Die Photovoltaik-Problematik

Klimaschutzfonfs-Vorsitzender Michael Koehn erläutert die Konsequezen der aktuellen Gesetzgebung für Wedel

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Klimaschutzfonds-Vorsitzender Michael Kohen befürchtet drastische Einnahmeverluste.
Klimaschutzfonds-Vorsitzender Michael Kohen befürchtet drastische Einnahmeverluste.

Dieses Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu, 2021 lässt Hoffnung aufkeimen, dass es besser wird. Unsere Hoffnungen fokussieren sich auf Impfungen.

Wenn wir alle etwas gelernt haben, dann, was „Zoonosen“ sind - Viren, die vom Tier auf den Menschen überspringen. Auch deshalb, weil wir Menschen zu rücksichtslos mit Natur und Umwelt umgehen! Der Klimaschutzfonds versucht seit seiner Gründung vor fast 25 Jahren, die
Menschen in Wedel zum Nachdenken zu bringen: Über unser Verhalten dem Klima und den natürlichen Ressourcen gegenüber, über die Folgen unseres Handelns und über Alternativen. Dazu fördern wir immer wieder kleine und große Projekte an den Schulen, wir stellen den Wedeler Bürgern umfangreiche Medien in der Bücherei zur Verfügung. Oder wir organisieren Veranstaltungen wie die Wedeler Energietage und
die UmweltWoche Wedel, die eigentlich in diesem Jahr hätte stattfinden sollen.

All diese Aktivitäten finanzieren wir einerseits durch die Beiträge unserer Mitglieder, hauptsächlich aber mit den Erträgen der Solaranlage auf dem Dach unseres Rathauses. Leider werden diese ab dem kommenden Jahr extrem schrumpfen. Die „Reform“ des EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) verhindert (fast) den Weiterbetrieb alter Anlagen – wie der des Klimaschutzfonds! Und sie reduziert die daraus resultierenden Einnahmen langfristig wohl um ca. 95 Prozent.

Dabei fing es so gut an: Das erste Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) war ein sehr schlankes Gesetz, geschrieben auf wenigen Seiten. Es sagte den Betreibern solcher Anlagen eine feste Einspeisevergütung für die Dauer von 20 Jahren zu, die in einem Umlagesystem von allen Stromverbrauchern bezahlt werden sollte. Dieser gute Gedanke der Investitionsförderung hat sich leider sehr schnell zu einem weitgehend risikolosen Kapitalanlagemodell für große Investoren entwickelt, ohne dass von der Politik darauf reagiert wurde. Vor allem hat die Politik versäumt, rechtzeitig eine Überführung der erneuerbaren Energien mit den anderen Stromerzeugungssysteme in ein funktionierendes marktwirtschaftliches System vorzusehen.

Herumgeschraubt wurde immer nur an den Vergütungsregelungen. Durch die Differenz zwischen dem Strompreis am Markt und der garantierten
Vergütung ließ zudem die Umlage ständig steigen, die alle Verbraucher für die Unterstützung der „erneuerbaren“ zahlen mussten. Allerdings wurden nicht wirklich alle zur Kasse gebeten, besonders große Stromverbraucher konnten sich davon befreien lassen. Das taten jedes Jahr mehr – und die Belastung für die „kleinen“ stieg immer weiter.

Obwohl es lange bekannt war, dass dieses Gesetz zum Jahresende ausläuft, wurde erst in der letzten Sitzungswoche im Dezember 2020 eine Neufassung (EEG 2021) von Bundestag und Bundesrat beschlossenen. Damit wurde aus dem schlanken Ausgangsgesetz nun endgültig ein riesiges planwirtschaftliches Bürokratiemonster: 322 Seiten Änderungen der Koalition wurden im Eiltempo durch die Instanzen gepeitscht. Andererseits hätten zum Ende des Jahres 2020 die sogenannten „ausgeförderten EEG-Anlagen“ der ersten Stunde nach 20 Jahren Laufzeit zwangsweise abgeschaltet werden müssen. Die Einspeisung wäre nach den bisherigen Regelungen nicht möglich gewesen. Und das auch, wenn sie noch weiterhin gut und sicher funktionieren.

Das betraf viele Solaranlagen auf Hausdächern, aber auch eine ganze Reihe von Windenergieanlagen der ersten Generation. Verbände rechneten damit, dass so zirka 20 Prozent der „alten“ EEG-Anlagen in den nächsten Jahren vom Netz gegangen wären – nicht gerade eine Maßnahme, die dazu geeignet ist, die in Paris 2015 vertraglich festgeschriebenen Klimaziele zu erreichen.

Das „Monster“ EEG 2021 hat dieses Damoklesschwert jetzt zumindest bis Ende 2027 verschoben. Es wäre zu wünschen, dass sich in dieser Übergangszeit die Politik endlich zu einem sinnvollen Marktdesign des Strommarktes für alle Erzeuger einigen könnte, um dem Klimaschutz den Vorrang zu geben. Es ist heute unzweifelhaft, dass „erneuerbar“ produzierte Energien nicht nur sauberer, sondern auch wirtschaftlicher sind !


Der Klimaschutzfonds Wedel e.V. ist schon 1998 unter den Pionieren der erneuerbaren Energien in Wedel gewesen. Mit der ersten Photovoltaik-Anlage auf dem Rathausdach haben wir mit der Unterstützung der Stadtwerke Wedel schon damals Sonnenstrom in Wedel erzeugt, ins örtliche Stadtwerkenetz eingespeist und eine Vergütung erhalten. In den Jahren 2000 und 2012 wurde die Anlage um zwei weitere Bestandteile erweitert.

Mittlerweile sind alle drei Anlagen des Klimaschutzfonds beim Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur als Erzeugungsanlagen angemeldet. Unser herzlicher Dank gilt den Mitarbeitern der Stadtwerke, die diesen Anmeldeprozess und die nötigen Anträge, um auf die Nachrüstung mit einem teuren intelligenten Zähler verzichten zu können, tatkräftig unterstützt haben.

Da die ersten beiden Anlagen auf dem Rathausdach nach 20 Jahren jetzt ausgefördert sind, werden wir nur noch für die 3. Anlage die Einspeisevergütung bis 2032 in der bisherigen Höhe erhalten. Die beiden ausgeförderten Anlagen dürfen weiter einspeisen und erhalten auch weiter eine Vergütung, die aber deutlich abgesenkt ist. Wir sind auf die Nachricht der Stadtwerke Wedel gespannt, wie hoch die Vergütung pro erzeugter Kilowattstunde Sonnenstrom dann tatsächlich ausfällt. Die Einnahmen aus der Erzeugung klimafreundlichen Stroms in Wedel werden für
den Verein zwar deutlich geringer ausfallen als bisher, das große Fiasko für den Klimaschutz in Wedel durch eine Zwangsabschaltung ist aber zumindest bis 2027 erst einmal gebannt.

Sicherlich werden die geringeren Einnahmen zu einer Verringerung der Fördermaßnahmen des Klimaschutzfonds führen. Genaue Zahlen können wir seriös aber erst in 2021 abschätzen, auch wenn unsere Reserven in diesem Jahr größer geworden sind: 2020 waren die Aktivitäten des
Vereins, wie auch aller anderen Institutionen, durch die massiven Einschränkungen der Corona- Pandemie deutlich reduziert. Über Ideen für neue Maßnahmen zum lokalen Klimaschutz, die der Verein fördern könnte, und auch über neue Sponsoren, die die Reduzierung der Einnahmeseite
etwas lindern könnten, freut sich der Verein.

Neben dem oben erwähnten „Wissen“ um Zoonosen, können wir mit einer weiteren Erkenntnis in das neue Jahr gehen: Wir Menschen sind in der Lage, unser Verhalten radikal zu verändern! Diese Erkenntnis sollten – nein MÜSSEN wir nutzen, um gemeinsam mit allen
Menschen aller Länder und aller politischer Richtungen den Weg zu finden, die Erwärmung auf maximal 1,5°C zu halten. DAS ist alternativlos! (Michael Koehn, Klimaschutzfonds Wedel e.V., 30.12.2020)

Mit freundlicher Unterstützung von..