Was in Wedel geschah - besondere Ereignisse in unserer Stadt

Juli 1992 – Hoch „Gert“ brachte große Hitze und Vogelsterben

Im Sommer 1992 stöhnte Norddeutschland geradezu unter den hohen Temperaturen, die das Hoch „Gert“ mitbrachte. In diesem mit lang anhaltender Hitze und großer Trockenheit von Mitte Mai bis Ende August einhergehendem Sommer zeigten sich auch schwere Botulismus-Auswirkungen auf die Tierwelt. Am Wedeler Mühlenteich kam es daher zu einem ungewöhnlichen Einsatz für die Männer der Freiwilligen Feuerwehr Wedel. Sie versuchten mit Hilfe von fünf Pumpen das Wasser im Mühlenteich umzuwälzen, damit eine ausreichende Sauerstoffversorgung das beginnende Fisch- und Vogelsterben sterben beendete. Dennoch verendeten Hunderte von Fischen. Auch an der Elbe machte sich die Hitze bemerkbar. Hier in der Wedeler Marsch verstarben viele Vögel am Botulismus.

Februar 1992 – Wahl des Bürgermeister Dr. Gerd Brockmann

Bürgermeister Gerd Brockmann und Bürgervorsteher Jochim Reinke
Bürgervorsteher Jochim Reinke überreicht Gerd Brockmann die Ernennungsurkunde

Zum 25.02.1993 wählte die Ratsversammlung den 42-jährigen Beigeordneten und Stadtkämmerer aus St. Augustin, Dr. Gerd Brockmann zum Bürgermeister der Stadt Wedel. Dieser trat sein Amt im Rathaus zum 1. Juni 1993 an. Brockmann trat in die großen Fußstapfen des in der Bevölkerung sehr beliebten Bürgermeisters Jörg Balack. Während seiner Amtszeit, die zum 14.02.1999 endete, geriet er mehrfach in die Kritik. Als nach der Veränderung der Kommunalverfassung der Bürgermeister direkt durch den Bürger gewählt wurde, entschieden sich die Wedeler für seinen Herausforderer Diethart Kahlert.

Januar 1991 – Krieg um Öl ängstigt die Menschen

Im Januar 1991 vielen Menschen der Atem. Es ging um nichts anderes als um das Öl am Golf. Kuwait erhöhte die Ölfördermengen, senkte somit die Ölpreise und brachte den Irak in einen finanziellen Engpass.

Dann reichte ein lange glimmender Grenzkonflikt zu einer Überreaktion des Irak und die Konfrontation am Golf nahm bedrohliche Formen an. Der Irak marschierte nach Kuwait ein und nachdem im Januar 1991 eine von den Vereinigten Staaten angeführte Koalition militärische Gegenmaßnahmen einleitete, begann der eigentliche Golfkrieg. Auch in Wedel fühlten die Menschen die herannahende Bedrohung und reagierten prompt und in großer Zahl. Viele Menschen gingen bei Friedensdemonstrationen auf die Straßen. Die Kirchen luden ihre Gläubigen zu Friedensgebeten ein, es gab Mahnwachen und Diskussionsveranstaltungen. Schüler drückten ihr Entsetzen über den Feldzug mit selbstgestalteten Transparente aus und gingen auf die Straßen. In Wedel pflanzten Schüler nach dem lutherischen Motto „wenn morgen die Welt unterginge, pflanzte ich heute einen Apfelbaum“ einen Friedensbaum und eine Schülerdelegation zog mit einer Petition für den Frieden zum Bürgermeister Jörg Balack. Andere Reaktionen spürten die Öllieferanten. Es gab eine deutliche Nachfrage nach Heizöl und die Tankstellen meldeten Hamsterkäufe. Am 12.04.1991 endete nach einem offiziellen Waffenstillstand der Golf-Krieg. Das erste Opfer des Krieges, so sagt man, ist die Wahrheit. Das galt besonders für den Golf-Krieg, wo die Öffentlichkeit nur spärliche Informationen erhielt. Darum gibt es bis heute unklare Zahlen über die Opfer. Ausgehen kann man aber von mindestens 25.000 getöteten Soldaten auf beiden Seiten.

November 1990 – Städtepartnerschaft mit Wolgast

Im November 1990 wurde die Städtepartnerschaft mit der Stadt Wolgast in der ehemaligen DDR besiegelt.
Endlich konnte auch Wedel eine langersehnte deutsch-deutsche Partnerschaft realisieren, nachdem die bereits 1984 angestrebte Verbindung mit der Stadt Güstrow nie zustande kam.

 Dabei hatte die Stadt Wedel alle Register gezogen, um die Stadt mit der Wirkungsstätte des in Wedel geborenen berühmten Bildhauers Ernst Barlach für sich zu gewinnen. Das Bundeskanzleramt wurde um Vermittlung gebeten, bei Vertretern des Rates der Stadt Güstrow wurden private Besuche angekündigt, sogar die Ständige Vertretung der DDR wurde angeschrieben. Dennoch zeigten die Stadtvertreter Güstrows der Stadt Wedel die "kalte Schulter" und gaben Neuwied den Vorzug.

Einige Jahre musste Wedel noch warten, doch dann wurde auf Vermittlung eines Wedeler Stadtvertreters, der verwandtschaftliche Beziehungen in die sich nach Westen hin öffnende DDR hatte, eine Partnerschaft mit Wolgast angebahnt.

Dezember 1989 – Ein Stadtrat geht

Am 31.12.1989 endete der letzte Arbeitstag des langjährigen Ersten Stadtrates Klaus Neumann-Silkow bei der Stadt Wedel. Im Januar 1972 hatte der 34jährige Jurist seine Arbeit im Rathaus aufgenommen.

Er war zunächst neben dem Bürgermeister Dr. Hörnig und später neben Jörg Balack der zweite Mann in der Stadt und als Dezernent zuständig für die Bereiche Sport, Jugend und Kultur, Soziales und Finanzen und das Ordnungsamt.  

Darüber hinaus lagen dem heimatverbundenen Berliner, der zeitweilig 1. Vorsitzende des Ortsvereins des Heimatbundes war, die kulturellen Einrichtungen und der Ochsenmarkt am Herzen.
Legendär sind seine Auftritte als feilschender Ochsenhändler mit Dreispitz, Perücke und Kniebundhose in der Kleidung des 18. Jahrhunderts oder als Mackie Messer-Tänzer während der von ihm organisierten 775-Jahrfeier.

Nach 18 Dienstjahren stellte sich Klaus Neumann-Silkow nicht mehr zu Wiederwahl, engagierte sich aber weiterhin fürs Wedeler Gemeinwohl.

November 1989 – Ansturm nach Öffnung der Grenze

Im November 1989 wurde überraschend für Alle in Ost und West die Grenze geöffnet und es strömten Tausende von DDR-Bürgern nach Schleswig-Holstein – Hunderte davon auch nach Wedel. Ein Ansturm auf den hier keiner vorbereitet war.

Bereits sonnabendmorgens um 7.30 Uhr wurde an die Tür des Rathauses geklopft und um das obligatorische bundesweite Begrüßungsgeld für DDR-Bürger gebeten.

Der Hausmeister informierte schnell den Bürgermeister und der bat flugs den Leiter der Stadtsparkasse um Hilfe. Bürgermeister Balack plünderte sein Privatkonto, damit das Begrüßungsgeld in Höhe von 130 DM je Person ausgezahlt werden konnte.

In den darauffolgenden Tagen mussten in der Stadtverwaltung Sonderschichten eingelegt werden. 

Juli 1989 – Hilfe, die Windjammer kommen

Im Juli 1989 ging in der Stadt Wedel die Angst vor Menschenmassen um. Anlass war die Windjammerparade „Sail 89“, die die Stadt Hamburg anlässlich ihres 800jährigen Hafengeburtstags ausrichtete.

Tatsächlich säumten insgesamt weit über eine Million schaulustiger Menschen das Elbufer und erfreuten sich an den rund 200 historischen Traumschiffen, die am 16. und am 23.07.1989 die Elbe passierten. In Wedel waren weiträumige Absperrungen aufgebaut, u. a. waren mehrere große Container auf dem Rathausplatz aufgestellt, die dafür sorgen sollten, dass die Menschenmassen aus dem Bahnhof kommend nicht direkt über die B 431 strömten. Glücklicherweise blieb das befürchtete Verkehrschaos aber aus.

November 1987 – Volkszählungen in Wedel

1987 wurde auf dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland die bisher letzte umfassende Volkszählung durchgeführt. Auch in Wedel wurden umfangreiche Auswertungsbögen verschickt oder Volkszähler liefen von Haustür zu Haustür, um die Familien zu befragen.

Zu der Zählung von 1987 war es ein steiniger Weg.Die bis dato letzte Volkszählung datierte aus dem Jahr 1970. Die Regierung und die Bundesbehörden benötigten aber aktuelle Zählungsergebnisse für die Planung der Infrastruktur Deutschlands. 

Der zunächst angestrebte Termin für die Zählung war der Stichtag 27. April 1983, der aber auf Grund von massiven Protesten aus der Bevölkerung nicht eingehalten werden konnte. Die Bürger waren durch den umfangreichen geplanten Fragebogen zutiefst verunsichert und hatten Angst „Gläserne Menschen“ zu werden.

Verschiedene Initiativen zogen vor das Bundesverfassungsgericht, um das Grundrecht auf Informationelle Selbstbestimmung einzuklagen. Nach dem wegweisenden Volkszählungs-Urteil von 1983 wurden die Fragebögen aufgetrennt und überarbeitet, damit die Anonymität der Befragten besser gewährleistet werden konnte.

Die nun im Mai 1987 abgehaltene Volkszählung wurde mit einem hohen Kostenaufwand angepriesen, die Fragebögen vorgestellt und in allen Medien durchgesprochen. Dennoch fanden sich Bürgerinitiativen, die zum Boykott aufriefen. Die Kritik richtete sich nunmehr nicht auf die Zugänglichkeit von Erhebungsdaten, sondern viel allgemeiner gegen die schleichende Einschränkung von Bürgerrechten. Auch in Wedel gründete sich eine Bürgerinitiative, die dazu aufrief die Fragebögen „zu verlieren“, oder anderweitig unkenntlich zu machen. Gegen einige der Volkszählungs-Gegner mussten Bußgeldverfahren eingeleitet werden.

Trotz des Boykotts wurden die Ergebnisse der Zählung von den Verantwortlichen mit gut bezeichnet, die Statistischen Ämter waren zufrieden. Nach der Auswertung der Zahlen, die bis in das Jahr 1989 hinein dauerte, wurden in Wedel zum Stichtag 30.055 Einwohner erfasst. Die bis zur damaligen Zeit fortgeschriebenen Daten aus der Volkszählung von 1970 lagen um rund 500 Personen höher. Viele Statistiken, z.B. über die Anzahl und die Wege von Berufspendlern oder das Alter und die Anzahl von Wohngebäuden konnten aktualisiert werden und in Planungen miteinbezogen werden.

Da diese Daten nun aber auch bereits veraltet sind, werden bereits seit einiger Zeit im Bundestag Vorbereitungen für die im Jahr 2011 geplante Volkszählung getroffen.

Was es bei den Volkszählungen des letzten Jahrhunderts nicht gab und auch vermutlich nie wieder geben wird, sind persönliche Angaben über die einzelnen Personen, die sich in einem Haushalt befanden. Das war bei den Volkszählungen des vorletzten Jahrhunderts ganz anders. Waren die in der dänischen Zeit erstellten Volkszählungen doch eine Fundgrube für die Familien oder Sozialgeschichtsforschung mit familiären Einblicken, wurden die nachfolgenden Volkszählungen auf reine Zahlenlisten reduziert. Die heute noch in den Archiven vorhandenen Zählungen aus der dänischen Zeit – allein für das ehemalige Kirchspiel Wedel, das die Ortschaften Wedel, Schulau, Spitzerdorf und Holm umfasste, gibt es über 25 Volkszählungen aus den Jahren 1803 – 1864, für Spitzerdorf sogar aus dem Jahre 1769 – geben Einblicke in das Leben der damaligen Zeit.

 Wegen der großen Fülle von Informationen sind heute Projektgruppen aus allen Gebieten des ehemaligen dänischen Königreichs damit beschäftigt, diese Listen abzuschreiben und online über das Staatsarchiv Kopenhagen bereitzustellen.

September 1987 – Ausgrabung der Hatzburg

Hatzburg

Am 15.09.1987 begann das Landesamt für Vor- und Frühgeschichte von Schleswig-Holstein die Hatzburg auszugraben. Die Hatzburg war um 1300 nordwestlich von Wedel in der Marsch direkt am Geestrand angelegt worden.

Die damals feuchten und sumpfigen Marschflächen boten zu drei Seiten einen natürlichen Schutz, zur Geest hin bestand nur eine schmale Landverbindung. Die Hatzburg blieb drei Jahrhunderte lang Sitz der regionalen Verwaltung bis sie ab 1710 allmählich verfiel. Erst um 1964 weckte das archäologische Denkmal Hatzburg das Interesse der Landesarchäologen. Zum einen begann ein neugieriger Heimatfreund auf dem Gelände Raubgrabungen durchzuführen, die dem bis dahin unter meterdicken Erdschichten geschützten Denkmal Schaden zufügen konnten. Diese Grabung wurde gestoppt. Einen größeren Schaden hingegen richtete die im gleichen Jahr errichtete Brunnenstation der Hamburger Wasserwerke an. Diese entzog dem Boden so viel Grundwasser, das der Boden austrocknete und absackte. Das Resultat war, dass Jahre später die Pfosten der alten Burganlage aus dem Boden ragten. Diese waren regelmäßig der landwirtschaftlichen Nutzung im Wege und wurden einfach gekappt. Deshalb drängte die Zeit, als über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des Arbeitsamtes Elmshorn insgesamt sieben Hilfsarbeiter, ein Grabungstechniker und ein Wissenschaftler für eine fachgerechte Grabung beschäftigt werden konnten. Diese arbeiteten zwei Jahre daran, dem Marschenboden Geheimnisse zu entlocken. Die freigelegten Fundamente zeigten einen Bergfried von 1430 und einen Feldstein-Ziegelstein-Turm von imponierenden Ausmaßen aus den Jahren um 1495. Zahlreiche Funde, insbesondere Siegburger Steinzeug wurde gehoben. Einige der Funde sind heute im Stadtmuseum zu sehen.

September 1987 – Wedel, ein kleiner Schauplatz in der „Barschel-Affäre“

Im September 1987 spitzte sich in Kiel die Affäre zu, die später als eine der größten politischen Skandale Deutschlands den Namen „Barschel-Affäre“ tragen wird und in der auch Vorgänge, die sich in Wedel zutrugen, eine kleine Rolle spielten.

Die bis dahin über 30 Jahre regierende CDU mit ihrem Spitzenkandidaten, dem Ministerpräsidenten Uwe Barschel fürchtete in der Landtagswahl am 13.09.1987 eine Wahlniederlage. Um diese noch abzuwenden, stellte der Ministerpräsident den Journalisten Reiner Pfeiffer in der Staatskanzlei als Pressereferenten an. Dieser beauftragte eine Detektei, die das Privatleben des Gegenkandidaten der SPD Björn Engholm ausspionierte und gezielte Desinformationen über die Wahlziele der SPD lancierte. Die Folgen dieser Affäre waren schwerwiegend. Der Ministerpräsident Uwe Barschel hielt die berüchtigte „Ehrenwort-Rede“ und kam unter solch rätselhaften Umständen ums Leben, dass noch heute über die Todesursache spekuliert wird. Der damalige Gegenkandidat und spätere Ministerpräsident Björn Engholm hingegen musste 1993 von allen Ämtern zurücktreten, nachdem in der sogenannten „Schubladenaffäre“ publik wurde, dass er im ersten Untersuchungsausschuss eine Falschaussage machte. Er hatte dort ausgesagt, er hätte vor der Landtagswahl am 13.09.1987 nichts von den Aktivitäten des Reiner Pfeiffer gewusst. Nun wurde ihm nachgewiesen, dass er entsprechende Informationen bereits am 07. September 1987 in Wedel erhalten hatte. Nach einer Landtagswahlkampfveranstaltung, die im Theater Wedel stattfand, wurde Engholm von seinem Rechtsanwalt aus Lübeck angerufen, der ihm von seinem Gespräch mit Pfeiffer berichtete.

Juni 1987 – Mordversuch in der Lindenstraße erschüttert Wedel

Im Juni 1987 erschütterte ein Mordversuch an einem körperbehinderten 53 Jahre alten Wedeler die Bevölkerung.

Der stille durch eine durchlittene Kinderlähmung geh- und sprachbehinderte Hilfsarbeiter der Firma Schmalbach-Lubeca hatte seine Wohnung in der Lindenstraße. In der Nacht zum Pfingstsonntag 1987 wurde ihm auf dem Nachhauseweg von seiner Stammkneipe am Galgenberg aufgelauert. Er wurde in der Lindenstraße ausgeraubt und niedergestochen. Die Täter zogen den schwer verletzten blutüberströmten Mann zu einem mächtigen Baum, neben dem er stundenlang liegen blieb, bis frühmorgens eine heimkehrende Krankenschwester das Opfer fand. Die Täter hatten ihm schwere Kopf- und Kieferverletzungen zugefügt. Sie stießen ihm mindestens achtmal mit einem Messer in den Rücken und den Hals. Sie erbeuteten etwa 100 Mark. Die Tat konnte durch die Polizei schnell aufgeklärt werden. Drei der Wedeler Polizei nicht unbekannte junge Männer, die bereits wegen anderer Delikte zu mehrjährigen Haftstrafen in verschiedenen Gefängnissen einsaßen, konnten binnen weniger Tage festgenommen werden. Einer der Dreien legte ein Geständnis ab. Zwei der Täter wurden wegen versuchtem Totschlag und gemeinsamen schweren Raubes zu neun bzw. sieben Jahren Gefängnis verurteilt, der Dritte, der den Tätern in seiner Wohnung Unterschlupf gewährte, erhielt eine Bewährungsstrafe. Das Opfer sollte sich nie von den zugefügten schweren Verletzungen erholen und blieb zeitlebens an den Rollstuhl gefesselt. In seinen letzten Lebensjahren wurde er im Pflegeheim der AWO umsorgt und verstarb 1998.

Mai 1987 – Einweihung der P+R-Anlage

Schlagzeilen machte die Einweihung der Wedeler P+R-Anlage und des ZOBs am Rathausplatz, nachdem das gesamte Areal nach den ersten Grußworten wegen einer anonymen Bombendrohung von der Polizei geräumt und durchsucht werden musste.

Nach der ergebnislosen Suche feierten die Besucher unbeschwert weiter auf der neuen Anlage, die nun 168 Pkws von Bahn-Pendlern aufnehmen konnte.

Auch die Übersichtlichkeit des neuen Standortes für die Busse und die Taxen wurde sehr begrüßt.

Mai 1987 – Mathias Rust landet auf dem Roten Platz

Im Mai 1987 war Wedel weltweit in den Schlagzeilen, als am 28. Mai 1987 der 19jährige Mathias Rust mit seinem Sportflugzeug zum Entsetzen der sowjetischen Grenztruppen so einfach mal eben auf dem Roten Platz in Moskau landete.

Glück hat ihm dieses Husarenstück nicht gebracht.

Nach der Verbüßung einer längeren Haftstrafe in sowjetischen Gefängnissen, geriet er einige Jahre später erneut in Haft, da er während der Ableistung des Zivildienstes im Rissener Krankenhaus eine Krankenschwester, die seine Annäherungsversuche abwies, mit einem Messer lebensgefährlich verletzte.

September 1985 – Militär in Wedel

Im Herbst 1985 war in Wedel überraschend viel Militärpräsenz zu finden. Der Monat wurde eingeläutet durch den Besuch des Zerstörers „Hessen“, den rund 2000 Wedeler besichtigten.

Das Schiff der Deutschen Bundesmarine lag drei Tage am Pier des HEW-Kraftwerkes fest. Veranstaltungen dieser Art fanden jahrelang unter dem Namen „Ein Wochenende bei der Marine“ oder auch „Tag der Flotte“, bis 1987 in unregelmäßigen Abständen statt.Hier besuchten verschiedene Schiffstypen der Marine die Wedeler Häfen, die Schiffe konnten besichtigt werden, die Matrosen spielten mit Wedeler Sportlern Fußball und es gab Empfänge der städtischen Delegation.

Zudem fand im September 1985 in der Monatsmitte die Nato-Manöverübung „Trutzige Sachsen“ statt. Während dieser Heeresübung wurde die Unterelbe an drei Stellen von Truppeneinheiten überquert, in Wedel setzten die Soldaten mit ihren Fahrzeugen beim Tonnenhafen auf die andere Elbseite über. Bereits in der Nacht zum 15.09. fuhren Panzer und schwere Laster nach Wedel hinein, Tage vorher hatten sich bereits Feldjäger auf dem Festplatz und in der Feuerwache an der Schulauer Straße eingerichtet. Insgesamt waren an dieser großen Übung, die vom 16.–20.09. andauerte in ganz Norddeutschland, 60.000 Soldaten, beteiligt.

November 1984 – Johanna Lucas Ehrenbürgerin

Im November 1984 wurde Johanna Lucas Ehrenbürgerin Wedels. Die 1910 in Schlesien geborene Sozialdemokratin hatte sich über alle Maßen hinaus jahrzehntelang ehrenamtlich für die sozialen Belange in Wedel eingesetzt.

Seit den 40er Jahren war sie in der Stadtvertretung und im Kreisausschuss, dort auch in führenden Ämtern. Darüber hinaus galt ihr Interesse dem Wohle und der Fortentwicklung der Arbeiterwohlfahrt, hier trägt heute eine Kindertagesstätte ihren Namen. Hochgeehrt mit der Freiherr-vom-Stein-Medaille, der Marie-Juchacz-Medaille und dem Bundesverdienstkreuz wurde ihr 1984 die Ehrenbürgerwürde verliehen. Im Juli 2002 verstarb sie.

Juli 1983 – Jörg Balack wird zum Bürgermeister gewählt

Jörg Balack

Im Juli 1983 wurde der bisherige Bürgermeister Dr. Fritz Hörnig vom langjährigen sozialdemokratischen Stadtrat Jörg Balack abgelöst.

Der 42jährige Verwaltungsjurist war bereits zu Beginn der 60er Jahre aktiv an der Entwicklung der Stadt beteiligt. Er war Mitherausgeber des Blattes „Unsere Stadt“ und beäugte dabei kritisch die Schulsituation, die Bauplanung oder andere Ungerechtigkeiten in seiner Stadt. 1969 ging er erstmalig als bürgerliches Mitglied in den Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr. 1970 wurde er Stadtvertreter in der Ratsversammlung. Nach kurzer Unterbrechung von 1971 bis 1974 kehrte er in die Stadtvertretung zurück und wurde Stadtrat und Vorsitzender zweiter Ausschüsse. 1978 wurde er zweiter stellvertretender Bürgermeister und am 14.02.1983 zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt. Insgesamt neun Jahre, bis zu seinem frühen Tod am 8.10.1992, bestimmte er hauptamtlich die Geschicke der Stadt Wedel und war darüber hinaus noch in verschiedensten überregionalen Gremien in leitenden Funktionen. In seine Amtszeit fallen etliche Gründungen von sozialen Hilfsangeboten und Beratungsstellen, der Umweltschutz nahm einen großen Raum ein, die Schulen und das Jugendzentrum wurden ausgebaut. Der Bahnhof, die Gruppenpraxis und die erste Einkaufspassage wurden erbaut. Im April 1996 wurde der Wanderweg entlang der Wedeler Aue nach dem begeisterten Radfahrer Jörg Balack benannt.

September 1981 – Eisbrecher „Stettin“ verlässt Wedel

Am 29.09.1981 verließ der Eisbrecher „Stettin“ den Wedeler Tonnenhafen des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Eskortiert von Polizeibooten und von zwei Schleppern gezogen trat das alte Dampfschiff seinen Weg Richtung Hamburg an.

Hier sollte das Schiff, das seit 1947 in Wedel beheimatet war, wegen Unwirtschaftlichkeit sein Ende im Schmelzofen finden. Doch private Initiativen verhinderten das Abwracken des 1933 in Stettin vom Stapel gelaufenen Eisbrechers. Das Schiff konnte mit Hilfe des Vereins „Dampf-Eisbrecher Stettin“ wieder flott gemacht und kann heute für Touren gechartert werden.

Juni 1981 – Erstes City-Fest

Im Juni 1981 wurde das erste City-Fest durch die Werbegemeinschaft Wedeler Kaufleute ins Leben gerufen.

Zum Auftakt fand am 11.Juni ein Fußballspiel im Elbstadion statt. Trotz strömendem Regen sahen über 1000 Zuschauer einen überlegen 7:2 Sieg der Kaufmannschaft gegen eine Auswahl von Polizei, Feuerwehr, Stadtverwaltung und Stadtvertretung. Die weiteren Aktivitäten der 100 teilnehmenden Kaufleute fanden bei den Besuchern in der für den Verkehr gesperrten Bahnhofstraße bei dann strahlendem Sonnenschein großen Anklang.

Februar 1981 – Demonstrationen in Brokdorf

Im Februar 1981 wurden im Hilfskrankenhaus unter dem Johann-Rist-Gymnasium an einigen Tagen niedersächsische Polizeibeamte einquartiert.

Grund dafür waren die anhaltenden Demonstrationen, durch Atomkraftgegner gegen die Errichtung des Atomkraftwerkes in Brokdorf. Zur Sicherung des Geländes wurden Polizeieinheiten aus vielen Landesteilen Deutschlands als Unterstützung für die schleswig-holsteinische Polizei zusammengerufen. Die Schüler des Wedeler Gymnasiums freute es. Durch die Unterbringung hatten sie schulfrei.

September 1980 – Wedel neue Heimat für „boatpeople“

Im September 1980 zogen die ersten Familien aus Vietnam in das sogenannte Dröge-Haus in der Rolandstraße, in das Haus Rissener Straße 17 und in die Bauamts-Baracke am Mühlenteich ein.

Hintergrund der Maßnahme war der Beschluss des Magistrats der Stadt Wedel auch hier einige von den sogenannten „Boatpeople“ aufzunehmen, die zu Tausenden in Deutschland um Asyl baten. Grund für diese Massenflucht über See war die Angst vor Hunger und Repressalien, die die Menschen aus der Republik Vietnam trieb. Dieses Land wurde seit dem Ende des Vietnamkriegs 1975 kommunistisch regiert. Die in Wedel angekommenen Flüchtlinge waren im Juni 1980 in einem Boot vor dem politischen Regime in Saigon auf das offene Meer geflohen und von dem deutschen Schiff „Cap Anamur“ aufgenommen worden. Dieser Frachter wurde durch das Hilfskomitee des Journalisten Rupert Neudeck zu einem Lazarettschiff umgebaut und nahm jahrelang Flüchtlinge auf. Die insgesamt 13 Frauen, Männer und Kinder im Alter zwischen 16 Monaten und 55 Jahren, die im September 1980 in Wedel Unterkunft fanden, erhielten Intensiv-Sprachprogramme durch die Wedeler Volkshochschule und wurden durch das DRK betreut.

Juli 1980 – Sommerliche Wetterkapriolen

Das Sommerwetter 1980 war höchst unbeständig. Waren der Juni und der Juli mit beinahe fünf Wochen Regen und kalten 7° Celsius in der Nacht, schwer erträglich, so legte die Sonne zum Monatsende tüchtig nach.

Die dann kommenden schweren Sommergewitter über dem Kreis Pinneberg verursachten auch in Wedel brennende Dachstühle, überflutete Straße und vollgelaufene Keller. Die B 431, die L 105 und die Bahnhofstraße mussten zeitweilig gesperrt werden, als es in einer Nacht 63,9 Liter pro Quadratmeter regnete.

Februar 1979 – Schnee, Schnee, Schnee

Im Februar 1979 ist Norddeutschland erneut im Klammergriff der Kälte. Nach starken Schneefällen Mitte Februar kam es erneut zu Fahrverboten.

Im nordöstlichen Schleswig-Holstein mussten zum wiederholten Male Bergepanzer eingesetzt werden um die in den Schneemassen zugeschneiten Menschen zu befreien. In der Stadt Quickborn kam es zu Versorgungsengpässen, die mit Hilfe eines eigens vom Bürgermeister zusammengestellten Konvois behoben werken konnte. Schwierigkeiten gab es auch in den vom Eis eingeschlossenen Ostseehäfen. Der in Wedel beheimatete Eisbrecher „Stettin“ dampfte los, um in der Ostsee die Häfen von Eis zu befreien.

Dezember 1978 – Schneekatastrophe

Im Dezember 1978 zwischen Weihnachten und Neujahr begann es in Norddeutschland so heftig zu schneien und zu stürmen, dass die Landesregierung in vielen Gebieten Katastrophenalarm auslösen musste.

Die Schneekatastrophe nahm ihren frostigen Anfang. Im Kreis Pinneberg war die Lage verhältnismäßig ruhig. Dennoch sorgten die Schneemassen in Wedel für blockierte Straßen, eine Einschränkung des S-Bahnverkehrs, eingeschlossene Bauernhöfe, aber auch für glückliche Kinder. Besorgt schauten die Menschen aber auf die nördlichen Kreise des Landes Schleswig-Holstein, wo in etwa 80 Ortschaften die Stromversorgung zusammengebrochen war und die Einwohner teils tagelang ohne Strom waren. Erst rund eine Woche später entspannte sich dann die Lage.

Dezember 1976 – Havarie auf der Elbe

Im Dezember 1976 ereignete sich vor Schulau ein schweres Schiffsunglück.

Die Havarie ereignete sich am Sonnabend, den 18.12.1976 abends, als das Küstenmotorschiff „Westwind“, dessen Vorbesitzer der Wedeler Kapitän Koppelmann war, mit dem polnischen Frachter „Westerplate“ im Nebel zusammenstieß. Binnen weniger Minuten versank die mit sieben Besatzungsmitgliedern und dem Lotsen bemannte „Westwind“ in der eisigen Elbe. Nach der Havarie wurden vier Seeleute vermisst, der Steuermann wurde Tage später tot geborgen. Das polnische Schiff konnte aus eigener Kraft den Hamburger Hafen ansteuern, während der Kümo am 27.12.1976 von einer Bergungsfirma gehoben werden musste.

Januar 1976 – Schwere Sturmflut

Eine schwere Sturmflut brach im Januar 1976 über die Westküste Deutschlands und die Anwohner der Elbe her.

Schon bereits am 3.1. 1976 lag die Scheitellinie der Flut bei Schulau auf einer Höhe von 6,25 m. Das waren beinahe 40 cm über der Höchstmarke der schrecklichen Wasserflut des Jahres 1962. In Wedel warnte man ab 10.30 Uhr die Bevölkerung. Am Nachmittag wurde der Deich überspült, so dass die Einsatzleitung der Katastrophenabwehr, die ihr Quartier bis dahin in der Feuerwache an der Schulauer Straße hatte, ins Rathaus ausweichen musste. Das Wasser raste durch die Mühlenstraße mit solcher Macht, dass die Rettung der Bewohner sehr schwierig war. Die außen liegenden Höfe Fährmannssand und Winterroos hatten größere Verluste an Vieh und die Gebäude wurden stark in Mitleidenschaft gezogen. Insgesamt 30 Personen, Bewohner von Häusern in der Mühlenstraße, der Schulstraße und der Pinneberger Straße wurden vorübergehend obdachlos. Personenschaden gab es glücklicherweise keinen.

August 1975 – Die Heide brennt!

Im August 1975 brannten die Wälder Niedersachsens. Feuerwehren aus ganz Norddeutschland, unter ihnen auch Mannschaften mit Löschfahrzeugen des Kreisfeuerwehrverbandes Pinneberg, leisteten Wehrhilfe bei den schweren Flächenbränden.

Insbesondere das Wedeler Tanklöschfahrzeug mit Allradantrieb bewährt sich in dem unwegsamen Gelände. Die Feuersbrunst begann am 08. August 1975 in der Nähe von Eschede. Bei Temperaturen von 35 Grad und starkem Wind bewegte sich die Feuerfront schnell und geriet schnell außer Kontrolle. Dörfer mussten evakuiert werden. Am 14.10. 1975 waren insgesamt 32.000 Einsatzkräfte von technischen Diensten, unter ihnen Feuerwehr und Bundeswehr, im unermüdlichen Einsatz. Französische Löschflugzeuge halfen mit, so dass der Brand am 17.08.1975 unter Kontrolle gebracht werden konnte. Insgesamt wurden rund 7.500 Hektar Wälder, Äcker, Moore und Heideflächen, aber auch einige Wohnhäuser, zerstört. Bei den Rettungsarbeiten starben 5 Feuerwehrleute. Die geschätzte Schadenshöhe lag bei umgerechnet 18 Mio. €.

November 1974 – Wedel wird „Unschlagbare Rätselstadt“

Im November 1974 besuchte der beliebte Quizmaster Hans Rosenthal die Stadt Wedel, um die Spielregeln der Radiosendung „Allein gegen alle“ zu besprechen.

In dieser Radiosendung, die zur besten sonnabendlichen Sendezeit über das Funkhaus Hamburg in Deutschland und der Schweiz ausgestrahlt wurde, wurden von einer Person Fragen gestellt, die eine ganze Stadt beantworten musste. In einem Zeitalter, in dem es weder Handys noch Internet gab, war das für Wedel eine organisatorische Meisterleistung. Im Rathaus mussten zusätzliche Telefonleitungen verlegt werden, damit unter der einen Rufnummer des Rathauses mehrere Telefonapparate angewählt werden konnten. Schüler wurden für Botendienste zwischen den einzelnen Rätselteams gebraucht. Die Rätselteams, die im Rathaus, in der Stadtbücherei oder dem Gymnasium saßen, brauchten unendlich viele Nachschlagewerke um Fragen zu beantworten wie: Wie viele Pfeifen hat die größte Orgel der Welt oder welcher Berg der Erde mit seinem Gipfel am weitesten vom Erdmittelpunkt entfernt liegt. Wedel gewann die erste Runde, kämpfte sich auch durch die zweite und wurde in der dritten und letzten Runde dann mit einer Urkunde zur „Unschlagbaren Rätselstadt“ erklärt.

Januar 1974 – Die Akte Odessa

Im Januar 1974 wurde im Wedeler Tonnenhafen mit dem bekannten deutschen Schauspieler Maximilian Schell Szenen für den Spielfilm „Die Akte Odessa“ gedreht.

Mit mehr als hundert frierenden Komparsen in zerrissener Kleidung, mehreren alten Autos und dem als Rot-Kreuz-Schiff „Baltik“ verkleideten Dampf-Eisbrecher „Stettin“ wurde hier der Hafen von Riga im November 1944 drehbuchmäßig nachgestellt.

November 1973 – Auswirkungen der Ölkrise

Im November 1973 steckte ganz Deutschland in der Ölkrise. Aufgrund israelfreundlicher Haltung einiger Industrienationen im Jom-Kippur-Krieg drosselten die arabischen Staaten die Exporte des bislang günstigen Rohstoffes Erdöl.

Ein vom Bundestag erlassenes Energiesicherungsgesetz beschloss weitgehende Energiesparmaßnahmen. Auch in Wedel wurde, wie in ganz Deutschland, an vier Sonntagen im November und Dezember ein Fahrverbot durchgeführt, um Öl zu sparen. Darüber hinaus wurden in den öffentlichen Gebäuden wie Bücherei, Schulen und Rathaus die Heizungen heruntergedreht. Besonders hart trafen diese Maßnahmen die Wedeler Schwimmer, da der Hallenbadbetrieb stark eingeschränkt werden musste. Sehr ungemütlich muss das derzeit gewesen sein – zumal das Wetter es mit den Wedelern nicht gut meinte. Schließlich waren zum Jahresende 1973 insgesamt fünf Sturmfluten, teils begleitet von heftigsten Stürmen, zu verzeichnen. Allein die Schulkinder erfreute dieses, da aufgrund der Überschwemmungen schulfrei ausgesprochen wurde.

August 1973 – Das tragische Ende der „Pagensand“

Ein Drama ereignete sich am 28.08.1973 auf der Elbe in der Höhe des Yachthafens. Gegen viertel vor zwei Uhr nachmittags versagte bei dem in Richtung Hamburg fahrenden amerikanischen Containerfrachter „American Archer“ die Ruderanlage.

Das Schiff rammte den im Wedeler Tonnenhafen beheimateten Eimerkettenbagger „Pagensand“. Der Bagger, der die Fahrrinne von Schlick und Sand freihält, wurde regelrecht überfahren und unter Wasser gedrückt. Zehn Besatzungsmitglieder der „Pagensand“ wurden durch den Aufprall ins Wasser geschleudert und konnten von Sportbooten und einem Tonnenleger zum Teil schwer verletzt gerettet werden. Ein weiterer Seemann, der sich auf einer Schute, die längsseits der „Pagensand“ lag, aufhielt, erreichte auch lebend das Ufer. Der Verbleib von zwei weiteren Besatzungsmitgliedern konnte erst Tage später geklärt werden. Der 60 Jahre alten Wedeler Matrosen wurde ertrunken in Höhe Fährmannssand von Sportbootfahrer aufgefunden. Der zweite Vermisste, der 43 jährige Steuermann aus Borstel, konnte erst mit der Hebung des Wracks der „Pagensand“ entdeckt werden. Geborgen wurde der Bagger erst nach 6 Tagen durch Schwimmkräne.

Januar 1972 – Bezug des Graf-Luckner-Heims

Graf-Luckner-Heim

Im Januar 1972 zogen die ersten Bewohner in das für 18 Millionen DM erbaute Graf-Luckner-Heim an der Elbe.

 Das Gebäude hatte anfangs 198 Wohnungen, in denen bis zu 350 Personen erwartet wurden. Die Bewohner konnten auch damals nicht ganz unbetucht gewesen sein, so waren bereits im Jahre 1972 zwischen 12.500,- und 33.000,- DM Mieterdarlehen zu zahlen. Die monatlichen Kosten für ein Zwei-Zimmer-Appartement zuzüglich der Vollpension betrugen seinerzeit auch schon bis zu 1.300,- DM. Zum Vergleich: im Jahr 1972 kostete eine 4,5 kg-Trommel eines bekannten Waschmittels 12,48 DM und ein Kilo Schweinerollbraten 5,90 DM.

August 1972 – Wedeler trägt Olympia-Fackel durch den Kreis Pinneberg

Im August/September 1972 fanden in München die Olympischen Sommerspiele statt. Da die Segelwettbewerbe in Kiel-Schilksee stattfanden, wurde die Olympiafackel am 27.08.1972 auch durch den Kreis Pinneberg getragen.

Zehntausende von begeisterten Zuschauer sahen nun wie 18 Sportler von vielen Vereinen des Kreises die Fackel auf der B4 Richtung Norden beförderten. Als letzter Läufer übernahm der Wedeler Gerd Steyer begleitet von zwei Sportfreunden die olympische Fackel und trug sie über die Kreisgrenze in den Kreis Segeberg.

Dezember 1971 – Familientragödie in der Bahnhofstraße

Im Dezember 1971 fand während der ruhigen Vorweihnachtstage in der Einkaufsstraße Wedels eine schreckliche Familientragödie statt.

Mit einer Kleinkaliberpistole erschoss am 21.12.1971 eine 43jährige Frau ihre langjährige Freundin und Nachbarin, ihre beiden halbwüchsigen Söhne und ihren Ehemann. Anschließend setzte sich die Hausfrau selbst ein Ende. Als Begründung für diese furchtbare Tat wurde in der Zeitung ein „Anfall von geistiger Umnachtung“ angegeben.

August 1971 – Jubiläum des „Hamburger Hafenkonzert“ aus dem Schulauer Fährhaus

Am 22.08.1971 wurde die Traditionssendung „Hamburger Hafenkonzert“ zum 1500. Male vom Norddeutschen Rundfunk ausgestrahlt.

Zu der bereits seit Jahrzehnten aus dem Schulauer Fährhaus gesendeten Veranstaltung, die weltweit an jedem zweiten Sonntagmorgen von 6.00 bis 7.45 Uhr über den Äther ging, waren zur Jubiläumssendung Ehrengäste und besondere Künstler gebeten. So wurden der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher und der Hamburger Bürgermeister Peter Schulz von Hans Hermann Schlünz, dem verantwortlichen Redakteur des Konzerts, empfangen. Für die musikalische Umrahmung der mehreren Millionen Zuhörer rund um den Globus und der rund 7.000 Gäste im Schulauer Fährhaus sorgten u. a. Roberto Blanco, Richard Germer und Lolita.

August 1971 – Kidnapping Keese

Im August 1971 wurde der Geschäftsmann Wilhelm Bernhard Keese, Inhaber des gleichnamigen Ballhauses auf der Reeperbahn aus seinem Wedeler Wohnhaus entführt.

Gegen Zahlung von Lösegeld in Höhe von 100.000 Mark kam der damals 71-jährige Betreiber des „Ball Paradox“ unverletzt wieder frei. Die Polizei fahndete nach den drei mutmaßlichen Kidnappern; ob das Verbrechen aufgeklärt wurde, ist nicht bekannt.

Dezember 1970 – Angriffe auf Bürgermeister Dr. Claus Winkler

Bürgermeister Dr. Claus Winkler

Im Dezember 1970 spitzte sich die Lage um den Bürgermeister Dr. Claus Winkler dramatisch zu. „Bürgermeister von Wedel muss zum Psychiater“, Überschriften wie diese zeigten die große Unruhe um den 58-jährigen Verwaltungschef, die seit Monaten von den Medien begleitet wurde. Dem Bürgermeister wurde von den Mitgliedern der Stadtvertretung eklatantes Fehlerhalten vorgeworfen, so bestellte er u. a. einen Computer für 260.000 DM, ohne dass dieses Geld im Haushalt eingeplant war. Der Magistrat als verwaltungsleitendes Gremium legte ihm nun eine Untersuchung bei einem Facharzt nahe. Obwohl etliche Stadtvertreter einen anständigen Umgang mit dem angeschlagenen Stadtoberhaupt anmahnten, kam das Thema nicht aus den Schlagzeilen raus und fand seinen schrecklichen Abschluss im Selbstmord des Bürgermeisters im Januar 1971. Die ganze traurige Geschichte und ihr Hintergrund ist übrigens nachzulesen in dem Aufsatz von Thies Bitterling im Buch „Verehrt – verkannt – verleumdet: Die Bürgermeister Wedels von 1902–1971“, Band 7 der Beiträge zur Wedeler Stadtgeschichte. Das Buch ist im Stadtarchiv Wedel, im Stadtmuseum und im Wedeler Buchhandel erhältlich.

Januar 1970 – Explosion im Kraftwerk

Am 05.01.1970 kam es vormittags in der Wedeler Überspannungs-Schutzeinrichtung der 110.000 Volt-Anlage des Kraftwerkes der HEW am Schulauer Ufer zu einer heftigen Explosion.

Verletzt wurde dabei niemand, aber durch die aufgetretenen Spannungsschwankungen fiel in weiten Teilen Hamburgs der Strom aus. Dadurch blieben S- und U-Bahnen einfach stehen, Fahrstühle steckten fest und in beinahe allen Wohnungen und Betrieben fiel das Licht aus. Zudem waren etliche Ampelanlagen gestört, die erst am Abend wieder einwandfrei funktionierten. Bis dahin mussten Polizeibeamte die Verkehrsströme lenken. Ein Grund für die Explosion wurde nicht genannt.

Juni 1970 – Es brennt an allen Ecken und Enden der Stadt

Es brennt an allen Ecken, war der Eindruck, den der Wedeler erhielt, als er am 29.06.1970 morgens zwischen 6 und 8 Uhr auf die Straßen ging. An 20 Abfackelpunkten wurde im Stadtgebiet Stadtgas entzündet, das rund zwei Stunden lang meterhoch abbrannte.

Nötig war dieser Feuerzauber, da die Stadtwerke Wedel die gesamte Gasversorgung der Stadt der allgemeinen Entwicklung folgend von Stadtgas auf Erdgas umstellte. Dabei wurde das Erdgas in die Versorgungsleitungen gedrückt und das darin befindliche Stadtgas einfach abgefackelt. Die Vorteile des Erdgases waren, dass es günstiger bezogen werden konnte und nicht so giftig wie das Stadtgas war, dass mittels Kohlevergasung hergestellt wurde, einen hohen Kohlenmonoxydgehalt hatte. Die Umstellung aller Haushalt in Wedel dauerte rund dreieinhalb Jahre und war kostenintensiv. Insgesamt hatte die Umstellung auf Erdgas rund eine Million D-Mark gekostet. Nicht eingerechnet wurden die mehreren tausend D-Mark, die am 29.06.1970 einfach so abgefackelt wurden. Die wurden von „Hein Gas“ der Stadt Wedel als „Morgengabe“, so schmunzelte der Verantwortliche des Hamburger Gasunternehmens, geschenkt.

Januar 1970 – Proteste von Schülern und Studenten

Schülerzeitungen

Auch schon 1970 gab es unter den Schülern und Studenten Wedels, u. a. der Physikalisch Technischen Anstalt (PTL) Proteste gegen die ihrer Meinung nach „untragbaren Zustände“ in ihrer Einrichtungen.

Der Besuch des schleswig-holsteinischen Kultusministers Dr. Walter Braun am 21.01.1970 gab den Anlass zu einer Demonstrationen des „unabhängigen sozialistischen Schülerbundes Wedel“ mit rund 120 Teilnehmern auf dem Rathausplatz. Die abschließende Resolution aber konnte nicht rechtzeitig verabschiedet werden. Man hatte sie schlichtweg vergessen.

Proteste anderer Art rief die Schülerzeitung „Widerrist“ des Johann-Rist-Gymnasiums hervor. Die Bürgervereinigung Wedel rief in ihrem Veröffentlichungsblatt Anzeigenkunden der Schülerzeitung dazu auf, hier keine Anzeigen mehr zu schalten, da die Artikel des „Widerrist“ Lehrkräfte verunglimpften, aufrührerische Tendenzen aufwiesen und die „kapitalistischen Gesellschaftsformen“ in den Schmutz zogen. Hinzu kam das Abdrucken von „pornographischen Zeichnungen“ zum Ausmalen für Kinder. Ob dieser Aufruf Konsequenzen für den Widerrist hatte und ob die Schulleitung sich mit dem Thema befasste, ist nicht bekannt. Die Schülerzeitung Widerrist hat leider ihren Weg (noch?) nicht in das Stadtarchiv gefunden.

Mai 1969 – Wedel geht baden

Am 24. Mai 1969 wurde das Hallenschwimmbad an der Rudolf-Breitscheid-Straße eingeweiht und war von Anfang an unter der Bevölkerung ein richtiger „Renner“.

Es war ein langer Planungsweg zum ersten Schwimmbad Wedels. Spätestens Mitte der 60er Jahre, vermutlich aber nachdem das Baden in der Elbe offiziell verboten wurde, wurden Stimmen laut, die für die Stadt Wedel ein Schwimmbad forderten. Jahrelang wurde das Thema in den politischen Gremien als Luxus verworfen und erst Bürgermeister Dr. Winkler begann mit den konkreten Planungen, unterstützte den „Verein zur Förderung des Hallenschwimmbades“ und eröffnete einen Architektenwettbewerb, in dem der Architekten Walter Schweim aus Elmshorn siegte. Dieser war zunächst zu teuer für die leere Stadtkasse Wedels, speckte seinen Entwurf aber ab und erbaute schließlich für rund 5,5 Mio. DM ein Hallenschwimmbad mit einem Schwimmer- und einem Nichtschwimmerbecken. Besonderheit beim Bau des Schwimmbeckens war die erstmalig Errichtung der Überflutungsrinne, die sogenannte Finnische Rinne, die für Wedeler Verhältnisse ein wenig verändert wurde und daher auch die internationale Akademie für Bäderkunde zu Studienzwecken nach Wedel lockte. Bereits im ersten Halbjahr wurden 115.929 Badegäste gezählt, die sich in den beiden Becken tummelten. Auch der Vereinssport nahm seinerzeit schon eine bedeutende Rolle ein. So trafen sich regelmäßig etwa 250 Mitglieder der TSV-Schwimmsportgruppe und der DLRG in den ihnen zugestandenen 4 Wochenstunden. Breiten Raum nahm der Schwimmunterricht ein. Allein im ersten Halbjahr des Schwimmbetriebes brachten die beiden Schwimm-Meister 225 Kindern und Erwachsenen das Schwimmen bei, konnten aber dennoch die Voranmeldeliste nicht abarbeiten. Die Hallenzeiten waren zunächst recht beschränkt. So konnte sich die Öffentlichkeit morgens von 7.00–9.00 Uhr und dann erst ab nachmittags 14.00 Uhr, sonnabends ganztägig und sonntags nur vormittags in die Fluten stürzen. Zudem wurde in den Urlaubszeiten der Badebetrieb zeitweilig geschlossen und den Wedeler Schulkindern als Entschädigung der verbilligte Eintritt in das Freibad Marienhöhe angeboten. Andere Besonderheiten der Anfangszeit waren die Einführung der Badekappenpflicht für alle Benutzer, ein Warmbadetag, der selbstverständlich Aufschlag kostete und besondere Schwimmzeiten, die ausschließlich Frauen vorbehalten waren.

Große Schwierigkeiten für den Betrieb von Bädern brachte die Ölkrise im Jahr 1973. In der ganzen Bundesrepublik gab es autofreie Sonntage und weitere Öleinsparmaßnahmen. In Wedel ordnete der Magistrat zunächst eine Schließung des Hallenbades an und geriet damit in scharfe Kritik aus verschiedensten politischen Lagern und der Bevölkerung. Etwa 14 Tage mussten die Wedeler auf das Bad verzichten, bis der Magistrat einknickte und das Bad am 5.12.1973 wieder geöffnet wurde. Allerdings wurde die Öffnungszeiten eingeschränkt, die Hälfte der Duschen abgestellt und die Temperatur um einige Grad abgesenkt, bis sich die wirtschaftliche Lage nach Beendigung der Ölkrise wieder entspannte. 1974 wurde direkt neben der Schwimmhalle das Sportzentrum eröffnet. 1988 wurde der vom früheren Stadtbaumeister Adolf Liebmann geschaffene Brunnen, der vor dem Eingang des Hallenbades stand, abgebrochen. Die Unfallgefahr für spielende Kinder sei der Grund gewesen für die Entfernung des schon längst nicht mehr sprudelnden Kunstwerkes. Auch aufgestellte Blumentöpfe seien kein Hindernis mehr für die tobenden Kids gewesen, befanden die Verantwortlichen und bestellten den Abbruch. Mit der Eröffnung der Badebucht im Juni 2006 wurde der Hallenbadbetrieb eingestellt und im Jahr 2008 wurde das Schwimmbad endgültig abgebrochen.

Februar 1968 – Orkan über Wedel

Im Februar 1968 war ein Orkan das beherrschende Thema im Ort. Zahlreiche Dächer wurden abgedeckt, Bäume knickten um und die hochwassergefährdeten Gebiete wurden überschwemmt.

Der Sommerdeich wurde überspült, die Mieter der Siedlung Adlershorst in der Gorch-Fock-Straße mussten Sandsäcke füllen, um ihre Kellerfenster damit zu schützen. Als schwierig erwiesen sich die Aufräumarbeiten. Hatte doch der strenge Frost zentnerschwere Eisschollen beschert, die nun von den Straßen zu räumen waren.

März 1966 – Räumung der letzten Barackenlager

Beksberg Baracken

Im März 1966 wurden die letzten Baracken, die den Vertriebenen, Zugewanderten und Sowjetzonenflüchtlingen während des Krieges und in der Nachkriegszeit zur Behausung dienten, durch das Wohnungsamt geräumt und abgerissen.

Durchgeführt wurde die Aktion durch den Leiter des Wohnungsamtes Hermann Oppermann. 1901 geboren, war er bereits in den Jahren 1929–1933 in der KPD aktiver Kommunalpolitiker. Unter dem NS-Regime war er schweren Repressalien ausgesetzt, nach dem Zweiten Weltkriege wurde er durch die Militärregierung zum Ratsherrn bestellt. Diese Stellung musste er abgeben, nachdem er im November 1945 Leiter des städtischen Wohnungsamtes wurde. Es war keine leichte Aufgabe in der schweren Zeit. Schließlich musste die in der Vorkriegszeit 8.400 Einwohner zählende Stadt, die 1943 durch Bombenabwürfe schwer zerstört wurden, eine große Menge von Flüchtlingen, Vertriebenen und Zugewanderten aufnehmen, so dass sie 1946 auf 14.140 Einwohner wuchs. Die Wohnraumsituation war entsprechend beengt. Beispielsweise musste ein vierköpfiger Wedeler Privathaushalt, der über eine Wohnfläche von 80 m² verfügte, bis zu 11 Personen aufnehmen. Zusätzlich zur Enge verschärfte der große Mangel an Bau- und Abdichtungsmaterialien die Wohnraumsituation insbesondere in den Baracken. Die letzte Räumung der Baracken erfolgte 1966 in der Barackensiedlung „Steinberg“. Auch für den Leiter des städtischen Wohnungsamtes Oppermann war nun der Dienst beendet. Er trat kurz danach in den wohlverdienten Ruhestand.

Juni 1965 – Die Tradition Kindergrün verschwindet

Im Juni 1965 wurde in Wedel das letzte Mal „richtig“ Kindergrün gefeiert. Damit endete die schöne Tradition der Grundschulen Wedels, an einem Tag kurz vor den Sommerferien ein großes Schulfest mit Umzug durch die Stadt zu veranstalten.

Die Albert-Schweitzer-Schule hatte bereits 1964 den letzten gemeinsamen Schulausflug zum Kindergrün in das Alte Land. Die ABC-Schule führte den mit Girlanden geschmückten Gang der Schulkinder durch Wedel noch bis 1965 durch.

August 1963 – Hoher Besuch aus dem afghanischen Königshause

Am 08.08.1963 hatte Wedel königliche Besucher. Der König von Afghanistan, Mohammed Zahir Schah und seine Frau Homeira besuchten bei ihrem achttägigen Deutschlandbesuch auch Wedel.

Am geschmückten Willkomm Höft begrüßten Bürgermeister Heinrich Gau und rund 7000 Schaulustige die Gäste, die Ihre Fahrt nach einem kleinen Empfang Richtung Hamburg fortsetzten.

August 1962 – Absturz eines Flugzeugs bei Holm

Am 01.08.1960 stürzte im Wald beim Holmer Lehmweg ein Übungsflugzeug des Fluganwärterregiments in Uetersen, eine Dornier DO 27 nach einer Kollision mit einer anderen Maschine ab.

Der Fluglehrer – ein Feldwebel – sowie die drei Flugschüler – ein Leutnant, ein Fähnrich und ein Fahnenjunker – waren sofort tot.

April 1962 – Dreharbeiten mit Maximilian Schell im Schulauer Hafen

Im April 1962 war der Schulauer Hafen Drehort für den Spielfilm „Die Eingeschlossenen von Altona“, in dem Sophia Loren und Maximilian Schell die Hauptrollen spielten.

Zwölf Jahre später sollte Maximilian Schell erneut in einem Wedeler Hafen drehen, als im Januar 1974 hier Sequenzen zum Kinofilm „Akte Odessa“ abgedreht wurden.

März 1962 – Strafe für angetrunkenen Ratsherr auf Bewährung ausgesetzt

Im März 1962 kam ein pikantes Verfahren vor den Richter des Wedeler Amtsgerichtes. Ein 39jähriger Journalist, der auch Mitglied der Stadtvertretung war, hatte sich am Neujahrstag nach dem traditionellen Neujahrsempfang beim Bürgermeister betrunken.

Er hatte dem Neujahrssekt so zugesprochen, dass er die Kontrolle über sich verlor. Er verscheuchte durch lautes Reden die Gäste der Wedeler Weinstube, so dass der Wirt die Polizei rief. In dem dann folgenden Handgemenge vor dem Wirtshaus verletzte der angetrunkene Ratsherr die herbeigerufenen Polizeibeamten durch Faustschläge ins Gesicht und beschimpfte diese aufs Übelste. In der Gerichtsverhandlung wurden dem Stadtvertreter jedoch mildernde Umstände wegen Bewusstseinsstörung anerkannt und er nur zu sechs Wochen Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Der Richter legte ihm nahe, von seinen Ehrenämtern zurückzutreten, denn „solche Dinge darf sich ein Mann im öffentlichen Leben nicht leisten“. Dies konnte er wohl doch, denn sein kommunalpolitisches Engagement endete erst im Jahr 1985.

März 1962 – Die Studenten aus Lübeck kommen

Physikalisch-Technische-Lehranstalt

Im März 1962 zogen 1.000 Physik-Studenten aus Lübeck-Schlutup in das ehemalige Verwaltungsgebäude der bel-ami-Strumpffabrik von Richard Wieschebrink an der Feldstraße.

Der Leiter der Physikalisch-Technischen-Lehranstalt Dr. Helmut Harms hatte das Gebäude erworben und für den Lehrbetrieb umbauen lassen. Der Betrieb der bel-ami-Strumpffabrik war im Jahr zuvor eingestellt worden. Die ehemaligen Fabrikationsräume der Strumpffabrik übernahmen die Lubeca-Werke.

Februar 1962 – Schwere Sturmflut an der Westküste

Sturmflut 1962

In der Nacht vom 16. und 17. Februar 1962 suchte eine schwere Sturmflut die gesamte Westküste und die Elbe heim. Während in Hamburg Hunderte von Toten zu beklagen waren, gab es in Wedel zum Glück nur Sachschäden.

Die aber waren gewaltig und beliefen sich auf über 5 Millionen Mark. So war u. a. das Fährhaus betroffen, hier wurde die hohe Steinmauer einfach umgeworfen, auch der Anleger mit der Schiffsbegrüßungsanlage und das gesamte Strandbadgelände wurden zerstört. In der Mühlenstraße wurden durch die Wassermassen, die in die Aue drückten, mehrere Häuser beschädigt und große Krater taten sich in der Straße auf. Mehrere Familien wurden obdachlos und die Stromversorgung war unterbrochen. Bundeswehrsoldaten und Hilfstrupps von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk bemühten sich bei der Schadensbeseitigung. Sogar Schulklassen halfen dabei.

Juli 1961 – Ein überwältigender Empfang für Willy Brandt

Empfang von Willy Brandt

Kaum vorstellbar ist heute die Begeisterung, mit der rund 3.000 Wedeler am Donnerstag, den 13.07.1961 den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt empfangen haben.

Auf dem mit vielen Berlin-Flaggen geschmückten Rathausplatz wurden Berliner Lieder gesungen und das Berliner Stadtoberhaupt trug sich in das Ehrenbuch der Stadt ein. Er hielt eine kurze Erklärung zum „Teilungsdiktat“ der Stadt Berlin, das er so nicht akzeptieren könne. Wenige Wochen später schaffte die Regierung der DDR Tatsachen, erbaute zum Entsetzen ganz Europas die Berliner Mauer und kappte somit den Strom der Flüchtlinge, die in den Westen wollten.

März 1961 – Ende einer denkwürdigen Betriebsfeier vor dem Amtsgericht Wedel

Im März 1961 wurde vor dem Wedeler Amtsgericht ein sehr skurriler Vorfall verhandelt. Das Delikt – Widerstand gegen die Staatsgewalt und vorsätzliche Körperverletzung – markierte den Höhepunkt eines Betriebsfestes einer Wedeler Firma.

Hier wollten nach einem firmeninternen Preisskatturnier ein Abteilungsleiter und zwei seiner Mitarbeiter weitere „Absacker“ in einer Gastwirtschaft zu sich nehmen. Alle waren fröhlich dabei, als der Chef noch eine Runde Sekt ausgab. Dann begann dieser plötzlich einen Streit mit einem weiteren Gast der Wirtschaft. Seine Mitarbeiter griffen ihrem Chef kurzerhand aktiv unter die Arme und versetzten dem Gast einige Fausthiebe. Die sich daraus entwickelnde Keilerei wurde jäh unterbrochen durch einen Herzanfall des Vorgesetzten. Gemeinsam brachten nun alle Beteiligten diesen an die frische Luft. Der schnell herbeigerufenen Polizei, die zeitgleich mit einem Arzt heraneilte, bot sich in der Dunkelheit der Nacht folgendes Bild: Im Garten lag der japsende Abteilungsleiter, der weich auf einem seiner Mitarbeiter lag, neben ihm äußerst besorgte, aber angeheiterte Gestalten. Die Rettungskräfte versuchten, sich ein Bild zu machen – der Arzt argwöhnte, der Kranke sei ja nur betrunken. Diese Bemerkung nahm der Kranke ihm sehr übel und schlug dem Mediziner gehörig mit der Faust ins Gesicht. In dem nachfolgenden Handgemenge von Chef und Mitarbeiter gegen die Ordnungsmacht und den Arzt flogen Fäuste und Gummiknüppel. Erst nach eingetroffener Unterstützung durch weitere herbeigerufene Polizeibeamte konnten die einen in den Peterwagen und der andere in das Krankenhaus gebracht werden. Der Amtsrichter, vor dem die jetzt nüchternen Herren allesamt standen, verurteilte diese zu Geldstrafen in Höhe von 40,00 bis 120,00 Mark.

Dezember 1959 – Weihnachtsoratorium begeistert Zuhörer

Am 19.12.1959 wurde erstmals in der Wedeler Kirche das Weihnachts-Oratorium unter der Leitung des Wedeler Kantors Heinz Kegel aufgeführt.

Die Mitwirkenden an dem großen Werk von Johann Sebastian Bach waren die Evangelische Kantorei Wedel, der Kammerchor der VHS Wedel und ein Kammerorchester. Unterstützt wurden diese durch verschiedene Solisten, so Eva-Maria Beschke (Alt), Walther Storch (Tenor) oder Wolfgang Broy (Bass). Aber auch der vielen Wedelern bekannte Otto Roll (Continuo), heute ein pensionierter Musiklehrer des Rissener Gymnasiums, war bereits bei der ersten Aufführung dabei, die in der erst kurz zuvor renovierten Wedeler Kirche stattfand. Die 400 Zuhörer, die eine der begehrten und innerhalb kürzester Zeit ausverkauft Karten ergatterten, waren von der Aufführung hellauf begeistert. Seitdem steht die Aufführung des Weihnachts-Oratoriums regelmäßig im Wedeler Veranstaltungskalender.

Oktober 1959 – Das Buttermoor brennt!

Das Jahr 1959 wird auch als Jahr von monatelanger Dürre und mit verheerenden Wald- und Moorbränden in Erinnerung bleiben.

Nicht nur in den großen Moorgebieten Niedersachsens, am Steinhuder Meer oder auch bei Vechta, sondern auch das Buttermoor zwischen Wedel und Holm brannte im Oktober 1959 lichterloh! Bald eine ganze Woche lang mussten rund 800 Helfer, Feuerwehrleute verschiedener Wehren und auch Bundeswehr-Pioniere aus Schleswig den Brand löschen. Unter großen Schwierigkeiten arbeiteten die Katastrophenhelfer. Die Wasserversorgung reichte zunächst nicht aus und musste über einen Pendelverkehr an die Brandherde gebracht werden und nur mit schwerem Räumgerät hat man die nötigen Brandschneisen ziehen können. Endlich, am 21.10. 1959 konnte der Kreisbrandmeister die Wehren und Hilfskräfte wieder abziehen. Zudem setzte auch in Norddeutschland nach Wochen der Trockenheit der lang ersehnte Regen ein. Durch die Unachtsamkeit eines Landarbeiters aus Holm wurde das Öko-System des Buttermoores empfindlich gestört.

Juni 1958 – Taufe des Segelflugzeugs „Wedel“

Segelflugzeug "Wedel"

Im Juni 1958 taufte Bürgermeister Heinrich Gau mit einem Glas Sekt auf dem Gelände an der Gorch-Fock-Straße ein Segelflugzeug der Marke Rhönschwalbe auf den Namen „Wedel“.

Der Segel-Zweisitzer mit einer Flügelspannweite von 15 Metern gehörte der Wedeler Ortsgruppe des Luftsportvereins des Kreises Pinneberg, dessen Vorsitzender Rolf Hatlapa aus Uetersen auch an der Feierstunde teilnahm.

April 1958 – „Kampf dem Atomtod“

Am 16.04.1958 wurde im Turnerheim am Rosengarten ein „Arbeitsausschuss gegen den Atomtod“ gegründet dessen Schirmherrschaft der Bürgermeister Heinrich Gau übernahm.

In das Führungsgremium wurden der Krankenhausarzt Dr. Schunk, Stadtrat Jungbluth, der DGB Vorsitzende Schwarz und der Mittelschullehrer Scheffler gewählt. Dem eigentlichen Ausschuss gehörten etwa 20 Wedeler Persönlichkeiten an. Diese hatten es sich zur Aufgabe gemacht, eine Kundgebung in Wedel zu organisieren, um eine atomare Bewaffnung der Bundeswehr zu verhindern. Begonnen hatte der wachsende Widerstand in der bundesdeutschen Bevölkerung durch die Aussage des Bundeskanzlers Konrad Adenauer, er würde in den Atomwaffen nichts weiter sehen als die Weiterentwicklung der Artillerie und die Bundesrepublik würde in der Bewaffnung diese Entwicklung mitmachen. Diese Aussage klang nicht nur für den Bürger, der die Kriegszeit miterlebt hatte wie blanker Hohn. Auch in der Wissenschaft löste die öffentliche Verharmlosung der atomaren Gefahr große Bestürzung aus und brachte die westdeutschen Kernphysiker, unter ihnen Otto Hahn und Carl Friedrich von Weizsäcker dazu, einen Appell zu formulieren. Am 12.04.1957 publizierten sie in der „Göttinger Erklärung“ über das Gefahrenpotential von Nuklearwaffen für den Weltfrieden und forderten den öffentlichen Verzicht auf die Herstellung, die Erprobung und den Einsatz von Atomwaffen. Dennoch sprach sich der Bundestag am 25.03.1958 dafür aus, die Bundeswehr mit Trägersystemen für Atomwaffen aufzurüsten. Nach diesem Beschluss rollte eine Welle von Empörung über Deutschland. In vielen deutschen Städten gründeten sich Ortgruppen der außerparlamentarischen Kampagne „Kampf dem Atomtod“, die durch die SPD, die Kirchen und Gewerkschaften unterstützt wurden. Die durchgeführten Protestaktionen wie Schweigemärsche, Kundgebungen und Arbeitsniederlegungen trafen auf großes Einverständnis seitens der Bevölkerung. Allein bei der Großkundgebung am 19.04.1958 in Hamburg gingen 120.000 Menschen auf die Straße, bei der einen Monat später durchgeführten Kundgebung auf dem Schulauer Marktplatz waren es noch rund 2.500 Einwohner, die den Reden der stellvertretenden Kreispräsidentin des Kreises Pinneberg, Johanna Lucas und dem Bürgermeister Heinrich Gau zuhörten. Doch die Bundesregierung war nicht zu einer Umkehr vom eingeschlagenen Weg zu bringen. Als die SPD-regierten Bundesländer versuchten, einzelne Volksbefragungen zur Atombewaffnung durchzuführen, rief die Bundesregierung das Bundesverfassungsgericht an und ließ die Befragung für verfassungswidrig erklären. Die „Kampf dem Atomtod“-Bewegung wurde von der Regierungspartei als „kommunistisch gesteuert“ bezeichnet. Nach dem Urteil des höchsten deutschen Gerichts zogen sich wichtige Sympathisanten zurück, die Bewegung verlor an Dynamik, und lief sich u. a. auch dadurch aus, dass Ende 1958 bekannt wurde, dass die Bundeswehr keine eigenen Atomwaffen erhalten sollte. Auch in Wedel lief die Entwicklung so. Unterstützten zunächst der Bürgermeister und der Chef des Krankenhauses offen die Bewegung und planten auch hier eine Befragung der Einwohner, so führte später der Bürgermeister an, dass er den Vorsitz nur behielt, „um zu verhindern, dass staatsgefährdende Elemente sich dieses Ausschusses bedienen könnten“. Dass diese Angst nicht ganz unberechtigt war, zeigte sich, als im Februar 1959 die Rundfunkmedien der DDR groß über die geplante Wedeler Befragung berichteten. Die Aktion lief den Vorstandsmitgliedern aus dem Ruder. Der Vorstand war bestrebt, die Schäden zu begrenzen und ein Teil des Vorstandes distanziere sich daraufhin öffentlich von der verfassungswidrigen Befragung und letztlich auch von der Bewegung. Auf die weiterhin aktiv gebliebenen Friedensaktivisten wurde nicht unerheblicher Druck ausgeübt, so hat es z.B. Parteiausschlüsse gegeben. Dennoch gibt es noch bis heute die daraus entstandenen Ostermärsche.

Juni 1955 – Ehrung für Ernst Barlach

Barlachskulptur

Im Juni 1955 bekam die Mittelschule Wedel am Tinsdaler Weg den Namen des in Wedel geborenen Dichters und Bildhauers Ernst Barlach.

Trotz knappster finanzieller Mittel beschaffte die Stadt einen Klinkerguss des Kunstwerkes „Singenden Klosterschülers“ für das Gebäude. Seit dem Anbau von Zeichensaal und Aula blickt er von der Fassade auf die Rudolf-Breitscheid-Straße.

Dezember 1953 – Gruß an Bord

Im Dezember 1953 nahm der Redakteur Hans Hermann Schlünz aus Wedel erstmalig die beliebte Radiosendung „Gruß an Bord“ auf.

In Zeiten vor Skype oder Satelliten-Telefon, gab es ausschließlich über Norddeich-Radio – eine Küstenfunkstelle im ostfriesischen Norden – die Möglichkeit, über Kurzwellen mit Seeleuten auf den Schiffen in Kontakt zu treten. Damit nun auch die Familienangehörigen ihrem Mann, Vater oder Sohn an Bord Grüße senden konnten, wurde 1953 durch den NDR die Sendung „Gruß an Bord“ geschaffen. Hier wählte der Redakteur Schlünz, der damals auch durch das berühmte Hafenkonzert führte, aus zahlreichen Zuschriften die Personen aus, die Grüße verschicken durften. Zudem versuchte er auch, an Heiligabend direkt mit den Seeleuten aus aller Welt zu telefonieren. Auch heute noch sendet der NDR jedes Jahr an Heiligabend diese Radiosendung. Norddeich-Radio ist aber nicht mehr beteiligt – zum 31.12.1998 wurden sämtliche Kurzwellen-Sprechfunkdienste für die Nord- und die Ostsee in Norden abgeschaltet.

Mai 1952 – Die wilden Heiratsmärkte

Heiratsmarkt 1952

Am Vatertag wird Hochzeit gemacht, auch wenn es nur für einen Tag ist. Grund für dieses traditionelle Volksfest „Schlesischer Heiratsmarkt“ war, die ledige Landbevölkerung zu sammeln, um sie unter die Haube zu bringen.

Ursprünglich wurde dieses Fest, bei dem auf Spaß-Standesämtern die Ehe für einen Tag geschlossen werden konnte, in Gorkau-Rosalienthal, einem Ortsteil des früheren Zobten – heute – Sobótka in Niederschlesien gefeiert. Nun sollte auf Wunsch der schlesischen Landsmannschaft dieses Fest erstmals im Mai 1952 in Wedel stattfinden. Die Stadtvertreter ließen sich gern davon überzeugen, dass ein solches Volksfest das Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Einheimischen und Flüchtlingen bzw. Vertriebenen fördern könne. Und das war für die Stadt Wedel, in der rund 50% der Einwohner geborenen Wedeler waren, sehr wichtig. Die Feierlichkeiten wurden zunächst am Vorabend mit einer Festsitzung im Rathaus eröffnet, an der auch der ehemalige schleswig-holsteinische Ministerpräsident Hermann Lüdemann teilnahm.

 Lüdemann übernahm hier feierlich die Patenschaft für den Heiratsmarkt, schließlich war er von 1928–1932 der Oberpräsident von Niederschlesien. Bereits am frühen Morgen um 8.00 Uhr des Himmelfahrtstages wurden dann die Standesämter eingerichtet und in zahlreichen Lokalen in der Stadt zum Tanz aufgespielt. Der NWDR sendete direkt aus dem Trubel auf den Plätzen und auch die Wochenschau filmte den großen Festumzug mit 450 verschiedenen Trachtengruppen, die durch den Ort zogen. Der Schulauer Marktplatz, als Omnibusparkplatz eingerichtet, aber auch alle anderen Parkplätze platzten geradezu aus den Nähten. Denn Tausende von Menschen folgten den Aufrufen! Die Besucherzahl des ersten Heiratsmarktes lag bei rund 30.000 „Hochzeitsgästen“. Die Standesämter hatten reichlich zu tun und als nachmittags ein Regenschauer über Wedel hinwegging mussten zusätzlich herbeigerufene Polizeibeamte den Zuweg zum Fährhaus sperren, da „die durch reichlich Alkoholgenuss undisziplinierten Menschenmassen“ sonst den Ablauf gefährdet hätten. Auf dem zweiten Heiratsmarkt, am Himmelfahrtstag 1953 wurde es noch gedrängter. Mit Barkassen und per Bahn reisten die rund 60.000 Besucher nach Wedel und ließen die Organisatoren an ihre Belastungsgrenze stoßen.

Diese versuchten dem Fest im Jahr 1954 so einiges entgegenzusetzen. So wurden nun zusätzliche Großzelte organisiert und zahlreiche WCs aufgestellt. Die B 431 wurde für den Durchgangsverkehr bereits in Hamburg-Osdorf umgeleitet, die Bahn fuhr mit Sonderzügen, auch die HADAG rüstete mit Sonderdampfern auf. Und es kamen bis zu 80.000 heiratslustige Personen nach Wedel. Unter diesen leider auch sehr viele, mit denen die Polizei so ihre liebe Mühe hatte. Horden Betrunkener torkelten durch die Straßen, sie hinterließen Trümmerfelder und schliefen in den Vorgärten ihren Rausch aus. Nach diesen Erfahrungen verzichtete die Stadt Wedel auf weitere Heiratsmärkte.

August 1950 – Heimatwoche in Wedel ein rauschendes Fest

Heimatwoche 1950

Vom 27.08. – 03.09.1950 feierte Wedel eine rauschende Heimatwoche. Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg, mitten in der schweren Zeit des Wiederaufbaus organisierte die Stadt eine Großveranstaltung.

Da man damals finanziell keine großen Sprünge machen konnte, lebte die Festwoche vom ehrenamtlichen Engagement, großer Kreativität und dem Spaß, miteinander zu agieren. Die einzelnen Tage standen unter unterschiedlichen Schwerpunkten. Den Auftakt machten an einem Sonnabend alle kleinen Kinder der Wedeler Schulen, die mit Laterne von ihren Schulhöfen aus auf den Rathausplatz gingen. Am darauffolgenden Sonntag fand ein Hafenkonzert im Strandbad statt und nach einem großen Festumzug durch die Stadt und der Enthüllung des renovierten Rolands gab es auf dem Marktplatz ein Volksfest. Der Montag war den Schulen vorbehalten. Neben einem gemeinsamen Sportfest gab es verschiedene Schulaufführungen. Der dritte Tag stand unter dem Motto „Turnen und Sport gestern und heute“ und bot den Wedeler Sportvereinen Wedeler Raum, die Aktivitäten vorzustellen. Mittwochs gab es einen großen Liederabend der Gesangsvereine Wedels, der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Heimat. Hier gab man auch der großen Zahl von Flüchtlingen, denen Wedel in der Nachkriegszeit eine zweite Heimat wurde, die Möglichkeit, ihre Bräuche vorzustellen. Der Freitag hatte den Schwerpunkt „Jugend und Zukunft“ mit Veranstaltungen von Feuerwehr und Jugendgruppen. Am Sonnabend stand das Tier, insbesondere das Pferd im Mittelpunkt. Im Anschluss an die verschiedenen Veranstaltungen des Reit- und Fahrvereins gab es einen großen „Heimatball nach dem Reiterfest“ im Fährhaus. Die Schlussveranstaltung galt dem Wassersport und den Kindern. Nach einem großen Strand- und Kinderfest, einem attraktiven Schwimmwettkampf von Schwimmern des TSV und der DLRG, die von Hanskalbsand ans Strandbad schwammen und nach Vorführungen des SVWS wurde die Festwoche mit einem Abschussball geschlossen.

Oktober 1947 – Fünf-Städte-Heim Hörnum

Fünf-Städt-Heim Hörnum

Im Oktober 1947 hatten der Bürgermeister Heinrich Schacht und der Stadtdirektor Heinrich Gau einen hoffnungsvollen Plan, den sie mit viel Herzblut verfolgten. Sie wollten in den schweren Nachkriegsjahren für die Jugend ein Erholungsheim gründen.

In einem heruntergekommenen ehemaligen Offiziersheim in Hörnum auf Sylt fanden sie die passenden Räumlichkeiten. Sie konnten sowohl die Landesregierung von der Notwendigkeit einer Jugenderholungseinrichtung überzeugen, als auch die Bürgermeister der Orte Elmshorn, Pinneberg, Uetersen, Kellinghusen, Tornesch und Neuendeich für die Gründung eines Vereins begeistern. Die ehemalige Kaserne wurde entsprechend umgebaut und ist seitdem für Hunderttausende von Kindern und Jugendlichen Urlaubsziel gewesen.

April 1947 – Gründung der Volkshochschule

VHS Plakat

Zwei Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkrieges wurde nach Genehmigung durch die britische Militärregierung die Volkshochschule Wedel feierlich in Köhlers Gasthof an der Spitzerdorfstraße eröffnet.

Das erste Programm der Wedeler VHS bot 33 verschiedene Angebote. In Wedel wurde die Volkshochschule initiiert, um die Kriegsgeneration Deutschlands politisch und geistig nachzuschulen. Heute ist die Institution Volkshochschule eine wichtige Säule im deutschen Bildungssystem.

Januar 1947 – Bitterste Kälte und Not

Zum Jahreswechsel 1946/1947 herrschte in ganz Europa ein schrecklich kalter Nachkriegswinter. Eine extreme Kältewelle ließ seit Dezember 1946 mit Minus-Rekorden die Menschen frieren.

In Wedel lebten zu der Zeit rund 15.500 Menschen, davon waren knapp die Hälfte Flüchtlinge und ausgebombte Hamburger, die in Wedel Zuflucht gefunden hatten. Die Wohnsituation des Ortes, der durch Bombenabwürfe stark zerstört war, war in den ersten Nachkriegsjahren dramatisch. Die Bevölkerung lebte sehr dicht gedrängt in zugigen, karg ausgestatteten Baracken oder einquartiert bei Einheimischen. Teilweise waren in 80 m²-Wohnungen bis zu 15 Personen untergebracht. Die Versorgungslage mit Brennstoffen und Lebensmitteln war in den Jahren bis etwa 1948 durch die zerstörte Infrastruktur sehr schlecht. Güter waren knapp, die Menschen hungerten und froren. Der strenge Winter 1946/47 traf somit doppelt hart. Da die Versorgung der Bevölkerung mit Kohlen nicht mehr sichergestellt werden konnte, ließ die Stadt Wedel am Elbhochufer oder am Haidehof Holz einschlagen. Als diese Maßnahmen nicht ausreichten, wurde im Kreis Steinburg Holz geschlagen und man bemühte sich gleichzeitig um Kompensationsgeschäfte, z.B. 50 Paar Schuhe aus Wedel für 60 m³ Torf aus Gnarrenburg. Als nun aber die Flüsse zugefroren, wurden auch diese Transporte unmöglich, die Lage spitzte sich zu. Im Wedeler Krankenhaus wurden etliche unterkühlte Personen, teils mit Erfrierungen zweiten Grades, eingeliefert; ein kleines Kind erfror. Eine Beschreibung des Kassenleiters der Stadtkasse in dessen monatlichen Lageberichten macht die Situation deutlich: „… Die in diesem Winter monatelang ohne Unterbrechung angehaltene außergewöhnliche Kälteperiode, verbunden mit meistens aus Norden bis Osten kommenden starken Winden, die durch die immer noch undichten Fenster des Stadtkassenraumes pusteten, dabei die durchweg nur geringe Raumbeheizung, hat die Arbeitsfreude und die Arbeitsleistung der Gefolgschaftsmitglieder sehr stark beeinträchtigt, Bei einer Temperatur von 2°C bei Dienstbeginn, gegen Mittag ansteigend auf 4°C bis 7°C, war es kaum möglich mit steifen, kaputten Fingern die lapprigen Geldscheine auseinander zu kriegen und zu schreiben. Auch die mangelhafte Ernährung (nicht einmal die vorgesehenen Mengen wurden aufgerufen) sowie die unzureichende Versorgung mit Hausbrand und unumgänglichen Bedarfsgütern (z.B. Nähgarn, Stopfgarn, Wolle, Strümpfe, Handschuhe u. dergl.) haben die Stimmung sehr ungünstig beeinflusst…“ Eine Verbesserung der Witterung trat erst im März 1947 ein.

September 1946 – Politischer Neubeginn

Stadtvertretung 1946

Am Donnerstag, den 26. 09.1946 traten die 21 gewählten Mitglieder der ersten Stadtvertretung nach Kriegsende im Sitzungssaal des Rathauses zusammen und verhandelten die ersten Tagesordnungspunkte.

Diese waren zunächst die Besetzung der Ausschüsse durch die Fraktionen von SPD, FDP und KPD – andere Parteien waren nicht vertreten – und die Wahl des Bürgermeisters Heinrich Schacht. Einzige Frau unter den gewählten, war die 38 jährige Helmar Eydeler, die noch bis 1962 für die SPD in der Kommunalpolitik aktiv war.

Mai 1945 – Kriegsende in Wedel

Am 29. April 1945 standen sich erstmals Hamburger Parlamentäre und englische Offiziere im Süden Hamburgs gegenüber, um die Kapitulationsvereinbarung auszuhandeln.

Die Kapitulation der Stadt Hamburg trat letztendlich nach vielen Verhandlungen, taktischen Verzögerungsmanövern und dem Hin- und Hergeschiebe von Befehlsgewalten am 03. Mai 1945 um 18.00 Uhr in Kraft. Sie galt über Hamburg hinaus auch für Wedel und den erweiterten Bereich von Elmshorn, Barmstedt und Alveslohe. Hamburg und sein Einzugsbereich wurden zur freien Stadt erklärt, und folgende Befehle vom Oberkommando der Wehrmacht wurden über die Kreisstadt Pinneberg an die kreisangehörigen Städte weitergeleitet:

„Pinneberg, den 03. Mai 1945. Hamburg zur freien Stadt erklärt. Bis 13.00 Uhr muss das Gebiet nördlich Elmshorn, Barmstedt und Alveslohe von der Wehrmacht geräumt werden. Aufgabe des Volkssturms ist erledigt. Uniformen ausziehen, persönliche Sicherung der Bevölkerung übernehmen, ohne Waffe. Nicht mehr Halbmast flaggen. Ausländer im Lager zurückhalten. Vernichtung der Einwohnermeldekarteien und politischer Meldeformulare sowie Geheimakten. Bürgermeister sofort an die Bevölkerung Fleischkonserven ausgeben, pro Kopf einschl. Selbstversorgung 2.000 Gramm. Von gez. Dammann Obw. d. Sch. d. Res.“

In Wedel scheint es so, als ob der Einmarsch der britischen Truppen unspektakulär war. Zeitzeugen berichten nicht von nennenswertem Widerstand. Es gibt Zeitzeugen, die über Panzersperren berichteten, die an den Ortsausgängen Pinneberger Straße und Holmer Straße aus Erdwällen und Holzstämmen errichtet worden waren. Kampfhandlungen haben aber nicht stattgefunden. In der Wedeler Verwaltung im Rathaus wurden zuvor weisungsgemäß die brisantesten Akten vernichtet, die nationalsozialistischen Würdenträger vergruben schnellstmöglich ihre Uniformen und die in der Stadt liegenden Waffen wurden beiseite geschafft. Der planmäßige Einmarsch der britischen Truppe nach Hamburg erfolgte am 03. Mai 1945 abends 18.00 Uhr. In Wedel lief die 4. Panzerbrigade „Black rats“ im Laufe des 04. Mai 1945 ein. Die Panzerbrigade zog von der Rissener Straße aus in den Rosengarten, die Bahnhofstraße und die Hafenstraße bis hin zum Schulauer Fährhaus. Dort wurden die Panzer geparkt, die Soldaten richteten sich im Fährhaus ein und von dort aus organisierten sie einige Wochen lang die Militärverwaltung. Die Befehlsgewalt der kommunalen Verwaltung ging widerspruchslos an das britische Militär über, der kommissarische Bürgermeister Georg Jessen wurde bis auf weiteres zunächst im Amt belassen. Das britische Militär verhängte zunächst eine Ausgangssperre, die sog. „Curfew“. Eine Reihe von Häusern wurde beschlagnahmt. Darunter waren die Villa am Roggenhof, in die später der britische Gouverneur, der in Pinneberg sein Quartier hatte, einzog, diverse Häuser der Theodor-Johannsen-Siedlung, beide Schulgebäude und das Gebäude Bahnhofstraße 27, in dem die Kantine eingerichtet wurde. Einige Wochen lang blieben britische Militäreinheiten in Wedel, dann zogen sie sich wieder zurück. Die erste britische Einheit in Wedel, die 11. Hussars (Price Albert’s Own) hat ein Kriegstagebuch online gestellt, deren sinngemäße Übersetzung für den 4. Mai 1945 aus dem Englischen folgendermaßen ist:
„Um 11 Uhr sind wir nach Wedel gefahren und blieben den ganzen Tag dort. Die ganze Zeit haben wir versucht Tausende deutscher Kriegsgefangene in einem Gefangenenlager unterzubringen. Sie kamen den ganzen Tag über. Manche kamen direkt zu uns, andere wurden von anderen Einheiten hergeschickt. Lt. Hodgkinson und Lt. Sivewrigt leiteten die unangenehme Aufgabe. Wir hatten von den 8 Hussars jemanden, der uns half. Gegen 23.00 Uhr kam eine Kompanie der ‚Durham Light Infantry’ und übernahm das Kriegsgefangenenlager. Um 21. Uhr hörten wir die großartigen Nachricht von der Teil-Kapitulation Deutschlands in der BBC und wir gingen alle zufrieden ins Bett.“

Februar 1945 – Auf der Flucht

Baracke Beksberg

Im Februar 1945 wurden in Wedel hektisch Strohsäcke aus 40 Zentnern Roggenstroh gestopft, damit die aus dem Osten kommenden Flüchtlinge im Fährhaus und in den Schulgebäuden untergebracht werden konnten.

Eine genaue Anzahl der Menschen, die sich in den letzten Kriegestagen in Wedel aufhielten, ist nicht bekannt. Aber Zählungen vom Oktober 1945 ergaben, dass sich 1.560 Flüchtlinge aus der sowjetischen Besatzungszone in Wedel aufhielten. Hinzu kamen noch rund 1.600 evakuierte Hamburger, von denen viele seit 1943 in dem ebenfalls stark zerstörten Wedel lebten. Bei der Volkszählung im Jahr 1950 wurde festgestellt, dass von den nun insgesamt 16.417 Einwohnern Wedels 47% „Zugereiste“ waren.

August 1944 – Bomben auf die Ölfabrik

Luftbild Ölfabrik

Am 06. August 1944 um 11.55 Uhr wurden die Ölfabrik Wedel von 72 amerikanischen Flugzeugen angeflogen und massiv bombardiert.

Sie warfen etwa 484 Sprengbomben ab, vier Luftminen fielen direkt auf das Gelände und zerstörten die Fabrik, die 1905 errichtet wurde und in der Schmieröle hergestellt wurden, zu 75%. Die Fabrik wurde wieder aufgebaut und produzierte bis zum Dezember 1997.

März 1943 – Ein kommissarischer Bürgermeister für die zerstörte Stadt

Bürgermeister Georg Jessen

Am 21. März 1943 wurde der 53-jährige Regierungsdirektor Georg Jessen aus Schleswig zum kommissarischen Bürgermeister Wedels ernannt. Bis dahin hatten die stellvertretenden Bürgermeister den Bürgermeister Dr. Harald Ladwig vertreten, der zu dem Zeitpunkt zum Militär eingezogen war und sich an der Ostfront befand. Das waren der erste Beigeordnete Klempnermeister Julius Timmermann, dessen Vertreter, der Ortsbauernführer Hermann Groth und dessen Vertreter, der Kapitän und Redakteur Richard Lemcke. Im August 1942 wurden der Gemeindeaufsichtsbehörde in Schleswig die Wedeler Verwaltungsverhältnisse zu unübersichtlich - schließlich konnte auch ein Klempnermeister den Job nicht so eben nebenbei machen. Man ernannte daher den Rechtsanwalt Dr. Karl Ingwersen aus Niebüll zum kommissarischen Bürgermeister. Dieser trat aber das Amt wegen Krankheit gar nicht erst richtig an. Dann wurde zum September 1942 der erste Beigeordnete Timmermann in den Krieg gerufen, der zweite Beigeordnete Hermann Groth war mit seinem Ehrenamt des Ortsbauernführers bereits überbelastet und daher zurückgetreten. Nun rückte der Kapitän und Redakteur Richard Lemcke auf das Amt nach. Nach den schweren Bombenschäden aber brauchte die Verwaltung nun eine hauptamtliche Führung und man ernannte Jessen zum kommissarischen Bürgermeister. Jessen behielt das Amt über das Kriegsende hinaus, wurde durch die britische Militärregierung bestätigt und anschließend im Dezember 1945 zum Stadtdirektor gewählt. Nach Meinungsverschiedenheiten mit der Stadtvertretung schied er zum 31.03.1947 aus dem Amt.

März 1943 – Schwere Zerstörungen durch Bombenabwürfe

Bahnhofstraße

Nachdem es seit 1940 immer häufiger zu Fliegeralarm kam, schlugen im März 1943 Wedels allerschlimmste Stunden.

Massive Bombenabwürfe in der Nacht vom 3. auf den 4. März 1943 legte die kleine Stadt nahezu in Schutt und Asche. 70% der Wohnbebauung waren nur noch ein Trümmerfeld. Insbesondere im Altstadtgebiet richteten die rund 250 Sprengbomben und die 22 Luftminen großen Schaden an und zerstörten neben hunderten von Wohnhäusern auch 22 Bauernhöfe, den Bahnhof, das städtische Elektrizitätswerk, die Meierei und die Kirche. Mehrere Gastwirtschaften und auch das Kino in der Bahnhofstraße trugen erhebliche Schäden davon. Zu betrauern waren 37 Tote. 157 Menschen trugen Verletzungen davon.

April 1942 – Der Ehrenbürger Rudolf Höckner verstirbt

Rudolf Hoeckner

Am 22.04.1942 verstarb der hier in der Mühlenstraße in Wedel lebende Maler Rudolf Höckner während eines Kuraufenthaltes in Bad Mergentheim a. d. Tauber.

Höckner, geboren am 28.07.1864 auf dem Rittergut Hilmersdorf bei Wolkenstein / Erzgebirge, wurde in der Kunstschule Weimar ausgebildet. Er orientierte sich an der Malerei des deutschen Impressionismus, erhielt ein Stipendium und machte anschließend Reisen durch Süddeutschland und Italien.

Nach der Hochzeit mit Brigitte Ebsen lebte das junge Paar zunächst in Flensburg. Aus wirtschaftlicher Notlage bemühte sich Höckner, eine sichere Anstellung zu ergreifen und versuchte sich u. a. als Journalist. Einer Stellung an einer Tageszeitung in Hamburg folgend, verzog er 1905 nach Niendorf. Diese Tätigkeit gibt er wenige Jahre später auf, um sich als freier Künstler zu versuchen. 1915 ließ sich das Ehepaar im beschaulichen Wedel nieder und lebte hier eher schlecht als recht von den wenigen Ausstellungen und den Auftragsarbeiten. Der Bevölkerung war seine Notlage bekannt und so finden sich noch heute in manchen Wedeler Haushalten die Gemälde, die er als Gegenleistung für Lebensmittel oder ärztliche Behandlungen gab. Auch die Bürgermeister der Stadt Wedel sorgten sich um den Künstler. So sorgte Friedrich Eggers persönlich dafür, dass bei städtischen Aufträgen auch ein Auftrag an Höckner abfiel und Bürgermeister Dr. Harald Ladwig ernannte ihn an seinem 75. Geburtstag am 28.07.1939 zum Ehrenbürger der Stadt Wedel. Nach dem Tode seiner Frau am Jahreswechsel 1940/41 verließ Rudolf Höckner Wedel und ging auf Reise durch die Kurbäder im Süden Deutschlands, bis er am 22.04.1942 in Bad Mergentheim a. d. Tauber verstarb. Er wurde am 29.04.1942 in Wedel auf dem Friedhof Breiter Weg beigesetzt. Sein Grab ist dort heute noch zu finden.

Weiterführende Links:

 Zur Gemäldegalerie Rudolf Höckner

August 1939 – Einführung von Lebensmittelmarken

Am 27.08.1939, wenige Tage vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, begann die Stadtverwaltung mit der Ausgabe der ersten Lebensmittelmarken.

Diese Lebensmittelmarken berechtigten die Bürger zum Empfang von rationierten Nahrungsmitteln, wie z.B. Fett, Brot, Zucker, Kartoffeln oder Fleisch. Ein freier Kauf dieser Lebensmittel im Geschäft war nun nicht mehr möglich. In Zeitungen und Zeitschriften standen Tipps zum Kochen mit den knapp bemessenen Rationen und forderten die Kreativität der Köche heraus. Erst im Jahre 1950 wurden die Lebensmittelmarken abgeschafft.

November 1935 – Landeskirchentag in Wedel

Am 17. November 1935, fand in Wedel ein Kirchentag statt, zu dem der Landesbischof und etwa 200 Geistliche anreisten.

 Trotz Bedenken der Ortsgruppenleitung der NSDAP wurde in Wedel geflaggt und ein Transparent mit der Aufschrift „Willkommen zum Kirchentag“ ausgehängt. Der Bürgermeister der Stadt Wedel Dr. Harald Ladwig hatte sich eigens beim Landrat schriftlich rückversichert, ob er hierfür seine Einwilligung geben konnte. Das Programm der Veranstaltung war durch Pastor Brackert folgendermaßen festgesetzt worden: 12 Uhr gemeinsames Essen in der Gaststätte „Roland“ (0,70 RM einschließlich Bedienung). Für ein anschließendes Ausruhen ist im Gemeindesaal Gelegenheit. Wer nicht am gemeinsamen Essen teilnehmen wollte, konnte im Pastorat von 11.30 – 13.30 Uhr Tee zu seinem Brot erhalten. Bis zum Beginn des Gottesdienstes hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, einer Erläuterung der Geschichte des Rolands zu lauschen oder mit Führung an die Elbe zu gehen. Die eigentliche Feier fand um 15 Uhr in der Kirche statt. Hier untermalten Chöre und Solisten die verschiedensten Ansprachen. Der Organist spielten Stücke von Bach, aber auch Schütz.

Januar 1933 – Eine Stadtvertretersitzung mit entsicherter Waffe?

Am 30.01.1933 fand im städtischen Gasthof von August Rösicke am Rosengarten die reguläre Stadtvertretersitzung statt. Anwesend waren neben dem Bürgermeister Dr. Harald Ladwig und dem Protokollführer Oberstadtsekretär Heinrich Wilhelm fast alle der im Jahr 1929 gewählten Stadtvertreter. Dies waren die acht Abgeordneten der SPD: Pauline Bröker, Bernhard Mahlow, Adolf Schaller, Heinrich Müller, Wilhelm Bock, Bendix Koopmann, August Kudlik und Karl Behrens; die zwei Abgeordneten der KPD: Hermann Oppermann und Fritz Leppert und die acht Abgeordneten der sogenannten Einheitsliste: Hinrich Georg Körner, Wilhelm Beeck, Emil Struckmeyer, Dittmer Körner, Johannes Höpermann, Moritz Balke, Otto Hanke und Hermann Ahrens. Einzig der Abgeordnete Fritz Leppert fehlte entschuldigt. Auf der Tagesordnung standen so profane Dinge wie "Beschlussfassung über die Neubauten von Aborten in der Flußbadeanstalt" oder "Einrichtung eines Wochenmarktes in Wedel". Da die Sitzung nun aber just an dem Tag stattfand, als in Berlin der Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannte, fand vor dem Lokal eine Demonstration statt, die mit schweren Auseinandersetzungen zwischen einigen hundert Erwerbslosen und der Polizei endete. Der Bürgermeister Ladwig, so schrieb dieser einige Jahre später, fürchtete um sein Leben und erwähnte, dass er die Sitzung mit "entsicherter Pistole" leitete.

Juli 1931 – Politisches Faustrecht in Wedel

In den 30er Jahren gab es in vielen Städten wüsteste politische Machtkämpfe, die auch auf den Straßen ausgetragen wurden.

In den beginnenden 30er Jahren, auf dem Höhepunkt der Wirtschaftskrise, versuchten vielerorts die Anhänger von NSDAP und KPD die politische Diskussion handgreiflich weiterzuführen. Auch in Wedel standen sich einige Male die politisch motivierten Schläger von NSDAP und KPD gegenüber. So z.B. am 02.07.1931. Damals hielt die NSDAP im Lokal zum Roland eine öffentliche Versammlung ab. In deren Anschluss gab es eine Rempelei vor der Gaststättentür, eine Verfolgungsjagd durch die Riststraße und Mühlenstraße und eine einstündige Schlägerei mit etwa 50 Beteiligten, bei der es Verletzte auf beiden Seiten gab. Die herbeigerufene Polizei beendete schließlich die Prügelei und führte 10 der Angreifer der KPD in der Arrestzelle im Rathaus. Dem Polizeibericht nach sollen ausschließlich diese bewaffnet gewesen sein.

September 1929 – Das „Rote Arbeitertreffen“ in Wedel

Am 22. September 1929 fand in Wedel ein Treffen der Kommunistischen Partei Altona statt. Das „Rote Arbeitertreffen“ begann bereits vormittags mit einem Musikzug, der sich zu einem großen Platzkonzert an der Doppeleiche einfand. Die Anzahl der anwesenden Anhänger der Partei aus den Städten Altona, Wedel, Uetersen und Pinneberg betrug samt Kinder und Frauen ca. 500 Personen, die sich mittags in der Gastwirtschaft von Scheel in der Pinneberger Straße 58 amüsierten. Der nachmittägliche Demonstrationszug durch die Straßen der Stadt mit anschließender Kundgebung auf dem Marktplatz wurde durch einen plötzlich einsetzenden Starkregen schnell beendet. Die Ortspolizei, unterstützt durch zusätzliche Polizeibeamte aus Altona, hatte nur über kleine Vorkommnisse zu berichten. Polizeimeister Schaller, der die Veranstaltung von Amts wegen beobachtete, berichtete von einem insgesamt ruhigen Verlauf.

Juli 1927 – Großbaumaßnahmen am Schulauer Ufer

War am östlichen Elbufer, nahe der Grenze Tinsdals, der Bau des Elektrizitätswerkes Unterelbe bereits vorangeschritten, so wurden im Westen Wedels die Baggerarbeiten zum Tonnenhafen der Wasserstraßendirektion Hamburg begonnen. Planungen, in Wedel ein Großkraftwerk zu errichten, wurden durch die Stadt Altona und die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft Berlin (A.E.G.) bereits Anfang der 20er Jahre getroffen, als die Kapazitäten des Kraftwerkes in Neumühlen nicht mehr ausreichten. Errichtet wurde hier ein markanter Bau der von dem bedeutenden Architekten und Maler Prof. Hans Poelzig (1869 – 1936) in Zusammenarbeit mit dem Industriearchitekten Werner Issel entworfen wurde. Dieses Gebäude ist in den 60er Jahren durch einen Neubau eines ebenso bekannten Schülers von Poelzig, Bernhard Hermkes (1903 – 1995) ersetzt worden. Teile dieses Gebäudes stehen heute unter Denkmalschutz. Der Bau des Tonnenhafens konnte erst nach der Erfüllung etlicher Auflagen seitens der Stadt Wedel und des hiesigen Deichverbandes durch die Wasserstraßendirektion Hamburg vorangetrieben werden. So sicherte das Reichsverkehrsministerium der Stadt Wedel den Bau bzw. die Unterhaltung diverser Deiche und Siele, die von dem Gelände berührt wurden, zu.

Dezember 1925 – Bürgermeister Eggers im Wahlkampf

Im Dezember 1925 stand die Wiederwahl des Bürgermeisters Friedrich Eggers an, der nun bereits seit 24 Jahren der Stadt als Oberhaupt vorstand.

Sollte man meinen, dass dies nun unspektakulär von statten ging, so hatte man sich getäuscht. Gab es doch den von Sozialdemokraten und Kommunisten propagierten Gegenkandidaten Mann, den Bürgermeister der Stadt Strehla in Sachsen. Das „Duell“ der beiden Bürgermeister wurde über Zeitungsinserate, Leserbriefe und Plakate geführt. Wollten die eine Fraktion endlich einen Wechsel in der Politik, so trat der Industrielle Hugo Möller offensiv Gerüchten entgegen, die besagten, dass er den ortsfremden Kandidaten „an seinen Tisch gebeten hätte“. Die Beamten in Wedel befürchteten durch den sozialdemokratischen Sachsen eine Bekämpfung des Berufsbeamtentums, die Grundeigentümer Wedels lästerten offen über dessen Finanzgebaren in seinem Heimatort. Trotz dieser Fürsprecher hatte Friedrich Eggers es nicht leicht, gewann dennoch die Abstimmung mit 1717 gegen 1400 Wählerstimmen. Er wurde erneut im Amt bestätigt, dass er nun bis 1932 inne haben sollte.

Januar 1919 – Die ersten Wedeler Politikerinnen

Nach Beendigung des Ersten Weltkrieges und der Einführung der Weimarer Verfassung wurde das allgemeine Wahlrecht in Deutschland erstmalig für alle Bürger, die über 20 Jahre alt waren, eingeführt.

Bei der Wahl zur Nationalversammlung im Januar 1919 konnten erstmalig nun auch Frauen das lang erstrittene Privileg ausüben und durften zur Urne schreiten. Am Sonntag, den 26. Januar 1919 gaben die Wedeler Bürger, die über 20 Jahre alt waren, von 9 Uhr bis um 20 Uhr in den beiden Wahllokalen Wedel (Gasthof zum Roland am Markt) und Schulau (Köhlers Gasthof in der Spitzerdorfstraße) ihre Stimmen ab. Gewählt wurde in die Nationalversammlung, die 421 Abgeordnete hatte, von denen 37 Frauen waren, der Justizrat David Felix Waldstein aus Altona. Am gleichen Tag wurden auch die Abgeordneten für den Preußischen Landtag gewählt. Ein Monat später, am 23. Februar 1919 wurden die Wedeler Stadtverordneten, deren Anzahl durch die Neuordnung des Wahlrechtes von 12 auf 24 gestiegen war, neu gewählt. Erstmalig zogen nun auch hier Frauen in das Parlament ein. Neben der direkt über die Vorschlagsliste von Friedrich Großheim gewählten Stadtverordneten Gretchen Möller arbeiteten noch weitere Frauen als bürgerliche Mitglieder in der Ausschüssen mit, die zumeist mit dem Namen ihres Ehemannes genannt wurden: Frau J. Koopmann, Frl. Bartantun, Frau Syring, Frau Behrends, Frau Syring geb. Brust, Frau Christiansen, Frau U. Holzer, Frau Eva Heins, Frau Math. Heinsohn, Frau Dittmer Körner, Frau Hedwig Schultze, Frau Willnitz, Witwe Petersen geb. Mühlenfeldt, Ernestine Röttger geb. Vetterkind, Witwe Hatje geb. Imbeck, Witwe Nelke, Frau Wellnitz, Ehefrau G. Timmermann und die Ehefrau Hinr. Wehlen. Die erste gewählte Stadtverordnete Wedels, die am 23 Februar 1919 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde und die auch das erste Protokoll unterzeichnen durfte, war die am 02.05.1881 geborene Lehrerin Martha Gretchen Möller geborene Wohlers aus Altona. Sie war die Ehefrau von Carl Möller, einem Sohn des Wedeler Präparators Johann Dietrich Möller. Gemeinsam mit ihrem Mann erbaute sie 1906 auf dem Gelände Rissener Straße 21/23 ein Wohnhaus- und Geschäftshaus und baute mit ihm die Firma Optische Anstalt Wedel auf. Bis Mai 1924 arbeitete sie in diversen Ausschüssen mit und übergab dann den Stab an die Sozialdemokratin Pauline Johanna Bröker. Gretchen Möller hingegen brach 1930 die Brücken in Wedel ab, lies sich scheiden und verzog nach Bayern. Ihre Nachfolgerin Pauline Bröker geborene Roszak war ab 1924 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung. Sie war ebenso wie ihr Ehemann Paul Bröker, der bereits 1919 in die Stadtvertretung gewählt wurde, Mitglied der SPD. Pauline B. war in zahlreichen Ausschüssen vertreten, zudem wurde sie 1929 auch Kreistagsabgeordnete. Darüber hinaus war sie in der Arbeiterwohlfahrt aktiv und sie engagierte sich im Armen- und Pflegeheim. Die politische Arbeit von ihr und ihrem Mann fand 1933 ein Ende, nachdem alle SPD-Abgeordneten auf Anordnung der national-sozialistischen Regierung aus den Ämtern entfernt wurden.

Weiterführende Links:

Link zum Artikel über die Geschichte der Frauenrechte

November 1918 – Zwischen Kriegsanleihen und Soldatenräten

Ehrenpforte 1918

Das Ende des Ersten Weltkrieges traf die „Heimatfront“ sehr überraschend.

Während noch wenige Tage zuvor die 9. Kriegsanleihe offensiv beworben wurde und im März noch ein Siegfrieden mit Russland erreicht worden war, brachen im November 1918 gleich zwei einschneidende Veränderung über das Reich herein: Der Waffenstillstand von Compiègne beendete die Kampfhandlungen, und das Kaiserreich wurde durch die Novemberrevolution und die Abdankung Wilhelms II. gestürzt. Die Kampflinien waren zwar weit weg und die Entente-Mächte verzichteten weitestgehend auf eine Besetzung Deutschlands. Allein die politischen Umbrüche schlugen sich aber auch im Kreis Pinneberg und auf die damals knapp 6000 Wedeler, darunter etwa 50 evakuierte Helgoländer, nieder. Nachdem noch am 10. Oktober das hiesige Stadtverordnetenkollegium eine Zeichnung der 9. Kriegsanleihe in Höhe von 100.000 Mark protokollierte, waren einen Monat später schon Arbeiter- und Soldatenräte gegründet. Ein Matrosenrat bildete sich aus der Besatzung zweier in Schulau eingelaufener Kriegsschiffe, so schreibt Bürgermeister Eggers in den Verwaltungsberichten, obwohl dies von dem übergeordneten Rat in Hamburg nicht für notwendig erachtet wurde. Ein einheitlicher Arbeiter- und Soldatenrat trat bald zusammen und kooperierte auch auf Anweisung der Reichsregierung mit den städtischen Gremien, bis er 1920 wieder aufgelöst wurde. Bindeglied war der Stadtverordnete Heinrich Kleinikauf, der auch den Vorsitz des Arbeiter- und Soldatenrates übernommen hatte. Ein großes Problem der Kleinstadt Wedel in diesen Tagen war die Lebensmittelversorgung.

Heinrich Oelrich

Schon im Oktober musste das freie Essen für Bedürftige in der Volksküche eingestellt werden. Unmittelbar nach Kriegsende wurde zur Vermeidung von Unruhen auch die Errichtung von Bauernräten propagiert, um die landwirtschaftliche Produktivität aufrecht zu erhalten. Fehlende Liquidität im Kreis – die Kriegsanleihen werden ihren Anteil dazu beigetragen haben – machte es notwendig, dass in anderen Landesteilen gedrucktes Notgeld auch hier akzeptiert werden musste. Die Bevölkerung war angehalten kein Geld zu horten. Eine weitere Herausforderung war die Rückführung der Truppen in ihre Heimat, wo jedoch die auf den Krieg umgestellte Wirtschaft keine Beschäftigungskapazitäten mehr bot. Aus diesem Grunde beschloss das Stadtverordnetenkollegium die erwerbslosen Veteranen mit Aufforstungs- sowie Ausbesserungsarbeiten an Wegen und Straßen zu beschäftigen. Auch an Wohnungen mangelte es. Da die Bautätigkeit im Krieg still stand, wurden Hausbesitzer zur Instandsetzung leer stehender Wohnungen verpflichtet. Den Plan, die Liegenschaften der stillgelegten Schulauer Pulverfabrik in Wohnraum umzuwandeln, ließen die Stadtväter jedoch bald wie der fallen. Um Seuchen vorzubeugen, durften Soldaten, die nicht definitiv ungezieferfrei waren, nicht einquartiert werden. Deshalb verfügte der Kreis Pinneberg, dass auch private Badeanstalten und Werksbäder zur Entlausung benutzt werden mussten. Längst nicht alle Soldaten kehrten von den Fronten zurück. Unter den 200 Kriegstoten war auch der Stadtverordnete Heinrich Oelrich, der noch nach Kriegsende im Feldlazarett einer schweren Erkrankung erlag. Den heimkehrenden „Helden“ wurde ein festlicher Empfang bereitet. Eine der letzten Amtshandlungen der 1914 eingerichteten städtischen Kriegsfürsorge-Kommission war die Aufstellung einer Ehrenpforte am Rosengarten. Für die gefallenen Kämpfer wurden weitere Ehrenmale errichtet: Die Rolandkirche richtete eine „Gedächtnishalle“ ein, die Sportvereine ehrten ihre gefallenen Kameraden mit Denkmälern und ein allgemeiner „Heldenhain“ an der Schwartau’schen Klintweide (heutiges Schrebergartengebiet am Autal) war geplant, aber nicht verwirklicht. Erstaunlicherweise fanden die städtischen Gremien in diesen Tagen auch die Zeit, ausführlich über einen Anschluss Wedels an Altona bzw. Hamburg zu beraten. Auch wenn sich die Stadtverordneten und die Ratsmitglieder dafür aussprachen, machte der preußische Regierungspräsident diesen Plan zunichte.

(Text: J. L. für Stadtarchiv Wedel)

August 1914 – Ein Land macht mobil

Im August 1914 begann die Mobilmachung Deutschlands für den Ersten Weltkrieg. Auch in Wedel zeigten sich schnell die Veränderungen im Stadtgebiet.

Zum einen waren hier für die gesamte Kriegsdauer evakuierte Helgoländer und einige Hochseefischer aus Finkenwerder einquartiert und das Rathaus richtete ein Wohnungsamt und ein Mieteinigungsamt ein. Auch Wedel hatte eine Kriegsfürsorgekommission, die sich um die Versendung oder die Verteilung der sogenannten „Liebesgaben für die Vaterlandsverteidiger“ kümmerte. Als Kriegserinnerungszeichen wurde ein eisernes Kreuz genagelt, das in der Gedächtnishalle der Kirche hing. Eine städtische Volksküche bereitet warmes Mittagessen für bedürftige Familien zu.

Januar 1910 – Diphtherieepidemie in Wedel!

Impfscheine

Zum Jahreswechsel 1909/1910 litten in Wedel etliche Schulkinder unter der Kinderkrankheit Diphtherie. Allein in der Schule Altstadt wurden 50 infizierte Kinder gezählt.

Der Rektor Otto Schultz vermerkt in seiner Schulchronik, dass sieben Kinder an der Krankheit starben. Um die Ansteckungsgefahr zu bannen wurden die Klassenräume desinfiziert und der Unterricht fiel an etlichen Tagen aus. Epidemien gab es in den vergangenen Jahrhunderten in Wedel immer mal wieder. Als 1892 in Hamburg die Cholera ausbrach, gab es auch in Wedel bzw. Schulau fünf Todesfälle zu bedauern. Unter Ihnen waren auch zwei Kinder aus der Familie des Böttchers Fleige aus Schulau. 1785 kam es im Ort zu einer Blatternseuche. Diese hochinfektiöse Krankheit, auch Pocken genannt, wurde erst 1980 für ausgestorben erklärt. An ihr starben allein im Kirchspiel Wedel über 70 Menschen, fast alle Toten waren Kinder. Dabei war ein simples Impfverfahren gegen diese schreckliche Krankheit zu dieser Zeit in anderen Ländern bereits bekannt. So wurde das Einritzen von Pocken-Sekret in die menschliche Haut bereits um 1716 in der Türkei praktiziert. Der englische Arzt Edward Jenner und etwa zeitgleich der holsteinische Hauslehrer Peter Plett hörten auf die Berichte der Landbevölkerung, die beobachtete, dass Melkerinnen, die sich mit Kuh-Blattern angesteckt hatten, nicht an Pocken erkrankten. Beide entwickelten ohne einander zu kennen, hieraus einen Impfstoff. Jenner benannte das Verfahren nach der Kuh (vacca) Vaczination, ein Wort, das heute noch im Englischen Impfung bedeutet. Ab etwa 1791 gab es in Holstein die ersten Impfungen, 1811 wurde die Impfung gesetzlich geregelt. Später war der Impfnachweis, das Vaccinations-Attest gleichsam ein Pass zur Vorlage bei Verlobung, Musterung oder Hochzeit.

Juli 1909 – Der lange Weg zur Einigung

Am 1.7.1909 war es endlich so weit. Nachdem sich die Orte Wedel und Schulau seit Jahren aus den verschiedensten Gründen vor dem Unausweichlichen zierten, wurde nun die Gemeinde Schulau in die Stadt Wedel eingemeindet.

Am 1.7.1909 fand die erste Sitzung des gemeinsamen Stadtverordnetenkollegiums im Hotel zum Roland am Marktplatz statt. Eine der ersten Handlungen war, den praktischen Arzt Sanitätsrat Dr. med. Boockholtz wegen seiner besonderen Verdienste um die Stadt Wedel mit der Ehrenbürgerwürde auszuzeichnen. Beinahe dreißig Jahre später, am 05.09.1937 wurde der „Vater“ der Eingemeindung selbst für seine langjährigen Verdienste geehrt. Dem Bürgermeister a.D. Friedrich Eggers wurde die höchste Ehrung zuteil, die eine Stadt vergeben kann. Er wurde zum zweiten Ehrenbürger ernannt.

März 1907 – 300ster Geburtstag von Johann Rist

Im März 1907 wurde der Dichter und Pastor Johann Rist mit einer Veranstaltung gewürdigt, die der Lehrerverein organisierte.

Die Zeitung lobte die Planungen für den lehrreichen und anregenden Abend. Das Programm sah folgendermaßen aus: nach dem einleitenden Lied eines Männerchores hielt der Hauptlehrer Schultz eine erbauliche Rede in drei Abschnitten. Nachdem im ersten Abschnitt das Leben des Dichters im Vortrag und lebendem Bilde (Plünderungsszenen aus dem Dreißigjährigen Kriege) im Vordergrund standen, folgte ein Überblick über sein Wirken in der Gemeinde. Daran schloss sich erneut eine Spielszene mit dem Bild des mit Freunden feiernden Johann Rist am Parnass bei Sonnenuntergang an. Dazwischen sangen Kinderchöre und es wurden Texte des Dichters deklamiert.

Juli 1905 – Streiks in Wedel

Streiks von Arbeitern zur Unterstützung der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen oder einer Erhöhung von Lohn gab es bereits früher. Um 1900, als es noch keine Tarifverträge gab, waren diese Streiks aber sehr individuell.

Wenn hier in der Zuckerfabrik, oder der Ölfabrik der Deutschen Vacuum die Arbeiter in den Ausstand gingen, kam der Bürgermeister Eggers als Chef der Polizeiverwaltung vorbei und schrieb für den Regierungspräsidenten in Schleswig detailliert das Protokoll. So auch 1905 zum Streik von 33 Erdarbeitern des Tiefbauunternehmens Friedrich Peters aus Borsfleth, die auf dem Gelände der Deutschen Vacuum Bauarbeiten vornahmen. Deren Forderungen waren eine Anhebung des Stundenlohns von 35 auf 40 Pfennige. Nach einem Streik von 15 Tagen hatten sie eine Anhebung auf 37 Pfennige erreicht. Im gleichen Jahr traten auch 273 Arbeiter der Deutschen Vacuum mehrere Tage in Streik um zu erreichen, dass ein unbeliebter Vorarbeiter, der sich gegenüber anderen nicht korrekt verhielt, entlassen wird.

März 1854 – Eismassen auf der Elbe

Eissprengung auf der Elbe 1854
Eissprengung auf der Elbe 1854

Manchmal beschert der schmelzende Schnee der Elbe ein Winterhochwasser. Dies birgt eine große Gefahr für die Deiche, die von den Eisschollen beschädigt werden können, oder es kann sich sogar der ganze Fluss aufstauen.

In der Elbe in Höhe Blankenese hat es solch verheerendes Aufstauen der Eisschollen im Winter 1854 gegeben. Hier waren noch Ende März auf dem Blankeneser Sand die Eisschollen im engen Fahrwasser wie Felsen übereinander getürmt und während weiter stromaufwärts und abwärts die Eisdecke schon verschwunden waren, stand diese Eismauer fest. Die Schifffahrt wartete in Hamburg und Cuxhaven sehnsüchtig auf eine freie Passage und deshalb wurde beschlossen, die Eismassen zu sprengen. Jede Menge Arbeiter unter der Führung des Ingenieurs Gulau versuchten sich am 30.3. 1854 vergeblich. Erst der zweite Versuch unter Major Burmester mit verstärkter Mannschaft an den beiden kommenden Tagen brachte den ersehnten Erfolg und die Eismasse stürzten unter Kanonendonner und dem Jubel von Zuschauern in sich zusammen und entschwand Richtung Nordsee.

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