Stadtgeschichte Kompakt

Selten wird eine Stadt formell gegründet. Auch bei Wedel war das nicht der Fall. Hier tauchen aus dem Dunkel der Vergangenheit Urkunden auf, die eine Besiedlung nahe legen und archäologische Funde lassen auf eine frühe Besiedelung schließen. In späteren Jahrhunderten kommen die einst getrennt stehenden Ortschaften Spitzerdorf und Schulau zu Wedel hinzu. Hier können Sie einen kurzen Ritt durch die Geschichte der Stadt Wedel unternehmen.

Die lange Geschichte der Stadt Wedel in Kürze erzählt

Vor beinahe 800 Jahren wurde der Name Wedel erstmalig urkundlich erwähnt. Der Name „Wedel“ kommt vom altsächsischen Wort „Wadil“ und bedeutet „Furt“. Diese Furt ist die Querung des Ochsenweges durch die Niederungen Wedeler Aue.

Die schriftlich nachweisbare Geschichte Wedels beginnt im Jahre 1212 mit einer Urkunde. Auf dieser Urkunde werden die Gebrüder von Wedel als Zeugen erwähnt. Es bleibt unklar, ob es bereits einen Ort dieses Namens gegeben hat. Erst 1255 wird in einer weiteren Urkunde ein Ort namens Wedel genannt. Davon dass die Gegend bereits vorher besiedelt war, zeugen die Fundstücke der Vor- und Frühgeschichtlichen Zeit.
Als der Name „Wedel“ aus dem Dunkel der Geschichte auftauchte, waren die Schauenburger Grafen die Landesherren. Dieses niedersächsische Adelsgeschlecht regierte bis in das 17. Jahrhundert hinein. Die 1311 erstmals benannte Hatzburg lag in der Wedeler Marsch. Graf Adolf VI. von Holstein versprach in einer Urkunde, den Hamburgern von der Hatzburg aus keinen Schaden  zufügen zu wollen. Das Gebäude der Burg stand bis Anfang des 18. Jahrhunderts.
Der Ochsenmarkt in Wedel entwickelte sich zu einem der wichtigsten Marktplätze für Großvieh in Norddeutschland. Aus ganz Jütland trieben die Viehhändler ihre Tiere auf dem Ochsen- und Heerweg in großen Trecks nach Süden – vor dem Elbübergang war Wedel der Haupthandelsort.  Die Ochsen wurden hier an die Westerländischen und Flämischen Händler verkauft.  Bis zu 30.000 Ochsen wurden mehrere Wochen im Frühjahr verhandelt. Der Roland auf dem Wedeler Markt steht im direkten Zusammenhang mit dem Ochsenmarkt. Vor ihm als Symbol der Marktgerechtigkeit handelten die Händler und über Streitigkeiten wurde zu Gericht gesessen. Der erste Roland wurde vermutlich zunächst in einfachem Holz um 1450 errichtet. Zu diesem Zeitpunkt ging der bisherige Fährort Lichte unter und wurde von den Schauenburger Grafen durch die Elbe-Fährstelle in Wedel abgelöst.
Mit dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges begann der Niedergang des Ochsenhandels. Das 17. Jahrhundert war geprägt von kriegerischen Auseinandersetzungen. Dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) folgten die Schwedenkriege und die Nordischen Kriege. Die Region wurde von den Kriegswirren und Auseinandersetzungen schwer in Mitleidenschaft gezogen. Mehrfach gab es Überfälle und Einquartierungen, die den Einwohnern das Leben schwer machten.
Eine detaillierte Beschreibung der schweren Zeiten findet man in den Schriften des Dichters und Pastors Johann Rist. Johann Rist, geboren 1607 in Ottensen, war eine über Wedel hinausragende Persönlichkeit. Der gut ausgebildete Theologe bewarb sich im Jahr 1635 auf die vakante Pfarrei in Wedel. Dort fand er den richtigen Ort, um seine Studien weiterzuführen und seine Kontakte zu führenden Dichtern und Gelehrten fortzusetzen.  Er schrieb zahlreiche Bücher mit weltlicher und geistlicher Lyrik, Schauspiele, Andachten und gesellschafts- und literaturkritische Werke. Er prangerte in seinen Werken den Krieg an. Mit anderen führenden deutschen Dichtern gründete er den „Elbschwanenorden“, eine Sprachgesellschaft, die für die Reinhaltung der deutschen Sprache eintrat. Bei seinem Tod 1667 hinterließ er ein großes literarisches Erbe.

1622 starb der Schauenburger Graf Ernst. Der dänische König Christian IV. nutzte die Gunst der Stunde und besetzte die Grafschaft. Es begann die dänische Zeit. Das 17. Und das 18. Jahrhundert waren geprägt durch große Seuchen, Brände und Kriege. Mehrfach grassierte die Pest, und Wedel wurde wiederholt durch Brandkatastrophen verwüstet.
1848 begannen europaweit Erhebungen und Aufstände die den Kampf um Schleswig-Holstein zum Ziel hatten. Die Forderungen waren eine Vereinigung von Schleswig und Holstein in die Aufnahme Schleswigs in den Deutschen Bund. An den daraus folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen haben auch Wedeler teilgenommen. Sie endeten mit der Teilung des Landes nördlich der Eider. Revidiert wurde der Zustand aber bald. Im Jahre 1864 marschierten preußische und österreichische Truppen in Holstein ein. Dänemark verlor die Herzogtümer nach 224 Jahren. In Wedel zog die preußische Verwaltung ein – und das Amt des Bürgermeisters wurde eingeführt. Im Laufe des 19. Jahrhunderts errichtete Wedel die erste Schule und erbaute ein Pastoratsgebäude.
1864 bildete sich die Keimzelle der optischen Werke durch Johann Diedrich Möller, der für seine Entwicklung mehrfach international ausgezeichnet wurde. Er entwickelte Mikroskope und stellte mikroskopische Präparate her.
1875 hatte Wedel eine Einwohnerzahl von 1.669 Einwohnern, als die Stadtverordnetenversammlung beantragte, den Titel „Stadt“ anzunehmen. Wedel war rein ländlich geprägt. Weitere Industriebetriebe zogen es zunächst in das benachbarte Schulau. Dort entstand 1877 eine Pulverfabrik, die bereits ein Jahr später explodierte. 1883 wurde Wedel ans Eisenbahnnetz angeschlossen. Dadurch siedelte sich verstärkt Industrie an: die Zuckerfabrik und die Deutsche Vakuum, Deutschlands erste Raffinerie. Die Bevölkerungszahl wuchs stetig an. Insbesondere das Schulauer Ortsbild prägten Arbeiter, viele von ihnen kamen aus Polen.
Wedel entwickelte sich auf dem kulturellen Gebiet weiter. Neben mehreren Vereinen wurden kurz nach der Jahrhundertwende die Volksbücherei und ein Museum gegründet. Im Jahre 1909 wurde der bis dato selbständige Ort Schulau in Wedel eingemeindet. Nach der Zusammenlegung beider Orte schritt die Entwicklung der Kleinstadt zügig voran. Es wurde ein Elektrizitätswerk erbaut und 1930 errichtete Wedel ein Krankenhaus.
Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise traf auch Wedel hart. Mehrere größere Arbeitgeber stellten den Betrieb ein, allein die Zuckerfabrik entließ mindestens 400 Arbeiter. 1933 lebten etwa 20 Prozent der Bevölkerung von öffentlicher Unterstützung. Das schlug sich auch im politischen Leben in Wedel nieder, seit 1929 stieg die Anzahl der politischen Veranstaltungen an. Mit Aufmärschen und Massentreffen bestimmten auch hier insbesondere die extremen Parteien das Stadtbild, es kam zu einigen gewalttätigen Zwischenfällen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten übernahmen, wie im gesamten Deutschen Reich, auch in Wedel führende Nationalsozialisten wichtige Verwaltungsposten. Die Arbeiterparteien SPD und die KPD, in Wedel recht stark vertreten, wurden verboten und gingen zeitweilig in den Widerstand. Viele ihrer Mitglieder wurden inhaftiert und verbrachten Jahre in Konzentrationslagern.
Zu der wichtigsten baulichen Veränderung des Stadtbildes in den 30er Jahren gehörte der Rathausneubau an der Bahnhofstraße. Daneben entstehen die Wohnsiedlungen am Voßhagen, die sogenannte Nordschleswig-Siedlung und die Milich-Siedlung. Im Jahr 1939 ehrt Wedel den dritten Ehrenbürger Wedels. Nachdem vorher einem langjährigen Bürgermeister und einem engagierten Armenarzt diese Ehre zuteil wurde, ehrte man nun den überregional bekannten Maler Rudolf Höckner. Zeitgleich wollte man für einen anderen berühmten Wedeler eine Plakette an das Geburtshaus anbringen. Aber eine Ehrung Ernst Barlachs war zu diesem Zeitpunkt nicht erwünscht.
Im März 1943 schlugen Wedels allerschlimmste Stunden. Ein massiver Bombenangriff britischer Kräfte legte die kleine Stadt nahezu in Schutt und Asche. 70 Prozent der Wohnbebauung war nur noch ein Trümmerfeld. Die Stadt errichtete große Barackensiedlungen. Die Wohnungsnot erreichte aber den Höhepunkt, als bedingt durch Flucht und Vertreibung im Laufe des zweiten Weltkriegs Hunderte von Evakuierten und Flüchtlingen nach Wedel kamen.
Bei einer Volkszählung 1947 standen 7.902 Einheimische mehr als 6.500 Evakuierten und Flüchtlingen gegenüber. Der Wohnraum wurde so belegt, dass jeder Person 4,9 Quadratmeter zur Verfügung standen. Durch großangelegte Wohnungsbauprogramme förderte die Stadt die Integration dieser Menschen. 1954 begann das größte und landesweit ehrgeizigste Wiederaufbauprojekt: Der Bau der Gartenstadt Elbhochufer.  Auf einem 40 ha großen Gelände entstand die größte Baustelle Schleswig-Holsteins. Bis 1962 waren beinahe 1.200 Mietwohnungen und über 500 Reiheneigenheime fertig gestellt.

Wedel entwickelte sich rasch. Neue Wirtschaftsunternehmen siedelten sich an. 1952 erhielt die Stadt mit der Schiffsbegrüßungsanlage eine neue Attraktion. 1960/61 wurde der Hamburger Yachthafen errichtet. Schwere Sturmfluten überfluteten Teile der Stadt 1962 und 1976. Im Jahr 1978 wurde ein neuer Landesschutzdeich errichtet. Die Gegenwart: Wedel ist eine lebhafte Mittelstadt mit rund 32.000 Einwohnern, prosperierenden Unternehmen insbesondere aus der Pharma-Branche und einem hohen Freizeitwert. In der Metropolregion Hamburg ist Wedel ein beliebter Wohnort – mit großer Vergangenheit und einer spannenden Zukunft. (ran/fr)

Die Geschichte Schulaus, der maritime Ortsteil der Stadt Wedel

Die Bedeutung des Ortsnamen Schulau, heute ein Stadtteil Wedels, bezieht sich direkt auf die Lage an der Elbe. Das Wort „schuulen“ bedeutet verbergen und weist auf einen für Schiffe sicheren Hafen in der Mündung des Liethflusses hin.

Die Dorfschaft Schulau wurde 1419 erstmalig im Zusammenhang mit dem geschützten Hafen in den Veröffentlichungen der Hanse erwähnt. Die Keimzelle des Ortes Schulau liegt am Abhang des Elbufers und war durch die Mündung des Liethflusses ein sicherer Hafen. Gleich neben dieses Schutzhafens lag am Elbsteilufer ein höherer Aussichtspunkt. Diesen nannte der Wedeler Pastor und Dichter Johann Rist seinen Deutschen Parnaß. Bedingt durch Schulaus Lage an der Elbe siedelten sich Schiffszimmerer an und Schiffer ließen sich hier nieder. Die Einwohnerzahl lag 1855 bei 204 Einwohnern.

Schulau gehörte zur Herrschaft Pinneberg und in die Kirchspielsvogtei Hatzburg. Nach Auflösung diese Verwaltung 1867 gehörte es, wie auch Wedel, zur Kirchspielsvogtei Blankenese. In kommunalen Angelegenheiten stand der Vogt dem Dorfe vor. Dieser nannte sich nach Einführung der Landgemeindeordnung 1892 Gemeindevorsteher.

Im selben Jahr wurde die Gemeinde Schulau mit der Dorfschaft Spitzerdorf zusammengelegt. Die ortspolizeilichen Angelegenheiten, zu denen auch alle Angelegenheiten des Melderechts gehörten, wurden ab 1897 von der Polizeibehörde Wedel mit wahrgenommen.

Schulaus weitere Entwicklung war geprägt durch die Ansiedlung von Industriebetrieben am Elbhochufer. Die Einwohnerzahl Schulaus wuchs um die Jahrhundertwende 1899/1900, bedingt durch den starken Zuzug von Arbeitern, zügig an. Waren es 1890 nur 361 Einwohner die in Schulau lebten, so waren es 1905 bereits 2499 Menschen, die Bewohner von Schulau und Spitzerdorf waren.

1909, Schulau hatte nun beinahe die gleiche Einwohnerzahl wie Wedel, beschlossen die Gemeindevertretung von Schulau und die Stadtvertretung von Wedel die beiden Ortschaften zusammenzulegen.

Der Name des längst in Wedel und zuvor in Schulau eingemeindeten Ortes bedeutet Dorf der Deichbauer und mag wohl aus dem Friesischen kommen.

Spitzerdorf war bis 1892 ein eigenständiges Dorf südlich von Wedel. Dann wurde es von Schulau eingemeindet, dass 1909 wiederum in Wedel eingemeindet wurde. Heute ist der Name nur noch im Straßennamen Spitzerdorfstraße erkennbar.

Die erste Erwähnung des Ortes erfolgte im Jahr 1255 in einer Urkunde der Grafen Johann und Gerhard von Schauenburg. Sie übertrugen den Zehnten der Spitzerdorfer an das Hamburger Domkapitel. 1320 wurde der Ort, der bislang dem Ritter Heinrich von Wedel gehörte, endgültig dem Hamburger Dom übertragen. Der Hamburger Dom erlangte die Gutsherrschaft und die Gerichtsbarkeit über den Ort. Unter dieser Herrschaft verblieb die Ortschaft bis zur Säkularisierung im Jahre 1803, dann kam Spitzerdorf zunächst unter Hamburger Verwaltung, bevor es dann endgültig Holstein zugesprochen wurde. Dort lag es in der Zuständigkeit der Herrschaft Pinneberg und der Kirchspielverwaltung Hatzburg. Nach der kommunalen Neugliederung der Ortschaften Altona und deren westliche Nachbargemeinden war von 1867 bis 1888 die Kirchspielsvogtei Blankenese Verwaltungssitz. Danach gingen diese Aufgaben zum Teil an den Landrat nach Pinneberg.

Der Grundbesitz Spitzerdorfs ist so eng mit dem von Schulau verbunden, dass eine klare Grenzziehung nicht mehr möglich ist. Noch bis ins 17. Jahrhundert war der Ort durch große Eichen der Spitzerdorfer Holzungen geprägt. Die Jagd nahm einen großen Platz ein.

Um 1855 gab es eine gemeinschaftliche Schule mit Schulau, von den 363 Einwohnern waren einige Schiffer. Es gab wenige Handwerker, aber etliche Kleinbauern waren im Nebenerwerb Weber.

Geschichte des Ochsenmarkt in Wedel

Ochsenmarkt Foto: Sandra Gürtler

Der Ochsenmarkt in Wedel hat ein lange Tradition. Bereits seit über 500 Jahren wird in Wedel unter dem Roland Handel getrieben.
Bis zu 30.000 Tiere sollen zur Blütezeit des Ochsenmarktes über den Ochsenweg aus Jütland kommend in Wedel verkauft und mit Fährprähmen über die Elbe verschifft worden sein.
Zum Herunterladen finden Sie hier eine kleine Ausstellung des Stadtarchiv Wedel über den Ochsenmarkt.

Ausstellung des Stadtarchivs Wedel zum Ochsenmarkt:
Literaturhinweise zum Thema (PDF-Datei)
Zeitleiste zum Ochsenmarkt (PDF-Datei)
Impressionen Ochsenmarkt, 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts (PDF-Datei)
Impressionen Ochsenmarkt ab 1960 (PDF-Datei) 
Marktordnung des Ochsenmarktes Wedel 1604 (PDF-Datei) 

Die Hatzburg von Wedel

Hatzburg

Wer sich unter der Wedeler Hatzburg eine steinerne Ritterburg mit Zugbrücke, Wehrgang und Schießscharten vorstellt, muss entäuscht werden. Denn die in der Wedeler Marsch gelegende Hatzburg war eher ein mit Gräben und Palisaden befestigtes Fachwerkhaus.


Die Reste der Wedeler Hatzburg sind heute nur noch als 5 Hügel auf einer Weide in der Elbmarsch erkennbar. Diese sind vom Spielplatz am Ende der Straße Hatzburgtwiete aus wahrnehmbar. Hier veranschaulicht ein Bronzemodell, gestiftet von Volker König, der Claire Jung Stiftung und der Gesellschaft für Sicherheitsleitsysteme und eine Hinweistafel den ersten archäologisch nachgewiesenen Ausbauzustand der Hatzburg.
Die Hatzburg war um 1300 nordwestlich von Wedel in der Marsch direkt am Geestrand angelegt worden. Die damals feuchten und sumpfigen Marschflächen boten zu drei Seiten einen natürlichen Schutz, zur Geest hin bestand nur eine schmale Landverbindung. Dieser ideale Platz mit seiner guten Verteidigungsposition bot ausreichend Sicherheit für einen Herrschaftssitz der Schauenburger Grafen und bot zugleich die Möglichkeit, eine der wichtigen Ochsenmarkttrassen zu nutzen und zu überwachen. Erst um 1400 wurde die Burg ihren Aufgaben nicht mehr gerecht, die Grafen zogen nach Pinneberg und die Hatzburg blieb drei Jahrhunderte lang Sitz der regionalen Verwaltung, bis sie ab 1710 allmählich verfiel.

Die Bauten aus Holz waren verfallen und die oberirdischen Steine dienten schon längst anderen Zwecken, als um 1964 das archäologische Denkmal Hatzburg das Interesse der Landesarchäologen weckte. Zum einen begann ein neugieriger Heimatfreund auf dem Gelände Raubgrabungen durchzuführen, die dem bis dahin unter meterdicken Erdschichten geschützten Denkmal Schaden zufügen konnten. Diese Grabung wurde gestoppt. Einen größeren Schaden hingegen richtete die im gleichen Jahr errichtete Brunnenstation der Hamburger Wasserwerke an. Diese entzog dem Boden so viel Grundwasser, das dieses zur Austrocknung und zur Absackung des Untergrundes führte. Das Resultat war, dass Jahre später die Pfosten der alten Burganlage aus dem Boden ragten. Diese waren regelmäßig der landwirtschaftlichen Nutzung im Wege und wurden einfach gekappt. Deshalb drängte die Zeit, als von 1987 bis 1989 Archäologen des Archäologischen Landesamtes einen Teil des Geländes untersuchten. Hier wurden Proben von Eichenhölzern analysiert und datiert, geologische und botanische Fragen geklärt und schriftliche Überlieferungen in Archiven gesichtet. Seit dem ist bekannt, dass es eine ältere und eine jüngere Burg gab. Die ältere Burg war eine Motte (Turmhügelburg) und stand auf einem künstlich aufgeworfenen Erdhügel. Auf diesem befand sich vermutlich ein Turm aus Holz. Dieser wurde in einer späteren Bauphase abgebrochen und ein Bergfried (wehrhafter Wohnturm) aus Steinen errichtet. Rund um diesen Hügel gab es weitere Bauwerke, darunter eine Kapelle und eine rund 11 Meter lange Brücke.

Einige Exponate und eine übersichtliche Darstellung zur Hatzburg bietet das Stadtmuseum Wedel, Küsterstraße 5. Für Kinder im Alter von 12-15 Jahren wird hier auch ein Lernspiel mit Anleitungen zur praktischen Arbeit über den Alltag im spätmittelalterlichen Wedel und auf der Hatzburg angeboten. Die meisten Funde, die bei der Grabung ans Tageslicht kamen liegen im Archäologischen Landesamt in Schleswig.

Interessant ist auch ein Besuch in Lütjenburg. Die dort in Originalgröße erstellte Rekonstruktion der Burganlage ist nach den in Wedel entstandenen Grabungsbefunden errichtet worden.

Siehe auch http://www.turmhuegelburg.de 

Weiterführende Literatur:
Willi Kramer: Berichte von den Ausgrabungen: Ausgrabungen auf der landeherrschaftlichen Hatzburg bei Wedel. IN: AGSH (Archäologische Gesellschaft Schleswig-Holstein) aktuell, Heft 1-2, 1989
Willi Kramer: Ausgrabungen auf der landeherrschaftlichen Hatzburg bei Wedel. IN: Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1993, Beig Verlag, Pinneberg
Helene Neuß-Aniol: Die Hatzburg bei Wedel, Kreis Pinneberg : Archäologische Ausgrabung und historische Quellen. IN: Offa Band 49/50, 1992/93, Karl Wachholtz Verlag, Neumünster

 

 

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