Trainvac auf dem Erfolgsgleis

Innovatives Unternehmen für Sanitär-Systeme in Eisenbahnen startet von Wedel aus durch

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Vier Männer lächeln in die Kamera, vor ihnen hängen mehrere Toiletten, offenkundig für Zugsysteme.
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Technik-Tüftler-Team: Die Trainvac-Mitarbeiter entwickeln und produzieren innovative Sanitär-Systeme für Bahnen.
Die Fertigung läuft zu einem Gutteil in der Wedeler Hafenstraße, obgleich das Unternehmen auch viele internationale Partner hat.
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Die Fertigung läuft zu einem Gutteil in der Wedeler Hafenstraße, obgleich das Unternehmen auch viele internationale Partner hat.
Moderne Sanitärsysteme kommen ohne IT-Komponenten nicht aus - gecheckt werden sie gleich neben der Fertigung.
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Moderne Sanitärsysteme kommen ohne IT-Komponenten nicht aus - gecheckt werden sie gleich neben der Fertigung.
Logo: frei schwebende Toilette auf dunkelblauen Grund
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Manche Blumen-Schönheit blüht im Verborgenen und bei vielen Unternehmen ist das nicht anders. Ein Beispiel dafür ist die Wedeler Firma Trainvac. Erst 2019 gegründet, ist das Technologie-Unternehmen auf gutem Weg, die Welt der Eisenbahn-Sanitärsysteme zu revolutionieren.

Siemens Mobility, ein weltweit bekannter Hersteller von Schienenfahrzeugen, hat das Potential der von Trainvac konzipierten und produzierten Systeme erkannt. In enger Zusammenarbeit wurden insgesamt drei in Deutschland im Passagierbetrieb befindliche Triebzüge von Siemens Mobility erfolgreich auf die Trainvac-Technik umgebaut, um die Produkte unter realen Bedingungen zu testen. Das Feedback von Siemens Mobility auf die bisherige Performance war hierbei außerordentlich positiv.

Die Geheimnisse des Erfolgs liegen in der innovativen Technologie begründet. Zum einen konnte die Anzahl der verwendeten Komponententeile im Vergleich zu anderen Systemen auf dem Markt deutlich reduziert werden – das bedeutet einen verringerten Aufwand für Wartung und Reparaturen.

Zum anderen wurde die Intelligenz des Systems erhöht. Denn die WC-Technik des Wedeler Unternehmens kann über alle gängigen Kommunikationsschnittstellen in der Bahn Informationen austauschen. Es zeichnet kontinuierlich Daten auf, um das Service-Personal rechtzeitig auf eine bevorstehende Wartung hinzuweisen. Mehr noch: Die Technik-Experten von Trainvac können per Mausklick in Echtzeit auf die WC-Systeme im Zug zugreifen, Daten auslesen und je nach Kundenwunsch Wassersparpotentiale oder andere Feineinstellungen direkt aus ihrem Unternehmen - oder zur Not jederzeit von irgendwo auch immer - vornehmen, und das sogar, wenn der Zug gerade mit voller Fahrt sein nächstes Ziel ansteuert. Selbstverständlich ist dabei die IT-Systemkommunikation zugriffssicher konzipiert: Nur Trainvac-Techniker können sich einloggen, Hacker bleiben chancenlos.

Viele Innovationen und technische Finessen sind notwendig, um solchen Nutzerkomfort bieten zu können. Seit der Unternehmensgründung hat Trainvac allein zehn Patent- und Gebrauchsmusteranmeldungen eingereicht. Wohl kein anderes Unternehmen in der Branche vereint so viel Know-how in puncto „Vakuum-Toilette“ und wurde so zu einem Technologie-Führer. „Wir konnten innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit viele Innovationen konzipieren und marktreif machen. Das gelang zum einen, weil wir unseren kreativen Köpfen große Freiheiten lassen, und zum anderen, weil unsere Entscheidungswege als Mittelständler kürzer sind als jene von so manchen bürokratielastigen Konzernen“, erläutert Trainvac-Geschäftsführer Matthias Autzen

Das nächste Highlight ist schon terminiert: Die Trainvac GmbH wird ebenfalls in Zusammenarbeit mit Siemens Mobility und einem Sanitär-Kabinenhersteller die weltweit erste vollständig sprachgesteuerte Sanitär-Kabine für Schienenfahrzeuge – entwickelt von Siemens Mobility - auf der Messe InnoTrans 2022 vorstellen.

Ermöglicht wurde dies durch die Stärke in den Elektronik-Komponenten des Systems. Auf diesem Gebiet arbeitet Trainvac eng mit der Firma m.u.t aus der Nynomic-Gruppe zusammen. Nynomic hat bereits eine rund 20 Jahre lange Erfahrung als Elektronik-Hersteller für Bahnanwendungen vorzuweisen.

Die von der Trainvac GmbH entwickelte Technik passt bestens in die Zeit, in der Umweltschutz und Nachhaltigkeit immer größere Rollen spielen. So verbraucht eine Bahn-Vakuum-Toilette je nach Anwendung nur rund 0,2 bis 0,7 Liter Wasser pro Spülung.  Mit einer Standard Haushaltstoilette hingegen fließen sechs bis neun Liter pro Spülung. Die kostbare Ressource Wasser wird somit hervorragend sparsam eingesetzt. Der Nutzerkomfort ist hoch.

„Wir versuchen durch die Verbindung von konsequentem Umweltschutz und der Verbesserung der Kundenzufriedenheit unseren Teil dazu beizutragen, dass Bahnfahren attraktiver wird und auch auf diese Weise mehr Menschen vom Auto oder aus dem Flugzeug auf die Schiene gebracht werden“, sagt der Geschäftsführer.

Bevor allerdings das Tüftler-Team von Trainvac auf dem Erfolgsgleis rollte, waren einige Hürden zu nehmen. Zuerst musste das Unternehmen mit seinen starken Ideen und der Kompetenz in Sachen Sanitär-Technik für Passagier-Züge Investoren, aber auch das Land Schleswig-Holstein sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz überzeugen. Doch alle Akteure erkannten, dass das Startup den Markt deutlich verändern könnte. „Unser erstes Förderprojekt, die „Next Generation Vacuum Toilet“, das vom Land Schleswig-Holstein unterstützt wurde, zielt auf nichts weniger ab als auf eine Revolution in der Vakuumtoiletten-Technologie für Züge“, so der Geschäftsführer selbstbewusst.

Aber es gibt noch einen weiteren Vorteil: In den vergangenen Jahren sind immer mehr Zulieferunternehmen in der Bahnindustrie dazu übergegangen, ihre Produktion oder Teile ihrer Produktion ins „LowCost“-Ausland zu verlegen. Vor dem Hintergrund gefährdeter Lieferketten ist das nicht ohne Risiko. Im Gegensatz dazu hat Trainvac von Beginn an konsequent auf Partner in der Umgebung mit sehr starkem Engineering-Hintergrund gesetzt. „Was anfangs die Entwicklungsgeschwindigkeit stark erhöht hat, ist heute in den Zeiten nach der COVID-Pandemie und des Krieges in der Ukraine vor allem ein Garant für Kostenkontrolle und Liefertreue des Unternehmens geworden“, stellt Matthias Autzen heraus.

Heute gehört Trainvac zu einer Gruppe von Unternehmen, die sich auf die Bahn-Sanitärtechnik spezialisiert haben: Der BVI – Bright Ventures Investment AG. Zu dieser Gruppe gehören unter anderem Handelsvertreter und Produktionsunternehmen in England, Polen und Dänemark, China und den USA. Besonders ragt dabei in der BVI-Gruppe das Unternehmen QDG heraus. QDG ist ein Sanitärkabinen-Hersteller mit Sitz in Polen, der Spitzenstellung in der Produktion maßgeschneiderter Sanitärkabinen für Züge besitzt. Mit seiner Lage mitten in Europa profitiert QDG zwar noch von den polnischen Lohnkosten, ist aber für technische Absprachen jederzeit mit dem Auto zu erreichen. „Diese Nähe zu QDG ist es, was es der Firma Trainvac erlaubt, schlüsselfertige Sanitärkabinen für alle Zughersteller der Welt anzubieten“, so der Geschäftsführer.

Die Firma Trainvac achtet zudem darauf, dass ihre Systeme in fast allen bestehenden Zügen als Ersatzteile einzusetzen sind. So wird den Zugherstellern und den Betreibern der Züge bei der Ersatzteilbeschaffung geholfen, wenn „es kneift“, weil Ersatzteile aus globaler Produktion nicht verfügbar sind. Das erledigt Trainvac zu absolut wettbewerbsfähigen Preisen und in einer Qualität, die das Prädikat „Made in Germany“ wieder verdient.

Dabei steht nicht nur die Zufriedenheit der Kunden, sondern auch jene der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oben an.  Denn Trainvacs bisherige Erfolgskurve beruht nicht zuletzt auf einer zeitgemäßen, wertschätzenden Unternehmenskultur mit flachen Hierarchien, kurzen Entscheidungswegen sowie viel Raum für selbstständiges Arbeiten. Hinzu kommt das grundsätzliche Interesse an langfristigen Allianzen.

Trainvac sieht Mitarbeiter und Partner in erster Linie nicht als Kostenfaktor, sondern als zentralen, wertschöpfenden Teil der Organisation. „Wir wollen nachhaltig Verantwortung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und die Menschen übernehmen“, sagt Geschäftsführer Autzen. Sein Credo: „Wenn ein erfahrenes und qualifiziertes Team mit pragmatischen Mindsets in einer Nischenbranche als die wichtigste Ressource erkannt wird, entwickelt sich neben dem Innovationsvorsprung in der Technik auch die Unternehmenskultur zum entscheidenden Vorteil im Vergleich zu Wettbewerbern.“ (Jörg Frenzel/kommunikateam GmbH mit Material von Trainvac, 19.8.2022)

Letzte Änderung: 23.08.2022

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