Ochsenmarkt - ein Auslaufmodell?

in Wedel Marketing

WEDEL. Es war die Aussage des Tages. Sie erklang in allen Stimmlagen und Variationen auf dem Festplatz an der Schulauer Straße: "Ochsenmarkt? Das ist allenfalls ein Pferdemarkt." So hieß es schon vor 9.15 Uhr. Da standen noch 26 Rinder in den Boxen. Wohlmeinende zählten den Ochsen am Spieß mit - macht 27. Dagegen herrschte hohes Pferdeaufkommen: gut 60 an der Zahl. Nach 9.15 Uhr dann hatte Otto Schlichting sein Geschäft des Tages besiegelt - nach alter Tradition per Handschlag. 20 Schwarzbunte hat er verkauft. Die wurden direkt verladen und abtransportiert. 

Was blieb, waren Schlichting und sein Kollege Herbert Fornefett aus Peine und dessen sechs Rindviecher. Mit ihrem Feilschen um den Preis ließen die beiden wenigstens eine Spur vom Original-Flair aufkommen, den der Traditions-Markt zu Zeiten hatte, als Bauern mit Hunderten Rindern nach Wedel kamen, kauften und verkauften. Gestern war so etwas nur noch eine Randerscheinung. Zu viel Aufwand, zu wenig kleine Züchter, sagt Schlichtung, der wie sein Peiner Kollege auf eine rund vier Jahrzehnte währende Ochsenmarkt-Karriere zurückblickt. Er kommt gern, weil er die Stadt und die Tradition mag, es zugesagt hatte, und den Kindern das Vieh zum Anfassen zeigen möchte. Er kommt wieder, sagt Schlichting. Fornefett auch - wenigstens.

Attraktion vor allem für Kinder

26 Rinder - das sind noch zwei Tiere weniger als im ebenfalls Rinder-schwachen Vorjahr. Die Aussage des Tages also als Frage an Bürgermeister Niels Schmidt weitergegeben: Ist die Zeit des Ochsenmarkts vorbei? "Es sind wenige Ochsen da, aber viele Kinder. Und ich meine, solange das so gut angenommen wird, sollten wir die Tradition aufrecht erhalten." Auch mit der Auftriebprämie von zehn Euro pro Vierbeiner könne die Stadt allerdings nicht steuern, wer kommt: "Das ist viel Bürokratie für die Züchter, und die großen Geschäfte werden hier nicht gemacht." Der Viehhandel sei zwar Teil der Geschichte Wedels, spiele heute jedoch keine Rolle mehr. 

Marktmeister Holger Franck war regelrecht überrascht von der mauen Rinderhändler-Resonanz, die so gar nicht der positiven Rückmeldung auf die Briefe an 40 Händler entsprach. Frack bereitete indes auch der begleitende Jahrmarkt Kopfzerbrechen: Die lange Dom-Spielzeit und parallele Märkte haben merklich Lücken in das Fahrgeschäfte-Rund gerissen.

Tröstlich, dass sich die jüngsten Besucher offenbar größtenteils an solchen Fragen wenig bis gar nicht störten. "Tiere streicheln, Karussellfahren: Unsere Kinder haben das wirklich genossen", sagt Anita Reger. Die Erzieherin ist mit einer Gruppe eigens aus der Desy-Betriebskita in Hamburg nach Wedel gekommen - und hatte Schwierigkeiten, die Kleinen wieder Richtung S-Bahn zu bewegen. Treckerschau des Oldtimer-Zentrums Holm, lebendige Präsentationen von Kleintierzüchtern, Naturschützern, Jägern und Heimatbund im Zelt, Drehorgelmusik - Angebote, die die Magnetwirkung des tierischen Traditionsmarkts verstärkten.

Wedel-Schulauer Tageblatt

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