfolgreich die Geschicke in Wedel lenkte.

Ebenfalls in dem Jahr, bauten die Mitglieder die Rettungswache in Eigenregie um ein weiteres Stockwerk aus und legten so den Grundstein für den heutigen professionellen Wasserrettungsdienst auf der Elbe. Neben der besetzten Station an allen Wochenenden im Sommer – bei Tag und Nacht – stellt die DLRG Wedel e.V. eine ganzjährige Einsatzbereitschaft sicher.

Bis heute werden die Helfer der DLRG Wedel bei allen Notlagen auf der Elbe und Binnengewässern über den Notruf 112 alarmiert und verlassen dafür häufig auch Ihren Arbeitsplatz. Bürgermeister Niels Schmidt: "Das ist ein Engagement, das Respekt verdient!"

 Um für diese ständige Einsatzbereitschaft angemessen ausgerüstet zu sein, wurde 1999 das heutige Motorrettungsboot „Klaar Kimming“ in Dienst genommen. Dank maßgeblicher Beteiligung durch die Wedeler Wirtschaft, konnte ein Boot angeschafft werden, welches für eine Vielzahl von Unglücksfällen auf der Elbe gerüstet ist.

Mit der Jahrtausendwende konnten die Helfer endlich ein neues Vereinszentrum in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kreisberufsschule beziehen und somit allen Mitgliedern eine feste Anlaufstelle gegeben. An diesem Standort finden bis heute die Ausbildung und die Jugendarbeit statt.

Wenig später wurde auf dem ehemaligen Secumar-Gelände in Wedel das Gerätehaus eingerichtet. Die Erfolgsgeschichte der DLRG Wedel wurde 2003 mit dem Nivea-Delphin-Förderpreis für vorbildliche Vereinsarbeit und Nachwuchsförderung gewürdigt.

Mit dem seit 2008 bestehenden Jugendeinsatzteam (JET) als fester Bestandteil der Organisation, wurde frühzeitig in die Nachwuchsförderung investiert. Jugendliche im Alter von 10 bis 16 Jahren werden in regelmäßigen Diensten zu engagierten, kompetenten und teamfähigen Helfern ausgebildet. Anschließend wechseln viele von ihnen in den aktiven Dienst der DLRG.

2011 konnte die DLRG Wedel gemeinsam mit anderen Ortsgruppen im Kreis Pinneberg Geschichte schreiben. Mit der Anerkennung eines Wasserrettungszuges im Kreis Pinneberg, bildet die DLRG erstmals in Schleswig-Holstein eine öffentlich anerkannte Katastrophenschutzeinheit und stellt damit die Weichen für die Aufnahme der Wasserrettung im Katastrophenschutz in Schleswig-Holstein. Der Leistungsfähigkeit und dem Engagement wird damit landesweit Rechnung getragen.

Seit 2013 wird die Arbeit der Lebensretter regelmäßig durch den Einsatz eines Bundesfreiwilligen unterstützt. Die DLRG Wedel e.V. verfügt heute über 470 Mitglieder und kann sich über konstante Mitgliederzahlen freuen. Trotz ihres achtzigjährigen Bestehens ist die DLRG Wedel eine junggebliebene Organisation, die Hilfsorganisation, Sportverein und Jugendverband unter einem Dach vereint.

Ein Verein, der für Menschen jeden Alters attraktiv ist und jedem ein Betätigungsfeld bietet. Die Helfer der DLRG Wedel arbeiten ausschließlich ehrenamtlich und sind mit großem Engagement dabei. Ihre Arbeit finanziert die DLRG durch Spenden, Mitgliedsbeiträge und öffentliche Zuschüsse. Wer die Arbeit der DLRG Wedel finanzielle unterstützen möchte, kann dies durch eine Spende auf das Konto 6408 bei der Stadtsparkasse Wedel machen.

Wer tatkräftig mit anpacken will, ist herzlich willkommen. Weitere Informationen gibt es unter www.dlrg-wedel.de.  (DLRG, 15.9.2016)

 

Mit freundlicher Unterstützung von