Sylter Eigengewächs lenkt jetzt das Fünf-Städte-Heim

Tischler, Kaufmann und Sanitäter ist neuer Hausleiter des auch von der Stadt Wedel getragenen Jugendheims in Hörnum – leider wegen der Virus-Pandemie noch ohne Gäste

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Mann im blauen Pulli schaut voor dem Fünf-Städte-Heim, roter Backsteinbau, lächeldn in die Kamera.
Der neue Leiter des Fünf-Städte-Heims in Hörnum, Torge Sievers (45) hofft, dass bald wieder Kinderlachen das Leben im Haus…

Seit gut 70 Jahren erleben Jungen und Mädchen Klassenfahrten oder Teile ihrer Ferien im Fünf-Städte-Heim in Hörnum. Sie spielen am Strand mit den Wellen, bis die Schuhe nass sind. Sie lernen auf der Kegelbahn den Umgang mit der Kegelkugel. Sie vergnügen sich im Tischtenniskeller, bis ihnen die Puste ausgeht. So war es seit 1949, so war es auch 2019. Doch dieses Jahr bleibt auf den Gängen des großen Hauses am Rande der Dünen bislang alles still.

 

Wie in allen Schullandheimen in Deutschland hat die Regierung den Betrieb wegen der Virus-Pandemie stillgelegt. „Das ist natürlich traurig“, sagt Torge Sievers. „Ich hatte mir einen fröhlicheren Start erträumt“, sagt der 45-Jährige. Stattdessen ist er oft allein im Heim unterwegs, um dafür zu sorgen, dass die Räume warm und trocken gehalten werden und trotzdem so viel Energie gespart wird wie möglich. Außerdem muss er beständig dafür sorgen, dass genügend Wasser im Umlauf bleibt. „Damit sich keine gefährlichen Bakterien, zum Beispiel Legionellen, bei uns breit machen“, erzählt der frisch gebackene Hausleiter.

 

Torge Sievers ist in Rendsburg geboren, aber auf Sylt aufgewachsen. Sein Vater hatte sich auf der Insel als Tischlermeister selbstständig gemacht. „Wir haben viele Jahre gegenüber dem Heim im Gurtdeel gewohnt. Ich habe es immer geliebt, wenn die Kinder dort herumwuselten, auf dem Sportplatz tobten und in Gruppen über die Insel zogen.“ Klar, dass der Junge damals gern Kontakte zum Fünf-Städte-Heim knüpfte. Eng befreundet war er mit Jan Lüders, dem Sohn des früheren stellvertretenden Heimleiters. Und auch mit den beiden Töchtern des späteren Heimleiters Joachim Buchmann kam Torge Sievers gut aus.

 

„So habe ich das Leben im und am Haus bereits früh kennengelernt. Mein Vater hat auch den einen oder anderen Auftrag im Heim gehabt“, erinnert sich Torge Sievers. Auch er lernte den Beruf des Tischlers, verpflichtete sich danach bei der Bundeswehr und erfüllt dort die Aufgabe als Sanitäter. Anschließend bildete er sich zum Kaufmann im Gesundheitswesen weiter und arbeitete viele Jahre für die evangelisch-lutherische Diakonissenanstalt in Flensburg, wo seit einigen Jahren fast alle Sylterinnen ihre Kinder zur Welt bringen.

 

Torge Sievers übernahm bei der Diako die Dienstplanung des Krankenhauses in der Personalabteilung, war rechte Hand des Chefausbilders und entwickelte die Programme für den Ablauf der Dienste. Diese Talente und noch viel mehr will er nun so schnell wie möglich auch im Fünf-Städte-Heim einbringen. Vorerst beschränkt sich die Personalführung aber fast ausschließlich auf die Betreuung der vier jungen Männer und Frauen, die ihren Bundesfreiwilligendienst in Hörnum ableisten. Gemeinsam hat das Quintett in diesen Wochen viele Zäune abgeräumt und Räume neugestaltet. „Ich wünsche mir ein offenes Haus für unsere Gäste“, sagt Sievers.

 

Dass Torge Sievers bald alle anderen Mitarbeiter aus der Kurzarbeit holen darf und das Team voll loslegen kann, wünschen sich auch Dieter Schipler, Vorsitzender des Fünf-Städte-Vereins, und Reinhold Bauerfeld, Leiter der Geschäftsstelle in Uetersen. Denn die Kosten für das Haus laufen und laufen, während die Einnahmen mindestens bis zu den Sommerferien komplett fehlen. Reinhold Bauerfeld sagt: „Wir benötigen dringend finanzielle Unterstützung von Bund und Land, um das Heim aufrechterhalten zu können. Aber es ist gut, in dieser schwierigen Zeit einen Mann im Haus zu wissen, der handwerklich geschickt und auf der Insel gut vernetzt ist.“

 

 

Aus der Geschichte:

Der Fünf-Städte-Verein ist 1948 in einem ehemaligen Erholungsheim für Luftwaffenoffiziere in Hörnum gegründet worden. Träger sind die Kommunen Wedel, Pinneberg, Elmshorn, Uetersen, Tornesch, Neuendeich und Kellinghusen. Etwa 440.000 Kinder aus Deutschland, Europa und sogar den USA haben seitdem in dem Heim an der Nordsee gelacht, geweint, gespielt und gebastelt, sich verliebt und Freundschaften geschlossen – manchmal fürs Leben.

www.fuenf-staedte-heim.de

www.foerderverein-fuenf-staedte-heim.de

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