Herzlichen Glückwunsch: Lühe-Schulau-Fähre ist 100!

Seit 1918 verbindet diese ganz besondere Unternehmen Wedel-Schulau mit dem Alten Land und erlebte eine wechselvolle Geschichte - Open Ship am 29. Juni und beim Hafenfest am 30 Juni

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Die „Lühe-Schulau I“ war ab 1919 im zwischen Schulau und Lühe im Einsatz. Foto: Archiv
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Die Vorgängerin: "Dat Ole Land" am alten Anleger im Schulauer Hafen - jetzt fährt sie als Ausflugsschiff zu den Robbenbänken…
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Lange Jahre der Mann am Ruder: Kapitän Thorlef Hoffmann.
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Die neue "Dat Ole Land II" - sie pendelt zuverlässig zwischen dem Anleger Willkomm Höft und Lühe.
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Heute gehören Jörg Olbrich und...
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...Werner Müller zum natutischen Führungspersonal.

Wenn es sie nicht gäbe - man müsste sie erfinden! Die Lühe-Schulau-Fähre - sie ist schnödes Transportmittel auf dem Weg zur Arbeit für die einen und sie ist ein wundervoller kleiner Kreuzfahrer für die anderen, bei schönem Wetter der Eingang in die wundervolle Wasserwelt der Elbe, unverzichtbarer Spediteur für Fahrräder zu Touren durch das Obst-Paradies. Zeit zum Gucken, Zeit zum Herunterkommen - einige Momente Urlaub. Aber früher war das etwas anders. Da war sie wichtige Unterstützung für die Wirtschaft. Alles begann vor genau 100 Jahren - und die Vorgänger gab es schon im Mittelalter.

Die Geschichte der Altländer Fähren reicht weit zurück in die Vergangenheit. Das versunkene „Urenfleth“ , später Cranz an der Este, hatte die vermutlich älteste Fährstation im Alten Land. Im 14. Jahrhundert wurden bei Urenfleth der Erzbischof von Bremen und der Erzabt von Harsefeld nach Hamburg übergesetzt.
1301 wird die Fähre nach Blankenese erwähnt, als Graf Adolf VI. von Holstein die Fähre zu Blankenese dem Ritter Hermann von Raboisen verkauft. Auch eine Fährstation an der Lühe bestand, ebenso an der Schwinge nach Stade. Das Privileg kam nach altem germanischen Recht ausschließlich der jeweiligen Landesherrschaft zu. Die Fähren verbanden die alten Ochsenwege von Jütland bis in die Niederlande (Wedeler Ochsenmärkte).
Im Jahr 1496 wurden 8000 Ochsen verfrachtet, 1670 waren es 8500. Auf sogenannten „Prämen“ wurden Magerochsen von Wedel nach Cranz, Stade und Lühe gebracht, von dort aus nach Buxtehude und Horneburg, fast der Weg der heutigen Lühe-Schulau-Fähre.

Um 1900 nahm der Bezug von Obstbäumen aus den Baumschulen Schleswig-Holsteins so zu, dass eine gute Transportmöglichkeit über die Elbe erforderlich wurde. Außerdem war für die hier ansässigen Lotsen eine Verbindung auf die andere Elbseite notwendig geworden. Dies führte zur Gründung der Lühe-Schulau-Fähre GmbH am 25.März 1918. Das erste Schiff, die Holzbarkasse „Cecilia“ aus Vegesack, wurde bei der Überführung zur Elbe vor Stadersand vom Schlepper „Vorwärts“ gerammt und versank. Sie konnte jedoch gehoben , repariert, mit einem Benzinmotor ausgerüstet und am 1. Juni 1919 als „Lühe“ wieder in Betrieb genommen werden. Am 22. Mai 1919 wurde der Fährbetrieb mit der Hafenbarkasse „ Lühe-Schulau I“ aufgenommen. Sie verkehrte zweimal täglich zwischen Lühe und Schulau. 1922 wurde in Warnemünde ein zweites Schiff gekauft, das den Namen „Schulau“ erhielt.

Bald waren diese Schiffe für den Fährverkehr zu klein. 1927 wurde die „Lühe“, bei der Stader Schiffswerft gebaut, in Betrieb genommen. 1959 um vier Meter verlängert, fuhr sie bis 1989. 1935 wurde bei der Schiffswerft D.H.Kremer die „Schulau“ gebaut. 1957 erhielt die „Schulau“ das erste Radargerät. Sie fuhr bis zum Herbst 1991 für die Lühe-Schulau-Fähre.
1989 stellte man das Fährschiff „Dat Ole Land“ in Dienst, 1992 die „Schulau“. Beide Schiffe wurden auf der Schiffswerft Menzer in Hamburg-Bergedorf gebaut (Scania Hauptmaschine, 12 kn schnell). Die alten Fährschiffe „Lühe“ und „Schulau“ wurden verkauft. Durch den drastischen Rückgang der täglichen Pendler, denn viele Firmen zogen sich aus Wedel zurück, entschlossen sich die Gesellschafter 2001, die „ Schulau“ an die Reederei Kipp, Breege/Rügen, zu verkaufen. 

2010 entschieden sich die Gesellschafter (Landkreis Stade, Hansestadt Stade, Stadt Wedel, Samtgemeinde Lühe, Gemeinde Jork) das bestehende Fährschiff "DAT OLE LAND" durch einen Neubau zu ersetzen. Am 17.08.2010 wurde er bei der Schiffswerft Bolle in Neuderben in Auftrag gegeben. „DAT OLE LAND“ fuhr zwischen Lühe und Schulau bis zum 31.12.2011, wurde dann an die Fluss-und Hafentouristik GmbH Carstensen, Cuxhaven, verkauft.

Am 29.02.2012 übernahm die LSF das neue Fährschiff "DAT OLE LAND II" von der Schiffswerft Bolle und nahm nach einigen Tagen Probefahrten auf der Elbe am 5. März 2012 den Liniendienst auf.  Die neue Fähre quert seitdem jährlich ca. 4.500 mal die Elbe und bringt so über 80.000 Fahrgäste ans Ziel. Dafür sorgen die vier Kapitäne Jörg Olbrich, Werner Müller, Edgar Baumgarten und Karl-Herrmann Funck.

Open Ship in Lühe und Wedel

Frei nach Loriot formuliert Dieter Napiwotzki, ein Kenner der Elbschifffahrt und großer Freund der Lühe-Schulau-Fähre: „Ein Leben an der Elbe ohne Fähre ist möglich, aber sinnlos!“ so frei nach Loriot

In diesem Jahr wird die Gesellschaft 100 Jahre alt ­­- das wird ordentlich gefeiert!

Am Freitag, 29. Juni, von 20 bis 22.30 Uhr kann die Fähre am Lüheanleger besichtigt werden. Auch Brücke, Maschinenraum und „Keller“ werden interessierten Besuchern gezeigt. Selbstverständlich mit Musik und Grillwurst. Der Verkaufserlös für die Grillwurst wird von der LSF GmbH dem DLRG gespendet. Getränke können im Kiosk „Wellenreiter“ auf dem Anleger gekauft werden.

Am Sonnabend, 30. Juni, fährt das Schiff zu  um 19:30 Uhr zum Wedeler Hafenfest. Dort gibt es Musik und jede Menge Unterhaltung. Für das leibliche Wohl sind Buden und Verkaufsstände rund um den Hafen aufgebaut. Wer Lust hat, ist eingeladen mit über die Elbe zu fahren. Zurück nach Lühe geht es um 23 Uhr ab Willkommhöft in Wedel. Die Sonderfahrt ist kostenlos.

In Wedel sind die Schotten (für Landratten: Das sind Türen auf Schiffen) am 30.Juni dann von 20 bis 22:30 Uhr für die Besichtigung geöffnet. Um 23 Uhr geht’s dann wieder zurück nach Lühe.

An beiden Tagen erzählt ein „Eigner aus den der Gründungszeit“ den Gästen Dit und Dat über Fähre, Elbe und natürlich auch Apfelbäume. (André-Heinrich Blank /LSF, Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 21.4.2018

 

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