Fünf Flügel erheben sich aus den Fluten

in Wedel Marketing

WEDEL. Nein, das ist kein rauschender Applaus. Das ist wütender Regen, der sich derart heftig prasselnd auf das Dach des "Schuppen 1" wirft, dass nicht nur die ersten Takte von Ravels Boléro von der Sintflut davongetragen werden, sondern scheinbar gleich die ganze Halle. Doch Mathias Christian Kosel trotzt an seinem Flügel den durch das dünne Hallendach tausendfach verstärkten Wassermassen - denn der Wedeler Pianist weiß Verstärkung an seiner Seite: Nach und nach treten mit Yukari Ito, Mari Inoue und den Zwillingsschwestern Friederike und Karolin Stegmann nicht weniger als vier ausgezeichnete Pianistinnen auf die Bühne und steigen in den von Kosel arrangierten Boléro für fünf Pianos ein. Gemeinsam entfalten die fünf Flügel bald ein solches Volumen, dass sie sich, unterstützt von einer dezenten Verstärkeranlage, kraftvoll aus den Fluten erheben.

Die mehr als 1000 Besucher, die an diesem Sonntag zu "Pianos an der Elbe" in den "Schuppen 1" des Segelvereins Wedel-Schulau gekommen sind erleben denn auch in der ersten Hälfte des Konzertes den Kampf der Musiker mit den trommelnden Wassermassen, aus dem bisweilen leider der Regen als Sieger hervorgeht, wenn er zum Beispiel das zauberhafte Rondo op. 73 von Frédéric Chopin ganz humorlos erschlägt, bei dem sich die Stegmann-Schwestern wie in einem Spiegel gegenübersitzen.

Doch dann geschieht es: Beim "Scaramouce" von Darius Milhauds legt sich das Prasseln und erstmals kommt die überraschend gute Akustik der Bootshalle zur Geltung, die auch die leisesten Töne vergnügt in den letzten Winkel flattern lässt.

Fünf Flügel in einer Bootshalle - das war das Experiment, das die Veranstalter Daniel Frigoni und Martin Schumacher zusammen mit Kosel gewagt haben. Und dieses Experiment erweist sich als umso gelungener, je länger der höchst unterhaltsame Konzertabend dauert. Denn zusammen mit der Kulturstiftung der Stadtsparkasse, der Amschler-Stiftung und dem Hamburger Steinway-Haus, das die Flügel zur Verfügung stellte, hat das Trio nichts weniger als eine neue große Veranstaltungshalle in Wedel etabliert: Die fantastische Kulisse des rauen Holzes, prächtiger Yachten und einer wahren Lichtflut durch das Oberlicht, gibt den fünf blendend aufgelegten Musikern eine eben nicht zu steife Spielfläche, um auch und gerade mit klassischem Programm die Zuhörer mitzureißen: Da verknoten sich die Japanerinnen bei einem vierhändigen Stück geradezu an den Tasten. Kosel kommt in seiner Doppelrolle als plaudernder Conférencier und energischer Tastenzauberer zudem so sehr in Schwung, dass zur Zugabe "La Paloma" angestimmt wird und bald alle Pianistinnen sich mit ihm um einen Platz an nur einer Tastatur balgen, bis sich alle Zuschauer euphorisch erheben und mit Verve dieses gelungene Experiment beklatschen. Wunderbar!

Wedel-Schulauer Tageblatt

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