Historische Straßen, Plätze und Siedlungen

Die Bedeutung der Straßennamen in Wedel

Gartenstadt Elbhochufer

Fast jeder Anwohner einer Straße hat sich schon einmal gefragt, wo der Name der Straße herkommt, in der er wohnt. Ob es am Galgenberg spukt, wer sich am Quälkampsweg plagen musste oder nach wem die Molkenbuhrstraße benannt ist. Antworten auf einige dieser Fragen finden sich in der Straßenna­menliste des Stadtarchivs Wedel. Hier wird in Kürze erklärt, wie die Straßen früher hießen, wer der Namensgeber zur Benennung war und wer die Straße wann benannt hat.

Dafür wurden die Angaben der historischen Straßenkartei ausgewertet und mit Angaben zu den Persönlichkeiten, nach denen die Straßen benannt sind, ergänzt. Bei Straßen, die auf alte Flurbezeichnungen zurückgehen, sind die Forschungen des ehemaligen Rektors Wolf­gang Schmidt berücksichtigt worden, der eine umfassende Arbeit darüber angefertigt hatte. Benennungen nach Bäumen, Vögeln, Blumen oder Sträuchern sind hingegen nicht weiter erklärt.

Sollte Ihre Straße nicht genannt sein oder Sie weitergehende Fragen haben, so setzen Sie sich gern mit dem Stadtarchiv Wedel unter der Rufnummer 04103/707 215 in Ver­bindung.

Liste der Straßennamen: Erklärung der Bedeutung (PDF-Datei)

Straßengeschichten

Bahnhofstraße

Strochdachhaus Bahnhofstraße

„Ein Stück des alten Wedel weniger“ betitelte die Zeitung 1966 die Meldung, dass mit der Hausnummer 34 das letzte Strohdachhaus in der Bahnhofstraße abgebrochen wurde.
Bereits um 1749 wurde an dem ehemaligen Schulhof in Spitzerdorf gelegenen Kohlhoff (das Gelände umfasst etwa die heutigen Gebäude Bahnhofstraße 32–36) eine Kate durch den Kuhhirten Hinrich Brüggemann erbaut und lange durch die Familie Groth bewohnt. Seit 1853 war das Grundstück im Besitz der Familie Schümann. Ein Familienzweig errichtete dort auf dem Areal eine Tischlerei, eine Möbelhandlung und ein Beerdigungsinstitut. Ein anderer Familienzweig unterhielt seit 1923 einen Tabakwarenhandel in dem Strohdachhaus. Im August 1966 rückten nun die Bagger an und rissen das strohgedeckte Gebäude um. An dessen Stelle kam nun ein mehrstöckiger Neubau.
 

Im Oktober 1983 kam es beinahe zum Eklat bei der Eröffnung der Bona-Passage in der Bahnhofstraße. Bis zum geplanten Eröffnungstermin mit „Passagen-Party“ waren weder entscheidende Brandschutzbestimmungen erfüllt worden, noch konnte die Entlüftungsanlage getestet werden. Das Bauamt konnte den Bau so nicht genehmigen. Bürgermeister Jörg Balack drohte auch wegen anderer Differenzen mit einer Untersagung der Eröffnung und sah sich außer Stande, der Einladung zur Einweihung zu folgen, bis auch die letzten vertraglichen Bedingungen erfüllt waren. Unter Aufbietung aller Handwerker konnten die Verantwortlichen des Bauherrn die nötigen Gewerke noch am Eröffnungstag fertig stellen. Und somit wurde am 30.10.1986 die von der Presse mit „Klein-Hanseviertel“ bezeichnete Einkaufsmeile feierlich eröffnet werden. So fand dort neben dem 1.500 m² großen Bona-Markt von Gerd Brückner mit einem restaurantartigen Bistro und einem großen Frischebereich, das Reisebüro Schnieder, das Damen- und Herrenbekleidungshaus van Heen, die Schuhboutique Drautz und auch eine Geschenkboutique Platz.

Am 05.09.1988 fuhren der Bürgervorsteher Joachim Reinke und der Bürgermeister Jörg Balack gemeinsam mit dem Fahrrad die Bahnhofstraße herauf und machten den Weg frei für die neugestaltete Einkaufsstraße.

Mehrere Jahre lang dauerte der Ausbau von Bahnhofstraße und Rathausplatz. Nun war der größte Teil fertig gestellt und wurde offiziell der Bevölkerung übergeben. Die Bahnhofstraße, eine kleine Straße, die noch vor hundert Jahren ausschließlich mit Bauern- und Wohnhäusern bebaut war, wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Der „Bauboom“ der 60er und 70er Jahre trug ebenfalls massiv dazu bei, das Gesicht der Straße zu verändern. Im September 1972 wurde sie Einbahnstraße. Planungen in den 70er Jahren, hier eine Fußgängerzone einzurichten, schlugen fehl, da es nicht möglich war, eine Parallelstraße zu bauen.

Hafenstraße

Im Mai 1915 erwarb der Kaufmann Theodor Johannsen das Fabrikgebäude der Sauerstofffabrik Heyland in der Hafenstraße 32.
Hier begann er mit der Produktion verschiedenster Lebensmittel, wie Margarine, Dörrgemüse oder Räucherfisch. Auch eine Mühle und ein Getreidesilo errichtete der Fabrikant auf dem Grundstück ein. 1930 begann er mit dem Bau der nach ihm benannten Wohnsiedlung, die aber seine Tochter Hertha Ladiges vollenden musste, da er 1931 verstarb. Im Fabrikgebäude wurden während des Zweiten Weltkrieges die Bauarbeiten zur verbunkerten U-Bootswerft koordiniert; nach dem Krieg wurde hier durch die Firma Aromax Nährmittel produziert. Zum Februar 2005 zog dort das Leistungszentrum Wedel ein, um die Umsetzung der Hartz IV-Aufgaben zu gewährleisten. Weitere Geschichten zur Hafenstraße können Sie dem Aufsatz von Gerhard Kuper im Buch Beiträge zur Stadtgeschichte nachlesen.
 

Lülanden

Im Mai 1980 wurde der Straße Lülanden Richtfest für die Bauten der Siedlungsgenossenschaft Eigenheim gefeiert, die hier 16 Reiheneigenheime erbauten.
Diese ergänzten die Einzelhausbebauung an den im Jahr 1979 erstellten Wohnsammelstraßen im Bebauungsgebiet Lülanden-Nord. Bis zur Ausweisung zum Baugebiet war das Areal in landwirtschaftlicher Nutzung, es gehörte größtenteils Wedeler Baumschul-Betrieben, die hier eine hundertjährige Tradition aufgegeben hatten.

Riststraße

Postkarte der Riststraße

Der Fußweg zwischen der Mühlenstraße und der Pinneberger Straße wurde 1907 zu einer Straße ausgebaut und eine Siedlung entstand. Lesen Sie hier von Uwe Pein die Geschichte der Riststraße und deren Bewohner.

Schulauer Straße

Auf dem neuen Platz für den alten Ochsenmarkt  fand im April 1979 fand der Ochsenmarkt zum ersten Mal statt. 
In früheren Jahren fand er traditionell unter dem Roland statt, der vermutlich seit 1558 als Symbol für Landesherren und Marktgerechtigkeit über einen ehrlichen Handel wachte. Der Ochsenkrug mit Musik war auf dem Ochsenmarkthof von Röttger an der Austraße. Ende der 70er Jahren dann konnte der Markt wegen baulichen Veränderungen am Marktplatz dort nicht mehr stattfinden. Nach einem Zwischenspiel am Wedeler Hafen hat der Ochsenmarkt nun seinen heutigen Standort. Er hat aber, so bedauern viele Wedeler, viel von seiner ursprünglichen Atmosphäre verloren.
 

Altstadt Wedel

Marktplatz

Im Oktober schien in Wedel der Drang der Nachkriegszeit, alle alten Häuser abzureißen und mit neuen zu ersetzen, zunächst erschöpft.
Man besann sich auf die Bewahrung des Alten und die Stadtvertretung beschloss nach längeren Jahren der Planung 1982 den städtebaulichen Rahmenplan für die Wedeler Altstadt.
Auch war Wedel in das Förderprogramm des Landes gekommen. Dies wirkt sich nicht nur auf die sogenannte Altstadt, sondern auch für viele alte Gebäude Wedels förderlich aus.So wurde im Oktober 1986 die Sanierungen des Gebäudes Hafenstraße 10 und des Heringsgangs finanziell durch die Stadt Wedel unterstützt. Das alte Haus an der Hafenstraße, erbaut um 1800 durch die Schifferfamilie Brunckhorst glich zu diesem Zeitpunkt einer Ruine.
Es wurde mit viel liebevoller Arbeit der Eigentümer nun zu einem Schmuckstück in der schon ziemlich verbauten Straße.
Auch über die typischen Gesindehäuser im Wedeler Heringsgang können sich die Wedeler heute noch erfreuen.

„Gartenstadt Elbhochufer“

Gartenstadt Elbhochufer

Im Dezember 1954 zeigten zahlreiche Fahnen und ein riesiger Richtkranz das erste Richtfest des Großbauvorhabens „Gartenstadt Elbhochufer“ an.
750 Gäste, unter ihnen der Vertreter des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holsteins, der Geschäftsführer der WOBAU und der Landrat Schinkel. Sie alle genossen den an den Richtspruch anschließenden Richtschmaus im Fährhaus. Dennoch gab es mahnende Worte des Landrates, der betonte, dass das ungewöhnlich schnelle Wachsen der Stadt Wedel beim Kreis Pinneberg ernstliche Bedenken hervorgerufen hätte. Man befürchtete die Stadt Wedel würde sich übernehmen. Dem zum Trotze wurde das wohl größte Bauvorhaben Schleswig-Holsteins erfolgreich vollendet und bot Tausenden von Menschen endlich die Gelegenheit aus den Baracken in soliden Wohnraum zu ziehen.

Um März 1964 begann der Abbruch der Werkswohnungen der Zuckerfabrik, um Platz für die Erweiterung des Großbau-Projektes Gartenstadt Elbhochufer zu machen. Die alten Rotklinkerhäuser wurden um 1892 erbaut. Dort hatten zu Zeiten der Hochkonjunktur bis zu 480 Mitarbeiter aus Zuckerrüben Zuckerhüte gekocht. In den 3- und 4-Familienhäusern mit außen liegenden Toiletten und Schuppen wohnten die Fabrikarbeiter. Darüber hinaus gab es Häuser für Beamte der Zuckersteuerstelle, ein Portierhaus und Häuser für die Hauptamtsassistenten der Zuckerfabrik. Die einfachen Arbeiter und Arbeiterinnen fanden Unterkunft in den sogenannten Arbeiter-, bzw. Arbeiterinnenkasernen.

Weitere Geschichten zur Gartenstadt Elbhochufer können Sie in dem Aufsatz von Barbara Scharf in den Beiträgen zur Wedeler Stadtgeschichte entnehmen.

Ladenzeile am Elbhochufer

Im September 1957 zentrierte sich das Interesse der Bevölkerung auf die Stadtentwicklungen in Schulau. Inmitten der neu erstellten Gartenstadt Elbhochufer wurden nun weitere Planungen umgesetzt.

Nach Eröffnung der Albert-Schweitzer-Schule wurde im September 1957 der zweite Teil der Ladenzeile eröffnet. Nachdem in die erste Ladenzeile, die im April 1956 bezogen wurde, bereits das Kaufmannsgeschäft „Produktion“, ein Papierwarengeschäft, ein Frisörsalon, eine Drogerie sowie ein Milch- und Gemüsegeschäft eingezogen waren, befanden sich in der zweiten Ladenzeile neben der Zweigstelle der Stadtsparkasse Wedel auch eine Dependance der Post und diverse Fachgeschäfte. So gab es die Fischhandlung Anneliese Schwan, den Schlachter Walter Höpermann, die Parfümerie Richard Lewark, die Kosmetikerin Siggy Bayer, die Drogerie Oskar Stanischewski und die Lebensmittelhandlungen Willi Hoffmeister und Kurt Dauge. Lange Jahre war diese Ladenzeile das Herz der Siedlung Elbhochufer, bis der innerörtliche Kleinhandel zugunsten der Großmärkte verstärkt zurückgedrängt wurde. Langer Leerstand und der Fortgang von Post und Sparkasse mündeten 2002 in Abbruch der Ladenzeile und Neubau eines Supermarktes. In der anderen Ladenzeile wurde das Stadtteilzentrum „mittendrin“ eingerichtet. Zur gleichen Zeit wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung am „Tag der Heimat“ das Ostlanddenkmal am Hans-Böckler-Platz feierlich enthüllt. Trotz einer weltweit herrschenden Pandemie – die asiatische Grippe, die in Deutschland insgesamt 30.000 Opfer forderte, führte auch in Wedel zu vielen Krankheitsfällen – nahmen 1.000 Personen an der Enthüllung teil. Mit umfangreichem Programm erinnerten die Vertriebenenverbände und Bürgermeister Heinrich Gau an die ehemaligen deutschen Ostgebiete.

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