Die Pläne der Friseur-Obermeisterin Vivien Nielsen

Wedeler Chefin der Innung West-Holstein will Verband moderner und effektiver gestalten

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Mit viel Energie will Obermeisterin Vivien Nielsen die Friseur-Innung voranbringen. Foto: Frenzel
Mit viel Energie will Obermeisterin Vivien Nielsen die Friseur-Innung voranbringen. Foto: Frenzel

Jeden Morgen startet Vivien Nielsen mit "Ricky" in den Tag. Das Reiten auf dem Hannoveraner Wallach lässt die junge Frau noch mal abschalten und durchatmen, bevor es an eine herausfordernde Doppel-Aufgabe geht: das Führen ihrer zwei Friseursalons in Wedel und Hamburg einerseits und andererseits die Arbeit in der Friseur-Innung Westholstein Pinneberg-Steinburg, zu deren Obermeisterin sie im August gewählt wurde. Jede Aufgabe fordert eigentlich schon für sich "die ganze Frau" - die Wedelerin besitzt also Energie für zwei. Um aktuelle Haar- und Beauty-Trends soll es hier dieses Mal nicht gehen, sondern darum, wie die Branche sich künftig aufstellen muss, um erfolgreich zu sein.

"Wichtig ist, dass wir auf Qualität bei unserer Arbeit setzen, für Innovationen offen sind und uns darüber austauschen. Dann erkennen die Kundinnen und Kunden auch besser den Wert unserer Arbeit", sagt sie. Der "Wert der Arbeit" - der wurde während der Pandemie plötzlich vielen Menschen bewusster. Irgendwann während des Lockdowns hatte wohl jeder und jede die Nase voll von strubbeligen Mähnen und herauswachsenden grauen Haaransätzen. Haareschneiden war (zu) lange nur illegal möglich, "schwarz" bei einer Friseurin oder einem Friseur aus dem Freundeskreis. Oft gab es erschreckende Ergebnisse: orangefarbene statt blonde Haare nach einem misslungenen Färbeversuch. Das ist vorbei und die Salons starten mit frischem Engagement in die Nach-Corona-Zeit. "Stillstand ist Rückschritt", bringt es Vivien Nielsen auf einen Nenner.

Jedes der rund 30 Mitgliedsunternehmen der Innung machte seine ganz eigenen Erfahrungen und entwickelte Ideen, wie der Service zu verbessern ist. "Diese Ideen teilen wir miteinander und besprechen sie, um alle weiterzubringen", sagt sie. Wie man Digitalisierung in die Arbeit einbringt zum Beispiel, wie man Programme nutzt, um Kundinnen und Kunden schon am Tablet prognostizieren zu können, wie die eine Frisur und die andere Farbe denn am Kopf aussieht - original am Kunden-Foto.

Digitalisierung ist für die Obermeisterin auch auf anderem Feld ein wichtiges Thema: in der Ausbildung. Die ehemalige Prüfungskommissions-Vorsitzende will Tablets dort stärker verbreiten. "Warum müssen Berichtshefte auf Papier geführt werden? Das kann digital für alle Beteiligten viel effektiver sein". Ob Kunden-Kartei oder Online-Terminvergabe - alles könnte leichter sein. "Das muss jetzt losgehen!"

Und es würde den Beruf für junge Leute attraktiver gestalten und einem Trend entgegenwirken:  Die Ausbildungsrate ist extrem zurückgegangen, der Fachkräftemangel macht Sorgen. Doch natürlich spielt bei der Berufswahl Friseur (m/w/d) auch das Geld eine Rolle. Es gibt wohl niemanden, der noch nicht von prekär bezahlten Friseurinnen gehört hat. "Wir möchten mehr Wertschätzung für den Beruf und die Arbeit. Daraus folgt, dass die Menschen dann auch bereit sind, nicht nur immer den billigsten Preis zu zahlen." Kompetenz und beste Pflegeprodukte sind halt nicht zum Null-Tarif zu haben. "Deshalb sind wir auch dankbar für Mindestlohn-Vereinbarungen." Das duale Ausbildungssystem bewertet die Obermeisterin als "unheimlich gut" und möchte es stärken, wo es geht.

Gestärkt werden soll auch die Innung selbst. Die rund 30 Mitgliedsbetriebe sind nur ein Bruchteil aller Friseur-Unternehmen in den Landkreisen Pinneberg und Steinburg. Vivien Nielsen wird deshalb auch die Mitgliederwerbung intensivieren. "Natürlich ist so eine Mitgliedschaft immer auch mit Kosten verbunden, was für manche abschreckend wirkt, aber die Vorteile, die durch eine starke Gemeinschaft errungen werden, sind diesen Preis allemal wert", sagt sie. (Jörg Frenzel, kommunikateam GmbH, 23.10.2021)

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