Ochsenmarkt: Wedels tierisches Problem

Nur 26 Ochsen und 27 Pferde: Zahl der Vierbeiner nimmt weiter ab

in Wedel Marketing

WEDEL Vor allem für die kleinen Besucher ist er ein tierisches Vergnügen. Für die Stadt wird der Ochsenmarkt dagegen zusehends zu einem tierischen Problem. 26 Rinder und 27 Pferde zählte Marktmeister Holger Franck gestern beim Auftrieb – das sind traurige Negativ-Rekordzahlen, die Wedel bei dem Event mit Jahrhunderte alter Tradition verzeichnen muss.

Lediglich zwei Vieh- und fünf Pferdehändler hatten ihre Tiere in die Gatter auf dem Festplatz an der Schulauer Straße gestellt. Hatten in den vergangenen Jahren zumindest noch Pony und ihre großen Artgenossen die freien Boxen besetzt, so war dieses Jahr selbst von dieser Art von Ersatz für die eigentlichen Stars der Viecher-Schau wenig zu sehen.

Der Abwärtstrend der letzten Zeit – er setzt sich fort. Und die Gründe dafür: Zu hoch sind Aufwand und Kosten für den Transport, zu strikt und vielfältig die behördlichen Auflagen, sagen Otto Moser aus Eggerstedt und Markus Paasch aus Ovschlag. Dabei seien die Bedingungen in Wedel an sich gut, sagen sie. Dass sie selbst noch dabei sind – „das ist reine Traditionspflege, damit die Leute was zu schauen haben.“ 13 Pferde haben sie in die Boxen gestellt.

Ähnlich sieht es nebenan aus, wo Otto Schlichting seine Rinder ausstellt – als einziger. Der Viehhändler aus Breitenwisch ist der Garant dafür, dass der Ochsenmarkt noch Ochsenmarkt heißen kann. Schon 2012 kam das Gros der Viecher von ihm, diesmal sind es alle. „Wir halten die Tradition aufrecht“: Das macht er seit Jahren – und er will es weiter tun. Auch wenn er mit einem Lächeln bilanzieren muss: „Die Geschäfte, die sie machten, waren schlechter, als sie dachten.“ Immerhin: 18 Tiere hat er verkauft.

Bürgermeister Niels Schmidt weiß um diese Probleme. „Kommerziell macht es keinen Sinn für die Händler, und der Aufwand ist immens hoch“, sagt Schmidt. Zwar könne man erst nach allen drei Festtagen Bilanz ziehen. Dennoch müsse man sich wieder die Frage stellen, ob und wie es weitergeht. Eine sensible Frage, denn Schmidt gibt zu bedenken: „Beerdigen kann man so eine Tradition nur einmal. Dann ist und bleibt sie tot.“

Zahlreiche gute Argumente, sie am, Leben zu erhalten, kamen mit bunten Regenjacken, Schirmmützen und Leuchtwesten daher: Kinder, gern in ganzen Gruppen aus Kitas unterwegs, warten trotz des kühlen Nieselwetters wie stets ganz fasziniert von so viel Nähe zu Kuh, Hengst, Kaninchen und Co. Streicheln, füttern, Händler fragen: Ochsenmarkt als kleines Abenteuer mit Bauernhof-Flair. Doch auch Frühstück und Frühschoppen im Festzelt waren gut besucht. Hier ließ sich so mancher eine Scheibe vom Ochsen am Spieß, Kaffee und Brötchen oder auch eine Schluck (Frei) Bier schmecken.

Für den heutigen Sonnabend ist um 15 Uhr die Fundsachenversteigerung im Kleintierzelt angesetzt. Ab 20.30 Uhr stehen dann die „Folk Friends Wedel“ um Elke und Ole West auf der Festzelt-Bühne. Sonntag erwartet die Besucher ab 10 Uhr ein Frühschoppen mit Gerd Spiekermann, dem Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein, der Volkstanzgrupp des Heimatbunds und der Dance Academy Wedel. Zudem laden Wedels Geschäfte von 13 bis 18 Uhr zum verkaufsoffenen Sonntag ein. Dazu gibt es an beiden Tagen buntes Jahrmarkttreiben auf dem Festplatz. Oliver Gabriel

Wedel-Schulauer Tageblatt

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