Marketing-Chef: "Wir brauchen ein Citymanagement"

Im Abendblatt-Interview spricht Marc Cybulski, der neue Vorsitzende von Wedel Marketing, über Pläne und Probleme in der Stadt.

in Wedel Marketing

Von Katy Krause

Wedel. Der Mann will ran an die City. Marc Cybulski, neuer Vorsitzender von Wedel Marketing, will die Lebensader Bahnhofstraße in den Fokus seiner Arbeit rücken. Dafür möchte er in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung unter anderem ein professionelles Citymanagement installieren und ein regelmäßiges Fest auf die Beine stellen. Was noch auf seiner Agenda steht und wie er Wedel weiter vermarkten will, darüber berichtet er im Gespräch mit der Regionalausgabe des Abendblatts.

Hamburger Abendblatt: Herr Cybulski, neben ihrem Beruf als Vorstandschef der Stadtsparkasse Wedel sind Sie in verschiedenen Gremien des Sparkassenverbands, im Aufsichtsrat der Wedeler Stadtwerke, im Förderverein des Krankenhauses und in der Schleswig-Holsteinische Universitäts-Gesellschaft aktiv. Jetzt wurden Sie auch noch zum Vorsitzenden von Wedel Marketing gewählt. Wie wollen Sie das denn eigentlich alles bewältigen?

Marc Cybulski: Ja, man kann nicht jeden Hut aufhaben. Eine Aufgabe wie die Leitung von Wedel Marketing muss man professionell angehen. Zumindest habe ich diesen Anspruch an mich. Ich werde meine Zeit also umsortieren müssen. Anfang des Jahres überlege ich mir, welche Sachen ich nicht mehr machen kann. Ich bleibe sicher Vorstandsvorsitzender unserer Sparkasse.

Welche Dinge möchten Sie als neuer Chef des Marketingvereins anpacken? Was sind Ihre Schwerpunkte?

Cybulski: Wir haben bislang sehr viele Ressourcen darauf verwandt, Veranstaltungen wie stars@ndr2 oder das Hafenfest zu organisieren, die eine große Außenwirkung haben und den Namen Wedels weit transportierten. Wir haben einen guten Job gemacht und Wedel als Marke aufgeladen. Jetzt müssen wir uns überlegen, wie wir uns weiterentwickeln können, ohne die ins Leben gerufenen Veranstaltungen zu vernachlässigen.

In welche Richtung denken Sie da?

Cybulski: Es gibt in Wedel die Funktion des Citymanagements nicht. Die Stadtverwaltung macht eine tolle Wirtschaftsförderung, aber wir müssen uns gemeinsam mit dem Rathaus darüber unterhalten, was Stadt und Verein für die Entwicklung der Bahnhofstraße leisten können.

Das Dauerthema Bahnhofstraße. Warum ist der Ruf der Einkaufspassage eigentlich so schlecht in der Stadt?

Cybulski: Ein Wedeler sind da zu selbstkritisch. Wenn ich mit Freunden durch die Bahnhofstraße laufe, sind sie immer begeistert, wie viel hier los ist. Die Bahnhofstraße ist eine Begegnungsstätte. Hier ist Leben pur. Man kann mit dem Branchenmix unzufrieden sein. Aber ich sehe das immer so: Wenn es so viele Handyläden und Bäcker gibt, dann muss es dafür auch einen Bedarf geben. Am Ende regelt der Markt den Mix.

Was könnte ein Citymanagement denn daran ändern?

Cybulski: Man könnte beispielsweise gemeinsam mit der Stadt erneut das Gespräch mit den Eigentümern und Vermietern suchen, um an sie heranzutragen, was man sich für die Straße wünscht. Außerdem sollte man mit Politik und Stadtverwaltung ins Gespräch kommen, um beispielsweise mit Hilfe von Satzungen und Vorschriften eine einheitliche Gestaltung zu ermöglichen. Es gibt ja auch Pläne für eine Umgestaltung, die ich in allen Punkten für sehr sinnvoll halte. Umso mehr bedauere ich, dass man viel Geld in den Hafen investiert aber nichts für die Umbau der Bahnhofstraße übrig hat, die doch die Lebensader der Stadt sein soll. Das heißt aber nicht, dass ich die Hafensanierung nicht für wichtig halte. Wenn dort die ersten über die neue Promenade flanieren können, sie im Café sitzen und auf die Schiffe blicken, dann wird dieses Maritime Freizeitzentrum viel für Wedel bewirken.

Die Stadtverwaltung hat sich im Rahmen der Leistungsvereinbarung von Wedel Marketing gewünscht, sich dem Thema Tourismus anzunehmen. Wie werden Sie als Vorsitzender von Wedel Marketing damit umgehen?

Cybulski: Es ist erstaunlich, wie viele Tagestouristen in der Stadt sind. Nehmen wir den neuen Wohnmobilplatz. Standen dort anfangs fünf Wohnmobile sind jetzt schon zu Spitzenzeiten 50. Doch was bringt Tourismus für Wedel am Ende wirklich? Mitte 2013 legen wir einen Tourismusbericht dazu vor. Außer dieser Aufgabe sollte die Weiterentwicklung der Marke Wedel und die Belebung der Bahnhofstraße ganz oben auf unserer Liste stehen.

Wie wollen Sie das erreichen?

Cybulski: Eine Idee ist, das Cityfest wieder zu beleben. Bei uns spielt sich viel auf der Festwiese an der Elbe ab. Mit der Kulturnacht machen wir etwas für die Altstadt für die Bahnhofstraße machen wir noch zu wenig. Das könnte sich 2013 schon ändern.

2012 stand ganz im Zeichen der 800-Jahr-Party der Stadt. Das war nicht nur viel Arbeit für Wedel Marketing, sondern hat wohl auch zu Zerwürfnissen zwischen Verein und Stadtverwaltung geführt.

Cybulski: Von Zerwürfnis würde ich nicht sprechen, aber es gab erhebliche Abstimmungsschwierigkeiten zwischen der Stadt und Martin Schumacher als kreativem Kopf der 800 Jahr Feier. Er hat sich unheimlich eingebracht und sich in den Gesprächen mit der Stadt auch etwas aufgerieben. Es war irgendwie nicht klar, wer den Hut auf hat. Es gab Informationsprobleme und am Ende hat man den gemeinsamen Weg verloren. Deshalb war es auch Zeit für einen Wechsel, um auch aus dieser Gemengelage herauszukommen.

Martin Schumacher hat sich nach den Querelen aus dem Vorstand von Wedel Marketing verabschiedet. Er war aber der Motor für das Hafenfest und andere Feiern. Wie wird es weitergehen?

Cybulski: Das Hafenfest bleibt ein wichtiger Schwerpunkt unserer Veranstaltungsarbeit. Wir würden uns freuen, wenn uns Martin Schumacher neben seiner Tätigkeit in unserm Beirat auch bei anderen Projekten weiter unterstützt. Aber wir haben demnächst zwei engagierte Kräfte die sich hauptamtlich in der Geschäftsstelle um das Stadtmarketing kümmern. Zudem gibt es natürlich noch viele andere ehrenamtliche Helfer, ohne die der Verein nicht denkbar wäre.

Hamburger Abendblatt/Pinneberger Zeitung

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