Schützen Sie Ihre Pflanzen vor den Eisheiligen

Wedeler Gartenexperten geben Tipps gegen späte Frostschäden

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Rainer Zengel schützt seinen Garten vor den Frösten in der Zeit der Eisheiligen.
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Rainer Zengel schützt seinen Garten vor den Frösten in der Zeit der Eisheiligen.
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Einzelne Blüh- und Gemüsepflanzen im Freien in Töpfen und Kübeln können mit Plastikhauben, Folien und Vlies abgedeckt werden.
Die nicht abgedeckte Heckenkirsche hat unter dem starken Frost im Frühling gelitten.
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Lebt der Trieb des Kalifornischen Flieders noch, dann ist es unter der braunen, abgekratzten Rinde grün.
 Lebt der Trieb des Kalifornischen Flieders noch, dann ist es unter der braunen abgekratzten Rinde grün.
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Der Kirschlorbeer hat unter dem starken Frost im Frühling gelitten.

In der Kolonie des Schrebergarten-Vereins Wedel im Corsland direkt am Klövensteen erwachen mit den ersten wärmenden Sonnenstrahlen die Pflanzen. Sie fangen an zu blühen und sprießen. Rainer Zengel, Mitglied des Vorstandes des Schrebergarten-Vereins, und seine Frau Feliciana erfreuen sich seit 15 Jahren in ihrer grünen Oase an dem alljährlichen Erwachen der Natur im Frühling.

Besonders der Mai, der nicht umsonst als Wonnemonat bezeichnet wird, erweckt auch die Lebensgeister der vielen Pflanzenfreunde. Überall wird gebuddelt, gesät, gepflanzt, gegossen und geharkt. Denn wer später Obst, Gemüse und Kräuter ernten will und sich an den vielen prächtigen Blühern erfreuen möchte, muss rechtzeitig mit der Aussaat und dem Einpflanzen beginnen. Alles wäre so harmonisch, wenn da nicht jedes Jahr ein paar "kalte Gesellen" vom 11. bis 15. Mai die vielen Gärten und Balkone mit ihren Nachtfrösten und kalten Polarwinden aus dem Norden heimsuchen würden. Gemeint sind Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sophie, die Eisheiligen, die auch im Volksmund "gestrenge Herren" genannt werden.

Nach einer alten Bauernregel markieren die Eisheiligen einen Termin im Kalender, an dem es noch zu einem erheblichen Temperatursturz kommen kann. Dabei wurden, wie bei den meisten alten Bauernweisheiten, die Eisheiligen nach heiliggesprochenen katholischen Bischöfen und Märtyrern benannt, an die zufällig genau an diesen Tagen gedacht werden soll.

Der IT-Experte im Ruhestand und seine aus Madrid stammende Ehefrau haben sich für die Gemüseanzucht ein kleines Treibhaus in den Garten gestellt. Es bietet Schutz für empfindliche Pflanzen. "Wenn es aber, wie in diesem Jahr auch schon, selbst im April noch extrem kalt wird, kann man mit einer selbst gebastelten Tontopf-Heizung das Gewächshaus frostfrei halten. Dafür reicht eine einfache Stumpenkerze, die angezündet wird. Dann stülpt man einen umgedrehten einfachen Tontopf ohne Lasur und Farbe mit einem Loch im Boden über die Kerze. Wenn der Tontopf einen größeren Durchmesser hat, können auch zwei oder drei Kerzen reingestellt werden", erklärt der findige Schreber.

Wer kein solches Gewächshaus besitzt, sollte darauf achten, nur robuste Gemüsesorten und Blühpflanzen vor den Eisheiligen auszupflanzen. Zu den robusten Sorten zählen unter anderem, so Feliciana Zengel, "Erbsen, Möhren, Radieschen und Spinat".

Wenn es zu extremen Witterungsverhältnissen und Minusgraden zu den "Eisheiligen" kommen sollte, dann können die Pflanzen auch mit einem Vlies einer Folie oder Kunststoffhütchen, die es in jedem Gartencenter und Baumarkt gibt, in der Nacht abgedeckt werden. Wichtig ist aber, den Kälteschutz nur kurzzeitig zu nutzen und wenn möglich am Morgen wieder zu entfernen, da die wachsenden Pflanzen viel Licht brauchen und sich auch unter den Planen und Plastikhütchen viel Feuchtigkeit sammelt kann und die Luft sich staut. Die gleiche Behandlung sollten auch Pflanzen erfahren, die schon vor Mitte Mai ins Freie können, zum Beispiel Stiefmütterchen, Primeln und Frühblüher wie Maiglöckchen, Ranunkeln, Hyazinthen und Tulpen.

Erst später, nach den Eisheiligen, dürfen nicht winterharte Kräuter wie Basilikum, Schnittlauch oder die Petersilie und beliebte Gewächse wie Oleander, Geranien und Dahlien rausgestellt oder eingepflanzt werden. "Besonders frostempfindlich sind auch Gemüsesorten wie die Gurken, die Paprika, Zucchini und natürlich die Tomaten", erläutert Rainer Zengel.

Beliebte Sträucher wie der Schmetterlingsflieder gehören zu den eher winterfesten Gewächsen, die klirrende Kälte gut vertragen. Jedoch wenn es nach einer milden Temperaturphase, eben auch Mitte Mai, zu Frosteinbrüchen kommt, kann der Flieder, der nicht mit einem Vlies abgedeckt wurde, starke Schäden erleiden.

"Mit einem einfachen Vitalitätstest lässt sich anschließend feststellen, ob der Zierstrauch überlebt hat. Man kann mit einem Messer oder einfach dem Fingernagel die äußere braune Rinde abkratzen. Wenn es darunter noch grün ist, lassen sich die Triebe retten, und die abgestorbenen Zweige sollten runtergeschnitten werden. Dann treibt der Flieder noch einmal aus", stellt der erfahrene Gärtner fest.

Auch wenn der Klimawandel in den vergangenern Jahren insgesamt zu einem Temperaturanstieg geführt hat und die Bauernregeln nur noch eingeschränkt gültig sind, gehören die Eisheiligen noch zu den einschneidenen Weisheiten, die viele Schäden in den Gärten verursachen können. So achten die erfahrenen Wedeler Gartenexperten im Corsland auf die Regel: "Pflanze nie vor der kalten Sophie!" Der Erfolg durch reiche Ernten und prächtiges Wachstum ihrer Pflanzen gibt ihnen recht.  (Wolf-Robert Danehl, kommunikateam 10.05.2021)

 

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