Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit

Außenlager Wedel des Konzentrationslager Neuengamme

Gedenkstein für die Opfer des KZ-Außenlager Wedel an der Rissener Straße

Gedenkstein KZ

Das Mahnmal für das Außenkommando Wedel des Konzentrationslagers Neuengamme steht seit 1986 an der Rissener Straße. Es wurde im November 1989 feierlich enthüllt.
Der Gedenkstein des Steinmetz Johannes Sierck wurde mit einer Informationstafel des Wedeler Grafikers Jürgen Pieplow versehen. Das Gelände, es wurde 1997 erweitert, wurde seinerzeit von der Firma Possehl zur Verfügung gestellt.

Das Gelände des Außenlagers Wedel

Zur Verdeutlichung des Geländes wurde ein Messtischblatt von 1949 auf einen heutigen Stadtplan gelegt. Der Lagerkomplex - genannt "Barackenlager II" erstreckte sich auf das Areal zwischen der Rissener Straße, dem Voßhagen und der Feldstraße. Das Außenlager war in dem nordöstlichen Teil eingerichtet und war von einem Stacheldrahtzaun umgeben. Wachttürme waren nicht vorhanden.
In den anderen Baracken wurden Arbeiter untergebracht, die u.a. in Wedeler Firmen Zwangsarbeit leisten mussten. Nach dem 8. Mai 1945 diente das Lager der britischen Militärregierung - später der UNRRA - als Übersiedlungslager für Displaced Persons (D.P.). Zunächst wurde hier das D.P. Polish Camp 570 Wedel eingerichtet. Wenige Monate später, als die überwiegend Mehrzahl der DPs aus den Baltischen Ländern dort untergebracht waren, wurde es zum "Baltic Office" - im Wedeler Volksmund "Lettenlager" genannt. Das Baltic Office wurde im Februar 1949 aufgelöst.
Das städtische Wohnungsamt hatte nun die Verfügung über die Baracken und belegte sie mit rund 1.300 wohnungslosen Personen. Die Geschichte des Lagers können Sie nachlesen in der Broschüre 1945 - als Flüchtling in Wedel von 1995. Die Publikation kann in der Stadtbücherei ausgeliehen werden.

 

Geschichte des Konzentrationslagers Wedel

Der Gedenkstätte Neuengamme sind die Informationen über das Konzentrationslager Neuengamme und die Außenstelle Wedel zu verdanken. Der akribischen Zusammentragung der Fakten aus verschiedenen Archiven und Behörden, angereichert mit Zeitzeugenbefragungen geben Kenntnis über das Konzentrationslager Wedel. Obwohl das Lager in Wedel nur wenige Wochen von mindestens September bis November 1944 zahlreiche Menschen gefangen hielt, kamen nachweislich mindestens 32 Häftlinge ums Leben. Unter ihnen waren auch 10 Männer, die aus der niederländischen Gemeinde Putten verschleppt worden waren. Putten war im Oktober 1944 Ziel einer Vergeltungsaktion der Wehrmacht, bei der alle Männer des Ortes in das KZ Neuengamme deportiert wurden.
Die Akten der Stadt Wedel hingegen, geben über das Geschehen in dem Konzentrationslager sehr wenig Auskunft. So vermerkt der städtische Beamten Siegfried Neubüser am 15.09.1949 folgendes:

„Das Wachpersonal bestand überwiegend aus dienstverpflichteten Zöllnern, über deren Namen und deren Wohnort nichts zu ermitteln ist. Die Anzahl der Lagerinsassen schwankte zwischen 400 - 600 Häftlingen. Unter den Häftlingen befanden sich in erster Linie Norweger, Holländer, Juden aus Südosteuropa und Deutsche politische Häftlinge. Auch einige Franzosen sollen sich darunter befunden haben. Die Häftlinge wurden lediglich beim Bau der Kampfgräben in Sülldorf beschäftigt. Hier ist der Tod von 15 Häftlingen bekannt geworden, die auf dem Friedhof in Wedel, Breiter Weg beerdigt wurden. Diese Sterbefälle sind zum Teil jedoch vom Standesamt Wedel nicht beurkundet worden, da die Verwaltung von der Beisetzung erst nach dem Zusammenbruch durch die Friedhofsverwaltung Kenntnis erhalten hat. Bei den Toten handelt es sich um Staatsangehörige aus Lettland, Estland, Russland und Holland. Über weitere im Nebenlager eingetretenen Sterbefälle ist der Stadtverwaltung offiziell nicht bekannt geworden. Es sollen aber Leichen aus dem Lager abgefahren worden sein, vermutlich nach dem KZ-Lager Neuengamme. Da das Nebenlager in keinerlei Beziehung zur Stadtverwaltung stand, liegen hier auch keine Akten oder sonstigen Unterlagen vor. Aus diesem Grunde ist es auch nicht möglich, ein eingehendes und erschöpfendes Bild über die Verhältnisse und Vorgänge im Lager zu geben, als es vorliegend geschehen ist. … soweit die Stadtverwaltung Wedel.

Den Recherchen der Gedenkstätte Neuengamme nach, wurde das Außenlager Wedel am 13. September 1944 durch etwa 500 weibliche Häftlinge aus dem Außenlager des KZ Neuengamme Hamburg-Dessauer Ufer belegt. Es waren ungarischen und tschechischen Jüdinnen, die durch die SS in Baracken eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers zwischen Rissener Straße und der Feldstraße untergebracht wurden.
Sie hatten vor allem Aufräumungsarbeiten im Hamburger Stadtgebiet zu verrichten. Dafür wurden sie zu Fuß oder per Lkw an die Elbe und per Schiff weiter nach Teufelsbrück gebracht. Neben der Trümmerbeseitigung mussten dort Waggons mit Ziegelsteinen be- und entladen werden. Nach nur zwei Wochen wurde das Lager in Wedel am 27. September 1944 wieder geräumt und die Frauen kamen in das Frauenaußenlager Hamburg-Eidelstedt. Der Lagerleiter war SS Unterscharführer Walter Kümmel.
Nach der Räumung des Frauenlagers wurde das Außenlager Wedel mit männlichen KZ-Häftlingen belegt. Am 17. Oktober 1944 wurden etwa 500 Männer, meist polnische, sowjetische und niederländische Häftlinge, nach Wedel gebracht. Sie wurden zum Bau von Panzergräben für den geplanten Befestigungsring – Projekt Friesenwall - um Hamburg und zudem zu Schanzarbeiten in Hamburg-Sülldorf im Auftrag des Reichsverteidigungskommissars im Wehrkreis X eingesetzt. Auch hier wurde das Lager anschließend schnell wieder geräumt. Am 20. November 1944 wurden die Häftlinge durch die SS in das Außenlager Lager Meppen-Versen des KZ Neuengamme transportiert. Über die SS-Lagerleitung ist bislang nichts bekannt.

Weitere Infos: Homepage der Gedenkstätte Neuengamme
Broschüre KZ Wedel : Das vergessene Lager, Christus-Kirchengemeinde Schulau, 1983

Vor einigen Jahren tauchten einige wenige Kopien mit Hinweisen auf zwei Überlebende eines jüdischen Mischlingslagers in Wedel auf. Der Friseur Emil Goldstein * 1914 und der Kaufmann Erwin Fischer * 1916 wurde beide nach einem Befehl der Gestapo Lübeck im Mai bzw. im Juni 1944 in das Zwangsarbeiterlager nach Wedel gebracht. Als Begründung reichte der Gestapo die jüdische Mutter oder der jüdische Vater.
Nähere Informationen über das Lager sind nicht bekannt. 

 

Zwangsarbeit in Wedel

Die letzen Baracken des Lager II am Beksberg. Foto Stadtbauamt 1956

Es gab während des Kriegszeitraumes in Wedel mehrere Lager für die Unterbringung ausländischer Arbeiter. Die Firma J.D. Möller erwarb das Hotel zum Roland am Marktplatz und brachte seine "Ostarbeiterinnen" dort unter. Die Leitung des Lagers hatte der Kellner Ferdinand Ramcke. Daneben hatte J.D. Möller auch Kriegsgefangene, die in einer großen Scheune von Dörner an der Holmer Straße untergebracht waren und das Lager in den früheren Gebäuden der Zuckerfabrik. Das Lager an der Zuckerfabrik wurde geführt von dem aus Russland/Tiflis stammenden Erich Haegele. Daneben gab es noch das Gemeinschaftslager am Rosengarten, dass von Walter Wördemann geleitet wurde. Als der Platz für die wachsende Zahl der Arbeiter nicht mehr ausreichte, erbaute die Deutsche Arbeitsfront 1942 das Lager II an der Rissener Straße. Auf dem Gelände wurde im Jahr 1944 eine Nebenstelle des Konzentrationslager Neuengamme eingerichtet. Die Leitung des Lagers hatte 1944 der Oberlagerführer Erich Stemmler. Nach Kriegsende nutzte die britische Militärregierung das Barackenlager als ein Auffanglager für Displaced Persons . Die Leitung des Lagers hatte dann der Bäcker und Konditor Edmund Szulczynski. Dieser war geboren in Hordel bei Bochum und war seit mindestens 1944 im Lager wohnend. Vermutlich hat er bereits zuvor für das Lager, vielleicht in der Küche, gearbeitet. 

Seit Januar 1942 kam es zur sogenannten "Ostanwerbung" von Bewohnern der besetzten Ostgebiete zur öffentlichen Arbeitspflicht, da der Krieg zu einem dramatischen Arbeitskräftemangel in Deutschland geführt hatte. Die deutsche Kriegswirtschaft, aber auch die Landwirtschaft wäre ohne die deportierten Fremdarbeiter und Kriegsgefangener zusammengebrochen. Auch in Wedel bediente man sich dieser Arbeitskräfte. 
Von einigen Zwangsarbeiter und Kriegsgefangenen, von denen Spuren in den Akten auftauchen sind die Arbeitgeber bekannt. Diese sind: Allen voran die Firma J. D. Möller, die Firma Gebr. Becker und die ARGE Wenzel (Marinebauprojekt) mit den Firmen Dyckerhoff und Widmann, Gustav Jans, Gebr. Goedhard, Bilfinger, Wayss und Freytag, Habermann und Guckes, Siemens Bauunion und Beton- und Monierbau. Zudem werden die Namen von Wedeler Landwirten und den hiesigen Baumschulbetrieben genannt.

Zwangsarbeit für die Stadt Wedel

Auch die Stadt Wedel tritt als Arbeitgeber in der ARGE Wedel auf. Zudem setzten Wedeler Kohlen- und Gemüsehändler Hilfskräfte zum Abladen der Güterwaggons am Wedeler Bahnhof ein. Diese Arbeitskolonnen waren seit 1942 unter städtischer Verantwortung. Zunächst rekrutierte die Stadt ihre Arbeiter unter den Zwangsarbeitern der Bauern bzw. der Firma J. D. Möller. Erst später beschäftigte die Stadt Wedel selbst bis zu 9 russische Kriegsgefangene. Bekannt ist, dass sie im städtischen Alters- und Pflegeheim untergebracht waren und auch von dort beköstigt wurden. Zur Behandlung der Zwangsarbeiter ist hier wenig aktenkundig. Es wurden sicherlich die geltenden Versorgungsvorschriften für kriegsgefangene Russen eingehalten, also ein bestimmtes Kontingent an Nährmitteln, Gemüse (Kohlrüben) und Fleischwaren (Pferde- oder Freibankfleisch) abgegeben. Eine Bezahlung des Arbeitseinsatzes wurde an die Verwaltung des Gefangenenlagers X A in Elmshorn geleistet, zugeteilt wurden die Kriegsgefangenen über das Arbeitsamt Elmshorn. Verantwortlicher Einsatzleiter vor Ort war der Leiter des Wirtschaftsamtes und spätere Bürgermeister Heinrich Gau.

In den Akten niedergeschlagen hat sich ein Betriebsunfall, der der Berufsgenossenschaft nach Berlin gemeldet wurde. Auf einem Hofplatz in der ABC-Straße ist ein 48jähriger russischer Kriegsgefangener beim Rangieren eines mit Kartoffeln beladenen Wagens zwischen Trecker und Anhänger geraten. Er erlitt schwere Brüche und innere Verletzungen und wurde in das städtische Krankenhaus verbracht, wo er durch den Leiter des Krankenhauses, Dr. E. Müller, behandelt wurde.

Neben den vorgenannten Arbeitern wurden für das Bauschädenamt der Stadt Wedel bis zu 47 russische Arbeiterinnen beschäftigt. Diese Zwangsarbeiterinnen wurden zur Hilfe bei der Beseitigung von Schäden des Bombenabwurfes im März 1943 und zur Herstellung von Barackensiedlungen angefordert. Hier ist auch der Arbeitseinsatz genau bekannt. U. a. wurden im Oktober 1943 auf einem Sportplatz Holz- und Barackenteile abgeladen und gestapelt, Mauersteine transportiert und Schiffe im Hafen entladen. Diese Frauen waren zunächst in einem Hamburger Lager untergebracht und kamen täglich mit einem Dampfer nach Wedel. Später lebten sie im Lager Rosengarten. Zur hiesigen Unterbringung in dem Lager und zur Verpflegung gibt es leider keine Unterlagen, allerdings gibt es in den Einsatzberichten den Hinweis, dass montags sämtliche Arbeiterinnen zum Baden nach Hamburg fuhren, einen Monat später war für diesen Zweck der Sonntag arbeitsfrei. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit lag dennoch bei 65 Stunden.
Zusätzlich beschäftigte die Stadt Wedel 14 russische Frauen als Küchenhilfen im Gemeinschaftslager Rosengarten. Auch diese wurden lt. Lohnliste mit einer wöchentlichen Arbeitszeit von 60 Stunden mit einem Stundenlohn von 0,90 RM bezahlt. Hiervon wurden 1,40 RM täglich für Unterkunft und Verpflegung einbehalten. Der nach den Unterlagen an die Arbeiterinnen auszuzahlende monatliche Betrag lag bei 46,60 RM. Zusätzlich hatte die Stadt eine Ostarbeiterabgabe an das Finanzamt Elmshorn und den Krankenkassenbeitrag an die AOK in Pinneberg abzuführen. Von mehreren Arbeiterinnen liegen die An- und Abmeldungen bei der AOK vor.

Zwangsarbeit für die Firma J.D. Möller
Nach der Liste des CCP, abgedruckt bei M. Weinmann, hatte das Rüstungsunternehmen J. D. Möller 150 zivile und kriegsgefangene Ausländer, die in der Gastwirtschaft zum Roland wohnten, und die Firma Deutsche Vacuum Öl AG 900 Ausländer beschäftigt, die in der Rissener Straße wohnten. Ein weiteres Lager soll mit 300 Personen am Rosengarten gelegen haben.
Für die Firma J.D. Möller lassen sich in den Akten, die im Stadtarchiv vorliegen, andere Größenverhältnisse finden, die zugleich die Schwierigkeit bei der Ermittlung von genauen Zahlen verdeutlichen. Im Jahr 1942 baute die Firma J.D. Möller im Schuppen von Hinrich Dörner an der Holmer Straße ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter ein. Nach dem 12.03.1943 wurden im Schulauer Fährhaus (im Besitz der Familie Möller) 61 französische Zwangsarbeiter der Firma Möller untergebracht. Bis zur Zerstörung der Gaststätte Zum Roland am Marktplatz im März 1943 lebten hier junge russische Frauen unter der Bewachung des Kellners Ferdinand Ramcke. Auf einem Foto von 1942 sind 30 von ihnen vor dem Gebäude abgebildet. In einem Brief an seinen Sohn schreibt der Geschäftsinhaber Hugo Möller, dass er für 140 Ostarbeiterinnen zwei Baracken auf dem Elbgrundstück zwischen "Oberbayern und Zillertal" errichtet habe. Diese waren zuvor bis 06.04.1943 provisorisch im Lokal von Biesterfeldt, Stadt Hamburg, Rolandstraße 13, untergebracht gewesen.
Bis 1943/44 tauchen in den Akten Listen mit jeweils etwa 40 französischen Kriegsgefangenen auf, die für die Optischen Werke gearbeitet haben. Diese waren für einen relativ kurzen Zeitraum im Lager Rosengarten oder im Fährhaus untergebracht. Auf einer Liste von Juni 1945 sind 200 Ukrainer im „Lager J. D. Möller“ vermerkt. Wo dieses Lager war, ist nicht ersichtlich. Bekannt sind die Namen von einigen Wachmänner der Firma J.D. Möller. Der SS-Mann und spätere Personalchef der Firma J.D. Möller Otto Wilhelm Albert Mohrdieck, ist 1944 Aufpasser für die Zwangsarbeiter. Ein Uffz. und Kdo-Führers Brühning war für den Einsatz der Kriegsgefangenen zuständig. Zudem gab es die Bewacher der Gefangenen bzw. Zwangsarbeiter Wilhelm Poggensee und Erich Haegele. Aus weiteren Unterlagen ergibt sich, dass die Firma J.D. Möller im Gefängnis Neumünster eine Etage gemietet und dort durch Gefangene wehrtechnische Geräte produzieren ließ.

Zwangsarbeit für die Firma Mobil Oil
Für den Einsatz von Zwangsarbeitern bei der Firma Mobil Oil, ehemals Deutsche Vacuum Öl AG, lassen sich in den städtischen Unterlagen keine Hinweise finden. An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass die Stadt Wedel nicht mit der Zuweisung von zwangs-  oder kriegsgefangenen Arbeitern betraut war. Die Zuständigkeit lag hier an anderer Stelle. Erhalten haben sich nur die Unterlagen, in denen die Stadt selbst Arbeitgeber oder durch andere Umstände direkt betroffen war.

Einzig eine Liste aus dem Mai 1945 gibt Kenntnis, dass sich bei Kriegsende insgesamt 764 ausländische Personen in den Lagern und in Privatunterbringung befunden haben. Die Anzahl der Menschen, die während der gesamten Kriegszeit als Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene in Wedel gearbeitet und gelebt haben, dürfte in etwa das doppelte betragen haben. Hinzu kämen noch die ausländischen Beschäftigten, die vermutlich für die Deutsche Vacuum AG und die HEW gearbeitet haben, die möglicherweise in Hamburg gewohnt haben.

Auflistung der Lager vom Mai 1945 in der Akte 717.4
Belegstärke der in Wedel/Holstein befindlichen Lager
Städtisches Gemeinschaftslager Rosengarten

Franzosen:

47 Männer

2 Frauen

Holländer:

20 Männer

Polen:

13 Männer

Italiener:

19 Männer

Belgier:

2 Männer

Kroaten:

2 Männer

Slowaken:

2 Männer

Portugal:

1 Mann

Spanier:

2 Männer

Ostarbeiter:

17 Männer

34 Frauen

4 Kleinkinder

Lager J. D. Möller
 

Ukrainer:

8 Männer

175 Frauen

19 Kinder

Lager 2 Rissener Straße

Holländer:

49 Männer

Belgier:

3 Männer

3 Frauen

Polen:

30 Männer

Ostarbeiter:

24 Männer

31 Frauen

Privat untergebracht

Ostarbeiter:

68 Männer

43 Frauen

4 Kinder

Polen:

53 Männer

17 Frauen

11 Kinder

Holländer:

7 Männer

5 Frauen

Dänen:

1 Mann

1 Frau

1 Kind

Russenlager

112 Kriegsgefangene

Insgesamt:

764 Personen

Die hier eingestellte Liste wurde wurde ab 2018 aus Unterlagen des Stadtarchivs Wedel erstellt, angereichert mit Informationen aus den Datenbanken des ITS und Literatur über Zwangsarbeiter. Berücksichtigung fanden zudem die Register des Standesamtes Wedel. Aufgeführt sind Personen, die namentlich in Aktenvorgängen der Stadtverwaltung Wedel genannt werden. Das betrifft z.B. die Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen oder Inhaftierten des Konzentrationslagers, die für die Räumung von Trümmern oder die Arbeiten am Bahnhof für die Stadt Wedel gearbeitet haben. Oder auch Personen, die für die Stadtverwaltung in Wedel nach dem Luftangriff 1943 die Baracken aufgestellt und Reparturarbeiten an den zerstörten Gebäuden vorgenommen haben. Namentlich bekannt sind auch die Personen, die in Wedel verstorben sind. Von Arbeitern, die für die verschiedenen Industrie- oder Landwirtschaftsbetriebe in Wedel gearbeitet haben ( J.D. Möller, Deutsche Vacuum, Gebrüder Becker, Baumschulbetriebe, Bauernhöfe etc.), können die Namen nur aus den Firmenunterlagen der Betriebe ermittelt werden. Diese Firmenunterlagen liegen der Stadtverwaltung Wedel nicht vor und sind daher auch nicht im Stadtarchiv aufzufinden. Da es für Firmen keinerlei Verpflichtung gibt, Unterlagen über den Zeitablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist, der in der Regel 10 Jahre ist, aufzubewahren, sind sie vielleicht bereits durch die Firmen und/oder deren Firmennachfolger vernichtet worden. Für die Firma J.D. Möller gibt es Unterlagen, die in diese Liste eingepflegt wurden. Dennoch kann diese Liste nicht die tatsächliche Anzahl der Personen aufzeigen, die während des Zeitraums 1942-1945 in Wedel als Zwangsarbeiter tätig war. Zugleich können sich in dieser Liste aber auch Personen befinden, die gar keine Zwangsarbeiter waren, sondern als ausländischer Vertragsarbeiter bestimmte Aufgaben tätigten. Die Akten aus den Jahren legen dies nicht deutlich dar. In den Jahren 2000 - 2004 haben betroffene Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern für die Durchsetzung ihres Anspruchs auf Entschädigungszahlung  in verschiedenen Behörden und Archiven Recherchen vorgenommen, so auch in Wedel. Personen, die plausible Angaben vorgelegt haben, wurden ebenfalls in dieser Liste erfasst. Stand der Liste ist Mai 2026. Sollten Ihnen weitere Unterlagen bekannt sein, so melden Sie sich gern im Stadtarchiv Wedel. 
Liste der Zwangsarbeiter

Tragisches Ende einer Kriegsende-Feier

Massengrab für die Opfer der Methylalkoholvergiftung von 1945 auf dem Friedhof am Breiter Weg

Am 4. Mai 1945 feiern viele Menschen, darunter auch Zwangsarbeiter, die in den Lagern Wedels untergebracht waren, das Kriegsende. Dafür organisieren einige Zwangsarbeiter Alkohol. Was viele von den fröhlich Feiernden nicht ahnen können: der Alkohol, der durch eine Plünderung des Lagers der Firma J.D. Möller organisiert wird, ist Methanol, ein Industriealkohol, der schon in kleinsten Mengen tödlich wirkt. Besonders tückisch ist, dass die ersten Symptome einem gewöhnlichen Rausch ähneln, während zeitverzögert ein Zersetzungsprozess im Körper abläuft. Unverzüglich einsetzend, wandeln sich die Substanzen des Methylalkohols in Ameisensäure und Formaldehyd. Der Sehnerv wird bis zur Erblindung geschädigt, zudem übersäuert das Blut. Ohne eine Blutwäsche in einem modernen Dialyseapparat, endet die Vergiftung daher tödlich.

 

Es gibt einzelnen zeitgenössische Berichte über dieses schreckliche Ereignis. In den hier zitierten Berichten werden Worte benutzt, die wir heute so nicht verwenden würden. Ich zitiere sie dennoch im Originalwortlaut, da sie die Verachtung für die russischen und polnischen Opfer deutlich aufzeigen. So berichtete Ursula Winterberg geb. Hümme, die zu der Zeit als Rote-Kreuz-Helferin im Krankenhaus Wedel arbeitete, über die Ankunft der alkoholvergifteten Menschen dort:
"(... ) Die Russen litten unter wahnsinnigen Qualen. Sie wurden von ihren gesunden Kollegen auf einem Blockwagen zum Krankenhaus gefahren. Vor dem Krankenhaus haben sie sich von der Ladefläche geschmissen und sich vor Schmerzen auf dem Boden gewälzt; diesen Anblick werde ich nie vergessen. Das Krankenhaus hatte hinten als Erweiterung noch eine Baracke angebaut, die war aber noch nicht fertig eingerichtet. Wir wußten nicht, wo wir die Russen unterbringen sollten. In der Notsituation haben wir in der Baracke Stroh ausgelegt, damit sie überhaupt irgendwo liegen konnten, aber die haben Tag und Nacht geschrien. Der Schmerz muß grausam gewesen sein. Ein russischer Zwangsarbeiter hatte die alkoholvergifteten Patienten im Krankenhaus betreut.“ Während des Zeitzeugengespräches im Jahr 1995 zitiert sie eine Passage aus ihrem Tagebuch, das dem Stadtarchiv leider nicht vorliegt: „In der ersten Zeit war es ganz schlimm gewesen, weil die Russen alles geklaut haben. Jetzt sind viele tot, viele sind an einer Alkoholvergiftung gestorben, jetzt können sie uns wenigstens nicht mehr beklauen."
Interessant ist in dem Zusammenhang die Erzählung über Vorkommnisse auf dem Hof der Baumschule Gebr. Heinsohn vom Mai 1945, die im Jahr 1945 in einem Bericht niedergeschrieben wurden. „..sein Besitz liegt außerhalb der Stadt… abends erschienen 3 bewaffnete Engländer, darauf noch 3, dazu gesellten sich Russen und Polacken, Leute, die bei Heinsohn in der Baumschule gearbeitet haben. Die Gesellschaft war schwer betrunken. Sie hatten Sprit aller Art, auch giftige Stoffe zu sich genommen und durchsuchten das ganze Haus, nahm Kleider und Wäsche von Herrn Heinsohn und Frau und Töchter, eingeweckte Fleisch- und andere Konserven, Fruchtsaft, den die Bande antrank und den Rest ausgoss, wodurch das Haus beschmutzt wurde, schlachtete in viehischer Weise eine Gans, zertrümmerte viele Fensterscheiben. Als Heinsohn die Ortskommandantur benachrichtigte - die deutsche Ortspolizei erwies sich als machtlos - und diese eine Streife geschickt hatte, waren die Gangster bereits verschwunden. Am nächsten Morgen lag die Russen- und Polenbande entweder halbtot oder schwer berauscht in einer der Heinsohn´schen Baracken. Ein Don-Kosacke, der Beste seiner Russenarbeiter, der nicht so wollte wie die anderen, war tot. Man hatte ihn in einer Rauferei getötet.“ Ob sich diese Geschichte tatsächlich so zugetragen hat, ist nicht bekannt. Im Sterberegister des Standesamtes Wedel ist kein Toter auf dem Hof von Heinsohn nachweisbar.

 

Wie viele Opfer der Alkohol-Unfall hatte, ist nicht bekannt. Auf Anordnung der Militärregierung am 11. Mai 1945 wurden 48 der Toten anonym auf dem Friedhof am Breiten Weg in zwei Massengräbern beigesetzt, die heute noch dort zu finden sind. Bevor aber die Gräber zugeschaufelt wurden gab es einen Vorfall, den der Friedhofsgärtner Voigt später beschrieb. So traten damals zwei Frauen an ihn heran und forderten die Beisetzung ihrer Ehemänner in Einzelgräbern. Bei diesen Toten handelte es sich um den Russen Andreas Petrenko und den Polen Kriworus.
Entgegen der Gerüchte im Ort gab es nicht nur ausländische Tote. Auch Wedeler Bürger, Dolmetscher, Monteure oder Maurer waren an der tödlichen Feier beteiligt. So gab es zehn namentlich bekannte Opfer, unter diesen auch die 23jährige Erna Thiele, die mit einer weiteren Mitbewohnerin aus der Lindenstraße 34, der Ehefrau Elisabeth König an die Flaschen mit der giftigen Substanz kam und am nächsten Tag tot in ihrer Wohnung aufgefunden wurde.
Die Feiernden fanden nicht nur in Wedel den Tod. Nach einer Notiz des Kommandos der Schutzpolizei, die sich im Hamburger Staatsarchiv erhalten hat, waren „mehrere ausländische Arbeiter aus Wedel“ in die Lazarette von Rissen und Blankenese gebracht worden. Wenige Tage später waren von diesen bereits 14 Personen verstorben und es wurde mit weiteren Toten gerechnet. Insgesamt kann somit von mindestens 72 Opfern bei dem Unglück ausgegangen werden.

 

Konzentrationslager Glückstadt

Nach der Machtübertragung im Januar 1933 vergingen nur wenige Wochen bis die Ende Februar erlassenen „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ auch in Wedel dafür sorgte, dass sich die politischen Gegner des Nationalsozialismus zur täglichen Meldepflicht auf die Polizeiwache begeben mussten oder in „Schutzhaft“ genommen wurden. Dies betraf zunächst die Mitglieder der KPD, ab Juni 1933 dann auch die Mitglieder der SPD und deren Organisationen. In den im Stadtarchiv Wedel vorliegenden Listen der täglichen Meldepflicht ist erkennbar, welche Personen sich nicht täglich melden konnten, da sie in Haft gekommen sind.

Der erste, der dort mit dem Hinweis „Haft“ am 28.06.1933 markiert wurde, war der 45-jährige Arbeiter Johann Blohm. Blohm stand bereits im Fokus der Polizei, da er zuvor im Laufe der Ermittlungen zur illegalen Druckschrift „Roter Roland“ unter Verdacht stand. Er wird erstmals im Mai 1933 anonym angezeigt, an der Produktion beteiligt zu sein. Dabei nahm die Polizei eine erste Durchsuchung seiner Wohnung in der 1. Bäckerstraße – heute Ernst-Barlach-Straße 2 vor, wurde aber nicht fündig. Zwei Tage später steht die Polizei nach einer zweiten anonymen Anzeige erneut bei ihm in der Wohnung und findet wieder nichts. Weitere zwei Tage später wird er durch den Kellner Ferdinand Ramcke angezeigt und seine Wohnung wird erneut erfolglos durchsucht. Aber die Polizei entlockt ihm die Aussage, dass er zwar kein Mitglied der verbotenen KPD sei, er aber dennoch mit der Partei sympathisiere. Zwei Wochen später ruft der Kaufmann Franz Körner vom Bahnhof aus auf der Polizeiwache an und meldet, dass er Blohm gesehen habe, wie er mit einem Rucksack aus der Bahn gestiegen sei. Die Polizei rückte an. Bei der Durchsuchung befördert sie aber nicht die erwarteten Flugschriften, sondern Flaschen mit Likör zu Tage. Ab 28. Juni wird in der o.a. Liste vermerkt, dass Blohm nicht erscheint, da er in Haft sei. Im August 1933 steht Johann Blohm vor dem Sondergericht in Kiel. Er soll, so steht es in dem Zeitungsartikel der Wedel-Schulauer-Zeitung vom 11.08.1933, am 8. Juli 1933 in Wedel unter Alkoholeinfluss einem Angehörigen des Marinesturmes gegenüber behauptet haben, der Marinesturm sei nur Mordgesindel. Diese Beleidigung wurde zur Anzeige gebracht und er wurde im August 1933 für diese Aussage zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der o.a. Liste nach ist Johann Blohm ab Juni bis mindestens November 1933 mit kleineren Unterbrechungen in Haft.
Vermutlich verbüßte er seine Haft im Konzentrationslager Glückstadt. Das erste Konzentrationslager Holsteins wurde nur wenige Wochen nach der Machtübertragung in dem in Glückstadt gelegenen ehemaligen dänischen Marinedepot eingerichtet. In einem abgeschlossenen Stockwerk der Landesarbeitsanstalt, in dem Jahre zuvor bereits ein Zuchthaus eingerichtet war, konnten nun bis zu 276 „Schutzhäftlinge“ untergebracht werden. Die ersten 150 politischen Häftlinge des Polizeipräsidiums Altona wurden am 10. April 1933 dorthin gebracht. Das Polizeipräsidium Altona war die für Wedel zuständige „Politische Polizeibehörde“. Somit waren Staatsanwaltschaft und Landgericht Altona bis zur Neuordnung der Landgerichtsbezirke im Jahr 1937 für Wedel zuständig. Daher wurden bis dahin inhaftierte Wedeler über das Polizeigefängnis von Altona nach Glückstadt verbracht. Das galt auch für die 22 Kommunisten, die in den Tagen nach dem 8. September 1933 direkt verhaftet wurden, da es in der Nacht vom 7. auf den 8. September wieder zur Verteilung der verbotenen Flugschrift Roter Roland gekommen war.
16 der verhafteten Personen können über die o.a. Liste namentlich benannt werden. Es waren die Arbeiter Friedrich Dreschniol (1907-1945) aus der Hindenburgstraße 21, Heinrich Hermann Georg Otto Friedrich (1898-1991) aus der Rissener Chaussee 1, Martin Heinrich Gladiator (1899-1946) aus dem Rollberg 19, Walter Grütz (*1912) vom Haidehof, Johannes Kliesow (*1902) aus dem Voßhagen 91, Josef Friedrich Lange (1912-1975) aus der Schauenburgerstraße 9, Albert Möller (*1904) aus der Hindenburgstraße 63, Albert Gebauer (*1906) aus der Schauenburgerstraße, Hermann Oppermann (1901-1967) aus der Hinterstraße 2 und sein Bruder Hugo Carl Oppermann (1908-1988) aus dem Voßhagen 31, Johannes Heinrich Friedrich Ramcke (1905-1985) aus der Gärtnerstraße 10, Engelbert Steinborn (1882-1961) vom Steinberg 77, Jacob Albert Johann Swensson (1899-1984) vom Marktplatz 3, Ernst Zieboll (1902-1972) aus der Rissener Chaussee. Außerdem der Schmiedegeselle Otto Kaiser (1905-1966) vom Lohhof 3 und der Gärtner Robert Wraske (1904-1981) vom Steinberg 77.
Sie alle gingen nach Glückstadt in Haft und blieben dort für bis zu 45 Tage. Drei von ihnen wurde bereits bei der Verhaftung so behandelt, dass sie erst zur „Wiederherstellung“ in ärztliche Behandlung mussten. Sie alle werden dort bestürzende Erfahrungen gemacht haben, durften aber nicht zu Hause darüber reden. Die meisten von ihnen zogen sich anschließend ins Privatleben zurück und versuchten, die NS-Zeit hindurch nicht aufzufallen. Für andere ging der Widerstand gegen die Diktatur weiter.
Das Konzentrationslager Glückstadt wurde Ende Februar 1934 wieder geschlossen. Inhaftierte wurden dann in andere Konzentrationslager gebracht.

Sie haben vielleicht sogar Abbildungen der hier genannten Personen im Familienalbum? Dann melden sich bitte im Stadtarchiv Wedel. Sie möchten mehr über Personen wissen, die im Widerstand waren? Dann helfe ich Ihnen gern weiter, es gibt noch so viel zu entdecken!

 

Den Opfern einen Namen geben - Stolpersteine in Wedel

Helene Johannsen geb. Struckmeyer

Ab September 1939 wurde in Deutschland damit begonnen, in zahlreichen psychiatrischen Anstalten kranke Menschen im Sinne der nationalsozialistischen Rassenhygiene zu ermorden. Der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ fielen insgesamt wohl in ganz Europa etwa 200.000 bis 300.000 Menschen zum Opfer, die als nicht rentabel oder nützlich für die Gesellschaft galten. Dafür wurden in der Regel die Patienten aus den psychiatrischen Krankenhäusern in eine besondere Einrichtung verbracht, in der dann die Tötungen vorgenommen wurden.
Aus Wedel sind die Namen von sehr wenigen Opfern bekannt. Es ist anzunehmen, dass es noch weitere Wedeler gegeben hat, die bis 1945 in den Tötungsanstalten umgebracht wurden. Den Opfern einen Namen geben, ist der erste Schritt zum Gedenken an sie. Die acht bekannten Opfer kamen in den Einrichtungen Brandenburg an der Havel, Bernburg, Meseritz-Obrawalde oder Hadamar zu Tode. Zuvor waren sie Patienten der Landesheilanstalt Neustadt/Holstein, der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn oder auch der Landesheilanstalt Schleswig-Stadtfeld.
Sie kennen weitere Namen? Dann kontaktieren Sie bitte das Stadtarchiv Wedel.

Anna Berta Dziemba * 16.10.1913 Wedel + 02.06.1941 Bernburg II
Die Tochter des Arbeiters Thomas Dziemba und dessen Frau Josepha Brzezinski wurde höchstwahrscheinlich in der Tötungsanstalt in Bernburg ermordet.
 

Betty Elkeles * 3.2.1885 Hamburg + 23.9.1940 Brandenburg. Betty Elkeles war jüdischen Glaubens und lebte vermutlich seit 1915 in Wedel. Ab 1927 bis zum Mai 1939 war sie Alumne des städtischen Alters- und Pflegeheim an der Gärtnerstraße. Von dort wurde sie in die Landesheilanstalt Neustadt / Holstein eingewiesen. Im September 1940 wurde sie nach Langenhorn gebracht, um von dort zwei Wochen später in die Tötungsanstalt Brandenburg verbracht wurde. Dort fand sie am selbigen Tage den Tod.

 

Frieda Olga Eschenburg * 27.07.1912 Holm + 04.06.1941 in Bernburg. Frida war die Enkeltochter des Holmer Lehrers Johann Hinrich Eschenburg, nach dem heute die Holmer Schule benannt ist. Seine Tochter Frieda Auguste war unverheiratet, als sie das Kind zur Welt brachte. Warum die junge Frieda bis zum 16.05.1941 Patientin der Landesheilanstalt Schleswig-Stadtfeld war, ist noch unbekannt. Knappe drei Wochen nach ihrem Abtransport in die Tötungsanstalt Bernburg wurde sie umgebracht.

 

August Hinck * 13.4.1865 Wedel + 08.05.1944 Meseritz. Ein Familienzweig der Familie Hinck war in den 1940ern in der Pinneberger Straße 18 ansässig, aber von den Geschwistern Augusts wohnten keiner mehr in Wedel. Er wurde im Oktober 1943 von der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn in das Landeskrankenanstalt Meseritz-Obrawalde verbracht. Ein knappes halbes Jahr später wurde er dort ermordet.

 

Willi Hinsch * 16.5.1912 Wedel + 1943 Meseritz. Willi war der Sohn einer Arbeiterfamilie aus der Schulstraße. Die Ehe seiner Eltern wurde im Januar 1920 geschieden. Nach den Unterlagen kam er 25. März 1943 von der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn in das Landeskrankenanstalt Meseritz-Obrawalde. Nach einem Vermerk in seinem Geburtsregistereintrag soll er 1945 in Neustadt/Holstein zu Tode gekommen sein.

 

Helene Johannsen geb. Struckmeyer * 7.12.1879 Wedel + 1944 Meseritz. Helene wurde als Tochter in die Familie des wohlhabenden Schlachtermeisters und Gastwirts Andreas Martin Struckmeyer geboren. 1899 heiratete sie – bereits im sechsten Monat mit einem Mädchen schwanger - den jungen Postgehilfen Theodor Johannsen. Dieser entpuppte sich nach einigen Jahren als aufstrebenden Kaufmann und späterer Mäzen für Wedel. Helene hingegen erkrankte 1908 an einem Frauenleiden, dass operiert wurde. Danach wurden eine nervliche Erkrankung und eine psychische Störung diagnostiziert. Nach einem missglückten Selbstmordversuch in der Elbe bei Övelgönne im Jahr 1910 lebte sie im Sanatorium Schellhorner Berg bei Preetz. 1925, die Ärzte sprachen mittlerweile vom Krankheitsbild Schizophrenie, wurde ihre Ehe geschieden. In den 1930er Jahren wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Neustadt eingewiesen. Von dort aus muss sie in den 1940er Jahren in das Landeskrankenanstalt Meseritz-Obrawalde gelangt sein, wo sie getötet wurde.

 

Gertrud Julie Fanny Kroll geb. Schwarzbach * 09.08.1895 Schleusingen/Thüringen + 04.11.1941 Landsberg an der Warthe. Fanny kam mit ihrem älteren Bruder aus Thüringen nach Wedel. Während er Anstellung als Optiker bei J.D. Möller Wedel fand, heiratete sie 1920 den Tischler Johann Julius August Kroll. Mit ihm bekam sie fünf Kinder. Nach der Geburt des letzten, wohl kranken Kindes entwickelte sie eine psychische Erkrankung und wurde 1929 in die Landesheilanstalt Neustadt/Holstein eingewiesen. Im September 1941 wurde sie in die Pflege- und Heilanstalt Landsberg an der Warthe verlegt. Dort wurde sie am 04.11.1944 getötet.

 

Anna Maria Wegner geb. Mohr * 28.07.1899 Holm + 1944 Hadamar. Über das Leben der Tochter des Holmer Landmannes Hinrich Mohr und seiner Frau Catharina Margaretha geb. Struckmeyer ist nicht viel bekannt. Sie heiratete 1921 in Wedel den Kutscher Bernhard Wegner. Die Ehe wurde 1936 geschieden. Einzig der Eintrag im Geburtenregister des Standesamtes weist nach, dass sie im Jahr 1944 in Hadamar bei Limburg verstorben ist. In der Tötungsanstalt Hadamar fanden rund 14.500 psychisch kranke Menschen den Tod.

 

Fünf Stolpersteine sind im Jahr 2015 und 2017 auf Intitiative von Schülerinnen und Schülern der Gebrüder-Humboldt-Schule in Wedel verlegt worden. Nähere Informationen über die Personen auf der Homepage http://www.stolpersteine.eu/ und bei wikipedia
Bahnhofstraße 35 für Karl Timm
Breiter Weg 103  für Gertrud Kroll
Gärtnerstraße 17 für Betty Elkeles
Rudolf-Höckner-Straße 1 für Franz Hinrich Borchert
Schloßkamp 31 für Helene Johannsen geb. Struckmeyer

Im März 2022 wurde für die Opfer des Konzentrationslager Wedel an der Ecke Rissener Straße / Puttener Weg eine Stolperschwelle verlegt.

 

Jüdisches Leben in Wedel

Jetta Husmann geb. Kahn

In Wedel haben sich im 19. und im beginnenden 20. Jahrhunderts nur sehr wenige Personen des jüdischen Glaubens angesiedelt. Daher konnte auch keine Synagoge gegründet werden. Die nächste Gemeinde für die Gläubigen lag entweder in Elmshorn oder in Altona.

Dennoch gab es während der Zeit des Nationalsozialismus den tragischen Tod einer Kauffrau jüdischen Glaubens. Die Witwe Jetta Husmann geb. Kahn * 30.11.1872 in Mayen betrieb in der Bahnhofstraße 28 ein Weißwarengeschäft. Ihr Mann, der Händler Johann Jakob Husmann war bereits 1928 in Wedel verstorben.
Auch Jetta "Sara" Husmann musste Repressalien über sich ergehen lassen. So erhielt sie am 8. November 1939 durch das Finanzamt Elmshorn die Aufforderungen, einen weitern Anteil der Judenvermögensabgabe zu zahlen. Kurz nachdem sie im Juli 1942 im Alter von 70 Jahren den Deportationsbefehl zum Abtransport in ein Lager bekam, setzte sie ihrem Leben am 17.07.1942 gegen 21 Uhr Abends in ihrem Wohnhaus in der Bahnhofstraße ein Ende, indem sie sich erhängte. Zwei Monate später, am 22.09.1942 verfasste der vereidigten Auktionator Andreas Huck ein Schreiben an Frau Husmann, in dem er die zur Versteigerung anstehenden Gegenstände der Jetta Sara Husmann anführte. Unter den Hammer kamen u.a. ihr Bett und der Kleiderschrank, aber auch Handschuhe, Strümpfe und ein Schirm. Den Akten des Oberfinanzpräsidiums Hamburg, die sich heute im Staatsarchiv Hamburg befinden, kann entnommen werden, dass die Versteigerung ihrer Sachen am 28.09.1942 - höchstwahrscheinlich im Amtsgerichtsgebäude An der Drehbahn 36 in Hamburg - dem Hamburger Stadtsäckel 235 RM eingebrachte.  

Im Mai 2026 besuchten fünf Schülerinnen der Klasse 12b, Stadtteilschule Rissen das Stadtarchiv Wedel. Sie drehten zum jüdischen Leben in Wedel ein Video, das auf der Homepage des Geschichtomat hier angeschaut werden kann. https://www.geschichtomat.de/orte/geschichten#/juedisches-leben-in-wedel 

Der Journalist Alfred Müller genannt Müller-Förster * 08.10.1880 Neisse zog am 12.05.1909 mit seiner Frau nach Wedel in die Rissener Chaussee. Dort lebte er ein paar Jahre, meldete sich dann im Februar 1912 polizeilich von der Elbstraße 10 ab und verließ Wedel.
Müller-Förster war in den 1920er Jahren ein viel beschäftigter Schriftsteller und Dramaturg des Ernst-Drucker-Theaters Hamburg. Er verfasste mehrere Theaterstücke und Revuen, die an verschiedenen Hamburger Bühnen gespielt wurden. Zudem schrieb er satirische Bücher, wie z.B. "Aufgewärmte Kartoffeln: Ein Büchlein für Politiker, Schieber und Schornsteiger, für Reichspräsidenten, Schuster, Minister, Jungfrauen und solche, die es werden wollen". Zudem verfasste er Hörspiele für den Rundfunk, hatte eigene Sendungen. 
Wegen seines jüdischen Glaubens musste er ins Ausland gehen. Geplant war, für den ausgewanderten Zirkus Sarrasani die Öffentlichkeitsarbeit zu organisieren. Er verstarb im Juli 1935 auf dem Wege nach Buenos Aires an Bord des Schiffes.
Im Nachruf des Hamburger Fremdenblatt vom 10.07.1935 wird erwähnt, dass seine Revue "Rund um die Alster" Hunderte von Aufführungen hatte. Auch seine Erfolge als Schlagerdichter waren groß. Seine bekanntesten Lieder waren "Auf der Reeperbahn nachts um halb eins",  "Komm in meine Liebeslaube" und "Gehn wir mal nach Hagenbeck".

 

Eine weitere jüdische Familie war wenige Jahre von 1893 - 1903 in Wedel wohnhaft: Kaufmann Hermann Liebenthal und Emilie Liebenthal geb. Rosenbaum und deren Tochter Gertrud Liebenthal * 05.02.1896 in Wedel. Gertrud Liebenthal studierte  an der Universität Rostock Medizin und wurde Ärztin für Orthopädie und Geburtshilfe. 1922 heiratete sie den Arzt Dr. Walter Sonnenfeldt. Beide konnten 1939 von Gardelegen aus nach Schweden entkommen und es gelang ihnen die Flucht in die USA. Sie waren die Eltern von Richard Wolfgang Sonnenfeldt, Chefdolmetscher während der Nürnberger Prozesse und Helmut Sonnenfeldt, der Berater von Henry Kissinger wurde.