Die Queen, ein König und viel Musik

In Wedel feierten 25 000 Fans an der Elbe, in Pinneberg ließen sich Tausende Jazz-Freunde verzaubern, in Uetersen rockte die Jugend am Wald

in Wedel Marketing

Kreis Pinneberg. Für Abby, 24, ist kein Weg zu weit, um Samu Haber und die anderen Musiker der finnischen Band Sunrise Avenue zu sehen. Mitten in der Nacht startete sie in Dortmund. Gemeinsam mit ihrer Freundin Tanja, 26, aus Kiel traf sie um 5 Uhr morgens am Veranstaltungsgelände für die NDR-2-Party am Schulauer Hafen ein. Die beiden jungen Frauen waren die ersten beiden von zuletzt 25 000 Fans. So sicherten sie sich, wie vorher in einem Facebook-Forum für Sunrise-Fans verabredet, die besten Plätze vor der Bühne. So früh mussten die Jazz-Fans nicht aufstehen, die ihre Musik vier Tage lang in Pinneberg auch bei Regen genossen, und auch die 2500 Jugendlichen kamen später, um in Uetersen eine wunderbare Wiederbelebung des Rockfestivals in Langes Tannen zu feiern.

In Wedel hatten die Bühnenarbeiter drei Tage lang zeitweise im strömenden Regen geschuftet, um die Voraussetzungen für eine Star-Party samt Auftritten lokaler Größen zu schaffen. Reporterin Ilka Petersen verzauberte sogar den Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein, damit er live den Hit "Over my shoulder" der Band "Mike & The Mechanics" intonierte. "Das klingt super, wenn das die Jungs hören, drehen sie sofort um und treten nicht auf", warnte die NDR-Reporterin schmunzelnd. Doch die Gruppe um Bandleader Mike Rutherford setzte stattdessen einen drauf: "Over my shoulder" gab es am Abend wohl 20 000-stimmig.

"Eine tolle Stimmung, ein prächtiger Ort für solche Konzerte", lobte Mike"-Fan Jörg Niklas, 41. Auch er hatte mit seiner und noch einer befreundeten Familie mehrere Hundert Kilometer zurückgelegt, um die Party an der Elbe zu erleben. "Wir wollten nach der verregneten Ferienwoche mal etwas Schönes erleben." Das gelang, auch weil der Rest der Familie wie die meisten der Zuhörer "Sunrise Avenue" liebt. Mit Rock und Pop verzauberten die Finnen ihr Publikum bis spät in die Nacht - auch Abby und Tanja, die schon mehr als 40 Konzerte ihrer Lieblinge erlebt haben.

Beim Summer Jazz in Pinneberg stand ein Mann besonders hoch in der Gunst des Publikums: Olivier Franc war der ungekrönte König 2011. Er kam, blies und siegte. Der Pariser Saxofonspezialist ließ den französischen Jazz der 50er-Jahre leuchten.

Gemeinsam mit den kongenialen Mitstreitern seiner Band zelebrierte Franc die Klassiker des Festival-Namensgebers Sidney Bechet und den leidenschaftlichen Jazz aus dessen Zeit. Farbsatt, facettenreich, exzellent. Die Herren bewiesen auch optisch Stil: gut geschnittene Anzüge, weiße Hemden, kirschrote Binder - das war festivalweit so konkurrenzlos elegant wie das handwerkliche Niveau.

Was nicht heißen soll, dass die anderen 56 Gruppen nur Durchschnitt waren. Im Gegenteil: Die 16. Ausgabe des Summer Jazz bestach durch die hohe musikalische Qualität. Egal, ob Funk, Blues, Boogie Woogie oder Swing: Die Musik glänzte durchweg als melodiös und tanzbar. So hatten die Jazzisten am Freitagabend die Qual der Wahl zwischen gleich vier Schwergewichten der Branche: Headliner Franc auf der Hauptbühne zog die älteren Semester in seinen Bann, die Funk-Fans rockten mit den 18 studentischen Stimmungskanonen aus Oldenburg, dem "Groove Department" bis in den späten Abend den brechend vollen Lindenplatz. Dazwischen Boogie-Woogie-Kanone Guy Weber: Sein druckvoller, charismatischer Auftritt verursachte die übliche Festivalverstopfung an der "Meerenge" zwischen "Blütenrausch" und "Vom Fass". Sogar an der sonst eher schwach besuchten Kunstmann-Bühne röhrte, brummte und stampfte Festival-Urgestein Tom Shaka den Blues vor begeisterten Fans. Wermutstropfen: Der Absatz der Festival-Pins, der inoffiziellen Eintrittskarte, blieb hinter den Erwartungen zurück. Günther Kleinschmidt, Chef des Fördervereins Summer Jazz, ist trotzdem "hochzufrieden". "Wir hatten noch nie einen so gut besuchten Festival-Sonnabend."

Eike Pawelko, Michael Rahn

Hamburger Abendblatt/Pinneberger Zeitung

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