Wedeler Ochsenmarkt: Rinder, Menschen, Abenteuer

Traditionsreiches Fest begeisterte mit vielen Aktionen besonders die Kinder

in Wedel Marketing

In unserer hektischen Welt freuen wir uns über die Sicherheit der Dinge, die konstant sind und immer wieder auftauchen. Darunter fallen natürlich nicht solche Sachen wie Steuererhöhungen oder Dieter Bohlen im TV, sondern so etwas Schönes wie die Jahreszeiten, Ebbe und Flut am Elbstrand - oder auch den Wedeler Ochsenmarkt!

Nein, natürlich ist er nicht mehr der Riesen-Wirtschaftsfaktor, der die Flecken im Mittelalter reich und groß machte und der Heiratsmarkt findet heutzutage auch eher im Internet statt, doch verbunden ist ein kleiner Blick zurück in eine Zeit, die noch kuschelig und überschaubar war, in der Geld-Transfers noch rasch nach Handschlag unter Ehrenmännern und nicht schleppend nach Mails zwischen EU-Kommission und speziellen Regierungen abgewickelt wurden.

Das Schönste ist aber das Strahlen der Kinder! Ihr Lächeln und das Zucken der Hände, wenn es beim Kaninchenstreicheln ein bisschen kitzelt. Der kurze Schreck und dann das breite Grinsen, wenn ein Pferd feucht niest und sich so fürs Striegeln bedankt. Die großen Augen des kleinen Steppkes und sein aufgeregt-gereckter Zeigefinger auf das Kälbchen, um Oma mitzuteilen, was man gerade Spannendes entdeckt hat: "Da! Da!" - für kleine Kinder ist der Ochsenmarkt ein Abenteuer! - es waren die zuckersüß-strubbeligen Babys der schottischen Hochlandrinder, die Diethard Possehn, Hermann Gerkens und sein Sohn Thore extra zur Ausstellung von Westerhever nach Wedel gebracht hatten. "Nur zum Zeigen. Die Herde ist noch nicht groß genug für den Verkauf", sagte Possehn und dachte "und den Verzehr" bestimmt mit. Essen wird ohnehin schwer, denn die Tiere sind nicht namenlos, sondern heißen Alfons und Anni.

Für die Erwachsenen ist das Ochsenmarkt-Spektakel informativ-unterhaltsam. 15 Händler brachten 199 Rinder und 39 Pferde in die Stadt - kein Rekord, aber solide. Stadtpräsidentin Renate Palm und Bürgermeister Niels Schmidt samt Trachtendamen des Heimatbundes begrüßten die Händler mit warmen Worten und einem kalten "Kurzen", mit dabei Politiker vielerlei Couleur und Vertreter örtlicher Unternehmen, die sich nach dem traditionellem Auftakt mit Kaffee und Brötchen angeschlossen hatten.

Im Kleintierzelt zeigten die Reepschläger und die Bandreißer aus Hetlingen, wie viel Kraft Handwerk in früheren Tagen kostete, die Imker gaben Kostproben ihres Honigs, nebenbei informierten die Schüler David Beyer und Josef Kugler, wie man Unterschlüpfe für Wildbienen bastelt. Dennis Knop und Detlef Kleinwort vom Hegering 5 der Jäger informierten über ihre Aktivitäten, die Gefahren, die aus Asien eingewanderte Marderhunde mit sich bringen und klärten so manchen Laien auf, was im Wald und auf der Heide denn wirklich in Sachen Naturschutz und Hege notwendig ist.

Die Mitglieder des Kaninchenzuchtvereins U80 stellte ihren mümmelnden Fellknäuel vor - und brachten Eltern in Erklärungsnöte, weil Kinder fragten: "Papaaaa, krieg ich auch so eines?" Die Kaninchenzüchter helfen gern und freuen sich über neue Kameraden...

Gut angenommen wurde vom Publikum die kleine Marktmeile mit Pferdezubehör-Händlern und erstmals auch Kunsthandwerkern - ob Drechsler, Schmuckschmied oder Likörfrau: alles bunte Tupfer, die das Treiben ebenso bereicherten wie die alten Trecker der Holmer-Oldtimer-Fans.

Und das niemand Hunger oder Durst leiden musste war natürlich klar. Bürgermeister Schmidt schnitt den Ochsen am Spieß an, den Aktive der Beruflichen Schule Elmshorn und der Fleischerinnung in 20 Stunden einmal mehr sanft und auf der Zunge schmelzend gebrutzelt hatten. Die "Nachtwache", Fleischermeister Marc Fülscher, hatte einen hervorragenden Job gemacht. Guten Appetit!

Schon Freitagabend hatte der Wedeler Ochsenmarkt mit den "Dauerbrennern" der Kult-Band "Just for fun" begonnen! Gute Laune und viel tanzbare Musik im Festzelt an der Schulauer Straße brachten den rund 500 Gästen einen munteren, unterhaltsamen Abend. Und auch das Wetter spielte mit!

Das Spektakel ging weiter: Kinder wurden unter anderem von der legendären "Hexe Knickebein" bestens unterhalten und in der "Nacht der Ochsenfreunde" präsentierte Jan Ladiges und Sven Kamin, was man mit der deutschen Sprache - ob hoch oder platt - denn so alles anstellen kann. Ihr Poetry Slam, ein Dichterwettstreit, war ein wahres Textgewitter, das über die Gäste im Festzelt hereinbrach. "Deine Cousine", eine Hamburger Liedermacherin, brachte mit kraftvoll-klarer Stimme, höchstem Einsatz an der Akustik-Gitarre und kernigen Texten Texten Schwung ins Zelt. Zum krönenden Abschluss traten Tim Linde und Band auf - schöne Melodien mit Geschichten und Gedanken, die jedermann schon irgendwie gehabt hat, so ein bisschen in einer Linie mit Reinhard Mey.

Am Sonntag rundete der traditionelle Frühschoppen unter anderem mit Auftritten der Spitzerdorf-Schulauer Sänger und der Tanzgruppe "Tweenies" die Sause ab. (Jörg Frenzel/kommunikateam, 27.4.2015)

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