Biber im Schulauer Hafen!

Seltener Besuch in Schulau - Passanten beobachteten den geschützten Nager

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Der Biber -hier ein Exemplar an der Havel- breitet sich auch an der Elbe wieder aus. Foto: Nabu/Karkow
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Der Biber -hier ein Exemplar an der Havel- breitet sich auch an der Elbe wieder aus., Foto: Nabu/Karkow

Joe Lietz traute seinen Augen nicht, als er an einem am späten Nachmittag am Willkomm Höft unterwegs war. Vom Molenkopf der Ostmole des Schulauer Hafens nahm er plötzlich ein lautes Platschen am gegenüberliegenden Ufer wahr. Dort zückte bereits ein anderer Besucher die Kamera. „War das etwa ein Seehund?“. Nein, aber scheinbar ein guter Schwimmer. Das Tier kam an die Ostmole geschwommen und man konnte deutlich erkennen, dass es ein größerer Nager sein musste. Umstehende mutmaßten, dass es wohl ein Nutria oder eine Bisamratte sein müsste. Das Tier schaute neugierig auf und schwamm ganz ruhig um den Molenkopf herum und dann immer dicht am Ufer entlang Richtung Fähranleger. Eine Möwe hat das Tier angegriffen und so erschreckt, dass es nun auch mal in ganzer Länge zu sehen war. Dabei wurde auch der Schwanz sichtbar. Und der war als platte Schaufel erkennbar. Und damit war auch klar, dass es ein Biber sein musste. Auf dem Fähranleger konnte Joe Lietz den Biber dann abpassen und ein Video aufnehmen, dass keinen Zweifel mehr aufkommen lässt. Einige Meter östlich vom Fähranleger hat sich der Biber dann ins Schilf zurückgezogen. Ein Angler auf der kleinen Buhne störte den Biber überhaupt nicht; obwohl dieser nur zwei bis drei Meter entfernt angelte.

„Als ich die  Email mit einem Video von Herrn Lietz öffnete, war ich ich wie vom Donner gerührt", erzählt Marco Sommerfeld vom NABU in Wedel, denn Biber sind in Wedel und Umgebung recht selten. Nurtrias haben in der Region deutlich zugenommen und sind regelmäßig in den Marschen zu finden.

Lange galt der Biber in Hamburg als ausgestorben. Aber seit rund zehn Jahren besiedelt er seine alten Lebensräume an der Elbe und ihrer Nebenflüsse zurück. Ausgehend von einer kleinen Restpopulation in Sachsen-Anhalt hatten die Biber sich beidseitig der Elbe bis nach Geesthacht vorgewagt. Dort aber verändert sich die Hauptelbe. Schifffahrt, Hafenbereiche und vor allem die Tide von über 3,5 Metern erschweren die Ausbreitung in Hamburgs Norden und Westen sowie weiter nach Niedersachen und Schleswig-Holstein.

Meldungen aus diesen Bereichen Deutschlands sind noch sehr selten. Im Jahr 2013 wurde in der Alten Süderelbe in Finkenwerder ein toter Biber geborgen. Im Winter 2015 fällt ein Biber am Ufer der Stör ein paar Bäume. Im letzten Sommer 2019 wurde ein Biber im Finkenwerder Hafen gesichtet. Trotz gründlicher Suche konnten wir sein Revier nicht aufspüren. „Ob es sich bei der erfreulichen Bibersichtung am Willkomm-Höft um dieses Tier handelt, lässt sich nur spekulieren“, erklärt Frederik Landwehr, Biberexperte der Loki Schmidt Stiftung. Es könnte auch ein abgewandertes Jungtier aus einem Hamburger Biberrevier sein, so Landwehr. Im Frühjahr, bevor die nächsten Jungbiber zur Welt kommen, werden die ausgewachsenen Dreijährigen „rausgeschmissen“, um sich ein eigenes Revier und einen Partner zu suchen. Dabei können Biber teils mehrere Kilometer wandern, bis sie ein für sich passendes Revier gefunden haben.

„Ein Biber am Willkomm Höft ist auf jeden Fall eine sehr erfreuliche Nachricht, da das Tier den Hafen unbeschadet durchquert hat. Somit geht die Ausbreitung dieses einst häufig verbreiteten heimischen Wildtieres weiter“ freut sich der Biberexperte Frederik Landwehr.

Biber in Hamburg
Bisher beschränkt sich die Verbreitung des Bibers in Hamburg überwiegend auf die Vier- und Marschlande und Wilhelmsburg. Im Norden und Westen gibt es keine Hinweise. 2019 konnten wir  sieben Biberreviere nachweisen. Somit ist die Ausbreitung des Bibers noch ganz am Anfang und jedes neue Tier wichtig für den Erfolg seiner Rückkehr. (Nabu/20.4.2020)

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