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Alfred Möller und Dr. Hans Möller-

zwei Brüder und viele Herausforderungen

Dem großen Solisten Hugo Möller folgte ein Duo:  Alfred Möller (geb. 3. August 1910 ) und Dr. Hans Möller (geb. 18. Juni.1912 ) übernahmen nach dem Tod ihres Vaters Hugo die Firma J.D.Möller. Der Nachlass war von den Eheleuten Catharina Elisabeth und Hugo Möller in einem Testament vom April 1953 geregelt worden: Alfred Möller – Ing., übernahm die Technische Leitung und Dr. Hans Möller - Jurist, übernahm die kaufmännische Leitung. Beide waren schon zu Lebzeiten ihres Vaters zu Geschäftsführern bestellt worden, der Übergang von der zweiten auf die dritte Firmengeneration verlief demzufolge problemlos.

Hans Möller
Dr. Hans Möller übernahm nach dem Krieg gemeinsam mit...
...seinem Bruder Alfred die Verantwortung für das Unternehmen

Der damalige Wirtschaftsaufschwung in Deutschland trug zudem zur Stabilisierung der Firma bei. Über die Brillenglasfertigung wurde bald das Gebiet der Augendiagnostik und der Augenheilkunde bearbeitet. Neuartige Brillenbestimmungsgeräte und Augenmessplätze wurden entwickelt und in größeren Stückzahlen gebaut. Dies erfolgte in enger Zusammenarbeit mit namhaften Wissenschaftlern, wie Prof. Dr. Schober und Prof. Dr. Reiner.

Auch in weiteren medizinischen Bereichen war man tätig. So wurden in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Hinselmann Kolposkope gebaut und weltweit vertrieben. Kolposkope dienen den Gynäkologen zur Untersuchung des Gebärmutterhalses. Gebärmutterhals–Krebserkrankungen waren damals noch schwer zu diagnostitieren, die Geräte von Möller waren eine große Hilfe. Durch diese Geräte war die Angebotspalette der Fa. J.D. Möller GmbH wesentlich erweitert worden, aber immer noch nicht groß genung um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Ende Oktober 1960 wurden folgende Produktgruppen / Komponenten / Geräte gefertigt:

Zum guten Sehen ► Brillen-, Blendschutz- und Sonnenschutzgläser ► Leucht- und Stirnlupen ► Einschlaglupen und Lesegläser ► Aplanatische Lupen

Zum besseren Sehen in die Ferne die Prismengläser: ► Marox 8 x 32 für Wanderer und Segler ► Noctex 10 x 40 für den Jäger ► Fernax 25 x 56 für Fernbeobachtungen

Zur Tele-Fotografie ► Tele – Kamera CamBinox mit auswechselbaren Objektiven

Zur Augenuntersuchung und Prüfung ► Augenärztliche Lupen ► Brillenbestimmungsgerät Visutest ► Sehzeichenprojektor Jdemvisus ► Kapimeter ► Perimeter ► Akkodometer ► Eidometer ► Keratometer

Möller Luftbild
Das Betriebsgelände von J.D. Möller und Umgebung aus der Luft - ein Bild aus den goldenen Nachkriegszeiten
Jonas
Höchste Qualität ist oberstes Gebot - nach diesem Credo wirkte Ausbildungsmeister Johannes Jonas und prägte Generationen von Lehrlingen. Foto: Stadtmuseum

Zur gynäkologischen Untersuchung ► Kolposkope nach Prof.Dr. Hinselmann mit Fotoeinsatz und Elektronenblitz, sowie UV – und Mikroskopaufsatz

Zum anamorphotischen Breitwandfilm ► Anamorphote zur Aufnahme und Projektion ► Anamorphotische Umkopier- für CinemaScope -Filme Einrichtungen

Zur Vermessungspraxis ► Dreiecks- und Pentagon-Winkelprismen ► Taschengefällmesser ► Prismenkreuze

Zur optischen Messung und Prüfung ► Justiergeräte ► Prüffernrohre ► Kollimatoren ► Goniometer ► Autokollimationsfernrohre ► Taschenspekrometer Zur Herstellung von Instrumenten und Geräten mit optischen Bauteilen ► Prismen ► Linsen ► Planplatten ► Glasspiegel ► Feinteilungen auf Glas ► Teilungen auf Metall ► Maßstäbe ► Mikrometer

Für die Arbeit des Optikers in der Werkstatt ► Brillenglas Bohrmaschinen ► Schleif- und Poliermaschinen ► Optiker Zangen ► Kleinwerkzeuge ► Arbeits- und Maschinentische

Anfang der 1960 er Jahre herrschte in Deutschland Vollbeschäftigung. Bei J.D. Möller waren 580 Mitarbeiter angestellt, verschiedenste Berufszweige, vom Optiker über Feinmechaniker, Werkzeugmacher, Schlosser bis hin zum Kaufmann, alles war vertreten. An Nachwuchs mangelte es Dank der hervorragenden Lehrlingsausbildung nicht.

Dennoch brachte diese wirtschaftlich so starke Zeit für Möller Probleme mit sich. Die qualitativ hochwertigen Erzeugnisse standen oft Billigprodukten gegenüber und diese Billigprodukte ließen den Absatzmarkt stagnieren. Davon betroffen war vor allem die Fernglasproduktion.

Japanische Firmen überschwemmten den europäischen Markt mit ihren Ferngläsern billigster Bauart. Es wurden fast nur noch Kunststoffgehäuse anstelle der teureren Metallgehäuse verwendet. Selbst Linsen und andere optische Komponeneten wurden als Presslinge aus transparentem Kunststoff hergestellt. Dies entsprach nicht den selbstgesteckten Qualitätszielen der Firma Möller, die fernöstlichen Geräte aber waren leichter und vor allen Dingen wesentlich billiger. Dieser Konkurrenzkampf war – nicht nur für Möller – nicht durchzustehen. Und so entschloss sich die Firma Möller 1964, die Fernglasproduktion einzustellen.

Möller brillen
Die Brillenglasfertigung mit Lagerbeständen, Einrichtungen, Unterlagen und Maschinen wurde an Fa. Bausch und Lomb GmbH – Frankfurt /Main verkauft.

Ein weiteres Produkt, die Kamera CamBinox, von Möller mit großem technischen Aufwand und erheblichen Kosten entwickelt, war betriebswirtschaftlich ein Flop. Die Produktion der CamBinox mußte nach kurzer Zeit eingestellt werden. Dies war finanziell ein herber Verlust, Entwicklungs- und Vermarktungskosten waren teilweise durch den Verkauf von Immobilien aufgebracht worden. Diese Verluste konnten durch den immer stärker ansteigenden Absatz von augendiagnostischen Geräten einigermaßen kompensiert werden. Positiv im wirtschaftlichen Sinn wirkten sich nun auch militärische Aufträge, die wieder eingingen, aus.

Aber schon in 1967 mussten wieder Produktionslinien aus Rentabilitätsgründen geschlossen werden.

chrirug einheit

Dieser schmerzliche Schritt führte vorübergehend zur wirtschaftlichen Beruhigung der Firma Möller. Die Ausrichtung in die Medizintechnik wurde forciert und hier speziell der Bereich der Mikroskop – Entwicklung, die bald eine tragende Säule wurde.

Auf Anregung der Hamburger Professoren Sautter und Dräger wurde 1966 die Deckeneinheit „ A“ für Augenchirugie mit variablem optischen Fokus entwickelt, die erste deckenmontierte Operationseinheit der Welt. Das Operationsmikroskop und der OP - Tisch wurden mittels eines speziellen OP – Stuhles mit den Füßen gesteuert, um die Hände des Chirugen für die Operation frei zu haben.

Messtechnik
Ein Möller-Messgerät zur Prüfung von Kamera-Optiken im Einsatz.

Heute ist diese Technik in jedem Operationssaal Standard.

Auch in die optische Messtechnik wurde weiter investiert. Entwickelt und in größeren Stückzahlen gebaut wurden Kollimatoren, Autokollimationsfernrohre, Prüffernrohre, Interferenzgeräte und Goniometer. Fremdarbeiten im Bereich der Feinmechanik, der Galvanik, der Vakuumtechnik – hier speziell das Bedampfen von Gläsern und Metallen rundeten das Fertigungsprogramm ab.

Möller Anamorphot

Zum wahren Verkaufsschlager entwickelten sich damals die Anamorphote. Anamorphote sind Vorsatzoptiken für Filmprojektoren, um Cinema- Scope Filme (Breitwandfilme) zeigen zu können. Zu dieser Zeit waren 528 MA bei Möller beschäftigt.

Eine starke Nachfrage nach Augendiagnose- und Brillen- bestimmungsgeräten der Serien IDEMVISUS und VISUTEST waren zu verzeichnen. Komplette Augenmessplätze, bestehend aus der Stuhleinheit mit Idemvisus, Visutest, Tonometer und Spaltlampen wurden hergestellt und vertrieben und ließen in den nächsten Jahren den Umsatz maßgeblich steigen.

Zeitgleich fand die Mikroelektronik in den Möller-Geräten immer mehr Anwendung; sie wurden in Form, Gestaltung und Handhabung immer moderner und dem sich rasch wandelnden Markt angepasst.

Hinzu kamen für die Firma J.D.Möller GmbH militärische Aufträge; die gesamte deutsche Wirtschaft partizipierte damals wirtschaftlich von diesen Aufträgen.


Möller Fjodorow
Russische Augenärzte operierten mit Möller-Geräten quasi "wie am Fließband".

Die wirtschaftliche Lage der Firma war zum damaligen Zeitpunkt nach wie vor sehr angespannt. Um Liquidität zu bekommen, entschloss sich die Firmenleitung Ende der 1970 er Jahre eine große Fläche des Firmengeländes am Rosengarten an eine Münchener Imobiliengesellschaft zu verkaufen. Heute befindet sich dort das „Einkaufszentrum Rosengarten“.

Die Leistungsfähigkeit auf dem Gebiet der Präzisionsoptik konnte JDM 1980 / 1981 erneut unter Beweis stellen. In China und in Russland wurden in Zusammenarbeit mit der Firma Balzers / Ch zwei Fabriken für die Herstellung von planparallelen Glasplatten höchster Präzision aufgebaut. Diese Glasplatten wurden als Grundlage für integrierte Schaltkreise und für die Mikroelektronik benötigt. 440 Mitarbeiter waren zu dieser Zeit bei Möller beschäftigt.

Diese Möller-Ära endete am 18. Dezember 1982. Es war der Tag, an dem Dr. Hans Möller starb. Der langjährige Geschäftsführer und in den 1970er Jahren langjähriger Präsident des Deutschen Industrieverbandes Feinmechanik und Optik ( F+O ), bis 1969 Präsident der europäischen Vereinigung F+O (Euron), Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland,  war bis zum letzten Tag in der Firma tätig gewesen. Sein Bruder, der inzwischen ausgeschiedene Geschäftsführer Alfred Möller, starb am 7. September 1995 - es kam die Zeit der vierten Generation. (Rudolf de Wall und Klaus Möller, 25.7.2014) 

Teil 1 der Serie: Johann Diedrich Möller - der Begründer des Industriezeitalters in Wedel

Teil 2 der Serie: Hugo Möller - visionärer Unternehmer und Weltreisender

 

 

Der Autor Rudolf de Wall

Rudolf die Wall ist Physiker und arbeitete in seiner aktiven Zeit als Entwicklungsleiter bei einem Kunden von Möller Wedel. Die Firma und ihre Persönlichkeiten faszinierten ihn derart, dass er nach seinem Eintritt in den Ruhestand begann, sich mit der Unternehmensgeschichte zu beschäftigen. Er gehört zu einer Gruppe von engagierten Forschern, die die technische Sammlung Möller Technicon betreuen und weiterentwickeln. Exklusiv für wedel.de hat er die Geschichte nachgezeichnet. Unterstützt wurde er von vielen auskunftsfreudigen Zeitzeugen: Rudof de Wall: "Ich möchte an dieser Stelle Herrn Klaus Möller für die wertvollen Hinweise und Korrekturen zu dieser Firmengeschichte danken."


Rudolf de Wall
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