switch-orientation

Es begann mit Wasser für die Optik

Dank der Firma J.D. Möller wurde das Jahr 1911 zur Geburtsstunde der zentralen Trinkwasserversorgung in Wedel. 

Johann Diedrich Möller als 20jähriger.
Wedels berühmtester "Industrie-Tycoon" im Alter von 20 Jahren: Johann Diedrich Möller.

1864 wurde von dem damals 20jährigen Johann Diedrich Möller die erste Firma in Wedel gegründet. Mit dieser Firmengründung wurde für die Stadt Wedel der Grundstein für das Industriezeitalter der Stadt gelegt.

Die ersten optischen Komponenten, wie Linsen und Prismen fertigte Johann Diedrich Möller für Hamburger Auftraggeber im Haus seiner Eltern in Wedel „Hinter der Kirche 13“. Doch bereits sechs Jahre später, 1870,war es dem jungen Johann Diedrich Möller möglich Wohnsitz und Betrieb in den Rosengarten 6, einem äußerst imposanten Gebäude, zu verlegen.

Rosengarten 6
1870 war es dem jungen Johann Diedrich Möller möglich, Wohnsitz und Betrieb in den Rosengarten 6, einem äußerst imposanten Gebäude, zu verlegen.

Aus der Heimwerkstatt war innerhalb kurzer Zeit ein ansehnlicher Optik-Betrieb geworden. Als "JDM" 1907 verstarb, hinterließ er seinen Kindern nicht nur eine gut florierende optische Firma, sondern auch ein gut gepolstertes Finanzkissen. Sein zweitältester Sohn Hugo führte die Firma weiter und baute sie bald zu einem modernen, erfolgreichen Industriebetrieb der Präzisionsoptik aus.

Wasserturm-Zeichnung 1912
Die Zeichung des Wasserturms aus dem Jahr 1912 und..
Das Werk um 1913 - mit Windradantrieb für die Pumpen!
...die Realität um 1913 - mit Windradantrieb für die Pumpen!

1910 - schon wenige Jahre nach seiner Übernahme wurde ein Firmenneubau erforderlich, um die stetig steigenden Auftragseingänge bearbeiten zu können.  Besonders gravierend war der  Anstieg im Bereich der sogenannten losen Optik. Bekanntermaßen wird für die Bearbeitung von Glas-Optiken viel Wasser gebraucht. 1911 entschloss sich Hugo Möller deshalb auf seinem Firmengelände einen Brunnen  zu bohren.

In etwa 30 Meter Tiefe wurde eine wasserführende Schicht, die sogenannte Pinneberger Rinne gefunden. Rein zufällig hatte man diese ergiebige Wasserquelle mit sehr guter Wasserqualität angebohrt. Die max. Förderleistung betrug damals etwa 10 m ³ / h, die Pumpe wurde von einem Windrad angetrieben.

Eine zentrale Trinkwasserversorgung gab es in der damaligen Zeit in Wedel nicht und so war es nicht verwunderlich, dass sich schon bald mehrere Nachbarn meldeten, die ebenfalls Interesse an dieser Wasserversorgung zeigten. Angeschlossen wurde bald das Grundstück  am Rosengarten 4 und Petersens Gasthof, der auf dem heutigen Rathausplatz stand.

 Im Bereich der Mühlenstraße war die Trinkwasserqualität besonders schlecht. So ist nicht erstaunlich, dass schon im Dezember 1912 eine Wasserbezugsgesellschaft gegründet wurde. Gesellschafter waren Hugo Möller als Wasserlieferant, sowie die Familien Madsen, Nelke, Fick, Abelbeck und Gohrbandt.

 Ein Vertrag regelte die exakten Wasser- Bezugsmengen, das erforderliche Rohrnetz hat man in Eigenleistung verlegt. Die Genehmigung hierfür erhielt Hugo Möller mit dem Erlaubnisschein Nr. 486 vom Landesbauamt am 8. Oktober 1912.   

Der Wasservertrag mit er Altonaer Eisenbahn
Ohne Wasser kein Dampf - der Vertrag mit der Altonaer Eisenbahn regelte die Lieferung.
Der Wedeler Bahnhof mit Lok, die Möllers Wasser so dringend benötigte.

Wirtschaftlich richtig interessant wurde es dann im Oktober 1914. Das Königliche Eisenbahnbetriebsamt in Altona schloss mit Hugo Möller einen Vertrag zur Wasserlieferung für den Bahnhof Wedel ab.  Das Rohrnetz bis zum Bahnhof wurde von Hugo Möller projektiert und verlegt. Die anfängliche Abnahmemenge von ca. 20 m³ pro Tag steigerte sich schnell auf 60 m³ pro Tag. Berechnet wurden 20 Pfennig pro m³, zuzüglich Gebühren für die Benutzung des Leitungsnetzes.

Das Projekt „Wasserförderung durch Brunnenbau“ entwickelte sich in jeder Hinsicht zu einem einträglichen Geschäft für Hugo Möller. Anfang 1914 fanden erneut Bauarbeiten auf dem Firmengelände statt. Hugo Möller hatte sich entschlossen, den Windantrieb für die Maschinen aufzugeben und anfangs durch einen Benzolmotor zu ersetzen. Das Windrad auf dem Turm wurde abgebaut und verkauft.

Später, nach Fertigstellung einer Versorgungsleitung zum E-Werk konnten Elektromotore eingesetzt werden.  Der Turm wurde zu einem Wasserturm ausgebaut, um damit den erforderlichen Druck im Rohrnetz erzeugen zu können.

Noch im selben Jahr wurde die Wasserbezugsgesellschaft aufgelöst. Firma Möller kaufte alle Anteile auf und wurde damit auch Eigentümerin des Rohrnetzes. In den nächsten Jahren ließen sich weitere Wedeler Haushalte an die private Möllersche Wasserversorgung anschließen.

Wasserturm 1928
Eine Zeichnung des Wasserturms aus 1928 - Motoren hatten das Windrad ersetzt.
Großer Tag: Richtfest des neuen Turms

1923 brachte die Inflation viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten, so auch die Firma Möller. 51 % der Firmenanteile mussten 1925 an die Fa. Zeiss – Jena verkauft werden, Hugo Möller blieb alleiniger Geschäftsführer.

Die erhoffte wirtschaftliche Gesundung der Firma Möller blieb durch den Zusammenschluß leider aus, der Wasserbedarf der Firma jedoch stieg durch die Erweiterung der Fertigung von optischen Gläsern erheblich an.

1926 wurde deshalb ein neuer Brunnen gebohrt. Um den erforderlichen Wasserdruck im Rohrnetz zu gewährleisten, mußte der Wasserturm erweitert werden. Umfangreiche statische Prüfungen waren notwendig, die Planungen zogen sich in die Länge und erst 1928 konnte dann endlich das Richtfest für den neuen Wasserturm mit einem Fassungsvermögen von 60 m³ gefeiert werden.

Wie sinnvoll dieser Erweiterungsbau war, zeigte sich bald. Die Eisenbahngesellschaft in Altona erhöhte die Abnahmemengen und die Stadt Wedel – vertreten durch den damaligen Bürgermeister Friedrich Eggers – plante eine zentrale Trinkwasserversorgung für das Stadtgebiet, bis hin zum Krankenhaus.

Diese Erweiterung der Trinkwasserversorgung für die Stadt war notwendig geworden, da in Wedel der Reichstonnenhafen gebaut werden sollte. Damit einhergehend rechnete man mit größeren Wohnansiedlungen und einer wachsenden Bevölkerung. Wedel hatte sich in diesem Zuge verpflichtet für die zunehmende Bevölkerung eine ausreichende Wasserversorgung sicherzustellen.

Die kalkulierte Investition in Höhe von 600.000,- RM konnte von der Stadt jedoch nicht geleistet werden, die Kasse war leer. In dieser finanziellen Notlage trat die Stadt Wedel an Firma Möller heran.

Hugo Möller zeigte sich für dieses Projekt aufgeschlossen und am 04.Juni 1929 wurde ein Wasserlieferungsvertrag zwischen der Firma Möller und der Stadt Wedel geschlossen.  Beide Verhandlungspartner waren zufrieden.

Die Projektleitung für dieses Vorhaben übernahm Otto Möller, der jüngere Bruder von Hugo Möller. Er war auch für den Ausbau des Rohrnetzes in den Straßen der Stadt Wedel, das später einmal fast 50 km betragen sollte, verantwortlich. Otto Möller hatte sich bereits seit Anfang der 1920er Jahre mit den technischen Fragen rund um das Wasserwerk befasst und so unterstand ihm die Wasseranlage.

Das „Möller´sche Wasserwerk“ befindet sich noch heute an dem damals gewählten Standort.  Auch mit der Reichsbahn war 1928 ein Anschlussvertrag mit einer täglichen Abnahmemenge bis zu 150 m³ Wasser geschlossen worden.

Schon 1929 mußte der dritte Brunnen mit einer Förderleistung von 20 m³ / h gebohrt werden, die Bevölkerungsdichte der Stadt Wedel machte dies erforderlich. Neben der Wasserversorgung für Wedel lag das Hauptgeschäft der Firma Möller nach wie vor auf der Herstellung von optischen Geräten.

Das Gelände von J.D. Möller im Jahr 1934.
Es geht wieder aufwärts: Das Gelände von J.D. Möller im Jahr 1934. In der Karte sind die funktionsfähigen Brunnen, sowie das Firmengelände um 1934 dargestellt. Interessant ist auf dieser Karte der Grenzverlauf zwischen Wedel und Schulau. Die Grenze verläuft mitten durch das Firmengelände und ist als blaue Linie gekennzeichnet.

Nach langen, zähen Verhandlungen gelang es Ende 1930 Hugo Möller die einstmals abgegebenen Firmenanteile an die Firma Zeiss wieder zurück zu zukaufen. J.D.Möller GmbH, einschließlich Wasserwerk, befand sich nun wieder vollständig im Besitz von Hugo Möller.

Nach 1931 begann in Deutschland der wirtschaftliche Aufschwung mit ständig steigenden Produktions- und Mitarbeiterzahlen. Wieder stieg der Wasserbedarf an. Die wachsende Stadt Wedel mit nunmehr fast 9000 Einwohnern verbrauchte immer mehr Trinkwasser. Auch die Reichsbahn Altona steigerte ständig die Abnahmemengen.          

Das Wasserwerk entwickelte sich in den 1930 ger Jahren zu einem profitablen Geschäftszweig. Täglich wurde mehr als 1.600 m³ bestes Trinkwasser verkauft.

Ab 1935 waren fünf Brunnen in Betrieb. Es wurden zwar sechs Brunnen gebohrt, eine Bohrung musste jedoch abgebrochen werden, das Rohr wurde wieder gezogen.

Eine gute Auftragslage brachte der Firma J.D. Möller wirtschaftlichen Aufschwung, die Firma expandierte, Hugo Möller erweiterte seinen Betrieb ständig. So entstanden allein im Zeitraum von 1934 – 1937  fünf größere Neubauten, darunter die Gebäude 3 und 4.

1937 begann er mit der  Planung eines weiteren  Gebäudes, dem Gebäude 5.  An diesem Gebäude sollte ein 8 Stockwerke hoher Wasserturm errichtet werden. In ca. 36 Metern Höhe war ein Wasserbehälter mit einem Fassungsvermögen bis zu 300 m³ geplant.  Dieser Turm überragte mit seiner beträchtlichen Höhe alle bereits vorhandenen Gebäude der Stadt. Von hier aus wird bis heute bestes Trinkwasser in das Wedeler Rohrnetz gespeist, der Wasserdruck beträgt etwa 4,5 Atmosphären.

Der Wassrturm im Jahre 1940
Der Wassrturm im Jahre 1940

Um dieses Projekt realisieren zu können, war eine Erweiterung des Firmengeländes in Richtung Hoophof notwendig, vor Baubeginn mußten etliche Grundstückskäufe getätigt werden.

1938 konnte endlich unter Bauleitung von Otto Möller mit diesem Großprojekt gestartet werden, Materialknappheit während des Krieges ließen die Bauarbeiten nur schleppend vorankommen, sodaß erst 1942 die Fertigstellung von Gebäude 5 erfolgen konnte.

Auch das Wasserwerk wurde 1940 umgebaut und erweitert. 1945 wurden alle Firmengebäude von J.D. Möller einschließlich Wasserwerk von den englischen Besatzungstruppen beschlagnahmt.  Dennoch erfolgten im Juli und August 1945 zwei weitere Brunnenbohrungen. Der erste Versuch im Juli erreichte eine Bohrtiefe von 385 Meter, das Wasser war allerdings stark salzhaltig und konnte nicht verwendet werden. Mehr Glück hatte man im August. Bei einer Bohrtiefe von 87 Metern, erreichte man eine wasserführende Schicht, die Förderleistung dieses Brunnens betrug 60 m³ / h.

Die nächste Bohrung ( Brunnen 9 ) erfolgte im September 1948. Die Bohrtiefe betrug diesmal 92 Meter mit einer Förderleistung von 100 m³ / h.  1956 wurde das Wedeler Trinkwasserrohrnetz, das sich seit 1929 im Besitz der Firma Möller befand, an die Stadt Wedel verkauft. Der letzte Brunnen wurde im Dezember 1979 gebohrt, die Bohrtiefe betrug 83 Meter und die Förderleistung 50 m² / h.

Ansicht 50er Jahre
Eine Firmenansicht aus den 50er Jahren, auf der die Wasseranlagen zu erkennen sind

Ende 1970 erfolgte der Rückbau des alten Wasserturms, dessen Fußpunkt heute noch zu sehen ist. 1979 wurden größere Flächen des Firmengrundbesitzes an eine Münchener Immobilienfirma verkauft. Heute befindet sich dort das EKZ Rosengarten.  Drei Brunnen, die heute  noch in Betrieb sind, befinden sich auf dem  Gelände des Einkaufszentrums.

1987 wurde das Wasserwerk aus der Firma ausgegliedert und wird seitdem als eigenständige GmbH weitergeführt. 1990 kaufte das Schweizer Unternehmen Haag - Streit GmbH die Firma Möller aus dem Nestle Konzern heraus und übernahm damit auch das Wasserwerk und die Brunnen.

Das Werk von J.D. Möller mit dem Einkaufszentrum Rosengarten, das sich in Richtung Mühlenteich anschließt. Foto: Frenzel/kommunikateam
Das Werk von J.D. Möller mit dem Einkaufszentrum Rosengarten, das sich in Richtung Mühlenteich anschließt. Foto: Frenzel/kommunikateam

2011 und 2012 wurden umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Bereich des Wasserwerks und der Wasseraufbereitung durchgeführt. Insgesamt wurden von der Firma Möller zwölf Brunnen auf dem Firmengelände gebohrt, davon sind heute noch drei Brunnen in Betrieb. Die tägliche Förderleistung beträgt etwa 1.600 m³.

Bei einer vorsichtigen Schätzung kann davon ausgegangen werden, dass das Möller Wasserwerk mit den dazugehörigen Brunnen seit der ersten Bohrung in 1911 mehr als 75 Millionen m³ hochwertiges Trinkwasser gefördert und in das Wedeler Rohrnetz eingespeist hat. Damit hat es fast 85 Jahre lang einen äußerst wichtigen Beitrag zur Grundversorgung der Stadt Wedel geleistet.

Wie lange Wedel noch von den Möller – Brunnen mit Trinkwasser versorgt werden kann, lässt sich heute noch nicht voraussagen.

Quellen: Alle verwendeten Bilder, Zeichnungen und Daten stammen aus dem Möller Archiv. Mein besonderer Dank für die Bereitstellung der Unterlagen gilt Herrn Jens Jürgens von der J.D. Möller GmbH & Co. KG, sowie Herrn Georg Körner von der J.D. Möller Wasserwerk GmbH. (©  Der Nachdruck – auch Auszugsweise ist ohne meine Zustimmung untersagt. Für Anregungen und Ergänzungen bin ich dankbar. Rudolf de Wall,  2015)

Der Autor Rudolf de Wall

Rudolf de Wall

Rudolf die Wall ist Physiker und arbeitete in seiner aktiven Zeit als Entwicklungsleiter bei einem Kunden von Möller Wedel. Die Firma und ihre Persönlichkeiten faszinierten ihn derart, dass er nach seinem Eintritt in den Ruhestand begann, sich mit der Unternehmensgeschichte zu beschäftigen. Er gehört zu einer Gruppe von engagierten Forschern, die die technische Sammlung Möller Technicon betreuen und weiterentwickeln. Exklusiv für wedel.de hat er die Geschichte nachgezeichnet

Hier lesen Sie genaue technische Angaben zum Wasserwerk von J.D. Möller mehr  

Nach oben