Sie zaubern in Wedel am Flügel

800 Karten für das Ausnahmekonzert "Pianos an der Elbe" am 24. Juni sind schon verkauft. Die Nachfrage ist groß - doch noch gibt es Tickets.

in Wedel Marketing

Wedel. Sie jagen Triller und Septakkorde durchs Hamburger Steinway-Haus. Sie lassen die Musik toben und wispern. Plötzlich ist Stille, dann wirbelt der Tastensturm erneut über den gleichen heiklen Abschnitt. Gleich an fünf schimmernden Flügeln machen sich Yukari Ito, Marie Inoue, Mathias Christian Kosel sowie die Zwillinge Karolin und Friederike Stegemann an diesem kühlen Maitag über musikalische Weltliteratur von Brahms bis Joplin her. Und das, was selbst durch die schalldämpfenden Glaswände der Hamburger Steinway-Zentrale Lust aufs Zuhören macht, ist nur eine von vielen Proben.

Richtig ernst wird es für die fünf Vollblutpianisten am Sonntag, 24. Juni. Dann will das Quintett ab 16 Uhr im Schuppen 1, einer Bootshalle des Segelvereins Wedel-Schulau (SVWS), an fünf D-Klavierflügeln einen Tastensturm entfesseln, den es so in Norddeutschland noch nie gegeben hat.

Jetzt geht der Countdown für "Pianos an der Elbe" in die Endphase. Nicht nur für die Akteure. Auch die Musikfreunde müssen sich sputen. Denn die Nachfrage nach den Tickets ist riesig. Annähernd 800 der 1100 Eintrittskarten sind nach Angaben von Daniel Frigoni, Chef der veranstaltenden Wedeler Agentur "Elbmenschen", bereits verkauft. Wer sich einen der 300 übrigen Plätze sichern möchte, wendet sich am besten an den Verein Wedel Marketing. Entweder direkt im Rathaus oder telefonisch unter der Nummer 04103/707-707. Karten kosten zwischen zehn und 30 Euro pro Stück.

Fünf Konzertflügel sternförmig auf einer Bühne angeordnet, daran fünf Meister ihres Fachs. Dazu ein vorwiegend heiteres Programm voller berühmter Ohrwürmer. Von Ravels orchestralem "Bolero" über "La Paloma" bis zum eigentlich für Celli komponierten "Hummelflug". In der Wedeler Fassung sei Pianistin Yukari Ito die "Chefhummel", scherzte Kosel. Diese Versuchsanordnung könnte ein eingängiges, ziemlich dezibelstarkes Spektakel in der Art einiger legendärer Massen-Klavierkonzerte unter Führung von Martha Argerich oder dem Piano-Popstar Lang Lang erwarten lassen.

Doch Kosel, Pianist, Dirigent, Arrangeur und musikalischer Spiritus Rector des maritimen Klavierzaubers, schüttelt energisch den Kopf. "Es geht uns nicht ums schneller, lauter, weiter, höher. Da wollen wir nicht hin", sagt er. "Wir suchen das Intime der Musik, die Details." Ziel sei nicht der Monumentalklang einer Art Riesenklavier, sondern der feine Dialog unter den Musikern und ihren unterschiedlich gefärbten Stimmen, wie er in der Kammermusik üblich sei.

"Für so ein Projekt auf diesem hohen musikalischen Niveau braucht man Teamplayer, Musiker, die an einem Strang ziehen." Die unter den Größen und Talenten der internationalen Klavierbranche zu finden, sei unter dem gegebenen Zeitdruck nicht ganz einfach gewesen. Fündig wurde Kosel schließlich im Internet. Er googelte "piano duo" und entdeckte die beiden jungen, bereits mehrfach ausgezeichneten Formationen. Dass sie sich untereinander kannten, weil sie unabhängig voneinander Meisterkurse bei Hans-Peter und Volker Stenzl, Spezialisten fürs vierhändige Spiel, belegt hatten, stellte sich erst später heraus.

Und weil es keine Kompositionen für fünf Klaviere gibt, hat Kosel kurzerhand Kammer- und Orchestermusik neu arrangiert. "Wir wollen etwas völlig Neues erfinden", sagt er. "Es wird eine spannende, musikalische Reise zu den Flügeln und wieder zurück."

Der erste Teil des Programms sei überwiegend dem Tanz gewidmet. Hier kommen etwa Dvoráks "Slawische Tänze" zum Zug. Im zweiten Teil nimmt das Quintett sich die großen Rhapsodien der klassischen und modernen Musikliteratur vor.

Stichwort: Franz Liszt. Im Gepäck haben die Pianisten außerdem ihre spezielle Fassung populärer Evergreens wie dem "Entertainer" von Ragtime-Ikone Scott Joplin.

Sie machen einen Ausflug in die japanische Musikszene, präsentieren beispielsweise den "Dance Song" des 2002 verstorbenen Japaners Toshinao Sato. Und die Favoriten der Musiker: "Ich persönlich freue mich ganz besonders auf die französische Klaviermusik", sagt Mathias Christian Kosel.

Hamburger Abendblatt/Pinneberger Zeitung

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