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Herausforderungen Inflation, Gasprobleme, Pandemie

Sechs Fragen an Marc Cybulski, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wedel

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Sparkassen-Vorstand Marc Cybulski: "Wir werden  ab 1. August bis auf weiteres auf die Berechnung von Verwahrentgelten bei unseren Kunden verzichten."
Sparkassen-Vorstand Marc Cybulski: "Wir werden ab 1. August bis auf weiteres auf die Berechnung von Verwahrentgelten bei unseren Kunden verzichten."

Herr Cybulski, Inflation ist das große Thema neben dem Krieg in der Ukraine, was bedeutet das für die Wedeler Kunden?

Marc Cybulski: „Tatsächlich haben wir derzeit gleich drei Themen, denn neben der Inflation und den Krieg Russlands gegen die Ukraine leidet die Wirtschaft ja immer auch noch unter den pandemiebedingten Unterbrechungen der Lieferketten. Aber gerade der unsägliche Angriffskrieg von Herrn Putin führt zu explodierenden Energiekosten. Gepaart mit einer Verknappung von wichtigen Werkstoffen und Zubehörteilen bringt eine unerwartet hohe Inflation. Am Ende merken wir es alle deutlich: In vielen Bereichen steigen die Preise und damit schwindet die Kaufkraft."

Die hohen Gas und Strompreise machen den Menschen zu schaffen, wie können Sie da als Sparkasse helfen?

„Unseres Erachtens wissen viele Menschen noch gar nicht, was da ganz genau auf sie zukommt. Denn wahrscheinlich haben beispielsweise nicht alle Vermieterinnen und Vermieter die Vorauszahlungen bereits jetzt schon erhöht. So wird es zu erheblichen Nachzahlungen bei den Mieterinnen und Mietern kommen. Aber auch die Eigenheimbesitzerinnen und -besitzer müssen mit erheblichen Belastungen rechnen. Wir wissen, dass diese Nachzahlungen gerade Menschen mit niedrigeren Einkommen Probleme bereiten werden. Deswegen raten wir jedem sich frühzeitig an uns zu wenden, damit wir gemeinsam eine Lösung finden können, wenn sich dadurch ein Finanzierungsbedarf ergibt. Wir haben unterschiedliche Mittel zur Verfügung, um auf Schwierigkeiten zu reagieren und einer Überschuldung entgegenzuwirken. Über die Sparkassen Card plus beispielsweise sind Summen zum halben Dispo-Kreditsatz zu bekommen, langfristige Privatkundenkredite und der klassische Dispo sind weitere Werkzeuge."

Die Stadtsparkasse Wedel ist ja auch vom Thema Energiekosten betroffen...

„Ja, uns geht es da nicht anders als allen anderen auch. Auch wir müssen einen deutlich höheren Preis an unsere Stadtwerke bezahlen. Wir reden hier über Erhöhungen im hohen fünfstelligen Bereich, alleine für Energiekosten, obwohl wir gar kein produzierendes Gewerbe sind. Aber natürlich verstehen wir, dass die Stadtwerke diese hohen Marktpreise weiterreichen müssen, denn sonst würden diese erhebliche Verluste einfahren und daran kann uns allen nicht gelegen sein."

Aber wie passen ihre hohen Energiekosten mit dem Credo zusammen, als Unternehmen nachhaltig sein zu wollen?

„In der Tat hat uns das ehrlichweiser etwas überrascht, wieviel Strom und Gas wir verbrauchen, als unser Nachhaltigkeitsteam das mal vorgerechnet hat. Wir reagieren nun und haben bei den Stadtwerken eine Photovoltaikanlage beauftragt, mit der wir bei 100 kwP mehr als die Hälfte unseres Stromverbrauchs selber produzieren. Zudem hatten wir schon vor Jahren in eine kleinere Anlage investiert, die ebenfalls schon erheblich Strom produziert. Bei unserer Heizung werden wir auf Gas derzeit nicht verzichten können, aber wir prüfen gerade den zusätzlichen Einsatz einer Wärmepumpe."

Wie sollen sich nun Kunden auf das Thema Inflation und Energiekrise einstellen?

„Da gibt es eigentlich ein weiteres Thema, denn mit der Inflation ist auch der Zins zurückgekehrt. Für das Thema Energie bieten wir einen speziellen Modernisierungskredit an, mit dem die Umrüstung auf erneuerbare Energien einfach und schnell zu finanzieren ist, aber natürlich bieten wir auch Zugang zu den KfW-Programmen. Die hohe Inflation bedeutet, dass gerade Vermögen und damit Kaufkraft rapide entwertet wird. Hier wird eine reine Anlage auf der Zinsseite nicht reichen, das Wertpapiergeschäft und damit die Anlage in Sachwerten wird besonders wichtig bleiben, wenn es um den Schutz vor Inflation geht."

Der Zins ist also zurück. Ist das eine gute Nachricht für Ihre Kunden?

„Ich denke mal ja, denn auch wir mussten ja aufgrund der Niedrigzinsphase Verwahrentgeltvereinbarungen mit unseren Kundinnen und Kunden schließen.  Wir haben zwar wie viele andere Sparkassen auch so lange wie es ging damit gewartet, aber irgendwann war auch bei uns der wirtschaftliche Druck spürbar, so dass wir die negativen Marktzinsen an unsere Kundschaft weitergeben mussten. Nun hat die EZB endlich diese Niedrigzinsphase beendet und das ist ein gutes Signal für die Sparerinnen und Sparer. Wir werden jedenfalls ab 1. August bis auf weiteres auf die Berechnung von Verwahrentgelten bei unseren Kunden verzichten. " (Stadtsparkasse Wedel, 16.7.2022)

Letzte Änderung: 15.07.2022

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