Aktuell im Stadtarchiv

„Über den Tellerrand. Essen und Trinken in der Geschichte“ - Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten 2026/27

Der Geschichtswettbewerb um den Preis des Bundespräsidenten hat zum 1. September 2026 begonnen. Schülerinnen und Schüler, Kinder und Jugendliche vom Grundschulalter bis 21 Jahre sind noch bis zum Einsendeschluss am 28. Februar 2027 eingeladen, zum neuen Thema auf die historische Spurensuche zu gehen und einen Preis zu gewinnen!
Die Schulen sind informiert und können Auskunft erteilen. Direkte Information über den Geschichtswettbewerb kann hier geholt werden.
Im Stadtarchiv Wedel gibt es zu dem Thema reichhaltes Material. Da kann über die Wedeler Mühlen recherchieren oder verschiedene Gaststätten und Restaurants beleuchten. Wo war das älteste China-Restaurant in Wedel, wo gab es das traditionelle Essen mit Pansen und Krebssauce zum Ochsenmarkt? Was produzierte die Firma Nährmittel Aromax gleich nach Kriegsende, wo war die Margarinefabrik? 
Neugierig geworden? Na, dann mal los und gleich die Unterlagen bei der Körber-Stiftung anfordern. 
 

Baumschulen in Wedel

Die ersten Baumschulkulturen – Weißdorn- und Knickpflanzen kultivierte der Gärtner Franz Hinrich Biesterfeldt um 1872 in Wedel am Karstenfeld. Er legte auf dem Gelände an der Holmer Straße sozusagen das Saatkorn für die kleine, aber feine Kultur der Baumschulbetriebe in Wedel. Die Baumschulbetriebe Wedels hatten noch bis in das Ende des letzten Jahrhunderts eine über­regionale wirtschaftliche Bedeutung für die Stadt Wedel. Die stattlichen Wohnhäuser der Baumschuler zeugten von Wohl­stand.
Für den Ver­trieb der Baumschul-Waren war eine gute Ver­kehrsanbindung wichtig. Zu Beginn des 20. Jahr­hunderts wurden die Waren per Waggon über den Güterbahnhof Wedel versandt, 1909 waren es 37.531 Wagenladun­gen, aber auch über den Schulauer Hafen wurden die Obstbäume transportiert. 
Lesen Sie hier mehr über die spannende Geschichte der Gartenbaubetriebe und Baumschulen in Wedel

Die Diskothek am Gorch-Fock-Platz

Luftfoto Gorch-Fock-Platz von 1956

Auf dem Gorch-Fock-Platz befand sich von 1954 bis 1982 ein Tanzlokal. Es trug so unterschiedliche Namen wie Café Geiß, Petri-Klause, La Masia, Fantasia, Top Twenty 2000, Movie, Flash und zuletzt Kings Club. 1986 wurde der Tanzschuppen zu einer Spielhalle mit Telespielen, Flipper und Billard umgebaut. Die Geschichte und Abbildungen finden Sie hier. Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, oder haben sogar weitere Abbildungen des Lokals, dann melden Sie sich doch im Stadtarchiv und erzählten Sie Ihre Geschichte[n]. 

Der Schulauer Hafen im Laufe der Zeit

Liethgraben um 1890 - Foto möglicherweise von Richard Hünten

Der fiskalische Schulauer Schutz- und Fischereihafen an der Elbe wurde 1899 auf Wunsch der Gemeinde Schulau durch den preußischen Staat erbaut. Die Gemeindevertretung hatte jahrzehntelang dafür geworben, dass der von den Schiffern und Fischern genutzte Liethgraben zu einem „richtigen“ Hafen ausgebaut wird. 
Vor kurzem haben die langen Umbaumaßnahmen des Schulauer Hafen ihren Abschluss gefunden. Das Stadtarchiv hat das zum Anlass genommen, neben der wechselreichen Geschichte des Hafens auch das Füllhorn der Abbildungen auf der städtischen Homepage auszuschütten. Schauen Sie hier!

Die Hitlerjugend in Wedel

Die Hitlerjugend – abgekürzt HJ - war die nationalsozialistische Jugendorganisation und entwickelte sich ab 1933 zu einer reichsweiten Organisation.
Eine Hitlerjugend gab es ab 1931 in Wedel. Pa­rallel dazu organisierte sich die national-konservative Jugend Wedels in der Scharnhorst-Jugend, der Jugendorganisation des Stahlhelm, die hier bereits 1930 organisiert war. Da es auch in Blankenese und Rissen organisierte Ortsgruppen von NSDAP und Hitlerjugend gab, fanden größere Veranstaltun­gen, wie Sonnenwendfeiern gemeinsam statt. Januar 1933 gab es in Wedel etwa 35 Jungen in der Hitlerjugend, im Oktober 1933 schlossen sich die Mädchen im BDM in Wedel zusammen. Die NSDAP sorgte mit verschiedenen Maßnahmen reichsweit dafür, dass alle Jugendlichen in der Hitlerjugend organisiert waen. Lesen Sie hier von der Geschichte der Hitlerjugend in Wedel. 

Findbücher Stadtarchiv

Aktualisierte Beständeübersicht des Stadtarchiv Wedel

Das Stadtarchiv ist in den vergangenen Jahren angewachsen. Neben jeder Menge von Unterlagen aus der Verwaltung ereichten das Stadtarchiv auch mehrere Nachlässe, Sammlungen und Abbildungen. So sind nun auch die Unterlagen des Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein und der Bürgervereinigung im Stadtarchiv. Stöbern Sie gern in der aktualisierten Bestandsübersicht. Hier finden Sie für die Aktenbestände eine Beschreibung und eine Kurzdarstellung der Verwaltungsgeschichte. In verschiedenen Aktenbeständen, aber auch in Abbildungen, der Plakatsammlung und Nachlässen können Sie darüber hinaus auch online über das Archivportal-D recherchieren. 
 

Es klappert die Mühle ....

Die Anfänge der Wedeler Mühle

Zeichung von 1597

Der Wedeler Barockdichter Johann Rist legt in seinem Buch „Die alleredelste Erfindung der Gantzen Welt“ aus dem Jahr 1667 sehr ausführlich die Notwendigkeit der Mühlen dar. Ich mache es ganz kurz: Ohne Mühle gäbe es weder Brot noch Brei, und viel schlimmer noch, es gäbe kein Bier! Daher könne zu Recht behauptet werden, dass Mühlen eine grandiose Erfindung seien. Und weil sie so wichtig sind, hat der Fiskus ein großes Interesse an den Einnahmen aus der Mühle. Dafür sorgt das Mühlenregal. Es gilt seit dem Mittelalter und ist ein dem Landes- oder Grundherrn zustehendes Hoheitsrecht. Es sichert dem Grundherrn das alleinige Recht zum Bau und Betrieb einer Mühle zu. Hinzu kommt der Mühlenzwang. Dieser verpflichtet alle Untertanen, ihr Getreide ausschließlich in der zugewiesenen Mühle mahlen zu lassen und das Mehl oder die Grütze auch nur dort zu erwerben.
Mehr über die Mühlen in Wedel können Sie in meinem Artikel im Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 2025 nachlesen oder Sie schauen hier
 

Schneekatastrophe 1978/1979

Ende Dezember 1978 sorgten starke Temperaturdifferenzen in Europa zu einem massiven Kälteeinbruch mit heftigen Schneefällen. Die Schneekatastrophe nahm ab dem 30.12.1978 ihren frostigen Anfang.
Im Kreis Pinneberg war die Lage verhältnismäßig ruhig. Dennoch sorgten die Schneemassen auch in Wedel für blockierte Straßen, eine Einschränkung des S-Bahnverkehrs, eingeschlossene Bauernhöfe, aber auch für glückliche Kinder. Besorgt schauten die Menschen aber auf die nördlichen Kreise des Landes Schleswig-Holstein, wo Meterhohe Schneewehen dafür sorgten, dass in etwa 80 Ortschaften die Stromversorgung zusammengebrochen war. Hier waren die Einwohner teils tagelang ohne Strom. Erst rund eine Woche später entspannte sich die Lage.
Aber nur für einig Wochen. Im Februar 1979 war Norddeutschland erneut im Klammergriff der Kälte. Nach starken Schneefällen Mitte Februar kam es erneut zu Fahrverboten. 
Im nordöstlichen Schleswig-Holstein mussten zum wiederholten Male Bergepanzer eingesetzt werden um die in den Schneemassen zugeschneiten Menschen zu befreien. In der Stadt Quickborn kam es zu Versorgungsengpässen, die mit Hilfe eines eigens vom Bürgermeister zusammengestellten Konvois behoben werken konnte. Schwierigkeiten gab es auch in den vom Eis eingeschlossenen Ostseehäfen. Der in Wedel beheimatete Eisbrecher „Stettin“ dampfte los, um in der Ostsee die Häfen von Eis zu befreien.
Zur Fotogalerie "Schnee von gestern" geht es hier. 

Arbeiter-Samariter-Bund Ortsverband Wedel - Geschichte

Die steigende Anzahl von Arbeitsunfällen im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung führte Ende des 19. Jahrhunderts Reichsweit zur Gründung des Arbeiter-Samariter-Bundes. Berliner Zimmerleute setzten 1888 den ersten Lehrkursus für Erste Hilfe bei Unglücksfällen durch und gründeten die erste „Kolonne“ des ASB.
Bislang gab es in Wedel noch keinen Sanitätsdienst, sondern nur eine organisierte häusliche Krankenpflege. Dieser widmete sich der 1908 durch Anna Eggers, Gattin des Bürgermeisters von Damen aus eher bürgerlichen Kreisen gegründete Vaterländische Frauenverein. Dieser hatten eine Schwesternstation, half bei der Hauspflege und gab Schulungen in Säuglingspflege. Für diese Arbeit hatten die Damen die Margarethenspende. So nannten sich Schränke, die mit Utensilien für die häusliche Krankenpflege gefüllt waren, die bei Bedarf verliehen werden konnten. 1919 übernahm die Apothekerin Bertha Nelke den Vorsitz des Vaterländischen Frauenvereins.
In den Städten Hamburg und Altona wurde der Arbeiter-Samariter-Bund bereits 1907 gegründet. In Wedel begann man zum Jahreswechsel 1913/1914, also noch vor dem Ersten Weltkrieg, eine Kolonne zu gründen. Die Ausübung der Ersten Hilfe bei Unfällen stand hier im Vordergrund und der Gastwirt Johannes Dose vom Marktplatz und Heinrich Koopmann aus der Moltkestraße trieben das Projekt voran. Der Allgemeinmediziner Dr. Robert Neudörffer, der seine Praxis in der Riststraße hatte, gab regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse und die Gruppe wuchs peu a peu an. Ab 1927 traf sich die Kolonne Wedel beim Genossen Eugen Krabbenhöft in der Spitzerdorfstraße 5. Damals erhielt die Gemeinschaft regelmäßige Zuwendungen der Stadt Wedel, um die Sanitätsausrüstung zu erweitern und die Ausbildung zu finanzieren. Ab 1928 war der Fabrikarbeiter Wilhelm Heinrich Friedrich Müller (1893-1971) aus der Holmer Straße 1 der Vorsitzende der Kolonne. Der Verein absolvierte schon damals regelmäßige Übungen mit der benachbarten Arbeiter-Samariter-Kolonne Altona. So übten sie an einem Sonntag im August 1928 einen Rettungseinsatz nach einer Zugentgleisung an der Ölweiche mit 20 Verletzten. Zahlreiche Schaulustige beobachteten, wie diese durch die Samariter geborgen und versorgt wurde. Ende 1928 war die Organisation mit 22 Mitgliedern bereits so groß geworden, dass es Raumprobleme für die Durchführung von Lehrkursen und Übungsabenden gab. Auch wollte man gern verschiedene Transportgeräte, Sauerstoffapparate und andere Ausrüstungsgegenstände haben, um eine Unfallstation einzurichten, um insbesondere im Sommer bei großem Zustrom von Erholungssuchenden die Sicherheit zu gewährleisten. Dieser Wunsch, und auch der Wunsch, eine Tragbahre und einen Verbandsschrank für Ersthilfe in der Polizeiwache unterzubringen, wird verwehrt mit der Begründung, dass die Polizei selbst auch Verbandmittel hat und in der Nähe mehrere Ärzte zu finden sind. Neben den städtischen Zuwendungen durfte der Arbeiter-Samariter-Bund auch in Wedel in den Jahren ab 1930 auch Straßensammlungen durchführen. Im Sommer 1931 wurde wieder eine Bezirksübung durchgeführt. Im Schwarzbuntpark, auf dem später die Albert-Schweitzer-Schule erbaut werden sollte, fand die Übung eines Explosions-Unglückes statt. Die Verletzten sollten mit Notverbänden versehen werden und zur Arbeiter-Sporthalle an der Bekstraße abtransportiert werden. Beteiligt waren hier Dr. Neudörffer als Kolonnenarzt, der Vorsitzende Wilhelm Müller und 10 ausgebildete Samariter. Sogar auf ein Krankentransportauto konnte der ASB Wedel zurückgreifen. Es wurde für diesen Zweck vom ASB aus Uetersen geholt. Die letzte Straßensammlung für die Tätigkeit des ASB, Kolonne Wedel fand im September 1932 statt. Wenige Monate später wurde reichsweit der ASB als aktiver Teil der Arbeiterbewegung verboten und aufgelöst.
In Wedel wurden im Mai 1933 die Akten, das Vermögen, die Uniformen und die Ausrüstungsgegenstände der Arbeiter-Samariter-Kolonne durch die NSDAP beschlagnahmt. Bei der Beschlagnahmung sollen, so schreiben die Norddeutschen Nachrichten in einem Zeitungsbericht vom 18.05.1933 verächtlich, dass einige „Sanitätsmittel, wie Shampoo, Zahnpasta oder auch Verhütungsmittel, die weiterverkauft werden sollten“ gefunden wurden. Und kommentierte es so: „Ein Urteil über diese Handhabung der Ersten Hilfe bei Unglücksfällen mag sich die Einwohnerschaft selbst bilden.“ In dem Bericht war sogar von darauffolgenden polizeiliche Ermittlungen und Strafverfahren die Rede.
Die beschlagnahmten Ausrüstungsgegenstände und auch die Uniformen wurden anschließend der Freiwilligen Sanitätskolonne des Deutschen Roten Kreuzes übereignet. Und nicht nur das Vermögen des Wedeler Arbeiter-Samariter-Bundes kam in die Hände des DRK, sondern auch das noch gut erhaltene Krankentransportfahrzeug der Sanitätskolonne in Uetersen fand den Weg nach Wedel. Hier wurde es im September 1933 auf dem Gelände der Firma J.D. Möller untergestellt.
Das Deutsche Rote Kreuz Wedel führt seine Anfänge direkt auf die Gründung des Vaterländischen Frauenvereins vom November 1909 zurück. Von einem „Vaterländischer Frauenverein vom Roten Kreuz“ ist in Wedel erstmals 1924 die Rede, eine freiwillige Sanitätskolonne lässt sich in den Akten erst Anfang der 1930er Jahre finden. Nachdem 1933 der ASB verboten wurde, tritt sicherlich auch in Wedel der ein oder andere Sanitäter der Sanitätskolonne des DRK bei.
Das Deutsche Rote Kreuz passte sich der NS-Ideologie an, wurde politisch gleichgeschaltet und in die militärischen Strukturen des NS-Staates integriert. Die Sanitätskolonne des DRK stand zunächst unter der Leitung des Kolonnenführers und Dentisten Richard Möhl, als Schriftführer fungierte der Gastwirt Carl Rathjen. Ab 1938 hatte Heinrich Ehlers aus dem Rollberg 11 die Führung des Sanitätshalbzuges, der Krankenwagen war im Spritzenhaus in der Bekstraße stationiert und wurde vom hauptamtlichen Feuerwehrmann Haß gefahren.
Der Krankenwagen war noch in der Nachkriegszeit einige Jahre in der Feuerwache Bekstraße stationiert und wurde zuletzt durch den Gerätewart Karl Kunke gefahren. Allerdings gehörte der Wagen und der Einsatz des Krankenwagens seit mindestens 1952 in den Zuständigkeitsbereich des Kreises Pinneberg.
Das DRK führte seine Arbeit nach dem Krieg unverändert fort. Der Arbeiter-Samariter-Bund Wedel hingegen wurde erst zum 5. Mai 1983 wieder gegründet.

Historischer Adventskalender - Straßengeschichten

Im Advent nimmt Sie das Stadtarchiv Wedel mit in Geschichte und Geschichten über die Straßen Wedels. Jeden Morgen ab dem 1. Dezember 2025 können Sie  hier neue spannende Geschichten entdecken. Ist vielleicht auch Ihre Straße dabei? Lassen Sie sich überraschen!

Sie liegen geradezu auf der Straße: Geschichten über die Twieten, Wege, Straßen und Plätze gibt es viele. Aber auch über einzelne besondere Anwohner der Straßen. Sie haben auch Geschichten und/oder Abbildungen über eine besondere Straße oder ein besonderes Haus? Dann melden Sie sich gern. Sie möchten selber über eine Straße oder eine Geschichte forschen? Noch besser! Das Stadtarchiv hilft Ihnen gern weiter!

Übrigens in den Straßengeschichten der letzen Jahre können Sie weiterhin hier stöbern.

Die Sturmflut im Januar 1976

Das Jahr 1976 begann mit der schwersten Sturmflut, die man bisher an der deutschen Nordseeküste und im Elbegebiet erlebt hatte. Verursacht wurde die Sturmflut durch den Capella-Orkan (benannt nach dem mit 11 Besatzungsmitgliedern in dem Sturm untergegangenen und in Rostock beheimateten Küstenmotorschiff Capella) mit einer stürmischen Westwindlage. In der Nacht vom 2. auf den 3. Januar 1976 wurde in Wedel die Feuerwehr alarmiert, um Schäden im Stadtgebiet zu beseitigen, die der schwere Sturm aus Nordwest mit Orkanböen mit Spitzengeschwindigkeiten von 180 km/h angerichtet hatte. Zahlreiche Gebäude wurden in Wedel in der Pinneberger Straße, der Mühlenstraße, der Schulauer Straße und am Schulauer Hafen beschädigt. Auch die sehr beliebte Strandbadgaststätte musste in den nächsten Monaten abgebrochen werden.
Besonders aber traf die Flutkatastrophe mit einer Höhe von 4,65 Meter über mittlerem Hochwasser die Haseldorfer Marsch. Zwischen Holm und Hetlingen brach der Elbdeich insgesamt neunmal auf einer Länge von 600 Metern, schloß die Orte in Wassermassen ein und richtete verheerende Schäden an. Da die Bevölkerung rechtzeitig gewarnt werden konnte, musste kein Menschenleben beklagt werden. Allerdings war es notwendig, die Einwohner aus der Luft zu versorgen. Zudem gab es über Tage lang Zeit keinen Strom und es gab Einschränkungen in der Abwasserentsorgung. Rund 1.000 Gebäude wurden in dem Gebiet zerstört. Auch die Tierwelt litt. Die Landwirte beklagten rund 400 Stück Vieh und der Jagdverband bezifferte einen Verlust von 80 % der Wildtiere. 
Am 7. Januar kam der Ministerpräsident Gerhard Stoltenberg ins Katastrophengebiet, um sich einen Überblick über die Schäden zu machen. Nach einem kurzen Gang durch die zerstörte Mühlenstraße in Wedel fuhren er und seine Entourage mit einem Lastwagen der Bundeswehr in die Marsch. Hier waren noch immer weite Teile zwischen Hetlingen, Kreuzdeich und Heist überflutet und nicht für PKWs befahrbar. 
Wenige Wochen später kam es erneut zu einer Sturmflut. Am 20. Januar mussten die Anwohner erneut gewarnt werden und  der gerade geflickten Mini-Deich an der Schulauer Straße hielt nicht stand. Die Wasserfluten überschwemmten erneut die Mühlenstraße und das Autal und blieben anschließend für einige Tage unpassierbar. Die Schulkinder, die nun ihre Schule nicht erreichen konnten, freute es. Gut in Erinnerung für viele Bewohner ist die nach der Sturmflut auftretende Frostperiode. Diese verwandelte den Außendeichbereich zwischen Wedel und Holm in eine wunderbare Eisfläche für Schlittschuhfahrer. 

Naturheilkundiger Adolph Hinrich Brunckhorst

Das Landhaus von Adolph Heinrich Brunckhorst an der Schulauer Straße 30. Foto Stadtbauamt 1970

1904 schreitet der 35-jähriger Landmann Adolph Heinrich Brunckhorst in Schulau erstmals vor den Standesbeamten. Er ist der einzige Sohn des Schiffers Johann Hinrich Brunckhorst und dessen Frau Maria Elisabeth geb. Seebeck aus Spitzerdorf und im Schloßkamp 6 groß geworden, wo seine Vorfahren schon seit Jahrzehnten Grundbesitz haben. Dort zieht das Brautpaar zunächst ein. Seine Braut ist Johanna Wilhelmina Martha Vagt, die 30-jährige Tochter eines in Hamburg verstorbenen Gastwirts. Ein Mädchen wird dem Ehepaar ein Jahr nach der Hochzeit geboren. Nach dem Tode des Schiffers Johann Brunckhorst 1910 übernimmt sein Sohn Adolph zunächst das Haus. 1922 baut sein Cousin, der Kapitän Hans Hinrich Seebeck in dem Haus eine Wohnung aus. Ende der 1920er Jahre ließ Adolph Heinrich Brunckhorst auf einem Stück Land an der Schulauer Straße, gleich gegenüber der Einfahrt in den Schloßkamp ein „Landhaus“ errichten. Das Gebäude war zweigeschossig auf einer Grundfläche von zunächst 58 m² geplant und wurde aus Holz errichtet. Da das Grundstück in der Marsch stand, musste zunächst Boden aufgetragen werden, um eine Art Warft zu erstellen, damit das Gebäude einigermaßen vor Hochwasser geschützt war. Das galt auch für den geplanten Hühnerstall, der sogar auf Stelzen gestellt werden sollte. Dennoch ließ Brunckhorst einen Keller erbauen. Der Architekt war der Zimmerer Heinrich Ohle aus Wedel, der spätere Anbau eines großen, zwei Seiten umfassenden Treibhauses übernahm der Baumeister J.P. Lüchau.
Seinen Lebensunterhalt verdiente Brunckhorst mittlerweile nicht mehr als Landwirt, sondern als Naturheilkundiger. Im Januar 1934 verstirbt seine Frau 60-jährig in dem Wohnhaus. Ihr Schwiegersohn Fritz Gaden, der drei Jahr zuvor ihre Tochter Marie Elisabeth geheiratet hatte und mit ihr in dem Haus wohnte, zeigt ihren Todesfall vor dem Standesbeamten an. Wenige Monate später verstirbt auch er im Alter von nur 38 Jahren. Nun sind Vater, Tochter und ein zweijähriger Enkelsohn zunächst allein im Haus. Ab September 1935 beginnt der Naturheilkundige Adolph Heinrich Brunckhorst - er ist mittlerweile 66 Jahre alt - damit, in überregionalen Zeitungen zu annoncieren, dass er in seinem Haus mit Garten in der Schulauer Straße pflegebedürftige Personen gegen Zahlung von 120 Mark pro Monat aufnimmt. Im darauffolgenden Jahr tritt er erneut vor den Standesbeamten in Groß-Flottbek und ehelicht eine 10 Jahre jüngere Frau aus Stade. Noch bis in die Kriegsjahre hinein lief der Pflegedienst im Hause Brunckhorst, 1942 verkauft das Ehepaar „Pott und Pann“ über Zeitungsanzeigen und verlässt Wedel Richtung Thüringen. 1944, Haus und Grund sind bereits an die Schleswig-Holsteinische Landgesellschaft verkauft, die den Grunderwerb für das „Marine-Bauvohaben Wenzel“ tätigte, war die Familie in Köditz bei Saalfeld ansässig. Nach dem Kriege zieht das Ehepaar Brunckhorst mit der Tochter wieder aus Thüringen weg und kommt im August 1947 wieder zurück nach Wedel. Hier kommen sie zunächst in ihrem alten Haus unter, müssen dann aber in das Lager Schulau – so wurden die alten Gebäude der Zuckerraffinerie bezeichnet. Ein Jahr später hat der mittlerweile fast 80-jährige Heilpraktiker noch Kraft, sich und seiner Familie am Gnäterkuhlenweg 7 ein Behelfsheim zu errichten. Im Januar 1951 verstirbt er, wenige Monate später seine Frau Marie Auguste geb. Wieters.
Das Landhaus von Brunckhorst in der Schulauer Straße 30 hingegen stand noch bis zum Jahr 1975. Es war zuletzt im Eigentum der Stadt Wedel und wurde vor dem Abbruch noch von der Feuerwehr Wedel für Brandübungszwecke genutzt. Heute ist das Terrain Teil Hochwasserschutzanlage.
Haben Sie noch Abbildungen von dem Gebäude oder vom Heilkundigen Adolph Heinrich Brunckhorst oder dessen Familie? Das Stadtarchiv würde sich darüber freuen!
Weitere Geschichte[n] zu Ärzten und Naturheilkundigen finden Sie hier.

Zeitreise in die Bahnhofstraße

Das Stadtarchiv Wedel hat tief in die Foto-Schatztruhe gegriffen und präsentiert Ihnen für [fast] alle Gebäude der Bahnhofstraße Geschichte[n] und Abbildungen. Aber auch das Stadtarchiv Wedel kann nicht allwissend sein! Wissen Sie mehr zu einzelnen Gebäuden zu berichten, haben Sie weitergehende Infos oder sogar Abbildungen zu den Gebäuden, dann teilen Sie bitte Ihr Wissen und kontaktieren Sie mich!
Hätten Sie Spaß daran, mitzuhelfen, die Geschichte dieser Stadt lebendig zu halten? Lieben Sie es, wie ein Detektiv zu arbeiten und darüber zu publizieren? Das Stadtarchiv ist voll von Unterlagen und Geschichte[n] die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Daher suche ich für vielerlei Projekte Forscher und/oder Mithelfer im Ehrenamt fürs Stadtarchiv. Interesse geweckt? Dann melden Sie sich gleich bei mir im Stadtarchiv. 

Vertrieben aus der Ukraine

Barackensiedlung am Galgenberg 1950. Foto G. Schumacher

Im Juni 1944 wurde Wedel eine Gruppe von 36 Volksdeutschen Familien zugewiesen. Viele von ihnen kamen aus der Umgebung von Saporischschja. Die Familien wurden zunächst im Barackenlager Rosengarten untergebracht, bis die kleinen Baracken am Galgenberg bezugsfertig waren. Mehr zur Geschichte lesen Sie hier

Wedeler im Konzentrationslager Glückstadt

Nach der Machtübertragung im Januar 1933 vergingen nur wenige Wochen bis die Ende Februar erlassenen „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ auch in Wedel dafür sorgte, dass sich die politischen Gegner des Nationalsozialismus zur täglichen Meldepflicht auf die Polizeiwache begeben mussten oder in „Schutzhaft“ genommen wurden. Dies betraf zunächst die Mitglieder der KPD, ab Juni 1933 dann auch die Mitglieder der SPD und deren Organisationen. In den im Stadtarchiv Wedel vorliegenden Listen der täglichen Meldepflicht ist erkennbar, welche Personen sich nicht täglich melden konnten, da sie in Haft gekommen sind. 
Lesen Sie hier weiter. 

Heylandt Sauerstofffabrik

Schwerer Landfriedensbruch wurde im Oktober 1912 vor dem Altonaer Schwurgericht verhandelt. Angeklagt war der 27jährige Arbeiter August Trunk aus Wedel. Trunk war gebürtig aus Baden und zog in den Jahren 1909 – 1913 als Wanderarbeiter in Holstein herum. Er wohnte mal hier oder dort, zumeist als Untermieter bei anderen Arbeitern. Anfang des Jahres 1912 war er in der Hafenstraße bei den Heylandt-Werken angestellt.
In dem Werk des Erfinders und Ingenieur Christian Wilhelm Paul Heylandt (1884-1947) wurden Gase getrennt, gereinigt und verflüssigt.

Sauerstoff aus der Hafenstraße

In dem Werk des Erfinders und Ingenieur Christian Wilhelm Paul Heylandt (1884-1947) wurden Gase getrennt, gereinigt und verflüssigt. Paul Heylandt war dafür Patentinhaber und hatte im April 1909 mit dem Privatier Dr. Franz F.D.J. Lepthien aus Neumünster die Heylandt-Gesellschaft gegründet. Die Firma hatte zunächst ihren Sitz in Hamburg in der Meldorfer Straße 9 in einem Hinterhaus. Dort im Labor flog ihm im Juni 1910 bei Experimenten ein kupfernes Behältnis mit Wasserstoffgas um die Ohren. Türen und Fenster wurden aus den Angeln gerissen. Heylandt und sein Arbeiter wurden durch die Explosion an die Wand geworfen. Der Ingenieur Heyland wurde mit Brandverletzungen ins Krankenhaus Eppendorf gebracht, der Arbeiter hatte nur leichte Verletzungen. Nach der Genesung suchte sich Heyland einen neuen Produktionsort und fand ihn in Wedel. Und zwar in der Hafenstraße, in dem von H. Heinsohn erworbenen Grundstück. Dort in der Nähe kaufte Paul Heylandt im Juli 1911 vom Zimmermeister Johannes Diercks eine an der Mozartstraße gelegene Villa.
Heylandt ließ August 1911 durch die Hamburger Architekten Alfred Jacob und Otto Ameis ein Fabrikationsgebäude und ein Verwaltungsgebäude erbauen.
Im Oktober 1911 legte die Firma ein Straßenschmalspurgleis für den Betrieb von Loren ohne Lokomotive über die Hafenstraße zum Hafen hinunter. Außerdem wurde ein Wasserentnahmerohr vom Fabrikgrundstück nach dem Schulauer Hafen gelegt. Die Genehmigung war mit Auflagen verbunden, so musste ein Mann mit einer roten Fahne oder bei Dunkelheit mit einer roten Laterne, die Passanten warnen, die Schienen nicht zu queren.
Im Januar 1912 kam die Produktion ins Stocken. Der Deutsche Metallarbeiterverband machte bekannt, dass die organisierten Metallarbeiter, Kupferschmiede und ungelernten Arbeiter im Schulauer Werk der Heylandt AG wegen ernster Lohndifferenzen in den Streik getreten sind. Andere Arbeiter, so rief die Gewerkschaft in Anzeigen auf, sind vom Zuzug fernzuhalten. Der Streik zog sich über Wochen hinweg, aber eine Einigung schien nicht in Sicht gewesen zu sein. Denn zur Überraschung der Gewerkschaft engagierte Paul Heylandt die „Vereinigung der Nichtverbändler“ des Herrn William Westphalen. Der Deutschlandweit agierende Westphalen versammelte Arbeiter die nicht in einer Gewerkschaft organisiert waren und vermietete diese Arbeitsgruppen als Streikbrecher an Firmen. Das dies große Unruhe mit sich brachte lag auf der Hand. Als Heylandt zudem dazu überging, die Streikbrecher zu beschäftigen und zugleich in den Arbeitsräumen zu verpflegen und zu beherbergen, waren die Stamm-Arbeiter auf Krawall gebürstet. Es kam zu Schießereien und zu Prügeleien. Der Polizeisergeant Robert Schönbaum wurde mit Steinen beworfen, der Arbeiter Hübner feuerte mehrere Revolverschüsse ab.
Gleichzeitig hatte die Firma das Problem, dass sie gern expandieren wollte, aber die Anwohner dem Neubau einer Gasometer-Anlage sehr kritisch gegenüberstanden. Die Anwohner fürchteten zum einen um ihre Sicherheit und zum anderen um ihre Nachtruhe, wenn die Maschinen auch nachts laufen würden. Die Einwände wegen der Sicherheit wurden zurückgewiesen, aber der Stadtsekretär Wilhelm bestätigte eine erhebliche Lärmbelästigung, die bis zu Doppeleiche zu hören sei.
Am 17.07.1912 bricht im Dachstuhl des Gebäudes ein Brand aus. Die Feuerwehren von Wedel und Schulau, sowie die Werksfeuerwehr der Zuckerraffinerie Schulau bekämpften das Feuer erfolgreich. Nach Polizeilichen Ermittlungen des Polizeisergeanten Niemann gibt es keinen Anhaltspunkt für Brandstiftung. Aber der Brand läutet das Ende der Firma in Schulau ein. Der Geschäftsführer Cäsar Löhde zog mit seiner Familie nach Neumünster. Auch der Direktor Paul Heylandt zieht sich aus Schulau zurück und geht nach Berlin. Um das Industriegrundstück in Schulau kümmert er sich nicht mehr. Im Juli 1913 erwirbt der Hamburger Investor P. Richard Ehrhardt das Areal, das zunächst leer steht. Die Sauerstoff-Fabrik meldet im März 1914 Konkurs an, Konkursverwalter verkaufen ab Juli sämtliche Maschineneinrichtungen, darunter Werkstattmontagekräne, Flaschenzüge, Ambosse, 50 Schraubstöcke in unterschiedlichster Größe. Erst ab 1915 interessiert sich der Kaufmann Theodor Johannsen für das Grundstück und begründet hier sein „Margarine-Imperium“.
Paul Heylandt aber baute 1919 in Berlin eine große Industriegasverwertungsanlage und verkaufte weitere Anlagen in die ganze Welt. Ab Beginn der 1920er Jahre gab es vertragliche Verbindungen zur Linde AG, in der die Heylandt-Gesellschaft später aufging. Paul Heylandt forschte in den 1930er Jahren an dem Raketenfahrzeug „Höllenhund“ und verstarb 1945 unter unbekannten Umständen in Moskau. Er kam vermutlich nie mehr nach Wedel zurück. Aber die Sauerstoff-Fabrikation von Linde war ab 1962 für einige Jahrzehnte in Wedel in der Industriestraße 30-34 ansässig.

Wedeler GeDenkzettel

Dr. Arno Schöppe und Anke Rannegger im Jahr 2013

Erinnern Sie sich noch? In den Jahren 2013 bis 2019 wurde unter dem Titel Wedeler GeDenkzettel eine wöchentliche Zeitungskolumne publiziert, die von Dr. Arno Schöppe, damals VHS Wedel und Anke Rannegger vom Stadtarchiv Wedel initiierte wurde. Gemeinsam machten sie sich auf die Suche nach Geschichten, Tagebücher und Abbildungen von prägenden Zeiten und riefen ihre Leser auf, die Erinnerungen zu konservieren, Abbildungen ins Stadtarchiv zu bringen die die Geschichte dahinter zu erzählen. Viele Wedeler folgten diesem Aufruf und trugen zu dieser Zeitungskolumne bei.

Die Serie wird nun Zug um Zug auf die Homepage gestellt und Sie können sie hier nachlesen.

 

Aktuelles für Familienforscher

Das Stadtarchiv hat "frische" Standesamtsunterlagen in die Bestände übernommen. Die Namenslisten der Register des Standesamtes konnten bereits erstellt werden und stehen hier zur Recherche für Jedermann zur Verfügung. Nun stehen insgesamt 40 Jahrgänge der Geburten, die 70 Jahrgänge Eheschließungen und 120 Jahre Sterbefälle für die Genealogen offen. Außerdem konnte die Datenbank des [externe URL!] Ortsfamilienbuches Wedel auf nunmehr beinahe 50.000 Personen ergänzt werden.
Wenn das kein Grund zur Freude ist?

Stadtvertretersitzung am 17.01.1946. Links der ehemalige komm. Bürgermeister Georg Jessen, nunmehr Stadtdirektor. Mit der Bürgermeisteramtskette der ehrenamtliche Bürgermeister Andreas Huck

Die Hamburger Finanzbehörde hat ein Forschungsprojekt über die Rolle der Hamburger Finanzverwaltung im Nationalsozialismus in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nun über die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen präsentiert wird.
Der in Wedel wohnende Auktionator Andreas Huck war auch einer der Profiteure des perfiden Finanzsystems des NS-Staates. Er versteigerte im Auftrag der Finanzbehörde Hamburg den Hausrat und weiteres Umzugsgut der deportierten Juden und führte die daraus entstandenen Erlöse an den Oberfinanzpräsidenten. Ein Anteil der Erlöse war sein Verdienst.

 

Andreas Huck

Die Hamburger Finanzbehörde hat ein Forschungsprojekt über die Rolle der Hamburger Finanzverwaltung im Nationalsozialismus in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse nun über die Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte zur Erinnerung an die Opfer der NS-Verbrechen präsentiert wird.
Der in Wedel wohnende Auktionator Andreas Huck war auch einer der Profiteure des perfiden Finanzsystems des NS-Staates. Er versteigerte im Auftrag der Finanzbehörde Hamburg den Hausrat und weiteres Umzugsgut der deportierten Juden und führte die daraus entstandenen Erlöse an den Oberfinanzpräsidenten. Ein Anteil der Erlöse war sein Verdienst.
Der Rechtskonsulent Andreas Christian Heinrich Huck (* 24.10.1883 Hamburg + 08.04.1967 Altona) wohnte mit seiner Ehefrau Elfriede geb. Wolters ab 1927 in Wedel, zunächst als Mieter im Holsteinischen Haus, Rolandstraße 9. Als er zwei Jahre später durch den Kreis Pinneberger Landrat Niendorf die Bestallung zum beeidigten und öffentlich angestellten Auktionator für die Amtsgerichtbezirke Altona, Blankenese und Uetersen erhielt, wohnte er im Ansgariusweg. Dort erhielt er 1931 sogar einen Telefonanschluss. 1935 zog er erneut um und wohnte in der Mühlenstraße 5. Bevor er im Dezember 1963 die Stadt Wedel gen Hamburg verließ, wohnte er zur Miete Beim Hoophof 20.
Versteigerungen werden ein einträgliches Geschäft für Huck gewesen sein. Vermutlich hat er die ersten Jahre keinen separaten Geschäftssitz. Für 1942 gibt es Hinweise auf einen Geschäftssitz in der Großen Bergstraße 133. In Wedel führt er die Auktionen in der Regel in Gasthäusern durch, im Holsteinischen Haus oder im Wedeler Hof. Unter den Hammer kamen beispielsweise Wohneinrichtung von Verstorbenen oder auch eine Geschäftsauflösung. So wurde er in den 1940er Jahren auch tätig bei der Versteigerung des Vermögens von deportierten Juden. Einer seiner „Fälle“ war der von Jetta "Sara" Husmann aus der Bahnhofstraße 28.
Jetta Husmann geb. Kahn hatte 1928 den Woll- und Weisswarenhandel von ihrem verstorbenen Mann übernommen. Da sie jüdischen Glaubens war, hatte sie verschiedene Repressalien über sich ergehen lassen müssen. So erhielt sie bereits am 8. November 1938 durch das Finanzamt Elmshorn die Aufforderungen, die Judenvermögensabgabe zu zahlen. Kurz nachdem sie im Juli 1942 im Alter von 70 Jahren den Deportationsbefehl zum Abtransport in ein Lager bekam, setzte sie ihrem Leben am 17.07.1942 in Wedel ein Ende, indem sie sich erhängte. Zwei Monate später, am 22.09.1942 verfasste der vereidigten Auktionator Andreas Huck ein Schreiben an Frau Husmann, in dem er die zur Versteigerung anstehenden Gegenstände der Jetta „Sara“ Husmann anführte. Ob der Versteigerer Huck tatsächlich nicht wusste, dass er sein Schreiben in die Bahnhofstraße an eine Verstorbene richtete, die maximal 5 Gehminuten von seiner Wohnung Beim Hoophof entfernt wohnte?
Den Akten des Oberfinanzpräsidiums Hamburg, die sich heute im Staatsarchiv Hamburg befinden, kann entnommen werden, dass die Versteigerung ihrer Sachen am 28.09.1942 - höchstwahrscheinlich im Amtsgerichtsgebäude An der Drehbahn 36 in Hamburg - dem Hamburger Stadtsäckel 235 RM eingebrachte. Unter den Hammer kamen u.a. ihr Bett und der Kleiderschrank, aber auch Handschuhe, Strümpfe und ein Schirm.
Noch bis nach Kriegsende war Huck als Auktionator im Geschäft. Seine Diensträume lagen 1946 am Jungfernstieg, in den 1950er Jahren wieder in Altona, in der Barnerstraße 1. Auch wenn er für Wedel sein Gewerbe abgegeben hatte, so führte er hier doch mit Sondergenehmigung in den 1950er Jahren Auktionen durch. So versteigerte er 1951 das Vieh des Landmannes Tumforde auf dem Scharenberg, 1952 das Vieh und das Inventar der Baumschule Karl Heinsohn und zuletzt 1952 Gegenstände aus der Konkursmasse des Autohauses Schmidt im Rosengarten 14.
Jahre zuvor, wenige Monate nach Beendigung des Krieges forderte die britische Militärregierung eine Liste von 24 Personen ab, die gemeinsam die Ratsversammlung abbilden könnten. Auf dieser von der Stadtverwaltung angefertigten Liste durften weder belastete Parteigenossen noch Großindustrielle sein, auch Flüchtlinge sollten benannt werden. Auf dieser Liste vom Oktober 1945 stand auch der Name des Auktionator Andreas Huck. Somit wurde er ein Mitglied der durch die Militärregierung aufgestellten Stadtvertretung. Zum Dezember 1945 führte die Militärregierung eine Doppelspitze der Rathausführung ein. Nach der Vorschrift hatte ein Stadtdirektor die Verwaltung zu leiten, der Stadtvertretung aber stand ein ehrenamtlicher Bürgermeister vor. Nun entschied sich der bisher amtierende kommissarische Bürgermeister Georg Jessen, das Amt des Stadtdirektors zu übernehmen. Für das Ehrenamt des Bürgermeisters schlug Wing Commander Bryant vorläufig den Auktionator Andreas Huck vor. Dieser wurde nun in der Sitzung der Stadtvertretung am Donnerstag, den 17.01.1946 zum Bürgermeister ernannt. Von Anfang an hat Huck es nicht leicht mit der Sitzungsführung der Stadtvertretung. Bereits im Februar 1946 kommt es zu Zwist wegen seines Auftretens gegenüber anderen Stadtvertretern. Im Juni 1946 schlug der Stadtdirektor Jessen dem Military Governor vor, das SPD-Mitglied Hans Heiseke für den am 5. 6.1946 ausgeschiedenen Huck zu benennen. Eine Begründung gab es leider nicht. Das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters wurde nun zum 6 Juni 1946 dem Angestellten und SPD-Mitglied Heinrich Schacht übertragen, der das Amt bis zum April 1950 ausübte. Andreas Huck übernahm keine weiteren öffentlichen Ämter mehr.

Name: Andreas Christian Heinrich Huck
Geschlecht: männlich
Beruf: Rechtskonsulent und öffentlicher Auktionator
GND: -
Geburtsdatum: 24.10.1883
Geburtsort: Hamburg
Sterbedatum: 08.04.1967
Sterbeort: Hamburg
Sonstiges: -

Sonderausgabe des Wedel-Schulauer Tageblatt

Anlässlich der Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum von Wedel im Jahr 1962 - 750 Jahre Wedel - gab die Redaktion des Wedel-Schulauer Tageblatt eine 40-seitige Jubiläumsausgabe des Tageblattes heraus. In dieser sind nicht nur interessante Beiträge zu einzelnen Aspekten der Stadtgeschichte nachzulesen, sondern es gibt auch eine Fülle von historischen Werbeanzeigen zu entdecken. Das Stadtarchiv hat die Ausgabe digitalisiert. Blättern Sie durch!
Das Stadtarchiv dankt dem Beig-Verlag für die Genehmigung der Veröffentlichung!

Geschichte des Ochsenmarktes

Einst fand in Wedel ein sehr lebhaft besuchter Ochsenmarkt statt. Das Ende des Ochsenmarktes verlief schleichend. Der Dreißigjährige Krieg, die in den darauf folgenden Jahrzehnten grassierenden Viehseuchen und die veränderten Handelsbedingungen und Routen trugen dazu bei, dass er Mitte des 18. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung verlor und sich zu einem "normalen" kleinstädtischen Viehmarkt wandelte. Das Stadtarchiv hat die Rubrik Wirtschaft und Verkehr erweitert um die Bereiche "Märkte" und "Handel".
Hier können sie nun auch die Geschichte des Ochsenmarktes und Fotos längst vergangener Zeiten finden.

Historischer Adventskalender II - Straßengeschichte[n] aus Wedel

Im historischen Advendskalender des Stadtarchivs 2023 wurde der interessierte Wedeler in die Geschichte[n] einzelner Straßen entführt. Nun gibt es zum Jahr 2024 wieder neue Geschichte[n] der Wedeler Straßen. Ab dem 1. Dezember 2024 kommt jeweils eine Straße hinzu. Lassen Sie sich wieder entführen....

Als die Schwestern noch Hauben trugen: Vom Schützenhof zum Krankenhaus

Im Juli 1928 begannen die Ausbauarbeiten zum Krankenhaus am ehemaligen Schützenhof des Dänischen Schützenvereins zum Krankenhaus. Eröffnet wurde die Klinik an der Holmer Chaussee 155 am 15. Januar 1930. Damit verwirklichte Bürgermeister Friedrich Eggers (Amtszeit 1902 bis 1932) zusammen mit dem Stadtverordnetenkollegium das seit Mitte der 1920er Jahre geplante Projekt einer wohnortnahen medizinischen Rundum-Versorgung für die Wedeler Bürger. Lesen Sie hier die spannende Geschichte des Krankenhauses, das bis 1971 in städtischer Regie war, dann vom Kreis Pinneberg und später durch die Regio-Kliniken verwaltet wurde, bis es im August 2020 geschlossen wurde.

Vorträge über Dr. Jürgen Boockholtz und Johann Hinrich Hatje von Dr. Thies Bitterling

Dr. Thies Bitterling 1933 - 2017

In der Vortragsreihe des Stadtarchivs Wedel wurden vor einigen Jahren viele sehr informative Vorträge gehalten. Zwei der Vorträge des unvergessenen Dr. Thies Bitterling (1933 - 2017) wurden nun zu bebildertem Text umgearbeitet und hier zum nachlesen bereit gestellt. 
Johann Hinrich Hatje Maurermeister und Bauunternehmer in Schulau. Vortrag von 2014
Ein einziger Arzt für Wedel. Leben und Wirken von Dr. Jürgen Heinrich Boockholtz. Vortrag von 2016

Der Roland

Rolande gibt es seit dem 14. Jahrhundert insbesondere im norddeutschen Raum und in Brandenburg. Es ist ein Standbild eines Ritters mit bloßem Schwert (Richtschwert) und gilt als Sinnbild der Stadtrechte. Rolandstatuen stehen daher auf Marktplätzen oder vor Rathäusern.
Das was wir aber in Wedel haben, ist eigentlich keine Rolandsstatue. Mehr Geschichte über den alten Roland und zahlreiche Abbildungen gibt es hier nachzulesen.

April 1986 – Nuklearkatastrophe in Tschernobyl

„Strahlungsnachweisgerät mit Zählrohr“ Quelle: Wikipedia - CC BY-SA 3.0

Am 26. April 1986 um 01:23 Uhr ereignete sich ein Unglück, das ganz Europa in Aufruhr versetzen sollte. Nach der Nuklearkatastrophe in Tschernobyl, Ukraine, starben weltweit ca. 4.000 Menschen und viele weitere Personen erkrankten anschließend schwer. Ein Experiment in einem Kernkraftwerk hatte zu einem Stromausfall geführt und eine anschließende Explosion des Reaktor-Block 4 hervorgerufen. Die entstandene Radioaktivität stieg in die Luft auf und verteilte sich mit dem Wind über weite Teile Europa. Ein Teil erstreckte sich auch über Deutschland.
 

Ab Anfang Mai wurde der Landrat des Kreises Pinneberg als zuständige Behörde tätig und unterrichtete die Bevölkerung über das Geschehen, indem u.a. Schilder an Sport- und Spielanlagen aufgestellt und Aushänge in öffentlichen Einrichtungen gebracht wurden. Es gab die Empfehlung, sich hauptsächlich drinnen aufzuhalten und besonders auf die Wahl der Lebensmittel zu achten. Insbesondere vor dem Verzehr von Wildfleisch und Pilzen wurde abgeraten, denn durch radioaktiven Regen gelangten strahlende Stoffe in den Boden.
Da sich die Radioaktivität nur langsam abbaut, sind insbesondere im Süden Deutschlands noch immer die Pilze belastet. Und in besonders betroffenen Regionen sind die erlegten Wildschweine auf Radioaktivität zu testen, bevor sie in den Handel kommen.
Wedel und Umgebung ist bei der Katastrophe noch einmal glimpflich davon gekommen. Die über einen Zeitraum von mehreren Wochen gemessenen Werte waren nur kurzzeitig erhöht. Dennoch machte man sich Sorgen um die Werte der Deichschafe, der Sport- und Spielplätze, des Freibades. Aber Experten beruhigten die Bevölkerung mit der Aussage, der Wert im Wedeler Regenwasser entspräche „der Konzentration des Kühlwassers im Primärkreislauf eines Atomkraftwerkes“. Daher konnten die eigenen Messungen bereits im Juli 1986 eingestellt werden, da die Werte beim Normalwert lagen.

Die Bewohner wurden durch den GAU in Tschernobyl 1986 sensibilisiert und sorgte sich um ihre Gesundheit. Dreißig Jahre zuvor, aber sah es noch ganz anders aus. Der Bürgermeister Heinrich Gau bot im Juni 1955 dem Geschäftsführer der Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt, dem Kernphysiker Dr. Kurt Diebner an, das Gelände am hohen Elbufer in Wedel in Betracht zu nehmen, dort einen Versuchsreaktor zu bauen. Weitere Kommunalpolitiker und der Bürgervorsteher Heinrich Schacht standen ebenso für einen „atomaren Fortschritt“.
Die vier Bundesländer Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hatten sich in einem „Atompool“ gemeinsam dafür ausgesprochen, bei Hamburg einen Atomreaktor zu errichten und erwarben dafür in den Vereinigten Staaten einen Reaktor für zwei Millionen DM. Betreiber wird die Gesellschaft für Kernenergieverwertung in Schiffbau und Schiffahrt. Aber nicht das Elbufer, sondern die Holmer Sandberge, so zeigten 1956 die ersten Voruntersuchen, haben eine geeignete Bodenstruktur für den Bau des Reaktors! Im Spätsommer 1956 fällt die Entscheidung in der Standortfrage. Und der Aufsichtsrat der Gesellschaft entscheidet sich für das Gelände der ehemaligen Sprengstoffwerke Krümmel, oberhalb von Geesthacht. Dort wurde im Oktober 1958 der dritte Kernreaktor Deutschlands in Betrieb genommen.
In den 1950er Jahren war der Weg frei für die „friedliche“ Nutzung der Atomkraft. Bei der Standortfrage waren die Hamburger Wandervereine die einzigen, die gegen die Planungen heftigen Protest einlegten. Bei dem Protest ging es nie um die Gefahren eines Reaktors. Allein allein die Sorge um den Erhalt des Freizeitwertes des Dünengeländes der Holmer Sandberge als Naherholungsgebiet stand im Fokus. Anders sah es bei der Nutzung der Atomenergie für militärische Zwecke aus. Hier gab es bereits ab 1947 vereinzelte Proteste, die ab 1958 in Wedel in der großen außerparlamentarischen Bewegung „Kampf dem Atomtod“ mündete. Dies spannende Geschichte der Bewegung in Wedel ist hier nachzulesen.

Villa Sternberg - SA-Sportheim - Kinderheim - Firmensitz

1932 zog hier die SA Altona-Rissen ein

Die mitten im Wald gelegene Villa Sternberg hat eine spanndende Geschichte. Erbaut von einem Architekten, vermietet an die SA, dann ein Kinderheim des Kreises Pinneberg. Details können Sie hier nachlesen.

Die Schulauer Zichorienfabrik

Der Firmenkopfbogen 1916

Da hat der Firmeninhaber mit der Größe der Fabrik wohl ein wenig übertrieben! So groß waren die Fabrikationsräume der Schulauer Zichorienfabrik nie. Aber lesen Sie selbst.

Straßengeschichte[n] aus Wedel

Im historischen Advendskalender des Stadtarchivs 2023 wurde der interessierte Wedeler in die Geschichte[n] einzelner Straßen entführt. Nunmehr sind diese und weitere Straßengeschichte[n] hier zu finden.

Ans Licht gezogen: Fotoschätze aus dem Stadtarchiv Wedel

Druckerei Abelbeck in der Mühlenstraße 42

Wir starten mit Fotos des Verlegers und Buchdruckereibesitzers Conrad Abelbeck. Schauen Sie sich gern die schönen Abbildungen aus Wedel und Schulau an, die um 1900 gemacht wurden. Mehr zu Abelbeck gibts hier.

 

Der Hoophof

Bahnhofstraße um 1901 - links die große Scheune und das Wirtschaftsgebäude des Hoophofes, rechts das Altenteilerhaus.

Für den Straßennamen wird sich oft der Flora oder Fauna bedient. Aber einige werden auch nach großen Höfen benannt, die dort in der Nähe standen. So beim Straßenname Beim Hoophof in Wedel. Dieser Hof ist seit dem 16. Jahrhundert zunächst im Grundbesitz der Familie von Helms. Zum Hof gehörten zahlreiche Ländereien am Hofplatz entlang der heutigen Bahnhofstraße, aber auch in Schulau. In der Mitte des 17. Jahrhunderts stirbt der Familienzweig aus. Danach geht der Besitz durch Heirat in die Familien Körner, Langeloh und Biesterfeld. Ab etwa 1748 ist er erneut im Eigentum der Familie Langeloh. Dieser Hof hatte im 18. Jahrhundert noch zahlreiche Ländereien. Die meisten lagen in dem Quadrat zwischen der Bahnhofstraße, der heutigen Gorch-Fock-Straße, der Höbüschentwiete und der Schulauer Straße. Hinzu kamen Äcker und Felder am Stock, am Voßhagen, am Grönen Born, an der Aue. In diesem Artikel beschränke ich mich ausschließlich auf das Areal rund um die ehemalige Hofstelle des Hoophofes an der Bahnhofstraße, in dem Bereich Bahnhofstraße 10 bis Bahnhofstraße 18a.
Wenn Sie mehr zu den Hofbesitzern erfahren wollen dann schauen Sie in den Aufsatz von Gisa Teßmer "Schulauer Hofgeschichten".

Deichbau in Wedel und Schulau

Jahrhundertelang brauchten Wedel, Schulau und Spitzerdorf keine Deiche zum Schutz vor der Elbeflut. Denn anders als beispielsweise Hetlingen liegen die Orte oberhalb der Kante des Geestrückens, der nur durch die Wedeler Aue unterbrochen wird. Die Landwirte, die zahlreiche Felder bis zur Elbe ihr Eigentum nannten, wirtschafteten sehr erfolgreich mit der Überflutung der großen Wiesen. Sie nutzten die Wiesen für die Gräsung ihres Viehs, zudem betrieben sie einen lukrativen Handel mit Heu. Erst spät kam der Wunsch nach Eindeichung und damit die Grundsatzfrage, ob öffentliche Mittel erheblichen Umfangs dafür eingesetzt werden sollten, private Sachwerte gegen Wasserkatastrophen zu schützen... mehr zu Geschichte über Wedels Deiche gibt es hier
 

Parkanlagen in Wedel

Unter Parkanlagen sind größere Grünflächen zu verstehen, die der Verschönerung und der Erholung dienen. Nun, mit Abmessungen wie dem Ohlsdorfer Friedhof können und konnten die kleinen Grünanlagen Wedels nicht konkurrieren. Hinzu kommt, dass sie ein Nischendasein führen und zu wenig Beachtung finden. Ein Grund mehr, auf sie aufmerksam zu machen! Mehr zu den Parks in Wedel gibt es hier.

Historisches zum Schulauer Hafen

Die Geschichte des Schulauer Hafen beginnt etwa um 1877. In der Sitzung der Gemeindevertretung Schulau setzten sich die Bürger dafür ein, das der Lauf des Liethgrabens, eines kleinen Abflusses unterhalb des Geestrandes in Schulau zu einem Hafen ausgebaut wird. Damit das Land Preußen den fiskalischen Hafen ausbaut, verpflichtet sich Schulau vertraglich, die Grundstücke dafür kostenfrei zur Verfügung zu stellen und ein viertel sämtlicher anfallenden Kosten zu übernehmen. Lesen Sie die spannende Geschichte des Schulauer Hafens hier. Und wenn Sie in den Protokollen der Gemeindevertretung Schulau blättern wollen... bitteschön..

Anfänge von SPD, KPD und NSDAP in Wedel

Holprig waren die Anfänge der Parteien in Wedel. Bei der um 1889 gegründeten Partei gab es 1903 einen Skandal um den Platzagitator Heinrich Eichelmann, der sich 1903 quasi über Nacht mit der Parteikasse aus dem Staub macht.
Die erst um 1923 in Wedel entstandene KPD hingegen steigt gleich in die Kämpfe um einen höheren Lohn und gegen Wohnungsnot und Hunger ein. Und liefert sich Schlägereien mit dem Stahlhelm. Dieser wiederum kann als Vorbereiter der NSDAP gesehen werden. Weitere Infos zur Geschichte der Parteien gibt es hier.

 

März 1943 - Als die Bomben fielen...

Die Zerstörung in der Bahnhofstraße - Foto Hugo Schmidt

Am 03. März 1943 flog der Bomberpulk der Royal Airforce, der seine tödliche Fracht über Hamburg-Altona abwerfen sollte, über Norddeutschland. Dann aber unterlief dem Navigator des Pfadfinderflugzeugs ein gravierender Fehler. Der Ablauf dieses Unglücks, dass Teilbereiche von Wedel in Schutt und Asche legte und 37 Menschen hier den Tod brachte, kann heute anhand briti­schen Archivmaterials nachvollzogen werden. Lesen Sie hier mehr.

Hebammen in Wedel

Sittsam, christlich und reinlich hatten die Hebammen zu sein. Insbesondere ihre Hände hatte sie geschmeidig zu halten und die Fingernägel gehörig zu beschneiden. Lesen Sie hier mehr über die Hebammen Wedels.

Der Rosenhof in Wedel

Rosenhof

Heute die trägt die Bundesstraße B 431 vom Rathausplatz bis zur Einmündung des Mühlenstieges die Bezeichnung Rosengarten. Die Benennung der Straße ist auf das Flurstück Rosengarten zurückzuführen und wird erstmals in dem Kornregister von 1601 genannt. Die Bedeutung des Namens ist unklar. So kann sie auf einen alten Kultplatz, oder einen Turnierplatz aber auch auf einen Friedhof oder einen Arzneigarten hinweisen. Bekannt ist hingegen, dass dieses Grundstück lange Jahre zum großen Grundbesitz des Hamburger Kaufmanns Johann Caesar Godeffroy gehörte. Wenn Sie mehr erfahren möchten...

 

Kultur im öffentlichen Raum und am Bau

Möwen fütternder Knabe von Siegfried Assmann
"Möwen fütternder Knabe" von Siegfried Assmann (1925-2021)

Kunst im öffentlichen Raum sind Kunstwerke unterschiedlicher Epochen und Stile, die im kommunalen öffentlichen Raum, beispielsweise in Parks, auf Straßen oder Plätzen von jedermann zu erleben sind. Neben diesen Kunstwerken kann im Wedeler Stadtbild auch Kunst am Bau entdeckt werden. Von einigen Kunstwerken sind die Künstler bekannt, manches ist frei sichtbar an einer Fassade, manches versteckt auf einem Schulhof oder in der Kirche, einiges bereits verschwunden. Weitere Infos hier.

Neue Biographien "Wer war wer" in der Zeit des Nationalsozialismus

Stadtgeschichte ist nicht vollständig ohne einen Blick auf die Biographien der handelnden Personen. Daher stellt das Stadtarchiv Personen vor, deren und deren Wirken und Handeln während der NS-Zeit in Wedel sich in die eine oder die andere politischen Richtung in Akten, Zeitungen oder Schriften niedergeschlagen hat.
Angeregt wurde diese Rubrik durch die Hamburger Datenbank "Die Dabeigewesenen" der Landeszentrale für politische Bildung. Diese Rubrik ist erst ein Anfang, für weitere Infos wäre ich dankbar.

Kulturdenkmäler, Architekten und Bauunternehmer in Wedel und Schulau

Bei den Bombenabwürfen im Zweiten Weltkrieg sind in Wedel zahlreiche Gebäude zerstört worden, einige aber konnten wiederaufgebaut. Leider haben aber nur verhältnismäßig wenige individuelle Gebäude den Abriss-Wahn der letzten Jahrzehnte überstanden. Einige Gebäude stehen heute nur noch, weil sich Bürgerinitiativen gefunden haben, die sich gegen die Politik und die Interessen von Investoren gestellt haben. Das gilt u.a. für das Reepschlägerhaus, Schauenburgerstraße 4, dass 1976 gerettet wurde, als auch für das Hirtenhaus, Spitzerdorfstraße 6. Dies sollte 1978 abgebrochen werden, um den Zulieferverkehr für das Warenhaus Kepa in der Bahnhofstraße zu verbessern.
Noch im Buch die Kunstdenkmäler des Kreises Pinneberg von 1961 wurden folgende Wohnhäuser als denkmalschutzwürdig geführt: 

  • Austraße 2 - Hallenhaus von 1801 - Abbruch 1964
  • Gärtnerstraße 19 - Hallenhaus von 1805 - Dank Privatinitiative erhalten
  • Hafenstraße 10 - Hallenhaus von 1799 - Dank Privatinitiative erhalten
  • Hafenstraße 39 - Hallenhaus von 1805 Abbruch 1964
  • Rudolf-Höckner-Straße 7 - Hallenhaus von 1757 - Abbruch um 1966
  • Hinter der Kirche 1 und 5 - Eingeschossige Giebelhäuser
  • Küsterstraße 5 - zweigeschossiges Traufenhaus - heute Stadtmuseum
  • Marktplatz 3 - Giebelhaus von 1772 - Dank Privatinitiative erhalten und heute Restaurant
  • Marktplatz 6 - zweigeschossiges Traufenhaus 19. Jhdt.
  • Marktplatz 8 - eingeschossiges Giebelhaus 18. Jhdt. - heute Hotel
  • Marktplatz 9 - Giebelhaus 1837 - Abbruch 1978
  • Marktplatz 10 - Zweigeschossiges Traufenhaus 19. Jhdt. - heute Praxis
  • Mühlenstraße 1 - zweigeschossiges Traufenhaus 19. Jhdt. - heute Ernst-Barlach-Museum
  • Mühlenstraße 8 - Giebelhaus und Brauerei von 1731 - Abbruch 1970
  • Mühlenstraße 32 - Wassermühle um 1830 - heute Restaurant
  • Mühlenstraße 28 - Giebelhaus von 1731 und Brauhaus - heute rekonstruiert und versetzt nach Abbruch wieder aufgebaut
  • Rolandstraße 17 - Hallenhaus von 1757
  • Rosengarten Windmühle von 1870
  • Schauenburgerstraße 4 - Reepschlägerhaus von 1758 - Dank Privatinitiative erhalten und heute Café
  • Schulauer Straße 9 - Werft von Behrens von 1899 - Abbruch 2020
  • Schulstraße 10 - Eingeschossiges Traufenhaus von 1803 - Abbruch 1960
  • Kleinbürgerhäuser: Hinterstraße 8 - 14 von 1794 - Abbruch 1968
  • Schulstraße 2 - Krohn´sche Reihe von 1802 - Abbruch 1977

Nähere Infos zu den heute noch stehenden Kulturdenkmalen finden Sie hier, näheres zu den Architekten und Baumeistern von Wedel und Schulau hier.

Es war einmal... Kulturdenkmale - die es nicht mehr gibt

Ärzte in Wedel und Schulau

Wollten Sie schon immer einmal wissen, welche Mediziner in Wedel für die Kranken da waren? Dann schauen Sie gern hier. 

Wedeler Ochsenmarkt

Ochsenmarkt 1950

An dem Mittwoch nach dem 15. April fand in Wedel jahrzehntelang der Ochsenauftrieb statt. Das soll nun zukünftig nicht mehr so sein, denn der eigentliche Ochsenhandel wird Geschichte.
Seitdem der Markt 1979 von seinem ursprünglichen Marktort auf den Festplatz an der Schulauer Straße gelegt wurde, verlor der Markt immer mehr von seiner Ursprünglichkeit. Konnten die Tiere in früheren Jahren mit einem einfachen Strick an die Zäune gebunden werden, so machten Auflagen des Veterinäramtes u.a. den Einsatz von massiven Gitterboxen notwendig. Bedingt durch verschiedene Viehseuchen wie BSE, Maul- und Klauenseuche und Rinderpest wurde der Auftrieb der Tiere in einigen Jahren verboten oder drastisch eingeschränkt. Hinzu kam, dass die Viehhändler ihre Tiere eigentlich nur noch aus der historischen Tradition heraus zum Markt nach Wedel brachten, eine Notwendigkeit gab es für sie nicht. Die Stadt Wedel versuchte gegen den Niedergang des Marktes anzuwirken und zahlte lange Jahre eine Art Handgeld an die Viehhändler, damit sie dennoch ihre Tiere in Wedel auf den Markt trieben, aber auch das führte langfristig nicht dazu, dass sich der Ochsenmarkt wiederbelebte. Das alles ist sicherlich zu bedauern, aber diese Entwicklung war absehbar. Hier gibt es noch ein paar Impressionen.
 

Neues von alten Höfen!

Die Forscherin Gisa Teßmer hat erneut die spannende Geschichte der Höfe in Schulau zusammengetragen. In mehreren Kapiteln werden die Verbindungen der Biesterfeldts, Körners und Groths und ihre Höfe vorgestellt. Demnächst hier zum nachlesen.

8. März - Internationaler Frauentag

Von Schwarzen Schafen....

Im „Verbrecherverzeichnis“ des Herzogtums Holstein gestöbert findet sich so manches schwarze Schaf aus Wedel ...

Denkmalgeschützte Gebäude

Hafenstraße 10

Gebäude aus vergangener Zeit, deren Erforschung oder Erhaltung wegen ihres besonderen geschichtlichen, wissenschaftlichen, künstlerischen, technischen, städtebaulichen oder die Kulturlandschaft prägenden Wertes im öffentlichen Interesse liegen, können unter Denkmalschutz gestellt werden. Kulturdenkmale können beweglich und unbeweglich sein. Sie sind insbesondere Baudenkmale, archäologische Denkmale und Gründenkmale. In Schleswig-Holstein werden diese Bauten in einer Denkmalliste eingetragen, die vom Landesamt für Denkmalschutz gepflegt wird. Eine Auflistung der Wedeler Gebäude, die auf dieser Liste stehen finden Sie nun hier.

Gremienprotokolle der Gemeinde Schulau

Liethgraben vor dem Ausbau zum Schulauer Hafen
Liethgraben vor dem Ausbau zum Schulauer Hafen

Die Protokolle der Gemeindevertretung von Schulau liegen von dem Jahr 1876 bis zur Eingemeindung in die Stadt Wedel im Jahr 1909 im Stadtarchiv vor und sind nun bis 1901 abgeschrieben worden. 
Sie geben einen Einblick in die einfachen Verhältnisse der kleinen Gemeinde, die um 1900 gerade einmal 2.000 Einwohner zählte. Die Gemeinde beschäftigte einen Nachtwächter, der täglich die Straßenlampen aus Petroleum anzuzünden hatte, damit die unbefestigten Wege nicht zur Stolperfalle wurden. Der ehrenamtliche Gemeindevorsteher und die Gemeindevertretung versuchten, die Lösch- und Ladeverhältnisse am neuen Hafen, den die Landesregierung ab 1878 ohne Anlandestelle für kleinere Fischereischiffe hatte erbauen lassen, zu verbessern. Und sie protestierten gegen die Gefahr, die eine geplante Erweiterung der Pulverfabrik nach sich gezogen hätte. Hier geht es zu der interessanten Quelle.

Bonitierungs-Instrument von Schulau-Spitzerdorf 1786 und Erdbuch Schulau-Spitzerdorf 1815

Bonitierung oder Bonitur war die Bezeichnung der quantitativen und qualitativen Beurteilung von landwirtschaftlicher Flächen. Im Stadtarchiv Wedel liegt aus dem Jahr 1786 ein „Bonitierungs-Instrument von Schulau und Spitzerdorf ihre alten Gründen und Gemeinheiten der Herrschaft Pinneberg, Hatzburger Vogtey, Kirchspiel Wedel“ vor. Dies wurde abgelöst durch das Erdbuch von Schulau-Spitzerdorf von 1815.
Die Geschichte weitere dieser wichtigen Quellen finden Sie hier..

 

Register der vorübergehend in Wedel und Schulau Anwesenden 1907-1917

Zur Errichtung der ersten eigenen Raffinerie der Deutsche Vacuum Oil Company in Schulau sendete der Mutterkonzern Standard Oil Company 1906 mindestens zwei Monteure nach Deuschland: den 36-jährige Thomas Malony aus Jersey und den 22-jährige Timothy Sturley aus New York. Woher wir das wissen? Auch vorübergehend in einem Ort anwesende Personen, hatten sich beim Bürgermeister anzumelden. Diese Listen sind abgeschrieben und können hier eingesehen werden.

Von Drosten, Amtmännern und Vögten

Bei der Verwaltung ging es handgreiflich zu. Da erstachen die Söhne des Drosten Steding den Amtmann Goßmann, da ließ der Amtmann Barner den vermögenden Ritter Franz von Halle trotz eines kaiserlichen Schutzbriefes in Wedel festnehmen. Weitere Geschichte(n) zu den rabiaten Verwaltungsleitern können Sie hier lesen.

Volkszählungen von Wedel, Schulau, Spitzerdorf und Holm

Titel Volkszählungslisten

Die erste allgemeine Volkszählung in Schleswig-Holstein wurde am 13.Februar 1803 durchgeführt. Zu dieser wurden alle Einwohner im Dänischen Gesamtstaat - somit auch die Einwohner des Kirchspiels Wedel - durch die Rentekammer ermittelt, indem die Vögte sämtliche Personen in Listen eintrugen. Diese Zählungen wurden in weiteren Jahren wiederholt. Diese Listen haben sich im Landesarchiv Schleswig-Holstein oder im Reichsarchiv Kopenhagen erhalten, Kopien davon liegen im Stadtarchiv Wedel vor. Darüber hinaus haben sich die Originalschriften für das Jahr 1835 im Stadtarchiv Wedel erhalten. Das Dorf Spitzerdorf nimmt eine Sonderrolle ein. Da es zum Domkapitel Hamburg zugehörig war, hat sich im Staatsarchiv Hamburg eine Liste von 1769 erhalten. In den meisten Listen wurden Name, Geschlecht, Alter, Familienstand, die Stellung im Haushalt und der Beruf aufgeführt und sollten auch dazu dienen, den Altersaufbau, sowie die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung zu ermitteln. Die abgeschiebenen Listen können entweder über pdfs oder über eine dänische Datenbank eingesehen werden. Nähere Informationen finden Sie hier.

Ältere Publikationen neu online-gestellt

Das Stadtarchiv hat einige ältere stadtgeschichtliche Publikationen (Elbestadion, Armenversorgung, Flüchtlingsgeschichte, Schiffahrt...) online geschoben. Schauen Sie doch einmal rein!

Neuigkeiten bei alten Familien

Lüchau

Die spannenden Familiengeschichten der Familien Kleinwort, Lüchau und Duncker wurde frisch abgestaubt! Näheres finden Sie hier

Dia-Sammlung von Gerhard Seggelke digitalisiert

Gerhard Seggelke

Die umfangreiche Dia-Sammlung des Geologen Gerhard Seggelke, der über Jahrzehnte hinweg "die" Wedeler Leitstelle Umweltschutz im Rathaus war, ist nun durch das Stadtarchiv digitalisiert worden. Beinahe 1.000 Abbildungen von Straßenzügen und Landschaften, aber auch Neubauten der vergangenen 40 Jahre dokumentieren den stetigen Wandel im Stadtgebiet.
Insgesamt sind nun rund 34.000 Abbildungen des historischen Wedels in der internen Datenbank des Stadtarchivs recherchierbar. In einigen Fotosammlungen - bei denen die Verwertungsrechte uneingeschränkt bei der Stadt Wedel liegen -  kann bereits über das Archivportal-D vom heimischen Rechner aus gestöbert werden.

Geschichte der Lichtspielhäuser in Wedel

Der von den Brüdern Lumière erfundene Kinematograph machte es ab 1895 möglich, bewegte Bilder als Filme auf eine Leinwand zu projizieren. Diese neue Möglichkeit der Unterhaltung fand schnell weltweit Verbreitung und drang nachweislich spätestens im zweiten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auch nach Wedel vor. Lesen Sie hier die Geschichte der Kinos in Wedel zusammengestellt von Andreas Müller.

Neues aus alten Zeiten

Lesen Sie Geschichten von den Straßen und den alten Wedeler Familien.
Geschichte der Höbüschentwiete
Geschichte der Reepschlägerstraße
Familiengeschichte der Familie Körner
 

Neuzugänge im Stadtarchiv

Landrat Ludwig Scheiff

Im Dezember 2020 konnte das Buch "Die Landgemeindeordnung für die Provinz Schleswig-Holstein" aus dem Julius Vergas Verlag Schleswig aus dem Jahr 1906 erworben werden. Autor ist der Geh. Reg.-Rat Dr. Ludwig Scheiff. Scheiff war vom 1.7.1889 bis zum 28.05.1919 Landrat des Kreises Pinneberg. 

Ludwig Scheiff wurde am 18.07.1857 in Köln geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Wilhelm Scheiff und Caroline geb. Kesselkaul. Er besuchte von 1867 - 1876 das Gymnasium an Marzellen zu Köln. Dem schloss sich ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften auf der Rhein. Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn an. Im November 1879 machte er die erste jur. Prüfung beim Oberlandesgericht zu Köln und im anschließenden Dezember wurde er Referendar beim Landgericht zu Köln. Seiner Dissertation gab er 1879 den Titel Die Divergenz zwischen Wille und Erklärung.
Ab 1889 steht er der Verwaltung des Kreises Pinneberg vor und hatte zunächst seinen Amtssitz in der Drostei und später im Kreishaus Pinneberg. Das Ende seiner Amtszeit war traurig und gipfelte im November 1919 im "Scheiff-Skandal". Nach einer Meldung im Hamburger Echo hätte der Landrat Reisekosten und Tagegelder doppelt empfangen. Daraufhin stellte der Kreistagsabgeordnete Flieger in der Sitzung des Kreistages vom 3. Juni 1919 den Antrag, unverzüglich den bisherigen Landrat Dr. Scheiff von seinem Posten zu entfernen, "damit der Kreis wieder zu gesunden Verhältnissen kommt". Der Kreistag stimmte diesem Antrag ohne Widerspruch zu. Durch Erlass den Minister des Innern in Schleswig vom 28.05.1919 wurde er aus dem Dienst entfernt und dem Oberpräsidenten in Koblenz überwiesen. Er verstarb am 01.09.1921 auf einer Dienstreise.
In dem nun erworbenen Buch spannt Scheiff auf 380 Seiten den Bogen von der kommunalpolitischen Entwicklung der Landgemeinden der Provinz Schleswig-Holsteins bis zur Verwaltungspraxis nach der Gemeindeverordnung von 1892 und ist daher eine wichtige Quelle für die Verwaltungsgeschichte.
Nährere Informationen über den Landrat Scheiff erfahren Sie in den Jahrbüchern für den Kreis Pinneberg 1988 und 1989.

Wiederentdeckte Fotos im Stadtarchiv