Hintergrund: Elbvertiefung vor Wedel gestartet

Arbeiten sollen 17 Monate dauern und Hamburg wettbewerbsfähig halten. Warnungen vor Folgeschäden.

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Das Hopper-Baggerschiff „Scheldt River“ hat seit Dienstag die Arbeit vor Wedel aufgenommen. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Gemeinsam mit zahlreichen Vertretern aus Hamburger Politik, Verwaltung und Wirtschaft startete Bundesverkehrsminister Andreas…
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Vor dem Ablegen der „MS Hammonia“ zum symbolischen Startsignal für die Baggerarbeiten protestierten BUND, NABU und WWF…
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Auf dem Weg an Bord der „MS Hammonia“ am Wedeler Ponton musste Bundesumweltminister Andreas Scheuer die Protestkundgebung der…
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Die Rubrik „Hintergrund“, will in loser Folge Dokumente und Materialien liefern, um aktuelle Diskussionen und Hintergründe für wichtige Entscheidungen oder Entwicklungen transparenter zu machen.

In der Elbe vor Wedel haben am Dienstag, 23. Juli 2019, die Baggerarbeiten für die Elbvertiefung begonnen. Gemeinsam mit zahlreichen Vertretern aus Hamburger Politik, Verwaltung und Wirtschaft startete Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am Dienstag an Bord der „MS Hammonia“ per symbolischem Knopfdruck die Arbeiten des Hopper-Baggerschiffs „Scheldt River“. Das Projekt soll den Hamburger Hafen international konkurrenzfähig halten.

Begleitet wurde der symbolische Start von Protesten der Umweltschutzverbände BUND, WWF  und NABU zu Lande und zu Wasser. Diese fürchten Verschlechterungen der Flussökologie.

Bei der Fahrinnenanpassung geht es in zwei Schritten um Folgendes:
-      Verbreiterung der Elbe: Zwischen Wedel und der Störmündung wird die Fahrrinne von 300 auf 320 Metern verbreitert. Damit können Schiffe mit einer Schiffsbreite von 92 Metern sicher aneinander vorbeifahren – oder überholen. Zudem wird bei Wedel auf 8 Kilometer Länge die sogenannte Begegnungsbox gebaut. Sie hat eine Breite von 385 Metern und ermöglicht Gegenverkehr von bis zu 4 großen Containerschiffen pro Tide.

-      Vertiefung der Elbe: Die zweite Anpassung ist die Vertiefung der Elbe. Ziel ist es, die Erreichbarkeit des Hafens für Containerschiffe mit einem Tiefgang von 13,50 Meter tideunabhängig und mit 14,50 Meter tideabhängig möglich zu machen.   

Die Baggerarbeiten sollen etwa 17 Monate dauern. Die Umweltschutzverbände kündigten an, ihre Klagen gegen das Projekt weiter fortzusetzen.

Hintergrund:

Auch die Stadt Wedel hatte im Zuge des Genehmigungsverfahrens vor Risiken der Ausbaggerung gewarnt. In der Ratssitzung vom 30. Oktober 2008 hatte der Rat der Stadt Wedel einstimmig folgende Stellungnahme verabschiedet, die hier im Wortlaut wiedergegeben wird:

Zitat:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

die Stadt Wedel gibt im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens zur geplanten Fahrrinnenanpassung folgende Stellungnahme ab:

• Die Verbreiterung der Fahrrinne um 130 Meter zur so genannten Begegnungsbox betrifft nahezu die gesamte Wedeler Uferlinie mit diversen Hafenanlagen. Um bei dem beabsichtigten Begegnungsverkehr erhöhte Schäden durch schiffserzeugte Belastungen zu vermeiden, sollte die Höchstgeschwindigkeit für Schiffe ab 1000 Tonnen maximal 10 kn auf der gesamten Begegnungsstrecke betragen und nach Abschluss der Maßnahme verstärkt kontrolliert werden.

• Durch die geänderte Fahrrinne wird nach den vorliegenden Unterlagen mit einer Zunahme der Sedimentation gerechnet. Dies hat vermutlich auch Auswirkungen auf die Verschlickung der Wedeler Häfen.

Der Antrag (hier Unterlagen Punkt H. 1c) verweist zudem auf eine deutliche Erhöhung der bereits jetzt schon großen Anteile der Unterhaltungsbaggerei für die Wedeler Strecke an der Gesamtstrecke (zur Zeit etwa 20 %, nach Bau der

Begegnungsbox etwa 30 %). Durch diese Arbeiten wird mit einer weiteren Zunahme der Sedimentfracht in die Wedeler Hafenbecken gerechnet. Hinsichtlich der zunehmenden Verschlickung ist der Träger des Vorhabens in die Pflicht zu nehmen. Ein Hinweis auf den Fonds, der im übrigen völlig unzureichend ausgestattet ist, wird als nicht ausreichend angesehen.

• Die beiden stadtnahen und bisher vom Stromausbau nicht oder nur wenig betroffenen Uferabschnitte „Strandbad Wedel“ sowie „östlich Willkommhöft“ sind in der jetzigen Form zu erhalten. Eine „Kanalisierung“ durch Verlängerung der Steinschüttungen wird abgelehnt.

• Bereits in früheren Fahrrinnenvertiefungen ist das Thema Sandabspülungen am Parnass und im Bereich des Strandbades angeführt und in Zusammenhang mit der Maßnahme gebracht worden. Die an diesen Stellen nachweislich verstärkt auftretenden Sandverluste sind vom Vorhabensträger auszugleichen.

• Der Wanderweg-Abschnitt östlich von Willkommhöft (unterhalb des Parnass) wird nachweislich immer häufiger bereits bei normalen Hochwassern überspült. Auch ist die landseitige Stützmauer nach Aussage eines Landschaftsplanungsbüros in ihrer Funktion zusehends beeinträchtigt. Als mögliche Ursache wird das Absacken des Nordufers gesehen mit der Folge, dass dieser Weg höher gelegt werden muss. Hier sind Untersuchungen anzustellen, ob diese Niveauänderungen mit der letzten Fahrrinnenanpassung zusammenhängen und sich mit der nächsten möglicherweise verstärken.

• Zum Nachweis und Sicherung des Anspruchs der Stadt sind die befürchteten Verschlechterungen, besonders in den Wedeler Häfen, in einem Beweissicherungsverfahren zu dokumentieren.

Diese Stellungnahme ersetzt die im Rahmen der ersten Auslegung erfolgte Stellungnahme vom 04.05.2007. In Ergänzung dazu teile ich ihnen mit, dass die Stadt Wedel davon ausgeht, dass ihre Planungen zur Um- und Neugestaltung des Stadthafens Wedels von der Fahrrinnenanpassung nicht betroffen sind. Dies gilt insbesondere für die Pontonanlage, deren Neu- und Ausbau für den Ganzjahresbetrieb beabsichtigt ist. Sollten ihre Vorstellungen mit unseren Planungen nicht konform gehen bitte ich um Benachrichtigung.

Mit freundlichen Grüßen 
Niels Schmidt
Bürgermeister“
    

Zitat Ende

Obwohl diese Stellungnahme inzwischen elf Jahre alt ist, ist sie immer noch aktuell, da sie nicht durch eine andere ersetzt wurde. (24. Juli 2019, Stadt Wedel/Kamin)

Mit freundlicher Unterstützung von