„Die Beratung und die digitalen Angebote stärken“

Interview mit Marc Cybulski, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wedel

in Kaufleutegemeinschaft, Wirtschaft & Branchen

Marc Cybulski weiß, dass der Erfolg der Zukunft zu einem Großteil im Digitalen liegt.
Marc Cybulski weiß, dass der Erfolg der Zukunft zu einem Großteil im Digitalen liegt., Marc Cybulski weiß, dass der Erfolg…

In einigen Tagen veröffentlicht die Stadtsparkasse Wedel ihre Geschäftszahlen zum Jahr 2017. Vorab hat uns Marc Cybulski, Vorstandsvorsitzender des Hauses, seine Ziele für das laufende Jahr erläutert.

Herr Cybulski, Sie sind seit fast elf Jahren Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse Wedel. In wenigen Tagen werden Sie zum elften Mal die Zahlen einer Jahresbilanz vorlegen. Ist Routine daraus geworden?

Cybulski: Nein, auf gar keinen Fall. Wir versuchen zwar, ein Geschäftsjahr so sorg­fältig wie möglich und mit der Hilfe möglichst vieler Daten zu planen. Aber leider hält sich die Realität dann nicht immer an unsere Planung.

Sie sprechen von Ereignissen, die sich beim besten Willen nicht voraussagen lassen?

Dass ich, wie Sie erwähnen, schon elf Jahre in meiner Funktion tätig sein darf, ermöglicht mir natürlich einen Rückblick. Ich erinnere mich an sehr erfreuliche und weniger erfreuliche Tage. Ereignisse wie die Finanzkrise, die 2008 bald nach Beginn meiner Tätigkeit aus den USA nach Europa und Deutschland kam, gehören zu den weniger erfreu­lichen Dingen. Natürlich war der Immobilienmarkt in den USA heiß gelaufen und natürlich haben viel zu viele Menschen dort versucht, die günstigen Zinsen zu nutzen und Eigentum zu erwerben. Aber was dann geschah, hat sich so nicht vorhersagen lassen. In Deutschland hätten insbesondere die Sparkassen niemals versucht, derart expansiv Kredite auszureichen. Im Augenblick der Krise war das dann eine ihrer Stärken. Deshalb haben wir die Folgen auch vergleichsweise glimpflich überstanden. Auch wir als Stadtsparkasse Wedel.

Aber es gibt doch sozusagen hausgemachte Probleme wie die HSH Nordbank. Hätte man da nicht eher die Notbremse ziehen müssen?

Na ja, die Sparkassen sind zwar an ihrer Landesbank beteiligt, aber in das operative Geschäft können sie nicht eingreifen. Die Risiken der Strategie hatten andere zu bewerten. Eine der Entwicklungen, die sicher auch niemand so hätte vorhersagen können, ist die Kannibalisierung, die die Reedereien vor einigen Jahren erfasst hat. Das war nicht hilfreich für die Strategie der Schiffsfinanzierungen. Und Expansion um jeden Preis ist auch nicht in jedem Fall eine gute Idee.

Eine Abwicklung der HSH …

… wäre nach allem, was wir wissen, noch teurer geworden. Um es zusammenzu­fassen: Sicherlich hat es Fehleinschätzungen gegeben und sicherlich war die Kommunikation nicht immer so zeitnah, umfangreich und offen, wie wir alle, Sparkassen und Politiker, sie uns gewünscht hätten.

Kommen auf die schleswig-holsteinischen Sparkassen denn jetzt noch einmal Belastungen zu?

Das erzielte Ergebnis ist sehr erfreulich. Wir schleswig-holsteinischen Sparkassen gehen davon aus, dass auch der weitere Prozess planmäßig ablaufen und der Zustimmung der EU-Kommission nichts im Weg stehen wird. Von möglichen Folgelasten sind die Sparkassen in Schleswig-Holstein nicht betroffen.

Die Schließung von zwei Geschäftsstellen im vergangenen Jahr hat also nichts damit zu tun, dass Sie wegen der HSH jetzt sparen müssen?

Eine originelle Idee, aber: Nein. Das haben wir oft genug gesagt: Wir haben ja an der Nutzung der Geschäftsstellen gemerkt, dass die klassischen Service-Nach­fragen deut­lich nachlassen. Wir können und wollen es uns aber nicht leisten, diese Kunden zu vernachlässigen und womöglich zu verlieren. Deshalb wird die Digitalisierung unserer Angebote ein Schwerpunkt unserer Investitionen sein. Beispielsweise haben wir jetzt versuchsweise erste Berater-Büros mit großen Bildschir­men ausgestattet, die die Beratung deutlich komfortabler machen.

Und wo erleben wir die Digitalisierung im täglichen Leben?

Zum Beispiel in der Internet-Filiale. Wir arbeiten zurzeit intensiv daran, einfache Produktabschlüsse auch über das Internet anzubieten. Läuft es planmäßig, stehen gegen Ende des Jahres bis zu 35 zusätzliche Leistungen in unserem Internet-Auftritt zum Abruf bereit.

Aber bei aller Digitalisierung: Es kommt doch immer noch auf die Menschen, auf das Eins-zu-Eins im Gespräch und die kompetente Beratung an?

Sehr richtig, die Technik ist nie Selbstzweck. Aber sie ist eine unverzichtbare Ergän­zung. Und um Ihre indirekte Frage zu beantworten: Wir haben ja auch unsere Be­ratung umgestellt. Beispielsweise gibt es jetzt einen Berater, der sich ganz gezielt um junge Kunden kümmern wird, weil er selbst aus dieser Altersgruppe stammt. Und wir werden bald auch ein Kontomodell für all jene Kunden anbieten können, die uns auf dem digitalen Weg nur ein Stück weit begleiten wollen, andererseits aber nicht jederzeit in der Lage sind, zu uns in die Geschäftsstelle zu kommen. Wir werden also zu ihnen gehen. Abgesehen davon werden iPads auch in der Beratung eine wachsende Rolle spielen. Um es ganz deutlich zu machen: Wir werden die Beratung und die digitalen Angebote stärken.

Sind Sie denn mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr zufrieden?

Ohne vorgreifen zu wollen, kann ich sagen: Wir sind zufrieden. Wir hatten 2016 ein gutes Jahr und wir brauchten auch ein gutes Jahr 2017, um für die nächsten Herausforderungen gewappnet zu sein. Denn die Anforderungen aus der Bankenregulierung werden nicht weniger und die Digitalisierung muss nicht nur von uns bezahlt, sondern auch technisch geleistet werden. Da bin ich – im Rückblick auf die elf Jahre – schon sehr froh, dass ein verlässlicher Kern von Mit­arbeitern unserer Sparkasse schon sehr lange die Treue hält. Das sehe ich als großen Vorteil bei allem, was auf uns zukommt. Allerdings ist uns auch klar, dass sich ein wahrnehmbarer Teil des Teams in den nächsten Jahren in den Ruhestand oder die Alters­teilzeit verabschiedet. Aufgeschlos­sene, flexible Nachwuchs­kräfte sind uns also jederzeit willkommen. (Carsten Dürkob / Stadtsparkasse Wedel, 10.4.2018)

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