Invasion in unsere Natur – Gefährdung oder Bereicherung?

Ausstellung der Kreisjägerschaft Pinneberg im Elbmarschenhaus

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Sieht putzig aus, setzt aber bodenbrütenden Vögeln sehr zu: der Marderhund. Foto: Frike/ KJS Pinneberg
Sieht putzig aus, setzt aber bodenbrütenden Vögeln sehr zu: der Marderhund. Foto: Frike/ KJS Pinneberg

Ab Mitte September ist im Elbmarschenhaus in Haseldorf eine neue Sonderausstellung zu sehen. Die Elbmarschenhausgruppe der Kreisjägerschaft Pinneberg greift ein aktuelles, kontrovers diskutiertes Thema auf, das auch besonders für die Wedeler Marsch Bedeutung hat. Die meisten Lebewesen in unserer Natur leben seit Jahrtausenden bei uns und werden einfach als heimisch bezeichnet. Die Tiere und Pflanzen, die das Team der Kreisjägerschaft Pinneberg im Elbmarschenhaus den Besuchern in ihrer Ausstellung  vorstellen möchte, zählen nicht dazu. Sie werden „Neobiota“ genannt und kamen in den letzten Jahrhunderten bis heute aus verschiedenen Ländern und Kontinenten zu uns. Die Wissenschaft hat den Startpunkt der Zählung auf 1492 gesetzt, also dem Jahr der Entdeckung Amerikas durch Columbus, weil damit der Austausch von Waren, Gütern und auch Tieren und Pflanzen zwischen den Kontinenten begann.

In Deutschland konnten sich seit diesem Zeitpunkt etwa 900 Neobiota-Arten dauerhaft etablieren und ausbreiten. „Von alleine“ sind die wenigsten von ihnen gekommen, fast überall hat der Mensch diesen Artenzuwachs beeinflusst, sei es durch Einschleppen mit Schiffstransporten oder mit dem Ballastwasser von Schiffen. Auch der Wunsch nach Bereicherung der Jagd war eine Quelle der Neuzugänge, ein Beispiel ist der Waschbär. Sollten wir nun erfreut sein über diese Zunahme der Artenvielfalt? Auch da ist die Meinung in Expertenkreisen sehr gespalten. Viele neue Arten aus demTierreich (Neozoen) oder Pflanzenreich (Neophyten) machen den heimischen Arten in der Natur Konkurrenz oder haben für uns Menschen negative Auswirkungen, sei es wirtschaftlich, ökologisch oder gesundheitlich.

Aus dem großen Spektrum der invasiven, also für unsere Natur negativen Zuwanderern, seien ein paar genannt, wie die Varroamilben, die für die Bienenvölker tödlich sein können oder der Kartoffelkäfer, der ganze Ernten vernichten kann. Besonders der Marderhund aus Ostasien, den die Besucher in der Ausstellung natürlich als Präparat sehen können, ist heute in der Marsch innerhalb eines Jahrzehnts schon eine Plage geworden und traut sich inzwischen schon bis in die Vorgärten. Für die Jäger gefährdet er zusammen mit anderen Prädatoren den Bestand von Hase, Fasan und Rebhuhn. Auch als Krankheitsüberträger ist er nicht zu unterschätzen.

In den letzten Jahren gab es mit zwei weiteren Tierarten aus Südamerika neue Diskussionen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern um den Schutz solcher Neubürger. Der große Laufvogel Nandu, aus Gehegen in der Nähe von Lübeck entwichen, hat sich in wenigen Jahren zu einer wild lebenden Population von 560 Vögeln entwickelt. Die Bauern sind alles andere als begeistert, da die Nandus merkbare Schäden auf den Ackerkulturen anrichten. Auch ein weiterer Südamerikaner, der Sumpfbiber (Nutria), hat sich nach seiner Reise elbeabwärts seit ein paar Jahren bei uns in der Marsch sehr vermehrt und gefährdet Uferbereiche und Deiche.

Die Besucher der Ausstellung können sich im Elbmarschenhaus in Haseldorf Präparate von Neubürgern aus dem Tierreich oder auf Postern weitere bekannte fremde Arten aus der Tier-, Pflanzen- oder Insektenwelt anschauen. Ein Besuch lohnt sich, da das gezeigte Thema aktuell und brisant ist.

Edelgard Heim, die Leiterin des Elbmarschenhauses in Haseldorf freut sich auf die Ausstellung: „Das Team der Kreisjägerschaft hat wieder ein spannendes Thema aufgegriffen und ich bin mir sicher, dass diese Sonderausstellung wieder ein besonderes Highlight wird.“ Die Ausstellung ist zu sehen vom 16. September bis zum 1. November, coronabedingt bis auf Weiteres nur Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei. Auf eine offizielle Ausstellungseröffnung muss leider verzichtet werden. Sonntags zwischen 11 und 16 Uhr steht eine Jägerin oder ein Jäger zur Verfügung, um Interessierten weitere Informationen zu der Ausstellung mitzugeben. (Elbmarschenhaus, 11.9.2020)

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