Anzeige

„Nachhaltigkeit ist eine dauerhafte Aufgabe“

Interview mit Kerstin Felde, Nachhaltigkeitsmanagerin der Stadtsparkasse Wedel

in Wirtschaft & Branchen, Top-News, Kaufleutegemeinschaft

Kerstin Felde steht an der Spitze des Nachhaltigkeits-Projektteams der Stadtsparkasse Wedel.
Kerstin Felde steht an der Spitze des Nachhaltigkeits-Projektteams der Stadtsparkasse Wedel. Foto: Stadtsparkasse

In ihrem Arbeitsgebiet als Controllerin ist es Stadtsparkassen-Mitarbeiterin Kerstin Felde gewohnt, genauer hinzugucken und Probleme langfristig zu bewerten. Außerdem wuchs sie in einem Umfeld auf, in dem man über die „Natur“ und ihre Zusammenhänge nicht nur im Bio-Unterricht lernt, sondern sie jeden Tag erlebt und mit ihr umgeht. Ihre Eltern haben einen Bauernhof. Gute Voraussetzungen also für den Vorstand der Stadtsparkasse Wedel, Kerstin Felde mit der Aufgabe zu betrauen, das Unternehmen in puncto „Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ auszurichten. Im Interview erläutert sie Aufgaben und Maßnahmen.

Frau Felde, die Stadtsparkasse ist kein Stahlwerk. So viel kann in Sachen Nachhaltigkeit doch gar nicht getan werden, oder?

Kerstin Felde: Falsch. Zum einen ist Nachhaltigkeit etwas, zu dem jedes Unternehmen jeder Größe und jeder Branche etwas beitragen kann. Und auch bei uns ist das eine Menge. Es geht um den Weg, bewusster zu arbeiten. Im Oktober 2020 haben wir deshalb eine „Selbstverpflichtung für klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften“ unterschrieben. Das Ziel: Bis 2035 wollen wir unser Geschäftsmodell CO2-frei gestalten.

Geht es da lediglich um mehr „bio“?

Nein. Nachhaltigkeit umfasst drei Dimensionen: ökologisch, ökonomisch und sozial. Diese Komponenten müssen jede für sich mit Leben befüllt werden.

Von welcher Ausgangsbasis starten Sie?

Das Thema Nachhaltigkeit ist seit der Gründung 1876 der Stadtsparkasse Wedel fester Bestandteil des Geschäftsmodells – auch wenn man es damals nicht so betrachtete. Denn der Ursprung des Geschäftsmodells von Sparkassen liegt in der sozialen Nachhaltigkeit. Sparkassen wurden unter anderem gegründet, um finanzielle Selbstbestimmtheit der Bevölkerung zu gewährleisten. Das Geschäftsmodell der Sparkassen ist der regionalen Wertschöpfung und einer langfristigen Grundausrichtung verpflichtet. Es ist damit ein Modell für Bankgeschäfte im Sinne ökonomischer Nachhaltigkeit und nicht im Sinne von Aktionärs-Profiten. Aktuell muss man sich der ökologischen Situation mit dem Klimawandel stellen.

Wie läuft das konkret?

Zunächst einmal muss man Nachhaltigkeit als dauerhafte Gesamthausaufgabe auffassen. Wir haben Anfang 2021 ein Projektteam gegründet mit Mitgliedern aus allen Bereichen des Unternehmens. Wir treffen uns im Sechs-Wochen-Rhythmus zu Nachhaltigkeitssitzungen.

Wie sahen die ersten Maßnahmen aus?

Zum Start ging es um eine Bestandsaufnahme. Der März und April 2021 waren mit einer Nachhaltigkeitsinventur ausgefüllt.

Und was erkannten Sie dabei?

Wir haben unseren CO2-Fußabdruck gemessen und festgestellt: Die großen Treiber sind Strom, Wärme und unsere Dienstwagen. Als erste Konsequenz haben wir Strom und Gas bereits auf Ökostrom und Ökogas umgestellt. Jetzt wird ein Fernwärmeanschluss geplant, und der Fuhrpark wird sukzessive auf E-Autos umgestellt – das erste Fahrzeug soll noch in diesem Jahr auf die Straße kommen.

Aber das Problem „Energieverschwendung“ besteht doch schon länger. Hat man das bisher ignoriert?

Natürlich nicht. Weit vor der Sparkassenselbstverpflichtung haben wir uns mit Klimaschutz beschäftigt. Wir haben beispielsweise unseren Stromverbrauch durch Umrüstung von Leuchtmitteln auf LED und den Einsatz von Bewegungsmeldern und anderen Maßnahmen von 450.000 Kilowattstunden im Jahr 2000 auf 140.000 Kilowattstunden in 2020 gesenkt. Und davon produzieren wir sogar 23.000 Kilowattstunden selbst – mit unserer eigenen Photovoltaikanlage.

Können Sie weitere Maßnahmen nennen?

Da gibt es beispielsweise die Raumverdichtung. Nicht jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin – auch die Vorstände nicht – brauchen eine eigene Büro-Suite. Wir rücken zusammen, kooperieren da jetzt auch mit den Stadtwerken, die in unsere Hauptstelle mit einziehen. Das bedeutet: Rund 11 Prozent weniger Fläche für den Geschäftsbetrieb und dadurch können wir etwa 20 Tonnen CO2 für Heizen und Strom einsparen – natürlich bei gleichen Mitarbeiterzahlen.

Wie sieht es bei den Arbeitsmaterialien aus?

Da gibt es eher kleine Maßnahmen wie die Tatsache, dass unsere Kugelschreiber aus recyceltem Plastik hergestellt wurden, aber auch dicke Brocken wie unseren Papierverbrauch. Hier haben wir alles auf Recyclingpapier umgestellt. Nach einer Studie des ifeu, des Instituts für Energie- und Umweltforschung, wird bei einer Tonne Recyclingpapier im Vergleich zum Frisch-Papier die Menge an CO2 eingespart, die ein durchschnittliches Auto auf einer rund 1.000 Kilometer langen Fahrt ausstößt. Das beste Papier ist aber jenes, das gar nicht erst verbraucht wird. Mit dem jüngsten Mailing zur Änderung der AGB an Kundinnen und Kunden ohne elektronisches Postfach haben wir knapp 700.000 Blatt Papier verwenden müssen. Dadurch entstand der Ausstoß von etwa vier Tonnen Kohlendioxid. Auch deshalb wird von uns der Ausbau des elektronischen Postfachs weiter vorangetrieben.

Kommen wir zum eigentlichen Geschäft. Wie sieht es da aus?

Auch hier sind wir auf einem guten Weg. Unsere Eigenanlagen sind seit April 2021 zu 100 Prozent nachhaltig eingerichtet. Auch unserer Kundschaft unterbreiten wir nachhaltige Geldanlageangebote und unsere Baufinanzierung berät zu energieeffizienten Vorhaben inklusive Förderungsmöglichkeiten und Tilgungszuschüssen. Was bedeutet soziale Nachhaltigkeit im Einzelnen? Das beginnt beim Personal. Ob Gesundheitsmanagement mit Grippeschutzimpfung und Massageangeboten, ob beim Projekt „JobRad“, bei dem man sich ein E-Bike leasen kann, ob mit Weiterbildungen durch Seminare und Webinare oder ob mit Angeboten zum Homeoffice nicht nur zu Corona-Zeiten – wir haben hier einiges angeschoben.

Wirkt die Stadtsparkasse da auch nach außen?

Ja, und zwar durch unser gesellschaftliches Engagement. Jährlich schütten wir Spenden in fünfstelliger Höhe aus für Kultur-, Sport- und Kunstprojekte. Seit diesem Jahr machen wir das auch explizit für ökologisch nachhaltige Zwecke, zum Beispiel für die Ortsgruppe Wedel des NABU oder den Aufforstungsverein Citizens Forests. Und wir beteiligen uns an der Initiative „Klimapartner“ der Stadt Wedel, die ein Netzwerk von Wedeler Unternehmen aufbaut und Maßnahmen an die Öffentlichkeit bringt, wie mit neuen, leicht umsetzbaren Ideen das Klima geschont werden kann.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie zum jetzigen Zeitpunkt?

Wir sind schon ein bisschen stolz darauf, einiges geschafft zu haben. Doch es geht weiter. Denn wir sind der Meinung: „Stillstand ist Rückschritt.“ (Stadtsparkasse Wedel, 11.11.2021)

Mit freundlicher Unterstützung von..