Trauer um Günther Wilke

Ein Kämpfer-Herz hat aufgehört zu schlagen: Der Journalist, Antifaschist und Friedensaktivist Günther Wilke starb im Alter von 89 Jahren. Die Trauerfeier ist am Mittwoch, 31. Juli, um 15 Uhr im Bestattungsinstuitut Bade.

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Günther Wilke war ein Mann des Wortes - und als Journalist konnte er sich rasch auch in Unbekanntes einarbeiten. Dies Bild entstand beispielsweise bei einem Vortrag über das Künstlerpaar Amschler.
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Günther Wilke war ein Mann des Wortes - und als Journalist konnte er sich rasch auch in Unbekanntes einarbeiten. Dies Bild…
Ein engagiertes Paar für die Menschlichkeit: Günther und Marianne Wilke traten gemeinsam gegen Nazi-Ideologie an und gaben ihre Erinnerungen an die junge Generation weiter.
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Ein engagiertes Paar für die Menschlichkeit: Günther und Marianne Wilke traten gemeinsam gegen Nazi-Ideologie an und gaben…
In Büchern verewigt: Beispielsweise in den "Beiträgen zu Wedeler Stadtgeschichte" brachte sich Günther Wilke ein - als Autor der Geschichte über Wedels Bürghermeister-Legende Heinrich "Hein" Gau. Seine Mitautoren und Buch-Förderer von links: Dr. Carsten Dürkob, Bürgermeister Niels Schmidt, Stadtarchivarin Anke Rannegger, Dr. Arno Schoeppe und Stadtpräsidentin a.D. Sabine Lüchau.
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In Büchern verewigt: Beispielsweise in den "Beiträgen zu Wedeler Stadtgeschichte" brachte sich Günther Wilke ein - als Autor…
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Mittendrin, statt nur dabei: Günther Wilke im Stiftungsrat der Amschler-Stiftung.

Nein, wirklich nicht, man musste mit Günther Wilke nicht immer einer Meinung sein. Zumindest nicht politisch in den 70er- und 80er-Jahren. Denn damals, als es die DDR noch gab, war er einer von jenen, die den roten Unterdrückungsstaat als das bessere Deutschland empfanden und dessen düstere Seiten zumindest relativierten - aber man konnte so herrlich mit ihm drüber diskutieren! Denn Günther Wilke war nicht nur ein ideologisch gefestigter Kommunist, sondern verfügte über einen gigantischen Wissensschatz sowie ein durch und durch humanistisches Menschenbild und dabei über eine so freundliche Art, dass man ihn einfach mögen musste - trotz diametraler Einstellungen zum "Arbeiter- und Bauern-Staat". Die spannenden Gespräche wird es nicht mehr geben, denn Günther Wilke ist im Alter von 89 Jahren verstorben.

Aber seine politische Positionierung war - wenn nicht zwangsläufig - so doch auf jeden Fall emotional nachvollziehbar: In Hamburg geboren erlebte er als Junge die Grauen des Krieges, in den die Nationalsozialisten das Land gestürzt hatten. "In einem sozialdemokratischen Haushalt aufgewachsen, zog Günther nach 1945 seine Lehren aus der Zeit des Hitlerfaschismus und widmete sich dem Kampf gegen alte und neue Nazis", brachte es Dirk Wilke auf den Punkt, einer seiner drei Söhne. Verstärkt wurde die Abscheu vor Rechtsaußen auch noch durch die Liebe zu seiner Frau Marianne, deren Familie von den Nazis drangsaliert worden war. Gemeinsam wirkten sie viele Jahrzehnte in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten (VVN-BdA), teilten beispielsweise als Zeitzeugen ihre Einnerungen in den Schulen der Region. Die Arbeit in und für die VVN/BdA war politische Herzensangelegenheit.

Günther Wilke, der seine Journalisten-Karriere 1948 startete, handelte demnach konsequent, als er der Meinung war, in West-Deutschland hätten zu viele Strukturen aus dunkler Zeit überdauert und trat der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) bei. Selbst als diese verboten wurde, hielt er ihr die Treue. Er zog gegen die Wiederbewaffung Deutschlands zu Felde. Seit den 50er-Jahren waren Günther und Marianne Wilke deshalb auch in der Friedensbegung aktiv und waren Mitinitiatoren der Ostermarsch-Bewegung in Schleswig-Holstein sowie engagiert in der Bewegung "Kampf dem Atomtod".

Für seine Überzeugungen trat Günther Wilke aufrecht ein, ließ sich nicht knicken und musste sogar dafür ins Gefängnis - in der nahezu hysterisch antikommunistischen Adenauer-Zeit herrschten andere politische Sitten als heutzutage.

Herzblut ließ Günther Wilke nicht allein für die Politik, sondern auch für den Sport - insbesondere fürs Boxen! 1942 erlernte er bei der Sportvereinigung Hamburg den Boxsport, spielte zwar auch Fußball, doch trat schon 1954 nach seinem Umzug dem Wedeler TSV bei und entwickelte sich zu einem der Motoren für glänzende Erfolge der Boxabteilung. Bis ins hohe Alter wirkte er durch seine Tätigkeit im Ältestenrat des TSV mit - und war einer der Ruhepole in manch turbulenten Vereinszeiten. 

Sport war auch eines der Themenfelder, die er bei diversen Blättern in der Region journalistisch bearbeitete. Von der Deutschen Journalistenunion wurde er vor einigen Jahren als einer der dienstältesten und verdientesten Hamburger Journalisten gewürdigt und ausgezeichnet. Denn das Schreiben war eine weitere Leidenschaft von ihm. Auch in mehreren Büchern, zum Beispiel zur Wedeler Stadtgeschichte, oder durch sein Wirken als Stadtchronist für Schenefeld hat sich Günther Wilke verewigt - für sein Engagement für Wedel auf vielen Gebieten erhielt er 2002 als einer der ersten die Wedeler Ehrennadel.

Vielleicht klingt das jetzt für einen Nachruf etwas zu rustikal, aber in einen Satz gebracht, trifft es wohl am besten: Günther Wilke war ein feiner Kerl. Wedel wird ihn vermissen. (Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH, 22.7.2019)

 

 

 

 

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