Historische Häuser und Höfe in Wedel

Der Amtmann und Finanzjongleur Johann Goßmann übernimmt den Freihof und überwirft sich mit dem Landdrosten Johann Steding in Pinneberg. Seine Witwe kämpft um den Hof.
Das Drama um die beiden Kontrahenden Goßmann und Steding spielte sich im März 1613 auf dem Schloss in Pinneberg ab. Die Söhne des Drosten, Johann Eberhard und Wilken, waren nach ihrem Jurastudium in Jena nach Pinneberg in ihr Elternhaus im Schloss Pinneberg zurückgekehrt und trafen auf den in seiner dortigen Amtsstube arbeitenden Johann Gossmann, den sie tätlich angriffen und verletzten. Der auch anwesende Amtmann Grützacker versuchte dazwischen zu gehen, wurde aber vom Drosten Steding verhaftet und in den Kerker verbracht. Johann Goßmann wurde bei dem Versuch, das Schloss zu verlassen von den Söhnen Stedings gesehen und mit dem Degen erstochen. Die Vorgeschichte des Dramas, die Machenschaften des Goßmann und die Sorgen und Nöte der Witwe beschreibte Jürgen Strohsal in seinem Aufsatz.

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Machenschaften und Mord (PDF-Datei, 296KB)

Ein westfälischer Adliger, der sich seine Verdienst unter König Christian VI (1588-1648) erwarb, übernimmt den Freihof. Er hatte im 30-jährigen Krieg auf der Seite Dänemarks gekämpft und übernahm dann den Freihof.
Fortan nannte er sich Obrist Heimert Johann von Schlaun gen Gehle, zum Hollwinkel und Herr zu Lübken und Wedel. Seine Tochter, in einem adeligen Damenstift in Köln erzogen, heiratete den preußischen General Johann Augustin von Venningen und erbte den Freihof. Er wurde dann an Kay Adolph Hansen, den Kirchspielvogt aus Blankenese verkauft. Lesen Sie hier die Geschichte der Familien und die Notlagen dieser Zeit.

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Steter Abstieg durch Feuer, Krieg und Misswirtschaft

Freihof

Nachdem der Hof jahrzehntelang nur als Investition betrachtet wurde, kam nun mit Peter Heinsohn ein echter Landwirt auf den Hof.
Mit dem Hof ging es voran, nachdem Peter Heinsohn bei einer öffentlichen Versteigerung den Zuschlag erhielt. Später kamen neben der Landwirtschaft auch die Brauerei und die Brennerei hinzu. Lesen Sie hier, wie es mit dem Hof und der Familie Heinsohn weiterging.

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Es geht wieder voran - Die Heinsohns übernehmen den Freihof (PDF-Datei, 332KB)

Schauenburger Straße 4

Das Reepschlägerhaus und seine Eigentümer

Das Gebäude ist heute ein Kleinod. Es wurde erbaut 1758 durch das Altonaer Findelkind Hinrich Christoph Kellermann. War der Erbauer erfolgreich, brachte das Anwesen für spätere Eigentümer meist Last und Bürde.
In der Region westlich von Hamburg genießt das Wedeler Reepschlägerhaus einen relativ hohen Bekanntheitsgrad. Einerseits wegen der Gastronomie in einem schönen Ambiente und einem liebevoll gestalteten Garten, andererseits ist es gerade den älteren Mitbürgern noch lebhaft in Erinnerung wegen des langwierigen öffentlichen Kampfes, um die Erhaltung des denkmalgeschützten Hauses. Über die verschiedenen Bewohner und Eigentümer des Gebäudes hingegen sind kaum Nachrichten vorhanden. Der erste Eigentümer und Erbauer weist einen sehr erfolgreichen Lebensweg auf, trotz eines außerordentlich schwierigen Starts ins Leben. Hinrich Christoph Kellermann, als den „Kaspar Hauser“ von Altona zu bezeichnen, wäre etwas gewagt, aber dieser Mann verfügte über eine bemerkenswerte Biographie. Leider konnte er seinen Erfolg und seine Tüchtigkeit den diversen Nachfolger nicht weiterreichen. Allen Nachfolgern auf dem Grundstück fehlte es durchgängig am wirtschaftlichen Erfolg. Für die Nachwelt ist es deshalb geradezu ein Glückfall, dass die materiellen Voraussetzungen der Nachbesitzer es ihnen unmöglich machten, das Gebäude zu modernisieren und es dem jeweiligen Zeitgeschmack anzupassen. Dadurch ist es uns im „Originalzustand“ erhalten geblieben.

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Geschichte des Reepschlägerhauses (PDF-Datei, 787 KB) 

Marktplatz 7

Der Stammhof der Diercks am Markt

Auf dem Gelände, auf dem heute der Roland steht, stand seit Jahrhunderten der Stammhof der Wedeler Diercks-Familie.

Die Geschichte der Familie Diercks, die auf diesem Hof zu Hause war ist voller Widersprüche. Eine Generation zerstritt sich wegen einer Beerdigung heftig mit der Kirche. Eine andere wiederum stellte hochgeachtete Kirchenjuraten und Deichgrafen. In einer anderen Generation war einer der Stiefsöhne wegen Mordes in Haft gesetzt. Lesen Sie hier mehr zur spannenden Höfegeschichte des Hofes Diercks am Markt.

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Geschichte des Hofes Diercks (PDF-Datei, 354KB)

Wedeler Wassermühle

Wedeler Wassermühle

Die Wedeler Wassermühle findet bereits im Jahr 1314 in einer Urkunde eine Erwähnung. Der Mühlzwang sicherte dem Grundherren das alleinige Recht zum Betreiben der Mühle und zwang die Bauern der Gemeinde, dort ihr Getreide mahlen zu lassen. Daher war die Mühle lange Jahre neben dem Hoophof ein wichtiges gräfliches Wertobjekt, dass ab 1640 in das Eigentum der dänischen Krone überging. Zahlreiche Pächter sorgten über Jahrhunderte hinweg dass das heimische Korn zu Mehl verarbeitet wurde. Lesen Sie hier die Geschichte der Wassermühle im Artikel von Adolf Ladiges

Kirchenstraße 1 - Raiffeisen-Markt

Raiffeisenmarkt

Am 02.02.1986 wurde der Raiffeisen-Markt an der Kirchenstraße abgebrochen. Das Gebäude war ein Scheunengebäude der Familie Langeloh, das im Zweiten Weltkrieg ausgebombt und wiederhergestellt wurde.
Dieses Geschäft gehörte der Einkaufskooperative der Landwirte und Gärtner, die im Jahr 1920 gegründet wurde und zunächst in der Organistenstraße ihren Betrieb hatte. Seit Ende der 50er Jahre fanden hier nun direkt neben dem Roland Kunstdünger und Getreidesaatgut ihre bäuerlichen Käufer. Zudem konnten die Landwirte auch ihr Getreide zum säubern und in der dort vorhandenen Mühle zu Schrot mahlen lassen. In den 1970er Jahren wurde das Geschäft umgestellt auf den Bedarf von Kleintierhaltern, Anglern und Hobbygärtnern, da die in Wedel und Umgebung bewirtschaftenden Bauernhöfe immer weniger wurden. Noch zu Beginn der 1980er Jahre erfolgte der Zusammenschluss mit dem Raiffeisen-Markt in Tornesch, aber die Geschäfte gingen immer schlechter und führten letztlich zur Einstellung. Im Rahmen der Stadtsanierung wurde das Gebäude abgerissen. Einige Jahre später wurde das anschließende Gebäude Markt 7, zu der Zeit ein Sporthaus, auch abgerissen und das Gelände neu bebaut.

Mühlenstraße 36 - Efeuhaus

Efeuhaus

1935 wurde das Efeuhaus in der Mühlenstraße abgebrochen. Das über und über mit der Kletterpflanze bedeckte Gebäude diente bis 1900 der Familie Jens, die hier eine Blaufärberei betrieb.
Hier bedruckten sie Kattunstoffe für die Fischer und Bauern der Umgebung. Nachdem nun der letzte Sohn das Handwerk nicht mehr ausüben wollte, sondern stattdessen dort zunächst eine Zigarrenfabrikation und ein Auswandererbüro betrieb und später das Amt des Stadtkassierers übernahm, diente das Gebäude nur noch zu Wohnzwecken. 1935 wurde das markante Haus abgerissen. Der Buchbinder Johannes Kämmerer erbaute dann auf dem Grundstück sein Wohn- und Geschäftshaus.

Beethovenstraße 5 - städtische Schlichtwohnungen

Im Dezember 1971 wurden die sogenannten Schlichtwohnungen im Winkel erstmalig bezogen. Das Gebäude hatte sechs Zweizimmerwohnungen und nahm zunächst obdachlose Familien aus einer Baracke am Katharinenhof auf. Im 19. Jahrhundert und im frühen 20. Jahrhundert wurden kranke und alte Menschen ohne Obdach in dem Werk- und Armenhaus an der Gärtnerstraße untergebracht. 1929 entschloss sich die Stadt Wedel das erste Wohnhaus für Familien zu bauen, die bereits obdachlos waren oder vom Vermieter auf die Straße gesetzt wurden. Der Doppelbungalow wurde aus Stein erbaut, mit Dachpappe abgedeckt und jede Wohneinheit umfasste rund 26 m² und stand auf dem Gelände Blücherstraße 5, der späteren Beethovenstraße. Während des Zweiten Weltkrieges und in der Zeit danach war die Wohnungsnot so groß, dass in vielen Ecken Wedels Barackensiedlungen aufgebaut wurden. Als diese durch die entstehenden Neubauten nach und nach geräumt werden konnten, verblieben nur noch Personen in den Baracken am Katharinenhof, aber auch am Bullenseedamm. Für die Bewohner am Bullenseedamm wurden 1968 24 neue Unterkünfte erbaut. Die letzten Bewohner der Baracken am Katharinenhof verließen in November 1974 die Unterkunft. Heute sind sowohl die Gebäude im Winkel als auch am Bullenseedamm durch Neubauten ersetzt.

Rosengarten 3 - Rosenhof

Der Rosenhof

Im September 1959 feierte die Familie Möller das Richtfest für den „Rosenhof“, das Hochhaus am Rathausplatz in Wedel.
Das achtgeschossige Geschäftshaus war zunächst Sitz der Commerzbank und einige Rechtanwälte und Ärzte haben bis heute hier ihre Praxen. Der Wohnplatz Rosengarten 3, belegen in der Gemarkung Wedel, ist aus einem Hofgebäude der Familie Brunckhorst hervorgegangen, die es bereits im 17. Jahrhundert bebauten. 1862 erwarb der Dockenhudener Kaufmann Johann Caesar Godeffroy gemeinsam mit anderen Arealen das Gelände. Ein Teil des Gesamtkomplexes kaufte 1883 die Stadt Wedel, um es der Altona-Kieler Eisenbahngesellschaft kostenfrei zu überlassen. Auf diesem Gelände wurde später dann der Bahnhof erbaut. Der Rosenhof selbst wurde 1910 durch die Bau- und Grundstückserwerbsgesellschaft Produktion mbH aus Altona erworben. Hier richtete 1912 der Konsum, Bau- und Sparverein „Produktion“ Hamburg eines ihrer Ladengeschäfte ein. Im Zuge des reichsweiten Verbotes von Gewerkschaftseinrichtungen wurde auch dieses Geschäft geschlossen und der reetgedeckte Bau ging 1935 in den Besitz der Firma J. D. Möller über. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude durch Bombenabwürfe stark beschädigt und diente bis zur Neubebauung 1959 als Lagerplatz.

Gut Haidehof, ein kolonisatorisches Werk ersten Ranges

Im April 1904 wurden Teile der Feldmark von Wedel, Schulau und Rissen verkoppelt. Dadurch wurde des dem Kaufmanns E.W. Hardt aus Falkenstein möglich die Ansiedlung „Haidehof“ zu schaffen.
Diese Ansiedlung lag inmitten eines zusammenhängenden Areals von rund 300 ha relativ minderwertigem Land. Dieser stark lehmige und nasse Boden wurde drainiert und durch einen riesigen Dampfpflug urbar gemacht. Die stattlichen Wirtschaftsgebäude wurden im Sommer 1904 errichtet, die Rede beim Richtfest hielt der damalige Landrat Dr. Scheiff. Die überregionale Presse betitelte das Gut Haidehof 1910 als ein „kolonisatorisches Werk ersten Ranges“ und pries die nun guten Bodenbedingungen für Ackerbau, die Mästung von Rindern und den Forstbetrieb an. Das Gut umfasste zu jener Zeit ein Inspektorenhaus, eine Scheune, einen Stall für 20 Pferde, zwei Viehställe, ein Dreifamilienhaus, eine Kaserne für Wanderarbeiter und eine Försterwohnung. Eingebettet waren die Gebäude in eine Parkanlage mit Teich. Das Grundwasser wurde mittels eines 7½ m hohen Windrades gefördert. Heute wird der ehemalige Gutsbetrieb zur Aufzucht und Ausbildung von spanischen Rassepferden genutzt.

Mühlenstraße 1 - Geburtshaus Ernst Barlachs

Barlach-Museum

Im Oktober 1981 ergab sich für die Stadt Wedel eine Gelegenheit, den Wedeler Künstler Ernst Barlach besonders zu ehren. Für etwa eine Millionen DM städtischer Eigenmittel erwarb und renovierte die Stadt Wedel Barlachs Geburtshaus an der Mühlenstraße.
Grundstück und Gebäude wurden der Ernst-Barlach-Gesellschaft überlassen, die die Verpflichtung hatten, dort eine ständige Ausstellung über das Lebenswerk des bedeutenden Künstlers einzurichten. Die in der Zeitung diskutierte Möglichkeit, die obere Etage des Barlach-Museum für Ausstellungen Wedeler Künstler zu nutzen, wurde nicht weiter verfolgt. Eröffnet wurde das Museum im August 1987.

Rosengarten 5 - Ärztezentrum

Ärztezentrum

Im Oktober 1985 wurde am Rosengarten das Richtfest der Wedeler Gruppenpraxis gefeiert, die im April 1986 eingeweiht wurde.

Hier hatte sich eine Anzahl von Fachärzten der verschiedensten Disziplinen zusammengetan, um unter einem Dach gebündelt ihre Dienste anzubieten.In diesem großen Gebäude, welches auf dem Gelände der ehemaligen Meierei entstand, wurden nun auch ambulante Operationen möglich gemacht.Zudem wurden hier ein Bewegungsbad und eine Massagepraxis eingerichtet. Auch an einen Kindergarten wurde bei der Einrichtung gedacht, schade dass es den nicht mehr gibt.

(Text: Stadtarchiv Wedel)

Feldstraße 135 – Studentenhochhaus

"Studentenhochhaus" in der Feldstraße 135

Im März 1981 war das beherrschende Thema Wedels die Wohnraumsituation, insbesondere der unhaltbare Zustand im so genannten Studentenhochhaus an der Feldstraße 135.
Hier, in dem zur damaligen Zeit unter Zwangsverwaltung stehenden Gebäude, waren Studenten in der Minderheit. Vielmehr wurden die damals etwa 24 m² großen Wohnungen vorzugsweise zu überhöhten Mietkosten an große ausländische Familien vermietet. Dass sogar die feuchten Kellerräume an Familien vermietet wurden, empörte die begutachtenden Wedeler Politiker sehr. Später, nachdem das Gebäude einen neuen Eigentümer fand, wurde allen 400 Mietern gekündigt. Somit verschärfte sich die seinerzeit herrschende Wohnungsknappheit in Wedel noch mehr.

 

Mühlenstraße 18 - Brauhaus

Brauhaus

Es war schon ein makaberer Zufall, der sich im April 1980 ereignete. Genau in dem Monat, in dem Wedels ältestes Gebäude in der Mühlenstraße beinahe abgebrochen werden sollte, prallte ein Fiat in das alte Brauhaus.
Ein Toter war zu beklagen, als der mit 5 Personen besetzte PKW mit überhöhter Geschwindigkeit nachts die Mühlenstraße herunterbrauste. Das 1731 erbaute Brauhaus, in dem in früheren Jahrhunderten Branntwein und Bier hergestellt wurde, wurde 1975 an eine Wohnungsbaugesellschaft übereignet.
Diese wollte es ebenso wie die danebenliegende so genannte Krohn’sche Reihe eigentlich umgehend abbrechen. Nachdem es nun aber unter Denkmalschutz gestellt wurde, geschah der tragische Unfall. In Wedel kam es anschließend zu einer Grundsatzdiskussion über den Wert alter Gebäude. Der damalige Vorsitzende der Bürgervereinigung Wedel plädierte vehement für einen Abbruch aller Gebäude, die Straßenausbauten oder großen Geschäften im Wege stünden; er war der Meinung, dass die Relikte der Vergangenheit nur in einem Freilichtmuseum stehen sollten. Dennoch wendete sich das Blatt in Richtung Sanierung. Die Denkmalpflege und die Wohnungsbaugesellschaft einigten sich. Der klägliche Rest des Hauses wurde abgetragen und erhaltenswerte Teile in einen rekonstruierten Neubau eingebaut. Seit Juni 1982 residierten dort verschiedene Gaststätten.

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