"Fährmannsstein": Elb-Findling hat nun offiziellen Namen

Jury hatte aus 800 Namensvorschlägen ausgewählt.

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Noch fehlt die Bronzefarbe der Buchstaben, die Gravur des Namens selbst ist bereits fertig. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Noch fehlt die Bronzefarbe der Buchstaben, die Gravur des Namens selbst ist bereits fertig. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Die Gravur des Namens erfolgte direkt am Elbstrand. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Die Gravur des Namens erfolgte direkt am Elbstrand. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Die Jury hatte den Siegervorschlag aus mehr als 800 Einsendungen ausgewählt. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Die Jury hatte den Siegervorschlag aus mehr als 800 Einsendungen ausgewählt. Foto: Stadt Wedel/Kamin
Steinmetz Vincent Koberstein brachte die Gravur mit dem Druckluftmeißel an. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Steinmetz Vincent Koberstein brachte die Gravur mit dem Druckluftmeißel an. Foto: Stadt Wedel/Kamin
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Mit Bleistift waren die Buchstaben auf den Stein vorgezeichnet worden. Foto: Stadt Wedel/Kamin

Der 60-Tonnen-Findling am Wedeler Elbstrand, der im Februar aus der Elbe geborgen wurde, trägt nun offiziell den Namen „Fährmannsstein“. Die Mitglieder der Jury, die den Namen aus mehr als 800 eingegangenen Vorschlägen ausgewählt hatte, präsentierte den Namen am Donnerstag, 9. Juli 2020, direkt am Standort des Großfindlings. Die Entscheidung war eine Woche zuvor nach einem intensiven Auswahlprozess gefallen, an deren Ende die Jury sich schließlich einstimmig für „Fährmannsstein“ ausgesprochen hatte. Der Name, so heißt es in der Begründung (siehe weiter unten), „vereint sowohl den Fund- als auch den heutigen Standort in sich und nimmt im übertragenen Sinne gleichzeitig Bezug auf die Herkunft des Steins und ist überdies Symbol für die Offenheit und Toleranz der Hafenstadt Wedel, die von der Lage an der Elbe geprägt wurde.“ Die Wasserstraßen- und Schifffahrts-verwaltung des Bundes (WSV), der der Stein nach der Bergung aus der Elbe weiterhin gehört, hatte der Benennung „Fährmannsstein“ ebenfalls zugestimmt

Bei der Präsentation des Namens wurde zugleich der neue Wedeler Spazier- und Wanderweg „Fährmannsweg“ vorgestellt. Dieser verbindet auf rund acht Kilometern Länge den heutigen Standort des Findlings am Schulauer Fährhaus mit dem Fundort Fährmannssander Watt, und dem mutmaßlichen Startpunkt der mittelalterlichen Ochsenfähren an der Wedeler Au, wo heute das Theaterschiff Batavia liegt. Auf dieser Strecke können Wandernde zahlreiche weitere Stationen Wedeler Stadtgeschichte wie den Schulauer Hafen mit der weltbekannten Schiffsbegrüßungsanlage „Willkomm Höft“, sowie im weiteren Verlauf den Findlingsgarten, den U-Boot-Teich oder die historischen Rist- und Höckner-Wege entdecken. Nach einer kurzen poetischen Annäherung an den durch Raum und Zeit nach Wedel gereisten Findling durch Stadtsprecher Sven Kamin begann Vincent Koberstein vom Wedeler Steinmetzunternehmen Tim Pahl damit, den Namen mit Hammer und Meißel in den Granit zu schlagen. Die Kulturstiftung der Stadtsparkasse Wedel hatte zusammen mit Tim Pahl die Namensgravur finanziell ermöglicht.

Mit der Bildung einer Jury, die möglichst viele Bereiche der Wedeler Stadtgesellschaft abbilden sollte, wollte die Stadt Wedel auch dem großen Interesse von Menschen aus dem gesamten Norddeutschen Raum und darüber hinaus Rechnung tragen, die sich an der Namenssuche durch Einreichung von Vorschlägen beteiligt hatten. Zur fünfköpfigen Jury gehörten neben Stadtpräsident Michael Schernikau, und der Geschäftsführerin von Wedel Marketing, Claudia Reinhard, jeweils eine Vertreterin bzw. ein Vertreter aus dem Wedeler Jugendbeirat (Anton Gotzes), dem Umweltbeirat (Jens Brüggemann) und dem Seniorenbeirat (Maike Harder).

Ende Februar hatte die Stadt Wedel zur Einsendung von Namensvorschlägen aufgerufen. Durch ein großes Medienecho, hatten bis zum Stichtag am 20. März auch zahlreiche Einsender aus dem gesamten Bundesgebiet mögliche Namen eingereicht. Am Ende zählte die Stadt Wedel mehr als 800 Einsendungen per E-Mail, Brief oder Einwurf in eine Sammelbox im Rathausfoyer. Unter den eingesandten Namen fanden sich zahlreiche Verweise und Varianten norddeutscher Volksschauspieler, Figuren aus den Fred-Feuerstein-Comics, oder plattdeutsche Vorschläge wie „Lütter Schietbüttel“. Auch der Name „Alter Schwede“analog zum deutlich größeren Hamburger Pendant war vielfach vorgeschlagen worden. Aber auch einzelne Kreativleistungen wie „Möhrchen“, „Mr. Bombastic“, oder „Nena“ erreichten die Stadt Wedel, konnten sich aber nicht durchsetzen.

Der Ausbruch der Coronapandemie in Deutschland Mitte März hatte bisher jedoch die abschließende Namenskür verzögert. Das Risiko, dass sich Jurymitglieder bei der Namenswahl mit dem Virus anstecken, wäre in jedem Fall unverhältnismäßig gewesen.

Die Benennung des Findlings soll vor allem der Sicherung der Unverwechselbarkeit des Steins dienen, damit er mit diesem Namen zum Beispiel auf Landkarten als Naturdenkmal eingetragen werden kann. Sollten sich im Volksmund auf lange Sicht auch andere Namen als der Gewählte als Spitznamen etablieren, wird die Stadt Wedel das als Ausdruck einer lebendigen Sprachkultur und liebevollen Würdigung des Findlings zu schätzen wissen.

 

Hintergrund Findling am Elbstrand:

Die Bergung des Großfindlings am 19. Februar 2020 hat der Stadt Wedel eine neue Attraktion am Elbstrand beschert. Der 60 Tonnen schwere Riese war im Herbst 2019 bei den Arbeiten zur Elbvertiefung in 16,60 Meter Tiefe vor dem Fährmannssander Watt entdeckt und der Stadt Wedel angeboten worden. Nach Rücksprache mit den zuständigen Gremien hatte die Stadt das Angebot gern angenommen. Da die Solltiefe der Fahrrinnenvertiefung bei 17,30 Meter liegt, konnte der Stein nicht am Grund der Elbe verbleiben.

Die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) ist zwar weiterhin Besitzer des Findlings, stellt ihn aber der Stadt Wedel als Dauerleihgabe zur Verfügung. Sie hatte zugestimmt, dass die Namensfindung von der Stadt Wedel organisiert werden soll.

Der Leiter des Wedeler Stadtmuseums, Holger Junker, der der Ankunft des Findlings am Ufer beiwohnte, schätzt, dass der Findling mit der vorletzten Eiszeit, also etwa in einer Zeit von 300.000 bis 130.000 Jahre vor Christus in die Elbe gelangt sein muss. Vermutlich sei der Stein aus dem skandinavischen Raum als Geschiebe nach Wedel transportiert worden. Damit dürfte der Wedeler Findling genau wie der Alte Schwede in Hamburg zu den ältesten Großfindlingen in Deutschland gehören.

Die Vor- und Frühgeschichte Wedels ist auch Thema in der Sonderausstellung des Stadtmuseums „In einer Zeit vor der Hatzburg“, die, kuratiert vom Archäologen Junker, zum Teil spektakuläre Fundstücke aus dem Bereich Wedel zeigt. Die Ausstellung ist zu sehen vom 26. Juni 2020 bis zum 22. November im Stadtmuseum Wedel –natürlich unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln. Auch der Elbfindling soll mit verschiedenen Aktionen in die Ausstellung eingebunden werden.

 

Begründung der Jury für die Wahl des Namens „Fährmannsstein“

Zu den Hauptkriterien der Jury bei der Auswahl des Namens aus mehr als 800 Einreichungen zählten der Bezug zum Standort und zum Stein selbst.

Der Name „Fährmannsstein“ erfüllt aus Sicht der Jury diese Kriterien in besonderer und besonders vielschichtiger Weise. Er vereint sowohl den Fund- als auch den heutigen Standort in sich und nimmt im übertragenen Sinne gleichzeitig Bezug auf die Herkunft des Steins und ist überdies Symbol für die Offenheit und Toleranz der Hafenstadt Wedel, die von der Lage an der Elbe geprägt wurde.

So wurde der Findling im Herbst 2019 bei den Arbeiten zur Elbvertiefung vor dem als Fährmannsand bezeichneten Areal am westlichen Rand des Wedeler Stadtgebietes gefunden.

Der Name Fährmannssand bezog sich dabei ursprünglich auf eine noch um 1790 in der Elbe gelegenen Insel, die vom damaligen Blankeneser Fährmann gepachtet worden war. Durch die Versandung des Seitenarms der Elbe, der das Eiland vom Ufer getrennt hatte ist die Insel zur Wurt (4,6 m über NN) geworden und gehört zur Wedeler Marsch. Einen Anleger für Fähren gab es in diesem Bereich allerdings nie.

Der heutige Standort des Findlings liegt am Eingang des östlichen Wedeler Strandabschnitts und damit in unmittelbarer Nähe zum weltbekannten Schulauer Fährhaus. Vom dortigen städtischen Ponton verbinden Fähren die Stadt Wedel und das nördliche Elbufer mit dem südlichen Elbufer und dem Hamburger Hafen.

Das Ensemble „Fährmannssand“ in Westen und „Fährmannsstein“ im Osten umfasst zudem die Wedeler Maritime Meile und gibt ihr eine markante räumliche Klammer.

Auch die Form des Elbfindlings findet sich im neuen Namen wieder. In seiner inzwischen liegenden und damit voraussichtlich endgültigen Position erinnert der Findling durchaus auch an ein Boot.

Über den räumlichen Zusammenhang hinaus, nimmt der Name „Fährmannsstein“ Bezug auf die Herkunft des Findlings, die ursprünglich eben nicht in Wedel liegt, sondern nach derzeitigen Vermutungen in Schweden. Der Findling ist also weit gereist – nicht nur durch den Raum, sondern auch durch die Zeit. So wird angenommen, dass der Findling mit der vorletzten Eiszeit, also etwa in einer Zeit von 300.000 bis 130.000 Jahre vor Christus in die Elbe gelangt sein muss.

Als Hafenstadt ist die Stadt Wedel überdies mit ihrem Hafen im Stadtteil Schulau traditionell besonders offen für Begegnungen mit neuen Einflüssen und Kulturen. Wedel war jahrhundertelang als südlicher Endpunkt des Ochsenweges Drehscheibe für den Ochsenhandel aus Dänemark, weil die Tiere quasi aus dem Bereich des Findlingsstandorts auf die südliche Elbseite ausgeschifft wurden. Seefahrt war und ist Austausch. Auch die Schiffsbegrüßungsanlage für Schiffe aus aller Welt am „Willkomm Höft“ am Schulauer Fährhaus, aber auch das Engagement der Stadt und vieler Ehrenamtlicher für die nachhaltige Integration zahlreicher Geflüchteter der vergangenen Jahre stehen direkt in dieser Tradition.

Wedel, Juli 2020

 

 

Text des vorgetragenen Gedichtes

Fährmannsstein

Geboren im Feuer, 
Im Felsen gefangen,
Dann mit dem Eis 
Auf Reisen gegangen. 
Durch Zeiten gereist,
Über Meere und Strände,
Ist Fahrendens Reise 
Jemals am Ende?

Oder jede Station 
Nur ein kurzes Verschnaufen,
Vor dem Weiterrollen, vor dem Weiterlaufen?
Der Weg führt nur vorwärts,
Geht er auch im Kreise,
Niemand bleibt wie zuvor
Am Ende der Reise, 
Auch nicht, wer da nur pendelt,
Zwischen den Ufern der Elbe:
Denn nie war das Ufer,
Bei Rückkehr dasselbe. 

Geh an Land, schau dich um,
Und dann setz Schritt vor Schritt
Alles, was dich der Weg lehrte,
Das nimmst du mit.  

Stich in See, fahr voran,
Fahr gradaus, fahr im Kreise,
Nur zurück geht es niemals,
Darum: Reise weise! 

 

                        (Text: Sven Kamin)

 

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