Vision einer besseren Bahnhofstraße

Einige Gestaltungsvorschläge für Wedels Einkaufsmeile liegen bereits vor. Der Umbau zur Gemeinschaftsstraße soll die Probleme lösen.

in Wedel Marketing

Von Katy Krause

Wedel. Auf ihren 800 Metern Länge drängen sich mehr als 100 Geschäfte. In der Wedeler Bahnhofstraße wird geschlemmt, geshoppt und geklönt. Erhebungen haben gezeigt, dass pro Tag etwa 13.000 Passanten die Einkaufsstraße entlang bummeln. Die Wedeler Bahnhofstraße ist noch viel mehr als eine Einkaufsmeile. Sie ist eine wichtige Verkehrsader für Busse, Pkw und vor allem für zahlreiche Radfahrer. Doch Wedels Dreh- und Angelpunkt ist in die Jahre gekommen. Schöne Plätze, breite Radwege, Barrierefreiheit? Fehlanzeige. Das soll sich ändern.

Eine Vision, wie die Bahnhofstraße der Zukunft aussiehen soll, liegt seit kurzem vor. Die Lösung heißt Gemeinschaftsstraße und ist das Arbeitsergebnis aus drei Workshops mit Wedeler Bürgern, von Gutachten und der Einschätzung durch Architekten sowie Raumgestaltern. Gemeinschaftsstraße bedeutet, dass alle Verkehrsteilnehmer sich die Fahrbahn teilen, indem sie auf andere Teilnehmer Rücksicht nehmen. Lediglich durch die Farbe und die Wahl anderer Steine sollen die Zonen für Fußgänger von denen für Autofahrer voneinander getrennt werden. Pkw dürften dann mit Tempo 20 durch die Straße rollen. Im Falle einer Umsetzung der Idee würde die Wedeler Meile zum Verkehrsprojekt mit Modellcharakter werden.

Einer, der bei den Workshops dabei war und der die Bahnhofstraße aus Zeiten kennt, als hier es hier kaum Geschäfte gab, ist Martin Schumacher. Der Wedeler unternimmt mit uns einen Spaziergang durch die Bahnhofstraße und zeigt uns die kritischen Punkte der Straße im Herzen der Rolandstadt.

Dabei weist Martin Schumacher nicht nur auf die kritischen Ecken hin, sondern zeigt auch auf, wie viel Potenzial noch in der Bahnhofstraße steckt. Zum Beispiel beim Blick auf den Rathausvorplatz (Punkt 1 in unserer Grafik). Gepflegte Blumenbeete am Eingang zur Einkaufstraße empfangen den Besucher farbenfroh. Für Budenzauber zur Weihnachtszeit und Weinverköstigung im Frühjahr ist Platz genug. Aber Martin Schumacher sieht ungenutzte Möglichkeiten. Aus seiner Sicht gehört hierher eine Stadtinformation. "Sie sollte die Touristen und Besucher gleich in Empfang nehmen,", sagt Schumacher, der auch Chef von Wedel Marketing ist. "Bislang suchen die Menschen, die sich über Wedel informieren wollen, lange bis sie den Weg ins Rathaus zur Geschäftsstelle des Marketingvereins finden."

Stadtinformation hin, Stromkästen weg. Die hässlichen Verteilerkästen, die andernorts Kunstprojekten Platz bieten, sind Schumacher genauso ein Dorn im Auge, wie das daneben stehende Plakat. Unter dem Titel "Gemeinsam für ein würdevolles Sterben" werben die Organisatoren für den Welthospiztag in der Hamburger Hafencity. "Ich kann nicht verstehen, warum wir unsere Stadt mit Werbung für Hamburger Veranstaltungen verunstalten", sagt Schumacher. Eine Klingel schrillt in unserem Rücken. Beim Schlendern sind wir auf den Radweg geraten. Ein Radler fordert freie Fahrt. Dabei sollten Radfahrer auf dieser Seite eigentlich nur von vorne kommen dürfen. Ein weiteres Problem der Bahnhofstraße. Es gibt nur einen sehr schmalen Radweg auf der linken Seite der Straße 2, der von den Radfahrern gern in beide Richtungen genutzt wird. Wollen Passanten die Fahrbahn queren, stehen sie schnell mal auf dem Radweg. Auf der Fahrbahn ist es auch nicht besser. Radler müssen mit Verengungen wie auf Höhe der Feldstraße kämpfen, gleichzeitig fahren Autofahrer dicht auf, oder der Wagen vor ihnen stoppt plötzlich, weil der Fahrer in eine freie Parklücke manövrieren will. In der angedachten Gemeinschaftsstraße der Zukunft gibt es mehr Platz und keine Parkplätze mehr. Erhebungen haben gezeigt, dass die Stellflächen allenfalls zu 85 Prozent ausgelastet sind. Autofahrer können in anliegende Straßen ausweichen.

Während Parkplätze wegfallen, soll es für Radfahrer mehr Abstellmöglichkeiten geben. Derzeit herrscht in Sachen Zweiradparkplatz 3 Chaos. An diversen Stellen entlang der Straße finden sich vereinzelt Ständer. Manche wackelig, andere zu schmal für Mountainbike-Reifen. Die von Experten oft geforderten Bügel sind Mangelware. Dafür gibt es diverse Hochbeete. "Das ist altmodisch. Sie nehmen die Sicht und sind zum Teil mehr Stolperfallen", sagt Martin Schumacher.

Mit einer Stolperfalle 4, die für junge Menschen kein Problem darstellt, kämpft eine ältere Dame ein paar Schritte weiter. Mit ihrem Rollator kommt sie nicht über den Bordstein der Bahnhofstraße. In den Pflastersteinen der Abflussrinne verfangen sich die kleinen Räder. "Der Gehweg ist an vielen Stellen zu hoch. Fußgänger jeden alters sollten entspannt über die Straße kommen können", so Schumacher.

Die Plätze 5 der Einkaufstraße solle dem demografischen Wandel anpasst werden. "Wir werden immer älter und der Anspruch, sich irgendwo auszuruhen und zu plauschen, ohne etwas dabei verzehren zu müssen, wächst", sagt Schumacher. Es fehlen gemütliche Ecken, wo sich die Wedeler treffen und klönen können. Vorschläge, wie das aussehen könnte, sind im Gestaltungskonzept zu sehen, der kürzlich der Politik präsentiert wurde.

Bis zur Umsetzung der Vision von einer besseren Bahnhofstraße sind noch diverse Hürden zu nehmen. Größtes Problem ist die Finanzierung des Umbaus. Erste Kostenschätzungen liegen bei etwa 3,5 Millionen Euro. Angesichts der angespannten Finanzsituation der Stadt bleibt das Projekt vorerst Vision. Trotzdem soll die Verwaltung Kosten ermitteln und Förderungsmöglichkeiten ausloten. Eine Idee, wie es trotz leerer Kassen klappen könnte: Ein Umbau in kleinen Schritten, um ein großes Projekt zu verwirklichen.

Hamburger Abendblatt/Pinneberger Zeitung

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