Historische Straßen, Plätze und Siedlungen
Die Bedeutung der Straßennamen in Wedel
Fast jeder Anwohner einer Straße hat sich schon einmal gefragt, wo der Name der Straße herkommt, in der er wohnt. Ob es am Galgenberg spukt, wer sich am Quälkampsweg plagen musste oder nach wem die Molkenbuhrstraße benannt ist. Antworten auf einige dieser Fragen finden sich in der Straßennamenliste des Stadtarchivs Wedel. Hier wird in Kürze erklärt, wie die Straßen früher hießen, wer der Namensgeber zur Benennung war und wer die Straße wann benannt hat.
Dafür wurden die Angaben der historischen Straßenkartei ausgewertet und mit Angaben zu den Persönlichkeiten, nach denen die Straßen benannt sind, ergänzt. Bei Straßen, die auf alte Flurbezeichnungen zurückgehen, sind die Forschungen des ehemaligen Rektors Wolfgang Schmidt berücksichtigt worden, der eine umfassende Arbeit darüber angefertigt hatte. Benennungen nach Bäumen, Vögeln, Blumen oder Sträuchern sind hingegen nicht weiter erklärt.
Sollte Ihre Straße nicht genannt sein oder Sie weitergehende Fragen haben, so setzen Sie sich gern mit dem Stadtarchiv Wedel unter der Rufnummer 04103/707 215 in Verbindung.
Straßengeschichte
ABC-Straße
Die kleine Straße zwischen dem Rollberg und der Bekstraße durchschneidet die Hafenstrasse. An dem südlichen Ende der Straße wurde 1898 das vermutlich vierte Schulgebäude in Schulau-Spitzerdorf erbaut, in der heute die Volkshochschule und die Musikschule zu finden sind. Der 1852 erbaute Vorgängerbau lag an dem nördlichen Teil der Straße, ABC-Straße 16, neben dem Schulsteig. Dieser Bau war eine große mit Reet gedeckte „Dorfschule“, in der es neben den Klassenräumen gleichzeitig die Schullehrer-Wohnung, mit einem Kuhstall und einem Schweinestall gab. Die Schule lag bis Anfang des 20. Jahrhunderts in der Hand der Kirche. Die Lehrer bekleideten oftmals auch das Amt des Organisten, Küsters und Kantors und sie erhielten noch im 19. Jahrhundert neben einer geringen Bezahlung die Ernte von einem Garten mit Obstbäumen, sowie Ackerland und Wiesenland für die Bewirtschaftung zur Verfügung gestellt. Für die Feuerung gab es ein Stück Moor für die Gewinnung von Brenntorf. Da das mit Reet gedeckte Schulgebäude nach 1898 nicht mehr benötigt wurde, richtete die Katholische Kirche 1909 ihre Schule dort ein. [Mehr zur katholischen Schule] Keine 30 Jahre wurden dort die zunächst 100 Kinder der katholischen Industriearbeiter unterrichtet, bis die Schule nur noch 36 Schüler zählte. Der Hauptlehrer Franz Offergeld schloss in Mai 1938 die Schule und überließ dem Kindergarten der NS-Volkswohlfahrt das Gebäude mit dem großen Garten. 1943 wurde das Gebäude stark zerstört; Baracken wurden aufgestellt. Nach dem Krieg errichtete die Plakatfirma Helmut Specht dort ihre Fabrikationsräume, in denen einige Jahre später die Firma Edelpelze Berger produzierte. 1975 wurden die Produktionsräume durch die Firma Bernhardt Apparatebau übernommen.
Am Freibad
Die Straße Am Freibad beginnt gegenüber der Gorch-Fock-Straße und endet in einer Straßenkehre. Hinter dieser führt ein Wirtschafts- und Wanderweg weiter, der hinter dem Freibad links Richtung Deich abknickt. Er geht hinter dem Freizeitgelände Elbmarschen entlang und endet an der Streuobstwiese am Lüttsanddamm. Dieser Teil des Weges trägt die Bezeichnung Marinedamm. Die Benennung in Am Freibad erfolgt 22.10.1979, nachdem die Stadtvertretung 1976 beschlossen hatte, dort in der Marsch ein Freizeitbad zu errichten. Planungen und Bau waren wegen des feuchten Untergrundes nicht einfach, viel Sand musste aufgefahren werden, um das Gelände überhaupt tragfähig zu bekommen. Die Grundsteinlegung erfolgte am 3. April 1980 und die Stadtväter- und Mütter rechneten mit der Fertigstellung zum Sommer 1981. Aber das Richtfest konnte erst im November 1981 gefeiert werden. Denn bei den Ausführungen kam es zu zahlreichen Mängeln, die erst durch langwierige Rechtsprozesse geklärt wurden. Die Kosten für das Bauvorhaben liefen davon und stiegen von geplanten 6,5 Mio DM auf mehr als 22,5 Mio DM. Ursachen gab es dafür viele. So vergaß der Architekt bei der Berechnung nicht nur die Wärmepumpe, sondern gleich die Mehrwertsteuer. Und da man es versäumt hatte, die Liegewiese zur Einweihung des Freizeitbades am 28.05.1983 rechtzeitig einzusäen musste dann für den großen Veranstaltungstag teurer Rollrasen her. Und die Gäste kamen – zumindest die ersten fünf Tage, denn wegen einer defekten Filteranlage musste das Bad zunächst kurzfristig geschlossen werden. Aber dann strömten in der ersten Badesaison 300.000 Gäste in das Freibad. An manchen Tagen war der Andrang so gewaltig, dass die Stadtwerke Wedel, die „Hausherren der Wedeler Bäder“, mit Lautsprecherdurchsagen im Stadtgebiet den Andrang eindämmen wollten. 3,50 DM war eingangs der Eintrittspreis für einen erwachsenen Schwimmer und diesem bot sich im Innenbereich neben den Umkleide- und Sanitärbereichen ein kleines Einschwimmbecken. Von diesem aus kam man zu einer Wasserfläche von insgesamt 2.500 m², die aufgeteilt war in Außenschwimmbecken, einem Springer-Becken mit mehreren Sprung-Brettern bis zu 5-Meter-Höhe und einem Schwimmer- und Wellenbecken. Darüber hinaus gab es eine 57 m lange Rutsche, einen Strömungskanal, Wasserkaskaden, Unterwassersprudel und vieles mehr.
Aber das Freizeitbad hatte nur im Sommer geöffnet und das Schulschwimmen konnte nur in dem Hallenbad aus dem Jahr 1969 an der Rudolf-Breitscheid-Straße stattfinden. Und beide Bäder kamen in die Jahre, beide waren kostenintensiv und beide litten spätestens um das Jahr 1995 an erheblichem Sanierungsstau. Eine Idee musste her. Die Stadtvertretung entschied sich für ein Kombibad an der Schulauer Straße. Das Freizeitbad wurde 2003/2004 abgebrochen und für den Neubau im Juli 2005 ein Grundstein gelegt. Im Juli 2006 konnte die Badebucht eröffnet werden, das Hallenbad schließen und zwei Jahre später auch abgebrochen werden.
Am Lohhof
Die Straße, die von der Rudolf-Breitscheid-Straße aus über die Feldstraße hinweg bis zur Doppeleiche führt, trug zuvor den Namen Schützenstraße. Warum die Straße den Namen führte, ist nicht bekannt. Es mag sein, dass dies Gelände Anfang des 19. Jahrhunderts für Übungen der hier stationiert gewesenen Husaren genutzt wurde. (Siehe hier "Im Dienste des dänischen Königs– Die Husaren der 6. Escadron in Wedel 1778 – 1816“ in den Beiträgen zur Wedeler Stadtgeschichte Band 9)
1909 wurden die Orte Wedel und Schulau vereinigt. In dem Zusammenhang wurden verschiedene Straßennamen durch die Stadtvertretung geändert. Da es damals in Wedel zwei Schützenplätze gab, - am Moorweg und an der Holmer Straße - erinnerte man sich an die Flurbezeichnungen, die in dieser Gegend zu finden waren. Ein Gelände hieß „Lohoof“ und gehörte nach dem Eintrag zum Hof Nr. 16 im Erdbuch von Spitzerdorf aus dem Jahr 1815 zum Anwesen des Vollbauern Hieronymus Körner (1774 – 1860). Am Lohhof wurden ab 1904 Häuser errichtet. So wohnte Am Lohhof 6 der Schulauer Feldhüter Wilhelm Albert Mohr, der mit seiner Frau Catharina 14 (!) Kinder hatte. Diesem gegenüber stand das Wohn- und Geschäftshaus des Klempnermeister Julius Timmermann. Dieser war ab 1932 Mitglied der NSDAP und führte seit 1936 die Ortsgruppe Wedel. (Mehr zur Geschichte der Parteien und zu den Akteuren der NS-Zeit) Zudem war er ab 1940 Stellvertretender Bürgermeister, bis er selbst 1943 zum Militär eingezogen wurde.
Am Marienhof
Die Straße am Marienhof zweigt von der Pinneberger Straße ab und ist eine Zuwegung zu einem Gewerbegebiet. Zurückzuführen ist der Name auf den 1906 erbauten Hof des Landmannes Franz Hermann Kleinwort (1869-1927) der noch heute von der Flerrentwiete aus zu sehen ist. Er wurde nach seiner Frau Marie Kleinwort geb. Körner (1876-1966) benannt. Zum Marienhof gehörten größere Ländereien. Ende der 1990er Jahre wurde das Gelände parzelliert, mit der Zuwegung versehen und durch Gewerbebetriebe bebaut. Hier sind dann u.a. die Firma MUT, Solarnova, eine Zimmerei, aber auch die Geschäfte Aldi und Edeka vertreten.
Am Redder
Am Redder ist eine kurze Stichstraße, die von der Gärtnerstraße abzweigt. Redder ist eine historische Flurbezeichnung und bedeutet schmale Gasse ins nichts. Dies Areal nördlich der Straße Hinter der Kirche war Ackerland. Ende der 1940er Jahre war es rund zehn Jahre lang Kleingartengelände und wurde erst dann bebaut. Der schmaler Durchweg Redderstieg führt noch heute zwischen den Gebäuden Hinter der Kirche 11 und Hinter der Kirche 13 hindurch. Früher führte er aufs Feld, heute auf das Gelände des ab 1963 erbauten Johann-Rist-Gymnasiums.
An der Au
Die Straße An der Au ist eine Ringstraße, die von dem Schulauer Moorweg abzweigt. Die Stadtvertretung benannte die Straße 1953. Die ersten Planungen der Überbauung des ganzen Areals mit dem Namen „Gartenstadt Wedeler Au“ zwischen dem Schulauer Moorweg und der Wedeler Au gab es 1949. Hier sollten 200 Einfamilienhäuser, Ladengeschäfte und ein Gemeinschaftshaus entstehen. Die Pläne zerschlugen sich, die Nordwestdeutsche Grundstücksverwaltungsgesellschaft Hamburg als Bauherr erfüllte nicht alle Auflagen der Landesregierung und das Vorhaben kam nach der Erstellung weniger Gebäuden zum Erliegen. Eine Splittersiedlung entstand. In der Straße An der Au wohnten interessante Zeitgenossen. Da ist zum einen das Künstler-Ehepaar Vilma Lehrmann-Amschler und Alfred Amschler An der Au 1a, dass 1955 hier ein Wohnhaus mit Atelier erbaute und deren ebenso bekannter Nachbar Albert Vietor An der Au 1b. Albert Vietor geriet im Februar 1982 in die Schlagzeilen der bundesdeutschen Medien. Der langjährige Vorstandsvorsitzende der gewerkschaftseigenen Baugesellschaft „Neue Heimat“, stand unter Verdacht, sich aus dem Vermögen der „Neue Heimat“ bereichert zu haben. Vietor wohnte von Okt 1959 bis zu seinem Tode 1984 in Wedel. Seine Nachbarn waren Bildhauer und schufen einige Kunst am Bau für die Neue Heimat, aber auch für die Häuser von Vietor in Ascona und Wedel. Die Grabstätten aller haben nun die letzte Ruhe auf dem Friedhof am Egenbüttelweg gefunden. Die Urne von Alfred Amschler wurde noch vor der Neubebauung An der Au 1 aus dem heimischen Garten umgebettet.
Ansgariusweg
Der Ansgariusweg führt von der Rolandstraße aus den Geestrand entlang und knickt an der Helgolandstraße in die Marsch ab. Kurz dahinter trägt die Straße den Namen Steinweg. Die Rolandstraße trug seit etwa 1860 den Namen Ansgariusstraße und daher lag es nahe, dass der Abzweiger in die Marsch als II. Ansgariusstraße bezeichnet wurde. Die Benennung ging auf Ansgar, den „Apostel des Nordens“ zurück. Ab etwa 1905 wurde die Bezeichnung Ansgariusweg genutzt. Im Januar 1939 wurde aus oppositioneller Haltung der Kirche gegenüber die Straßen umbenannt. Die Ansgariusstraße wurde zur Rolandstraße und der Ansgariusweg erhielt den Namen Marschweg. Ansgariusweg 1 stand bis in die 1970er Jahre ein großer Hof der seit 1763 der Familie Höpermann gehörte. Auf diesem Hof kam es im vergangenen Jahrhundert gleich zweimal zu schweren Zerstörungen. Während des Zweiten Weltkrieges zerstörten Bomben das Hofgebäude, dass ab 1946 wiederaufgebaut wurde. Im Juli 1969, der Marschweg trug nach einem Antrag von Pastor Artur Kolodziej von der katholischen Kirche 1950 wieder den alten Namen Ansgariusweg, kam es zu einem Großfeuer im Wirtschaftstrakt. Einige Jahre später wurde das Gebäude abgebrochen und dort ein Mehrfamilienhaus erstellt.
Austraße
Die kleine Straße, die zur Wedeler Aue zuführt, trug bis zur Eingemeindung Schulaus im Jahr 1909 den Namen Hafenstraße. Jahrhundertelang war sie nur eine Stichstraße zur Anlegebrücke der Wedeler Aue. Auf der Flurkarte von 1790 ist an dieser Stelle nur eine Zuwegung vom Marktplatz zum Wedeler Hafen eingezeichnet. Benannt ist diese Stelle nach dem dort liegenden Flurstück „Stock“. Dieser Weideplatz wurde bereits 1603 den Einwohnern Wedels zur gemeinsamen Benutzung durch den Schauenburger Grafen überlassen. Der Grund für diese Überlassung ist sicherlich im Ochsenhandel zu finden. Die Tiere, die zu Gruppen, den sogenannten Koppeln nach Wedel auf den Markt gebracht wurden, wurden dort zunächst „zwischengelagert“, bis sie mit dem Fährprahm von der Stocks(anlege)brücke aus über die Elbe gebracht wurden. Eine Brücke über die Aue in Richtung Schulau wurde am Stock erst 1864 errichtet. Diese wurde mehrfach erneuert. Die letzte Erneuerung fand 1974 statt.
Neben der Stocksbrücke war auch die Gaststätte Hotel Stadt Altona zu finden. Dieses Lokal wurde im Oktober 1841 durch den Gastwirt Jasper Lindemann als Gast- und Wirtschaftslokal eingerichtet und nach seinem Tode, 1856, durch seinen Schwiegersohn Jochim Ramcke weiter betrieben. Es gab neben einem Speiselokal einen großen Tanzsalon, in dem Bälle stattfanden, der Auktionator seine Versammlungen abhielt, der aber auch Theatersaal war. Darüber hinaus gab es einen großen Garten mit verschlungenen Wegen und Lauben sowie eine Kegelbahn. 1906 wurde das Lokal an die Stadt Wedel verkauft, damit hier das erste Rathaus eingerichtet werden konnte.
Autal
Der Ausbau des Weges von der Rissener Straße bis zum Breiten Weg wurde ab 1907 nach Anlegung des Friedhofes am Egenbüttelweg notwendig. Bis dahin war eine Querung der Aue zwischen Wedel und Schulau ausschließlich über die Mühlenbrücke möglich, denn auch die Brücke am Schulauer Moorweg wurde erst etwa 1910 durch die Moor-Interessenten erbaut. Für den Brückenbau durchs moorige Tal der Aue mussten Probebohrungen vorgenommen werden und einige Grundstücke angekauft werden. Erst 1913 konnten die Planungen der Straße vom Breiten Weg bis zum Eisenbahndamm durch den Tiefbauer Peter Nagel umgesetzt werden. Die Fertigstellung des Weges über den Eisenbahndamm zur Rissener Straße hin waren komplizierter. So führte der Weg zunächst einige Jahre entlang des Auweidenweg um dann in die Straße Bei der Windmühle einzubiegen. Diese Strecke wurde erst nach dem Krieg, vermutlich im Zuge der Elektrifizierung der Bahnstrecke, „geradegezogen“. Die Trasse der Straße führte dann jahrzehntelang über den heutigen Mühlenstieg. In den Jahren 1993 bis 1994 wurde das 1911 erbaute Gebäude Rissener Straße 17 abgebrochen, der dahinterliegende Wald mit altem Baumbestand zum Teil abgeholzt und die Straße an die Rudolf-Breitscheid-Straße angebunden.
Übrigens die Holzbrückenkonstruktion über die Wedeler Aue war im Juli 1965 so marode, dass sie für den KFZ-Verkehr gesperrt werden musste. Sie wurde dann an einem Wochenendeinsatz im August 1965 durch Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes (THW) in Elmshorn wiederaufgebaut. Ab 1973 begannen bereits Planungen für eine Erweiterung der Brückenanlage.
Bäckerstraße
In Altwedel gibt es zwei kurze Stichstraßen, die von der Rolandstraße zur Reepschlägerstraße führen. Beide trugen bis 1948 den Namen Bäckerstraße, wurden im Volksmund „Arm- und Beenstroot“ – vielleicht brach man sich dort schnell selbige? - genannt und nur durch Ordnungsziffern auseinandergehalten. Beide Straßen waren zudem mit einem Verbindungsweg, der hinter den Gebäuden der Reepschlägerstraße Parallel zu dieser führte, verbunden. Dieser Weg wurde aufgehoben und die heutige Bäckerstraße direkt an die Reepschlägerstraße angebunden. Zudem wurden 1948 die Straßennamen geändert. Die 1. Bäckerstraße wurde zur Ernst-Barlach-Straße, die ursprüngliche 2. Bäckerstraße behielt ihren Namen. Das Gebäude Bäckerstraße 6 ist besonders bemerkenswert: es diente bereits vor 1765 bis 1831 als Wohnhaus des Schulhalters und als Schulhaus Wedels. Das Haus wurde 1844 von der Schulgemeinde weiterverkauft und 1851 vom Schlachter Conrad König erworben. Dieser war Sohn des Husaren der dänischen 6. Escadron, Conrad Bernhard König und daher wurde ihm auch die Ehre zuteil den Taufpaten Major von Spaeth, Ritter vom Dannebrog und Chef der Husareneinheit zu haben. (Mehr zur Husareneinheit ist nachzulesen im Band 9 der Beiträge zur Stadtgeschichte). Von dem Gebäude, dass beim Bombenabwurf im März 1943 ein Raub der Flammen wurde, gibt es leider keine Abbildungen. Anders bei dem reetgedeckten alten Gebäude schräg gegenüber. Das landwirtschaftlich genutzten Gebäude des Hofes von Heinrich Essig, in dem auch Wohnungen eingerichtet waren, überstand den Krieg schadlos. Das Gebäude wurde 1964 erst abgebrochen.
Bahnhofstraße
Bahnhofstraße bis zur Einmündung in die Straße Beim Hoophof
Bahnhofstraße von der Einmündung in die Straße Beim Hoophof bis zur Feldstraße
Bahnhofstraße von der Einmündung der Feldstraße bis zur Straßenkreuzung Spitzerdorfstraße
Bahnhofstraße von der Kreuzung Spitzerdorfstraße bis zur Doppeleiche
Vor etwa 120 Jahren hat sich die Bahnhofstraße zur Hauptgeschäftsstraße der Stadt entwickelt. Bis zu dieser Zeit gab es zwei andere Geschäftszentren. In der Mühlenstraße in Wedel, aber auch der Goethestraße in Schulau gab es zahlreiche kleine Geschäfte. Dann wurde 1902 die Bahnhofstraße zur Provinzialstraße "Wedel - Schulauer Hafen" ausgebaut. In diesem Zuge wurde die Straße zwischen den Straßenkreuzungen an der Feldstraße und an der Spitzerdorfstraße geschaffen. Bis zu diesem Zeitpunkt konnte die Strecke mit Fuhrwerken nicht durchfahren werden, da hier der Hofplatz des Landmanns Hans Hinrich Biesterfeldt war. Die Fuhrwerke hatten die Umfahrung über die Bürgerstraße, die spätere Spitzerdorfstraße nehmen. 1909 schlossen sich die Orte Wedel und Schulau zusammen und die Bahnhofstraße wurde bebaut und der Handel blühte zwischen dem Bahnhof und dem 1899 an der Doppeleiche gegründeten Manufakturwarengeschäft J.H. Lüchau.
Wenn man um 1927 durch die Bahnhofstraße gehen würde, dann könnte man folgende Gebäude sehen: Am Beginn der Bahnhofstraße stand bis 1934 noch ein Gasthof, der zunächst den Namen Petersens Gasthof führte. Auf der gegenüberliegenden Seite standen ab 1904 die kaiserliche Post und Wohnhäuser. Hinter diesen Häusern kam der große Hoophof mit seinen Ländereien. Dem gegenüber hatte die Gärtnerei August Langeloh ab 1903 die Gewächshäuser. Dahinter kamen Wohnhäuser, das Kino von Gustav Möhl und die Gastwirtschaft Edmund Wiesberger mit Saalbetrieb, in der sich zahlreiche Schulauer Vereine gründeten. Demgegenüber errichteten um 1914 die Kaufleute H. Marxen (Manufakturwaren), August Griebel (Papierwaren) und Johann Husmann (Weißwaren) ihre Geschäftshäuser. Ein Stück weiter Richtung Doppeleiche kamen die Wohnhäuser der Familie Schümann, die dort eine Tischlerei, eine Möbelhandlung und ein Beerdigungsinstitut hatte. Ein anderer Familienzweig unterhielt seit 1923 einen Tabakwarenhandel in dem Strohdachhaus. Dahinter kam an der Straßenecke zur Spitzerdorfstraße das Wohn- und Geschäftshaus von Gustav Meyer, später Schneider. Dort konnten ab 1898 Haushaltswaren gekauft werden. An der gegenüber liegenden Ecke an der Feldstraße stand das ehemalige Schulhaus von Spitzerdorf, das später dem Drechsler Kruse gehörte. Auf dieser Straßenseite kam dann das Wohn- und Geschäftshaus von Jens, in dem der Schneider Siems arbeitete. Dahinter kam die Werkstatt der Klempnerei Timmermann. Dem gegenüber lagen Geschäftshäuser, u.a. war hier der Dentist Richard Möhl zu finden. Das Wohnhaus Bahnhofstraße 46 wurde 1923 durch den Händler Aderhold erbaut. Neben diesem war ab 1910 die Drogerie von Hans Hadler zu finden. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite war der mächtige Hof des Landwirts Dittmer Biesterfeldt zu finden. Nach der Zerstörung des Hofes durch das Bombardement im März 1943 wurde hier der Platz für den Wochenmarkt gestaltet. Wer dann die Spitzerdorfstraße überquerte stand direkt vor dem imposanten Schiller-Haus, das im Schillerjahr 1905 errichtet wurde und mit Büsten des Dichters versehen wurde. Neben diesem stand das Geschäftshaus der Eisenwarenhandlung Carl Heinrich, dann kam der Bauernhof von Körner. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite kam der Hof von Hinrich Schümann, in dem die Familie Witthöft eine Tankstelle einrichtete. Dann folgten einige Wohnhäuser und kleinere Ladengeschäfte. Insbesondere Schiffer hatten hier ihre Wohnhäuser. Aber auch eine Tischlerei und die Schmiede von Hans Köhler waren am Ende der Bahnhofstraße zu finden.
Bei der Doppeleiche
Doppeleichen nennt man eine Eiche mit zwei Stämmen, die eine gemeinsame Krone bilden. Sie dient als Symbol für die Zusammengehörigkeit der Herzogtümer Schleswig und Holstein und wurde seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts gesetzt. Zum 50. Jahrestag des ersten Schleswig-Holsteinischen Krieges, 1898 wurden viele Doppeleichen gepflanzt. Genauso geschah es auch auf Veranlassung des Kommunalvereins Schulau, der die Doppeleiche am 24.03.1898 auf den Platz setzte, auf dem kurz zuvor das frühere Spritzenhaus von Schulau abgebrochen wurde. Die Kosten für den Zaun übernahm der Direktor der Zuckerfabrik, Carl Vogelgesang. 1908 übernahm es der Baumeister und Vorsitzende des Schulauer Kriegervereins Johann Hinrich Hatje, einen Gedenkstein zu setzen. An der Doppeleiche waren viele Geschäfte zu finden. So gab es den Milchmann Köhler, die Bäckerei von Helms, Schneidermeister Tresselt, Schuhmacher Heidorn, das Fischgeschäft Jacob Völkers und natürlich das Bekleidungsgeschäft Lüchau.
Beim Hoophof
Die kurze Straße Beim Hoophof führt von der Bahnhofstraße zum Mühlenweg. Die Straße trug zuvor den Namen Holstenstraße, bis die Gemeindevertretung von Schulau in der Sitzung vom 28.06.1909 die Straße umbenannte. Die Bebauung der Straße mit Ein- und Zweifamilienhäusern setzte Ende der 1920er Jahre ein. Das Gebäude Beim Hoophof 3 wurde Anfang der 1930er Jahre durch den Kaufmann Louis Simonsen Bachmann erbaut, der zuvor am Rollberg wohnte. Hier betrieb er seit August 1924 bereits eine Weißnäherei, die er ab 1929 zum Handel mit Nähmaschinen ausweitete. Nach dem Kriege trat sein Sohn Edmund auch ins Geschäft ein. Der Textilkaufmann Edmund Bachmann war von Kindheit an dem Wedeler TSV sehr verbunden, war auch einige Jahre im Vorstand. Daher lag es nahe, im Ladengeschäft auch Sportartikel in den Vereinsfarben des Wedeler TSV anzubieten. Bachmann war maßgeblich an der Gründung des Spielmannszuges des TSV beteiligt und reiste mit dieser Musikformation zur Steubenparade nach New York, nach Vejen und auch nach Caudy. Die Städtepartnerschaft mit Caudry in Frankreich wurde durch diesen Kontakt im Jahr 1964 begründet und besteht heute noch immer. Das Ladengeschäft Bachmann wurde nach dem Tode von Edmund Bachmann zum Mai 1982 eingestellt. Heute befinden sich dort ein Optiker und ein Restaurant.
Beim Hoophof 20 wohnte von 1940 bis 1963 der Auktionator und Rechtskonsulent Andreas Huck zur Miete. Dieser war 1946 für ein halbes Jahr der ehrenamtliche Bürgermeister der Stadt Wedel. Huck war seit 1929 für diesen und weitere Gerichtsbezirke der Auktionator und führte bis 1952 in Wedel Versteigerungen durch. Er war während der NS-Zeit auch für die Versteigerungen von jüdischem Vermögen zuständig und versteigerte u.a. auch das Mobiliar und Kleidung von Jetta Husmann, die sich im Juli 1942 in der Bahnhofstraße 28 das Leben nahm.
Bekstraße
Bek nennt man einen kleinen Bachlauf. Und genau deshalb trugen Teile der Straße bis etwa 1908 den Namen Teichstraße und es gab dort einen Feuerlöschteich. Den Teich ließ die Gemeinde Schulau 1898 ab und baute auf dem Grundstück das Spritzenhaus. Dies wurde erst Anfang der 1970er Jahre gemeinsam mit Köhlers Gasthof in der Spitzerdorfstraße und der Schmiede von Sauer abgebrochen wurde, damit der Bauunternehmer Willy Kuhrt das 11-geschossige Hochhaus Spitzerdorfstraße 18 erbauen konnte. Ein kleines Stück weiter steht noch heute das 1929 erbaute Gebäude Bekstraße 9 des Bierverlegers Hinrich Georg Körner. Hinrich Georg Körner (1870-1942) war Gemeindevertreter von Schulau und Gründungsmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Schulau. Das Grundstück war groß und ging bis an die Einmündung der ABC-Straße, Bekstraße 11. Auf dem Weg dahin stand bis 1930 eine idyllische mit Reet gedeckte Wohnscheune, die so mancher Maler als Motiv nutzte. Bekstraße 11 war das eigentliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude von Körner. Dieses erlitt in der Bombennacht 1943 Schäden, konnte aber bis Mitte der 1950er Jahre durch eine Autowerkstatt genutzt werden. Dann wurde der gesamte Bereich überplant und mit Wohnblöcken bebaut. Erst vor wenigen Jahren wurde das Gebäude Bekstraße 12 abgebrochen.
Bergstraße
Vermutlich trägt die Straße den Namen, da sie direkt von der Goethestraße auf den Galgenberg zuführt. Die ersten Gebäude an der Straße wurden durch den Baumeister Johann Hinrich Hatje ab 1904 für den Weiterverkauf errichtete. Am Ende der Straße, gegenüber der Pöhlenweide erbaute das Arbeiter-Sport-Kartell - ein Zusammenschluss der Wedeler Arbeiterturner, dem Arbeiter-Radfahrerverein „Solidarität“ und dem Arbeiter-Gesangsverein „Vorwärts“ - in Eigenarbeit eine Sporthalle. Das Richtfest am 20. September 1925 war eine große Feier mit rund 1.000 Teilnehmern, es gab Reden des Landrates Niendorf, Musik, Sport und Gesangsvorträge. 20 Monate später, am 21. und 22. Mai 1927 konnte die Sporthalle endlich eingeweiht werden. Für die große Anzahl von Gästen aus Hamburg und der Umgebung mussten Quartiere bereitgestellt werden. Am Sonntag marschierten 150 Spielleute zu einem großen Konzert zum Roland, dem folgte ein großer Festumzug durch Wedel, dem der Landrat, der Bürgermeister und der SPD-Bezirksvorsitzender Carl Brauer folgten. Die Sporthalle wurde nicht nur durch Sportler rege genutzt. Die SPD führte hier Verfassungsfeiern, Mitgliederversammlungen und Kinderfeste durch, die Arbeitersamariterkolonne Wedel bot Erste-Hilfe-Kurse an, der Männer-Gesangverein „Vorwärts“ probte, die sozialistische Arbeiterjugend hatte hier Vortragsabende, die Notgemeinschaft der Arbeiter-Sterbekasse, der Reichsbanner, die Fabrikarbeiter, die Sozialdemokratische Frauengruppe, der Elternbeirat und die Gewerkschaften hielten Wahlen und andere Veranstaltungen ab. Der SPD-Bildungsausschuss organisierte hier Lichtbildervorträge und Bildungskurse, sogar eine Leih-Bibliothek mit Arbeiter-Lektüre wurde dort eingerichtet.
All diese Aktivitäten endete mit dem 10. Mai 1933. Der Vorstand des Arbeiterturnvereins wurde aufgelöst, die Sporthalle für die Mitglieder gesperrt und das Vermögen zwangsversteigert. Sportplatz und Halle wurden anschließend durch die SA und Partei-Organisationen, wie die Ortsfachschaft für Deutsche Schäferhunde Wedel, aber auch die HJ genutzt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Gebäude 1943 Schäden, wurde aber wiederaufgebaut und diente nach dem Krieg zunächst als Lagerstätte für die Möbel von Bombengeschädigten. Das Arbeitersportkartell gründete sich nicht wieder. Daher musste die Vermögensrückerstattung mit der Treuhand-Organisation verhandelt werden. 1953 konnte die Halle durch die Stadt Wedel angekauft werden. Seit dem Jahr 2000 ist die Halle an den Billardclub Wedel verpachtet.
Eng mit der Sporthalle verknüpft ist auch die Geschichte des Friedrich-Ebert-Gedenksteins. Die Geschichte ist hier nachzulesen.
Breiter Weg
Die Straße Breiter Weg wurde 1911 geplant und beginnt an der Pinneberger Straße, macht in Höhe des Egenbüttelwegs einen Knick nach links und führt dann auf die Straße Moorweg zu. Zu der Zeit gab es bis auf den kurz zuvor angelegten Begräbnisplatz mit der 1908 erbauten Friedhofskapelle keine Gebäude. 1907 erbaut der Gärtnereibesitzer Wilhelm Petersen sein Wohn- und Wirtschaftsgebäude am Breiter Weg 2. Die erste Straßenbefestigung, die 1918 durch neun erwerbslose Arbeiter durchgeführt wurde, die aus Mitteln der „Produktiven Erwerbslosenfürsorge“ bezahlt wurden, hat nicht lange gehalten. Somit gab es in den 1920ern massive Beschwerden der Anwohner über die tiefen Schlammlöcher, Schäden von Fahrbahn und Gehweg, über die ihre Kinder den Schulweg bis zur Altstadtschule laufen mussten. Denn die Moorweg-Schule wurde erst 1971 in Betrieb genommen.
Interessant ist auch die Geschichte des Gebäudes Breiter Weg 52. Das hinter hohen Hecken stehende hübsche Gebäude wurde 1912 durch den Architekten August Ohle aus Wedel geplant und vom Bauunternehmer Johann Hinrich Heydorn erbaut. Ein Jahr später erbaut der Grundeigentümer auf dem großen Grundstück (es umfasste in etwa die heutigen Grundstücke Breiter Weg 52 bis 68 und auf der anderen Seite Egenbüttelweg 1 – 17) einen landwirtschaftlichen Zweckbau, den der spätere Eigentümer Malermeister Heinrich Martin Conrad noch um weitere Stallungen für Pferde, Schweine und Kühe erweiterte. Wenn man sich das Wohnhaus an der Ecke genau anschaut, kann man noch die schönen Klinkerverzierungen zu einem Donnerbesen und ein Mühlensymbol erkennen, die den Bewohnern dieses Hauses Glück und Wohlstand bringen sollten. Zudem ist an diesem Haus noch in Fragmenten das Wort Restaurant zu lesen. Bekannt ist, dass Heydorn am 17.10.1912 die Erlaubnis zum Ausschank alkoholfreier Getränke erhielt. Sein Antrag vom 22.05.1914 auf Erteilung der Vollkonzession wurde mit der Begründung abgelehnt, es gäbe kein Bedürfnis. Wie lange er den Ausschank betrieb, ist nicht bekannt. Vermutlich ist der Betrieb während des Ersten Weltkrieges eingestellt worden.
Croningstraße
Die kleine Croningstraße beginnt an der Rissener Straße und führt auf den Kronskamp zu. Sie wurde auf Antrag des Vereins Deutscher Gießereifachleute im April 1958 nach dem Erfinder Johannes C.A. Croning benannt. Croning hatte das Croning-Verfahren, eine Gießtechnik für den Edelstahlguss erfunden. Dieses Verfahren wurde in der Firma Mikroforma angewendet, die seit 1957 im Kronskamp 131 produzierte. Die Firma schloss im Januar 1994 ihre Pforten und entließ 80 Mitarbeiter.
Am Eingang der Croningstraße, in der Rissener Straße 94, war die Firma Richard Schwarz zu finden, die ab 1956 in Wedel Pharmazeutische Präparate für die Nährmittelindustrie herstellte. Der Firma gegenüber in der Rissener Straße 96, produzierte zunächst ab 1958 die Wachswarenfabrik Knees und Maschke, bis die Firma Ludwig Poppe – LUPO das Gelände in den 1960ern übernahm. Nach der Auflösung der Firma und dem Abbruch des Gebäudes 1999 ist heute hier eine Filiale einer Fast-Food-Kette zu finden.
Egenbüttelweg
Die Straße verbindet den Breiten Weg mit dem Schulauer Moorweg und ist bis heute nur bis zur Einmündung der Privatstraße Gutenbergstraße mit einer Asphaltdecke versehen. Das dann kommende Teilstück führt mitten durch den Wald. Seinen offiziellen Namen trägt der Weg seit 1911 und bezieht sich auf die Flurbezeichnung Egenbüttelkamp. Der Hintergrund dieser Benennung ist allerdings unklar. Zumeist geht die Bezeichnung „Büttel“ auf eine Wüstung oder einen ehemaligen Ort zurück, der hier im Waldgebiet aber eher unwahrscheinlich ist.
Mehrfach wurde im vergangenen Jahrhundert eine Besiedelung auf dem Areal an der Kreuzung Sandmoorweg, Schulauer Moorweg, Egenbüttelweg versucht. Bereits 1928 wollte der Grundeigentümer aus Hamburg das Gelände in 104 Parzellen von etwa 400 bis 1.400 m² aufteilen und verkaufen. 1937 wollte die Altonaer Fleisch-Großhandelsfirma Hinsch und Schulz das Gelände zwischen Egenbüttelweg und Wespenstieg, welches bis an die Heinestraße und den Moorweg heranreicht mit einer Werkssiedlung von 250 Kleinhäusern bebauen. Beide Groß-Projekte scheiterten am Einspruch des Landratsamtes, der den heimatlichen Waldbestand in Gefahr sah. Wie gut, denn sonst würde dieser Grünzug zum Klövensteen heute fehlen.
Elbstraße
Die Elbstraße beginnt in der Hafenstraße. Von dort aus führt sie bis zum Rollberg. Dann macht die Straße einen Knick und verläuft weiter Richtung Osten. An der Kreuzung Goethestraße und Hans-Böckler-Platz endet sie. Der Straßenverlauf ist historisch und bereits auf Flurkarten des 18. Jahrhunderts zu sehen. Mit Kantsteinen ausgebaut wurde die Straße allerdings erst zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts. An der Einmündung der Hafenstraße lag rechts ein Hof, der seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Familie Körner war. Das Grundstück dehnte sich damals auf dieser Seite zwischen Elbstraße und Hafenstraße aus bis zum späteren Liethfeld und hatte auf der gegenüberliegenden Seite weitere Gebäude. Der Hof Elbstraße 2 wurde 1965 für eine Erweiterung der Firma AEG abgebrochen. Heute stehen dort Wohnhäuser. Auf der gegenüberliegenden Seite steht noch immer ein Wohnhaus der Familie Körner. Auf dem Grundstück Elbstraße 10 stand einst eine 1907 von Baumeister Hatje erbaute schöne Villa im Jugendstil, die im Denkmalverzeichnis eingetragen war. Weder Proteste aus Bürgerschaft und Politik, noch eine Hausbesetzung konnten 1981 den Abriss durch die Eigentümergemeinschaft verhindern. Ein Stück weiter in der Elbstraße 9 – 11 hatte bereits 1821 der Altonaer Fabrikant Friedrich Knaufft eine Zichorienfabrik errichtet. Mehr zu der Zichorienfabrik ist hier nachzulesen. Der letzte Eigentümer der Fabrik war John Heinrich Meyn. Dessen Tochter hatte 1922 den Kunsthistoriker und Kustos am Museum für Kunst und Gewerbe Professor Dr. Konrad Hüseler (1894-1958) geheiratet. Das Ehepaar errichtete sich dort ein großes Wohnhaus. (Mehr zu Konrad Hüseler, der auch ein gefragter Schätzer für das Raubgut der auswandernden jüdischen Bürger war, können Sie in der LostLift Datenbank des Deutschen Schiffahrtsmuseums nachlesen).
In dem Gebäude Elbstraße 14 wohnte bis zu seinem Tode 1891 der Schulauer Gemeindevorsteher Julius Hinrich Ladiges und danach seine Nachkommen. Das schöne Fachwerkgebäude lag „Im Grund“ und wurde im Februar 1979 abgebrochen, in vier Parzellen aufgeteilt und bebaut.
An der Elbstraße waren früher auch Geschäfte für den täglichen Bedarf zu finden. In der Elbstraße 65 gab es seit 1965 eine Gaststätte, in der Elbstraße 67 war ab 1971 eine Imbisshalle zu finden und nebenan gab es eine Reinigung. Friseurgeschäfte gab es in der Elbstraße 60 und 73. In der Elbstraße 77 hatte der Böttcher Carl Fleige 1909 ein Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Ab 1913 verkaufte Marie Fleige hier Brot, Zucker und Mehl. Ihre Schweigertochter Elisabeth Fleige erweiterte das Sortiment 1928 und schloss sich 1948 der Edeka-Gruppe an. Deren Sohn Hans Fleige führte das Geschäft in die SPAR-Gruppe über und leitete das Geschäft bis 1960.
Elbwanderweg
Ein für die Öffentlichkeit freigegebener Weg entlang der hohen Elbufers zwischen der Hafenstraße und der Rissener Grenze ist seit 1923 festgeschrieben. Der Weg führte von der Hafenstraße aus vor dem Schulauer Fährhaus entlang. Zwischen den beiden Gastwirtschaften Fährhaus und Parnass führte eine Treppe die Steilkante hinauf und führte um die Gastwirtschaft Parnass herum, bis an die Steilkante. Von dort führte der Weg bis zum Gelände der Zuckerfabrik. Dort gab es eine eiserne Brücke unter der die Zahnradbahn der Fabrik entlang führte. Von dort aus ging es weiter bis zu einer Schlucht und danach entlang des Steilufers bis an die Grenze nach Rissen. So viel hat sich nicht verändert. Die Brücke über die ehemalige Zufahrt der Zahnradbahn liegt heute am Ende des Hans-Böckler-Platz, in der Schlucht lag früher die Gaststätte im Versteck und heute befindet sich hier der Spielplatz unterhalb der Straße Hellgrund.
Dafür, dass heute der Elbuferwanderweg eine Spazierpromenade von Hamburg bis Wedel ist, sorgte von Anfang an die Gemeinschaft von Rissen, Blankenese, Wedel und Sülldorf. Diese hatten sich zusammengeschlossen, um die Landschaft aktiv zu schützen. Bauliche Veränderungen gab es in der Anfangszeit wenige. Ende der 1930er Jahre wurde die Wegeführung entlang des Schulauer Fährhauses verändert, der Weg führte nun hinter dem Parnass auf die Steilküste. In den 1950er Jahre kam es im Zuge der Baumaßnahmen zur Gartenstadt Elbhochufer zu Einschränkungen, danach aber auch zu einer baulichen Ertüchtigung des Wanderweges. Dieser wurde im Mai 1957 wieder der Öffentlichkeit übergeben. Im Zuge des Neubaus des Kraftwerkes der Hamburgischen Elektrizitätswerke gab es Anfang der 1960er Jahre auch größere Einschränkungen, die mit der Fertigstellung des letzten Teilstückes im Mai 1966 abgeschlossen waren. Die letzte große bauliche Instandsetzung wurde 2012 vorgenommen.
Feldstraße
Kaum zu glauben, dass sich der schmale Feldweg an dem 1900 die Katholische Kirche errichtet wurde, einmal zu einer der der Hauptverkehrsachsen entwickeln würde. Die Straße, die bis etwa 1906 Jägerstraße hieß, wurde Anfang letzten Jahrhunderts zunächst recht spärlich zwischen der Bahnhofstraße und dem Lohhof bebaut. Dann folgten nach dem Kriege zahlreiche Barackensiedlungen, die nach und nach durch eine massive Wohnbebauung abgelöst wurden. Ein Areal war im Eigentum der Kirchengemeinde Wedel. Diese plante Ende der 1930er Jahre, hier einen kirchlichen Friedhof anzulegen. Diese Planungen wurden verworfen. Nach dem Kriege erbaute die Kirche hier 1957 ein Gemeindehaus. 1965 wurde die zu groß gewordene Kirchengemeinde Wedel geteilt und die Kirchengemeinde Schulau gebildet. Diese erbaute in der Feldstraße neben dem Gemeindehaus ab 1971 die Christuskirche Schulau. (Mehr zu den Kirchen in Wedel und Schulau hier) Gewerbe war zu der Zeit bereits angesiedelt. So gab es in der Feldstraße 3 die Gärtnerei Hans Nagel, die später durch die Welau-Arcade überbaut wurde. In der Feldstraße 19 gab es eine Schmiede, die in den 1970er Jahren zu einer Schankwirtschaft umgebaut wurde. Weitere Gaststätten waren in der Feldstraße 46 die Feldschänke und in dem Hochhaus Feldstraße 135 gab es das Hochhaus-Restaurant. Zudem lagen zwei Tankstellen an der Straße, Aral in der Feldstraße 21 und BP in der Feldstraße 55. Und es gab zwei Kinos! Das Ufer-Kino und das HoKi. Mehr Infos über die Kinos in Wedel gibt es hier zu lesen.
Friedrich-Ebert-Straße
1927 erbaute die Reichswasserstraßenverwaltung den Tonnenhafen Wedel und brauchte somit Wohnraum für die Arbeiter und Angestellten, die aus der bisherigen Dienststelle Hamburg nach Wedel umziehen mussten. Bürgermeisters Eggers kaufte entsprechendes Gelände vom Spargelgroßproduzenten Friedrich Großheim auf und ließ einen Baufluchtlinienplan der neuen Straße zwischen Feldstraße und Kronskamp erstellen. Die Reichswasserstraßenverwaltung ließ über die Heimstätte Schleswig-Holstein eine Siedlung mit zunächst 44 Häusern zu planen. Viele Arbeiter zogen in die neue Straße ein. Daher war es der Wunsch der KDP, die Straße nach Karl Marx zu benennen. Die SPD präferierte den Namen Friedrich-Ebert-Straße. Aber die Stadtvertretung beschloss zum Jahreswechsel 1929/1930 den neutraleren Namen „Spargelkamp“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Frage der Namenswahl erneut aufgenommen und der Wunsch der SPD, der Straße den Namen des ersten Reichspräsidenten zu geben, erfüllt.
Möchten Sie mehr Geschichten über die Straße lesen, dann sei Ihnen der Aufsatz „Der Schrecken von Wedel und andere Alte Kämpfer“ von Arno Schöppe empfohlen, den Sie hier finden im Band 10 der Beiträge zur Wedeler Stadtgeschichte finden können.
Friedrich-Eggers-Straße
Die Friedrich-Eggers-Straße beginnt am Hans-Böckler-Platz, kreuzt die Straße Urnenfeld und führt bis zum Hellgrund. Die Straße wurde zwar im Rahmen der Planungen der Gartenstadt Elbhochufer neu geschaffen, aber sie war bereits zuvor mit Wohnhäusern bebaut. Hier standen noch im April 1964 die letzten Werkswohnungen der Zuckerraffinerie mit Doppelfamilienhäusern und Mehrfamilienhäuser für die Angestellte und Wohnhäuser für die Steuerbeamten. Ab 1954 wurden die ersten Wohnungen in der Gartenstadt gebaut im November und die Straße nach Friedrich Eggers, dem ersten hauptamtlichen Bürgermeister der Stadt Wedel benannt. In der Gartenstadt Elbhochufer gab es neben der Ladenzeile am Hans-Böckler-Platz seit mindestens 1959 auch einen Supermarkt der „Produktion“, ein Milchgeschäft, ein Schlachter, ein Kiosk und ein Friseur in der Ladenzeile Friedrich-Eggers-Straße 75 - 81. Dieses Gebäude wurde 1989 von der Stadt Wedel erworben und der Supermarkt zu einem Stadtteilzentrum umgebaut. Seitdem finden dort zahlreiche Veranstaltungen für die Bewohner statt.
Friedrich-Großheim-Straße
Die Friedrich-Großheim-Straße ist eine Verbindungsstraße, die von der Rudolf-Breitscheid-Straße bis zum Eichkamp führt. Die Stadtvertretung benannte die neue Straße im August 1951 nach dem Gärtner und Spargelplantagenbesitzer Friedrich Großheim (19870-1952). Der aus Welbsleben - Südharz stammende Großheim zog 1904 aus Blankenese nach Wedel, nachdem er die etwa 10.000 m² große Spargelplantage von Johann Diedrich Möller (1844-1907) erworben hatte. Möller hatte bereits seit Jahrzehnten großen Erfolg im Spargelanbau und vertrieb bereits 1880 seinen „Colossalspargel“ exklusiv über Feinkostgeschäfte in der Hamburger Innenstadt. Großheim baute die Spargelplantage aus. Er erbaute an der Rissener Straße ein Wohnhaus, Wirtschaftsgebäude und Treibhäuser. Ab 1910 trat er auch der Stadtvertretung bei. Ab 1919 führte er eine eigene Wählerliste, den Wahlvorschlag Großheim, an, die mehrere Personen in die Stadtvertretung brachte. Er selber war Mitglied der Deutschen demokratischen Partei und bis Mai 1924 kommunalpolitisch aktiv. Ab etwa 1928 begann Friedrich Großheim seinen Grundbesitz zu verkleinern, indem er größere Areale zwischen der Rissener Straße und der Feldstraße der Stadt Wedel zu einem günstigen Kaufpreis anbot. Die Stadt Wedel überplante dieses Gelände, erbaute dort Straßen und verkaufte einzelne Grundstücke weiter an bauwillige Wedeler oder an Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaften. Die Friedrich-Großheim-Straße, die zudem über ein ehemaliges Spargelfeld führt, wurde daher nach ihm benannt. Ein Jahr später verstarb er. Seine Wohn- und Wirtschaftsgebäude erlitten im Zweiten Weltkrieg massive Schäden, ab den 1960er Jahren wurde das Gelände an der Rissener Straße 26 mit Wohnungen und einer Tankstelle überbaut.
Gärtnerstraße
Seitdem der Gärtner Franz Hinrich Biesterfeldt um 1872 in Wedel am Karstenfeld an der Holmer Straße die ersten Baumschulkulturen - Weißdorn- und Knickpflanzen – kultivierte, gibt es in Wedel Baumschulbetriebe. Da sich um die vorletzte Jahrhundertwende viele der Baumschuler an der Kleinen Straße, einer Nebenstraße nach Pinneberg ansiedelten, erhielt diese Straße um 1910 den Namen Gärtnerstraße. So war in der Gärtnerstraße 15 die Gärtnerei von Joh. Köhler ansässig, die ab 1914 zum Gartenbaubetrieb Wilhelm Lockemann wurde. In der Gärtnerstraße 19 begann ab 1909 die Baumschule von Kurt Erdmann, die 1926 durch den Gärtner Peter Körner übernommen wurde. In der Gärtnerstraße 23 war der 1887 gegründete Betrieb von Heinrich Kleinwort ansässig und in der Gärtnerstraße 24 hatte die Gärtnerei von Heinrich Zahrenhusen ihren Betrieb.
Die Wedeler Baumschuler waren gut vernetzt und umfassend ausgebildet. Die Inhaber der 1874 gegründeten Firma Gebrüder Heinsohn, die Lülanden ansässig war, wurden sehr früh in der damaligen Forschungsanstalt für Garten und Weinbau in Geisenheim ausgebildet. Üblich für die Ausbildung der Baumschuler war auch die Walz. Sie gingen dafür in Betriebe nach England, aber auch nach Mainau, Reutlingen, Worms, Gleiwitz, Krefeld oder Lingenburg.
Galgenberg
Die frühere Kampstraße im Ortsteil Schulau wurde 1909 nach der historischen Flurbezeichnung in Galgenberg genannt. Die Flur Galgenberg, oder auch Galgenbarg, bezeichnet eine rund 30 Meter hohe Anhöhe, die an der Wegstrecke vom historischen Ort Spitzerdorf in Richtung Tinsdahl führt.
Ob hier tatsächlich auf der Anhöhe ein Galgen gestanden hat, war lange Jahre unklar. In der Erforschung der Flurnamen wird eine andere Erklärungsmöglichkeit geboten. Aber da gibt es Landkarten aus dem 16. Jahrhundert, die stutzig machen. Lesen Sie hier mehr über den Galgen, Scharfrichter und Richtplätze.
Goethestraße
Um 1880 war die Straße, die von der Doppeleiche zur Elbe führte, kaum bebaut. Am Anfang gab es das mit Reet gedeckte Haus des Bandreißer Lüchau und am Ende mündete die Straße an der Zuckerraffinerie, die zunächst daher den Namen Raffineriestraße gab. Der Aufschwung der Zuckerfabrik führte zu einem Bauboom an der Straße. Bereits um 1900 war die östliche Straßenseite mit zahlreichen schmucken Wohnhäusern, aber auch mit zahlreichen Geschäftshäusern bebaut. Denn hier kaufte die Schulauer Hausfrau ein: es gab zwei Schlachter, ein Schuhgeschäft, ein Lampengeschäft, Lebensmittelgeschäfte und Bäcker. Die gegenüberliegende Seite der Straße war Spekulations-Objekt, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts zunächst im Eigentum von Godeffroy befand, dann an die Kaffee-Import-Firma Stucken und Andresen überging, anschließend von Walter Hardt erworben wurde, der es dann an den Geschäftsmann Theodor Johannsen verkaufte, der es letztlich ab 1931 mit seiner Arbeiter-Wohnsiedlung bebaut. Als die Zuckerfabrik Anfang der 1930er Jahre eingestellt wurde und 450 Arbeiter in die Arbeitslosigkeit entließ, wurde auch die Straße umbenannt. „Hindenburgstraße“ sollte sie von nun an heißen. Im Februar 1948 wollte die Stadtvertretung keine Erinnerung mehr an den Feldmarschall, der 1933 das Ermächtigungsgesetz unterzeichnete und den Reichstag auflöste. Fortan trägt die Straße nunmehr den Namen des Dichters Johann Wolfgang von Goethes. Nur Lebensmittelgeschäfte, die gibt es leider nicht mehr.
Gorch-Fock-Straße
Die Straße geht genau über die Flur „Stockwisch“. Das Gelände an der Stockbrücke wurden 1603 vom Schauenburger Grafen Ernst den Einwohnern Wedels geschenkt, damit diese während der Ochsenmarktzeit die zahllosen Tiere unterbringen konnten, die auf die Überfahrt über die Elbe warteten. Außerhalb dieser Zeit sollten die Einwohner es zur Gräsung der eigenen Tiere nutzten. Erst 240 Jahre später sollte die Fläche, die wegen der Nähe zur Wedeler Aue immer Hochwassergefährdet war, bebaut werden. 1943 führte vom Bahnhof aus ein Bahngleis über den Rathausplatz, damit die Großbaustelle des geplanten U-Bootbunkerbau „Marinesonderanlage Wenzel“ das ausgebaggerte Material bewegen konnte. Das größenwahnsinnige Projekt, dass über 70.000 m² umfassen sollte, kam glücklicherweise 1944 wegen Arbeitskräfte- und Materialmangels nie über die Erdbewegungen hinaus. Vernichtete aber den Straßenzug Weidenweg, eine Stichstraße der Höbüschentwiete, und hinterließ tiefe Einbuchtungen in Schulau. In einer Kuhle wurde später das Elbe-Stadion eingebaut, in der anderen konnten Gorch-Fock-Straße, Kantstraße und Adalbert-Stifter-Straße entwickelt werden, nachdem die schwierigen Eigentumsfragen geklärt waren. Danach konnte in der Gorch-Fock-Straße der erste Spatenstich für die Werkssiedlung der Firma Wieschebrink im Juli 1950 ausgeführt werden. Wenige Jahre später baute die Wohnungsbaugenossenschaft Adlershorst die ersten Wohnblocks.
Hafenstraße
Im Mai 1915 erwarb der Kaufmann Theodor Johannsen das Fabrikgebäude der Sauerstofffabrik Heyland in der Hafenstraße 32.
Hier begann er mit der Produktion verschiedenster Lebensmittel, wie Margarine, Dörrgemüse oder Räucherfisch. Auch eine Mühle und ein Getreidesilo errichtete der Fabrikant auf dem Grundstück ein. 1930 begann er mit dem Bau der nach ihm benannten Wohnsiedlung, die aber seine Tochter Hertha Ladiges vollenden musste, da er 1931 verstarb. Im Fabrikgebäude wurden während des Zweiten Weltkrieges die Bauarbeiten zur verbunkerten U-Bootswerft koordiniert; nach dem Krieg wurde hier durch die Firma Aromax Nährmittel produziert. Zum Februar 2005 zog dort das Leistungszentrum Wedel ein, um die Umsetzung der Hartz IV-Aufgaben zu gewährleisten. Weitere Geschichten zur Hafenstraße können Sie dem Aufsatz von Gerhard Kuper im Buch Beiträge zur Stadtgeschichte nachlesen.
Hans-Böckler-Platz
Der Hans-Böckler-Platz ist kein Platz, sondern eine Straße in der Verlängerung der Goethestraße. Sie führt über die Friedrich-Eggers-Straße hinweg bis an die Elbe. Das gesamte Gelände gehörte ab 1891 zur Zuckerfabrik. Mehr zur Zuckerfabrik finden Sie hier. Benannt wurde diese Straße 1954 nach Hans Böckler (1875-1951), einem Politiker und einer zentralen Person zum Wiederaufbau des Deutschen Gewerkschaftsbunds.
Es gibt an der Straße das markante Hochhaus Hans-Böckler-Platz 1, dass 1954-1955 durch die Wohnungsbaugesellschaft Neue Heimat erbaut wurde. Das Hochhaus mit dem Atrium ist von einer Grünanlage umgeben, in dem sich das Denkmal „Deutscher Osten“ zur Erinnerung an die Flucht und Vertreibung befindet. Das Denkmal wurde 1958 eingeweiht und die sie umgebende Grünanlage wartet auf bessere Zeiten. Gegenüber dem Hochhaus befand sich bis 2002 eine Ladenzeile und vor dieser eine Zeitlang eine hübsche kleine Parkanlage mit einem Springbrunnen, einem Spielplatz für Kinder und einem Bolzplatz für Jugendliche. Die Ladenzeile, die im September 1957 mit zahlreichen Geschäften, mit Filialen von Post und Stadtsparkasse eröffnet wurde, kam in die Jahre und wurde letztlich 2002/2003 abgebrochen. An der Stelle entstand ein Supermarkt mit einem großen Parkplatz.
Am Ende der Straße wurde 1972 die Seniorenanlage Graf-Luckner-Haus errichtet. Hier standen Werksgebäude und die Speicher der Zuckerraffinerie, und dort hatte in den 1960er Jahren der Eigentümer des Areals, der Investor Kurt Ladendorff, geplant, das Kongresszentrum „Europoint“ mit Fähranlegestelle für Tragflächenboote zu errichten. Unter anderem durch massiven Protest aus der Bevölkerung, gebündelt durch die „Schutzgemeinschaft Elbhochufer“, die sich auch auf dem Klageweg gegen das Bauprojekt wehrte, kam der Bau nicht zustande. Diese 1962 gegründeten Bürgerinitiative, der zeitweilig über 130 Mitglieder angehörten, wurde in den ersten Jahren von Carl Breuer geleitet. Carl Breuer war lange Jahre der Chef der Hamburger Kriminalpolizei. Im Juli 1972 wurde der Verein liquidierte, nachdem das vordringliche Vereinsziel, „Europoint“ zu verhindern, erfüllt war. Stattdessen entstand durch die „Aktion Altenbetreuung“ das heutige Heim.
Hauentwiete
Von der Holmer Straße geht neben dem ehemaligen Krankenhaus die Hauentwiete ab. Das Gelände, auf dem heute ein Grundwasserwerk steht, gehörte dem auf der dänischen Insel Fünen geborenen Maurermeister Jörgen Peder Jörgensen (1852-1933). Dieser kam 1872 nach Haseldorf um gemeinsam mit seinem Bruder das Mausoleum der Familie Oppen-Schilden zu erbauen. Nach der Hochzeit mit der Holmerin Louise Kaland kaufte er in der Schulstraße in Wedel ein großes Grundstück und errichtete dort eine Dachziegelfabrik und gleich daneben erbaute er 1883 ein repräsentatives Wohnhaus. Er hatte mehrere Patente für die Herstellung von Cementsteinen. Um 1904 verkauft er seine Fabrik und erwirbt das 24.000 m² große Gelände an der Holmer Straße. Hier errichtet er ab 1905 seine Wohn- und Wirtschaftsgebäude mit Geflügelhaus, Treibhaus, Aussichtsturm mit Eiskeller und die Parkanlage Louisenhöhe. 12 Jahre später veräußert er das Gelände an den Hamburger Kaufmann und Kaffee-Importeur Gustav Retelsdorf, der es einige Jahre bewohnt. Nach dem Kriege erwarben die Hamburger Wasserwerke Gelände und ließen das Wohnhaus Ende der 1950er Jahre abbrechen.
Hellgrund
Die kleine Straße, die Parallel zum Gelände des Kraftwerkes entlangführt, trägt seit 1955 den Namen des Flurstücks „Hellgrund“. Hier am Hochufer zwischen der Ölraffinerie und der Zuckerfabrik lagen zuvor die ab 1928 errichteten Wohnlauben der Siedlung Billerbek. Insbesondere Hamburger hatten sich hier Wochenenddomizile mit eigenem Brunnen und Gärten erbaut. Unter ihnen auch der recht bekannte Hamburger Sänger von Opern und Interpret von Seemannsliedern auf dem Hamburger Hafenkonzert Bernhard Jakschtat (1896-1965). Die Siedlung gab es noch bis Anfang der 1950er Jahre. Ab etwa 1954 wurde der westliche Teil des Geländes für die Bebauung mit der Gartenstadt Elbhochufer vorbereitet und der östliche Teil wurde zur Baustelle für den Neubau des Kraftwerkes. Ganz am Ende der Straße, am Elbufer gelegen gab es übrigens noch eine Gastwirtschaft. Die Geschichte des „Im Versteck“ können Sie hier nachlesen.
Heringsgang
Der Heringsgang ist ein sehr kurzer Stichweg, der an der Mühlenstraße beginnt und an der Schulstraße endet. Das dort stehende Reihenhaus ist bereits auf der Flurkarte von 1790 zu finden und war vermutlich für das Gesinde des großen Bauernhofes, der sich dort befand. Die Gebäude wurden im Rahmen der Altstadt-Sanierung 1988 aufwändig saniert und sind als einfaches Kulturdenkmal anerkannt.
Der Name Heringsgang soll volksmundlichen Ursprung haben und auf den dort ansässigen Krämer Arnold Willemer (1816-1904) zurückzuführen sein. Dieser hatte als Tischler und Kerzengießer gearbeitet, soll aber auch Heringe verkauft haben. Man kann aber auch sagen, dass man schlank wie ein Hering sein muss, um dort durchzugehen.
Hinter der Kirche
In dieser Straße wurde Geschichte geschrieben. Das Wohnhaus Hinter der Kirche 4 kam 1896 in den Besitz des Schlachters Adolf Kleinwort, der dort verschiedene An- und Neubauten errichten ließ. Bei diesen Arbeiten wurde die alte Wetterfahne der Erbauer des Hauses mit der Jahreszahl 1681 und den Initialen von Pastor Johann Caspar Rist und dessen Frau Anna Maria entdeckt. Vieles spricht dafür, dass der Sohn Johann Rists, der gleichzeitig sein Nachfolger im Amt des Pastors war, mit seiner Familie das anfänglich dort stehende Gebäude 1681 erbaute und dort wohnte. Es handelte sich um ein Kreuzhaus, in dem im Erdgeschoss auch die Stallungen und die Remise für Pferd und Wagen untergebracht waren. Auch eine Studierstube des Pastors ist durch die alten Bauakten belegt. Leider wurden die Gebäude in den 1930er Jahren abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Wenn Sie mehr über das Gebäude wissen möchten, dann schauen Sie in den Aufsatz von Jürgen P. Strohsal im Jahrbuch für den Kreis Pinneberg 1981, S. 33.
In dem Gebäude Hinter der Kirche 13 kam am 16.03.1844 Johann Diedrich Möller, ältester Sohn aus der zweiten Ehe eines Leinewebers und der Tochter eines Schiffers zur Welt. Johann war künstlerisch und kaufmännisch sehr begabt, wurde von seinem Lehrer gefördert und ging von 1861-1864 beim Hamburger Maler Carl Martin Laeisz in die Lehre. Sein großes Interesse galt der Mikroskopie. Er muss schon sehr früh im Besitz eines der kostbaren Geräte gewesen sein, denn er erhielt bereits 1866 von der Landdrostei Pinneberg die Genehmigung, die Trichinenschau bei Schweinen vorzunehmen. Sein Herz aber brannte für die äußerst komplizierte Herstellung von Mikroskopischen Präparaten für Wissenschaftliche Zwecke. Dafür richtete er bereits eine erste Werkstatt im elterlichen Wohnhaus ein. Hier stellte er zoologische und botanische Präparate aus Rohmaterialien her, die er u.a. von den naturhistorischen Expeditionen Godeffroys stammten. Diese Präparate veräußerte u.a. an die Wissenschaftlichen Institute auf der ganzen Welt. Besondere Aufmerksamkeit und großen Erfolg auch auf Weltausstellungen erzielte er mit den „Salon-Präparaten“. Dies waren bedacht unter dem Mikroskop angeordnete Kieselalgen (Diatomeen), die so zu wahren Kunstwerken wurden. Bereits in dem Preis-Verzeichnis von 1868 – dass auch auf das Depot seiner Präparate in Paris hinweist - bot er zudem die gebräuchlichsten Utensilien und Materialien für den häuslichen Gebrauch an.
Mehr zu J.D. Möller gibt es hier:
www.wedel.de/wirtschaft-branchen/branchenbuch/alle-branchen/unternehmensportraits/moeller-wedel/jd-moeller-historische-serie-teil-1
Höbüschentwiete
Die kleine Straße, die vom Ortskern des Ortes Spitzerdorf den Geesthang hinunter verläuft, ist eine der ältesten Straßen dieses Ortes. Um 1900 wurde die Straße noch Marienstraße genannt, um 1930 gab es noch den Weidenweg, eine Nebenstraße der Höbüschentwiete. Hier wohnten der Bruder von Johann Diedrich Möller und ein Sohn des Bürgermeisters Friedrich Eggers. Hier gab es ein Kinderheim und ein Räucherhaus. Mehr Infos zu der Straße finden Sie hier.
Holmer Straße
Die Holmer Straße beginnt erst nach der Einmündung der kleinen Stichstraße Lüttdahl und endet in Holm. Noch in den 1950ern gab es rund 20 Baumschulbetriebe in Wedel. Etliche davon waren in der Holmer Straße ansässig, heute gibt es nur noch zwei. Damals gab es den Betrieb der Karstenfelder Baumschule, die 1890 von Andreas Möller gegründet wurde und später von Hermann Lauer übernommen wurde und in der Holmer Straße 73 lag, oder die Gärtnerei Friedrich Timmermann in der Holmer Straße 44 – 48, die 1895 gegründet wurde und deren landwirtschaftliche Gebäude 1995 abgebrochen wurden und mit Reiheneigenheimen überbaut wurden. Holmer Straße 161 war die Baumschule Kjell Christensson, die zwar 1911 verkauft wurde, deren in Wedel geborener Sohn Alwin Kjell Christensson nach Wien auswanderte und dort eine große Baumschule gründete.
In der Holmer Straße 61 wohnte ab 1956 der Fabrikant Richard Wieschebrink. Dieser hatte bis dahin in der von ihm erbauten Werkssiedlung in der Schulauer Straße 99 gewohnt. Nach Einstellung der Strumpffabrikation der Firma Wieschebrink im Mai 1961 verzog er 1964 nach Altona. In der Holmer Straße 72 wurden 1939 Biber und Nutria für Pelze gezüchtet. In der Feldscheune von Hinrich Dörner in der Holmer Straße 100, die direkt hinter dem Ennbargweg liegt, hatte die Firma J.D. Möller während des Krieges ihre Kriegsgefangenen und/oder Zwangsarbeiter aus Russland untergebracht.
Interessant ist auch das Stadtgartenamt, das vor dem Zweiten Weltkrieg in der Holmer Straße 153, gleich neben dem Krankenhaus angesiedelt war und den Betrieb dort mit frischem Gemüse versorgen sollte. Ungereimtheiten bei der Buchführung des Betriebsleiters führten dazu, dass der damalige Bürgermeister Dr. Harald Ladwig angeklagt wurde, ungesetzlich gehandelt zu haben. Die daraus folgende Schlammschlacht hielt bis zu seinem Tode 1945 an. Näheres zu dieser Geschichte im Aufsatz von Arno Schöppe in den Beiträgen zur Wedeler Stadtgeschichte Band 7, erhältlich im Buchhandel und im Stadtarchiv Wedel.
Noch hinter dem ehemaligen Krankenhaus dort wo heute die Baumschule Däneke & Körner, Holmer Straße 164 zu finden ist, stand bis 1965 das sogenannte Chausseehaus. Hier war noch im 19. Jahrhundert die Zahlstelle, bei der das Chausseegeld für die Benutzung der „Kunststraße“ zu zahlen war.
Industriestraße
Die Stadträte und der Bürgermeister Heinrich Gau waren dabei, als am 3 August 1954 der Straßenausbau und die Rückbenennung des Parkweges in Industriestraße feierlich vorgenommen wurde. Den bisherigen Straßennamen erhielt die Zuwegung zum Herta-Ladiges-Park im Dezember 1937. In den Jahren vor 1928 wurde der Weg einfach Schwarzer Weg genannt. Erst als 1927 neben der Ölraffinerie auch noch das Kraftwerk Unterelbe gebaut wurde, nannte man den Weg zu den Industriebetrieben an der Elbe Industriestraße. In den ersten Jahren nach dem Ausbau 1954 ging die Ansiedelung von Industriebetrieben sehr langsam voran. Der erste Betrieb 1958 war die Blechwarenfabrik und Verzinkerei Hirz aus Moers, die sich in der Industriestraße 27 ansiedelte. Dem folgte der Großhandel von Kaffee und Tee, die Kaffeerösterei Ibenco, die ein Jahr später in der Industriestraße 23 ihre Firma errichtete. Beide Firmen gibt es in Wedel nicht mehr. Ibenco stellte den Betrieb am 20.03.1973 ein. Im selben Jahr hob Hirz die Niederlassung in Wedel auf. Das gleiche gilt auch für die Maschinenfabrik Erwin Baas, die seit 1960 in der Industriestraße 39 – 43, produzierte und zum 29.02.1988 den Betrieb einstellte und für die Firma Arndt´sche Kartonage, die von Mitte der 1960er Jahre in der Industriestraße 51-53 ansässig war, und den Betrieb zum 31.03.1989 einstellte. Auch die Firma Astra hatte ihr Wedeler Tochterunternehmen mit dem Namen Pharma-Stern am 15.05.1962 in der Industriestraße 25 eröffnet. Die Firma Astra vergrößerte sich und zog September 1978 an den Tinsdaler Weg 183, von wo aus sie ihren Sitz im Frühjahr 2022 nach Hamburg verlegte.
In der Industriestraße 60 gab es seit 1964 ein Werk der Deutschen Porenbeton Gesellschaft, die 1969 von der Firma Ytong übernommen wurde. Bald 60 Jahre wurden dort Betonplatten produziert, bis die Nachfolgefirma Xella zum 31.12.2023 die Tore schloss. Bei den ehemaligen Firmen muss auch Firma Linde AG genannt werden, diese zieht es 1962 nach Wedel in die Industriestraße 30 - 34. Heute gehört das ehemaligen Gelände zur Feldstraße 124 und Feldstraße 128 und ist überbaut.
Einzig die Firma Marmorwerk Bartels, die 1949 als Betonsteinwerk Hermann Bartels in der Pinneberger Straße 96 gegründet wurde und Anfang der 1960er Jahre in die Industriestraße 59 – 61 zog, ist von den „Pionieren“ der Industriestraße noch immer dort ansässig.
Jungfernstieg
Der Jungfernstieg ist ein Fußweg zwischen den Gebäuden Schulstraße 11 und 13, der am Ende in eine Stichstraße zu einem Parkplatz an der Austraße führt. Es liegen nur wenige Häuser an dem mit großen Lindenbäumen bestandenen Weg. Die Lindenbäume sollen vom Verschönerungsverein dort gepflanzt worden sein. Dort, wo sich heute der Parkplatz befindet, war Jahrelang der städtische „Schüttzwinger“ zu finden. In diesem eingezäunten Areal sammelte die Polizei oder der Feldhüter herrenloses Vieh, das dort auf seine Besitzer wartete. Gegenüber dem „Schüttzwinger“ befand sich ein Käthnerhaus, das bereits auf der Karte von 1790 zu finden ist. Dieses Gebäude wurde Anfang der 1930er Jahre abgebrochen und erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder bebaut. Hier hatte lange Jahre der Tiermediziner Dr. Rudolf Böhm seine Praxis.
Kronskamp
Auch dieser Name führt auf eine Flurbezeichnung zurück. Die Trassenführung der Straße wurde ab 1905 festgelegt. Die ersten Wohnhäuser wurden zunächst nicht direkt am Kronskamp erbaut, sondern in den Straßen, die den Kronskamp querten. So wurde der Voßhagen und die heutige Friedrich-Ebert-Straße bereits ab 1928 bebaut. Für die Versorgung der Bevölkerung entstand bereits 1929 am Kronskamp 56 ein Geschäft der Konsumgenossenschaft Produktion. Dem schräg gegenüber siedelten sich dann ab 1929 weitere Wohn- und Geschäftshäuser an. Viele wurden auf städtischem Erbpachtgrundstücken erbaut. Auch der städtische Kassenbote und Vollziehungsbeamte Robert Kegel erbaute für seine Familie im Kronskamp 63 ein Wohnhaus. Drei seiner fünf Kindern sind in Wedel bekannte Persönlichkeiten: Der langjährige Kantor der Wedeler Kirche, Heinz Kegel (1925-2003), der Kunstmaler Hermann Kegel (1913-2004) und die langjährige Vorsitzende des Heimatbundes Hildegard Johannsen geb. Kegel (1920-2010). Ab 1936 lässt der Gärtner Wilhelm Schormann am Kronskamp 127 durch den Altonaer Architekten Werner Kallmorgen Treibhäuser für die Zucht seiner Alpenveilchen und Hortensien planen. Zudem errichtet er sein Wohnhaus dort. Der Gartenbaubetrieb erleidet bei den Bombenabwürfen im Mai 1940 Schäden. 1944 wird auf dem Gelände neben der Gärtnerei eine Nebenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme eingerichtet. Weitere Infos über das Konzentrationslager finden Sie hier. Am westlichen Teil des Kronskamp, direkt an der Einmündung in die Nordschleswigstraße, die nach dem Krieg den Namen Rudolf Breitscheids trägt, wurden ab 1943 mehrere Finnenhäuser errichtet. Diese aus Finnland importierten Holzfertighäuser waren die Entschädigung der Kriegsmarine für die Enteignung der Häuser für den Bau des U-Bootbau-Projektes Wenzel.
Küsterstraße
Die Küsterstraße ist eine kleine mit Kopfsteinen gepflasterte Straße, an der historische Gebäude stehen. Sie versprüht den Geist der Vergangenheit. An der Straßeneinmündung am Marktplatz steht linker Hand das Gebäude Marktplatz 3, ein Giebelhaus von 1772, dass Dank einer Privatinitiative erhalten geblieben ist. Dem gegenüber stand bis zum Zweiten Weltkrieg das Anwesen der Familie von Berend Langeloh. In seiner großer Scheune Marktplatz 5 fanden die zwei Gaststätten „Rolandschänke“ und „Zur alten Ecke“, sowie das Zigarettengeschäft Behrmann Platz. Dieses Gebäude wurde 1943 total zerstört. Heute sind dort der Wedeler Marktplatz und der Roland zu finden. Dort wo heute der Parkplatz und der Maibaum zu finden sind, befand sich zuvor der Kuhstall von Langeloh. In dem Gebäude war von 1950 bis 1986 das Lager und der Verkaufsraum des Landwirtschaftlichen Bezugsverein, der ab 1973 zum Raiffeisenmarkt wurde, zu finden.
Weiter in der Straße steht das heutige Stadtmuseum. Das Gebäude wurde 1829 durch die Kirchengemeinde als Schulhaus erbaut und nach dem Neubau der Schule an der Schulstraße 1874 als Küsterhaus genutzt. 1904 wurde das Gebäude an die Stadt Wedel verkauft. Vermutlich diente es weiterhin Schulzwecken – möglicherweise auch für die in dem Zeitraum etablierte gewerbliche Berufsschule. 1912 wurde das Gebäude zu einer Lehrerwohnung und zwei Lehrerinnenwohnungen umgebaut. Der dort wohnende Lehrer Heinrich Martin Schuback konnte dafür gewonnen werden, in den bisher für Schulklassen genutzten vier Räumen ein Altertumsmuseum einzurichten. Grundstock bildet ein Zimmer zur Erinnerung an den Bildhauer Joachim Ramcke. Anfang der 1930er Jahre wurde die Sammlung durch einen Fachmann aus dem Altonaer Museum gesichtet neu geordnet und 1938 als Heimatmuseum anerkannt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude kaum beschädigt, aber nach einer Besichtigung durch die Stadtvertretung im Frühjahr 1946 wird festgestellt, dass die Sammlung keinen großen Wert habe. Der in Wedel wohnende Kunsthistoriker Prof. Konrad Hüseler wurde als Sachverständiger befragt und urteilte, dass nur ein kleiner Teil der Sammlung tatsächlich erhaltenswert sei. Bis auf die von ihm benannten erhaltenswerten Gegenstände (Höckner-Gemälde, prähistorische Funde, Trachtenstücke, Fahnen und die Büsten von Joachim Ramcke) wurden die Exponate an Hamburger Kunsthändler, an interessierte Bürger oder an andere Museen verkauft. Die Gelder wurden zu Gusten von Jugend- und Volksbildungsarbeit verwendet. Die Büsten von Joachim Ramcke hingegen wurden an seine Familie gegeben, an Zimmermann August Ohle. Die Räumlichkeiten des ehemaligen Museums wurden anschließend als Wohnraum und für die „Hilfsschule“ hergerichtet. Dem Museumspfleger der Provinz Schleswig-Holstein wurde im Sommer 1946 mitgeteilt, das es kein Museum mehr gäbe. Dieser fiel aus allen Wolken und drückte sein Befremden über die absonderliche Auflösung aus. Aber für eine Rettung war es zu spät. Über 40 Jahre sollten ins Land ziehen, bis es an der gleichen Stelle wieder ein Museum gibt. Hier gibt es mehr zum Stadtmuseum zu erfahren.
Liethfeld
Die kleine ruhige Straße geht von der Elbstraße ab. Bis etwa 1909 soll der Name Berthastraße gewesen sein, dann besann man sich auf die alte nicht mehr genutzte Ortsbezeichnung Lieth und benannte die Straße um. Hier erbaute der Fabrikdirektor der Zuckerfabrik mehrere Häuser, in einem wohnte in den 1930er Jahren der Ingenieur Curt Walter Eichler (* 1899 + 1970), der auch Verfasser von seemännischen Aufsätzen, wie z.B. für das Heimatbuch von Wedel von 1950, aber auch Buchautor war. Dieser lieferte sich wegen des miesen Zustandes des Liethfeld 1938/1939 einen brieflichen Schlagabtausch mit dem Bürgermeister Dr. Harald Ladwig. Da das Bauamt vor seinem Haus den Straßenbelag entfernt hatte, war das Taxi, dass Eichler zum Chile-Haus nach Hamburg bringen sollte, im Schlamm steckengeblieben. Daher hat er dort einen wichtigen Termin verpasst, den er nun in Rechnung stellen wollte. Zudem machte er darauf aufmerksam, dass sein Geburtsort Charlottenburg auf der Steuerkarte mit „Schalottenburg“ vermerkt wäre und er den Bürgermeister bitte, die Beamten darauf hinzuweisen, dass die Stadt nichts mit Zwiebeln zu tun hätte. Die Antwort des Bürgermeisters ließ nicht lang auf sich warten. „Meine Beamten sind so weit vorgebildet…. Für die Schulausbildung der Lehrlinge jedoch bin ich nicht verantwortlich.“ Wegen des Straßenbelags gab es keine Entschädigung, aber er machte Hoffnung, dass die Decke wieder verstärkt werden würde. Na, geht doch!
Lindenstraße
Die Lindenstraße ist eine Wohnstraße zwischen Rissener Straße und Feldstraße und überquert dabei den Kronskamp. Die Straße durch die Siedlung Gröner Born erhielt im Juni 1921 den Namen, für den eigens 12 Linden beschafft und gepflanzt wurden. 1930 wurde zudem die Einmündung der Straße in die Rissener Straße mit Kantsteinen befestigt und erst im Jahr 1935 eine Sielleitung geschaffen. Bebaut war zu dem Zeitpunkt nur der Teil vom Kronskamp bis zur Rissener Straße mit Kleinsiedlungshäusern. Einige dieser Grundstücke war städtisches Siedlungsgelände, dass den Bürgern für die Wohnbebauung in Eigenleistung verkauft wurde. Daher waren zahlreiche Arbeiter unter den Hauseigentümern.
Im Mai 1934 wollte der Marinesturm der NSDAP Wedel an die Seeschlacht vor dem Skagerrak 1916 erinnern und schlug auf einer Feierstunde in der Gaststätte „Stadt Hamburg“ in der Rolandstraße vor, die Lindenstraße in Skagerrakstraße umzubenennen. Bei Kriegsende 1945 durfte die Straße den Namen wieder ablegen.
Nach dem Kriege wurden ab 1947 auch der Teil der Lindenstraße vom Kronskamp bis zur Feldstraße bebaut. Ab 1950 wurde mit Mitteln des ERP Wohnhäuser in sogenannter Trümmersplit-Beton-Schüttverfahren erbaut. Ab 1952 erbaute die Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft Pinneberg u.a. auch für Werksangehörige der Firma Richard Wieschebrink weitere Mehrfamilienhäuser.
Auch an Geschäften mangelte es in der Lindenstraße nicht. In der Ladenzeile am Kronskamp war eine Geschäftsstelle der Produktion und ab 1952 gab es für wenige Jahre hier die Elb-Apotheke. Und die Zweigstelle der Stadtsparkasse, die im August 1961 eröffnet wurde und auch lange Jahre als Wahllokal diente, war noch bis mindestens 2008 in der Lindenstraße 33 zu finden.
Lülanden
Anfang des letzten Jahrhunderts gab es an dem Weg Lülanden nur drei Gebäude. Das war der Hof des Landmannes Johann Heinrich Kock, Lülanden 2, die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Gärtnerei Hermann Cordes, Lülanden 4 und die Wohn- und Wirtschaftsgebäude der Firma Gebrüder Heinsohn. Dies war der ältere Betrieb und wurde 1874 durch Peter Heinsohn (1850 – 1925) und seinen jüngerer Bruder Hinrich Heinsohn (1853 – 1893) gegründet. Sie besuchten das 1871 gegründete Pomologische Institut in Geisenheim am Rhein und waren somit „die Väter“ zahlreicher späterer Baumschulbetriebe Wedels. Im Anbau hatte die Baumschule Gebrüder Heinsohn Obstbäume in allen Formen, Obstwildlinge, Heckenrosen, Heckenpflanzen, Beerenobst- und Rosenkulturen, später waren zudem Alleebäume, Ziergehölze und Koniferen im Angebot. Anders bei der Gärtnerei Cordes. Der Betrieb konzentrierte sich auf Rosen und Maiglöckchen. Daher wurden auf dem Hof auch Arbeitsräume zum Veredeln der Rosen, aber auch Räume für Rosenschauen eingerichtet.
Rund herum um diese Gebäude gab es landwirtschaftliche Nutzung und Baumschulland. Das änderte sich Anfang der 1970er Jahre. Dann verkauften die Eigentümer das rund 15 Hektar großes Gelände zwischen der Gärtnerstraße und der Schauenburgerstraße größtenteils an den Bauträger die Firma NTK – Norddeutsche Treuhand- und Kreditgesellschaft und der nun Lülanden-Nord genannte Bereich konnte bebaut werden. Die Stadtvertreter ging 1972 zunächst von 700 bis 1.000 Wohnungen aus und sah die auf die Stadt Wedel zukommenden Folgekosten – insbesondere beim Schulbau als unüberwindbar an. Zudem pochten sie bei der Verteilung der Grundstücke darauf, dass ausschließlich Käufer berücksichtigt werden, die in Wedel wohnen oder arbeiten. Auch der Erwerb von Zweithäusern sollte unterbunden werden. Daher wurde 1972 ein Bebauungsplan aufgestellt, der 175 Wohneinheiten – 75 freistehende Einzelhäuser, 60 Reihenhäuser und 40 Gartenhofbungalows vorsah. In einem zweiten Bauabschnitt folgen 24 Einzelhäuser, zwei Doppelhäuser, 17 Reihenhäuser und 12 Etagenwohnungen. Wenige Jahre später wurde dann der Bereich Lülanden-Süd für weitere 600 Einwohner erschlossen. Hier hatten NTK und Stadt Wedel fünf Bauträger bzw. Architektengruppen ausgewählt, aus deren Hausentwürfen der baulustige Wedeler sein Haus aussuchen und erwerben konnte. Die Kosten des teuersten Reihenhauses beliefen sich 1987 übrigens auf 295.000 DM.
Menno-Simons-Weg
Auf einem Teil des früheren Schützenplatz-Areals wurden Siedlerhäusern für Flüchtlinge mennonitischen Glaubens, die sich in der Mennonitengemeinde Pinneberg zusammenschlossen hatten, erbaut. Diesen Flüchtlingen aus West-oder Ostpreußen standen nordamerikanische Glaubensbrüder – die Paxboys - zur Seite. Die Paxboys lehnten den Kriegsdienst ab und leisteten als Friedenseinsatz aktive Aufbauarbeit im zerstörten Europa. In Wedel halfen sie dabei, in drei Bauabschnitten Siedlungshäuser und am 10.08.1958 zum Abschluss das Gemeindehaus im Menno-Simons-Weg 8 zu bauen.
Milichstraße
Diese Straße, in der schöne rotgeklinkerte Mehrfamilienhäuser stehen, ist nach dem Leitenden Direktor des späteren Kraftwerkes Wedel benannt. Die Häuser gehören zu einem Ensemble, dass der Architekten Werner Issel (1884-1974) als Werkwohnungen für die Mitarbeiter der Electrizitätswerke Unterelbe AG in dem Dreieck zwischen Pulverstraße und Galgenberg entworfen hatte. Ursprünglich waren dort 15 Gebäude geplant, von denen nur die 6 Gebäude am Galgenberg und in der Milchstraße und das Riegelgebäude auf dem Eckgrundstück Galgenberg/Pulverstraße bis 1928 zur Ausführung kamen. An einem der Gebäude der Siedlung ist eine Gedenkplakette zu Ehren Helma Steinbachs (1847-1918) befestigt. Diese war Frauenrechtsaktivistin und Vorkämpferin der Sozialpolitik. Die Gedenkplakette wurde 1930 durch die Sozialdemokratin Louise Schröder (1887-1957) angebracht. Die heute dort angebrachte Plakette ist ein 1951 angebrachter Ersatz für das durch Nationalsozialisten entfernte Original.
Möllers Park
Die Straße Möllers Park ist eine Erschließungsstraße nördlich der Rissener Straße, die sich am Ende verzweigt. Ein Teil führt in die Boockholtzstraße, ein zweiter Teil ist eine Sackgasse, die in einem Fußweg endet, der an die Straße Autal heranführt. Das Gelände zwischen der Eisenbahntrasse und der Rissener Straße gehörte in den 1930er Jahren zum Grundbesitz von Familie oder Firma J.D. Möller. Und daher trägt auch die Straße ihren Namen. Die Möllers planten bereits in den 1930er Jahren, das Gelände zu parzellieren und mit Mehrfamilienhäusern zu bebauen. Aber erst in den 1950er Jahren wurde das Areal bebaut. Die Norddeutsche Treuhandgesellschaft plante hier mit der Gemeinnützigen Bau- und Siedlungsgenossenschaft „Stiftung Adlershorst“ zwei achtgeschossige Häuser und mehrere drei- bis viergeschossige Wohnhäuser. Für die Versorgung der Einwohner gab es am Anfang der Straße die Gaststätte Willys Bierstübchen und in dem Gebäude, in dem sich heute eine Tierarztpraxis befindet, gab es bis mindestens 1976 ein Lebensmittelgeschäft der Kette Spar. Lange gab es einen Tennisplatz am Möllers Park. Der Tennisclub Wedel hatte seit Anfang der 1950er Jahre bis 1984 Tennisplätze und ein Clubhaus zwischen Rissener Straße 39 und der Boockholtzstraße. Auf diesem Gelände entstand in den 1990ern öffentlich geförderter Wohnraum. Zum feierlichen Spatenstich kamen am 19.01.1990 sogar der Innenminister des Landes Schleswig-Holstein, der Landrat Jörn Alwes und Bürgermeister Jörg Balack zusammen.
Molkenbuhrstraße
Die Molkenbuhrstraße ist eine kleine Wohnstraße in der ehemaligen „Nordschleswig-Siedlung“ in Schulau. Sie zweigt von der Tondernstraße ab und führt zur Theodor-Haubach-Straße. Der erste Name nach der Straßenerstellung im Jahr 1937 war Apenraderstraße. Die Bezeichnung wurde auf Beschluss der Stadtvertretung im Februar 1948 geändert. Seitdem erinnert der Name an einen bedeutenden Politiker der SPD. Hermann Molkenbuhr wurde am 11.09.1851 in einem Haus am Wedeler Marktplatz, dem heutigen Hotel Freihof, geboren, verließ aber bereits im Kindesalter den Ort Richtung Ottensen. Als Zigarrenmacher schloss er sich sehr früh dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein an und stieg rasch zu einem der führenden Köpfe der SPD, zunächst in Hamburg, auf. Lange Jahrzehnte war er Reichstagsabgeordneter und zudem von 1904 bis 1924 im SPD-Parteivorstand tätig. Er verstarb im Dezember 1927. Seine Überreste wurden 1950 von der DDR-Führung in die Gedenkstätte der Sozialisten umgebettet.
In der Straße stehen Einfamilienhäuser und wenige Mehrfamilienhäuser, die teils von der Siedlungsgenossenschaft Eigenheim erbaut wurden.
Moorweg
Die Straße Moorweg ist die Verlängerung des Breiten Weg und beginnt an der Einmündung in den Hasenkamp. Die kleine Grünfläche rechter Hand war bis Ende der 1920er noch Teil des Schützenvereins. Die letzten Schießbahnen wurden erst bei der Überbauung durch Siedler der Gem. Kleinsiedlungs- und Baugenossenschaft des Kreise Pinneberg beseitigt. Näheres zum Verein kann hier nachgelesen werden. Diesem Areal gegenüber befindet sich heute „Glismanns-Höhe“, eine kleine hügelige Parkanlage. Hier am Moorweg 1 hatte der Hamburger Tischler Heinrich Glismann 1928 zunächst eine Wochenendhütte errichtet, die er sukzessive zu einem Wohnhaus ausbaute. Glismann war vor dem Kriege bereits in Hamburg kommunalpolitisch aktiv. Bereits im Oktober 1945 wird er von der britischen Militärregierung zum Ratsherrn ernannt. 1959 wurde er zum Bürgervorsteher ernannt, ein Amt, das er bis zum Ende der Wahlperiode 1962 innehatte.
Bis vor einigen Jahren gab es der Moorwegsiedlung eine mannigfaltige Nahversorgung. Ab 1948 gab es ein Ladengeschäft im Moorweg 21. Zunächst war es eine SPAR-Filiale, dann übernahm ein EDEKA-Kaufmann das Geschäft. Diese Filiale dürfte in den 1970er und 1980er Jahren in ganz Deutschland bekannt gewesen sein, denn dort drehte die Firma Markenfilm sämtliche Werbefilme für EDEKA mit dem beliebten Entertainer Rudi Carrell. Eine weitere Geschäftszeile mit darüber liegendem Wohnraum wurde am 13. Mai 1971 am Hasenkamp, Ecke Moorweg feierlich eröffnet. Hier war bis vor einigen Jahren noch eine Filiale der Stadtsparkasse Wedel, bis zum Jahr 2005 gab es dort in der Ladenzeile zudem eine Filiale der Post.
Am Ende der Straße Moorweg befand sich bis 1989 ein Forschungszentrum des Mineralölkonzern Deutsche BP AG. Die Firma hatte das rund 121.500 qm großes Grundstück 1965 erworben und beschäftigte dort am Waldrand bis zu 120 Mitarbeiter. Zum Januar 1989 wurde die Firma geschlossen. Um das Gelände begann ein reges Hin- und Her mit verschiedenen Bauträgern, bis Ende der 1990er Jahre die ersten Neubauten entstanden und die Siedlung den Namen Schwartenseekamp erhielt.
Mühlenstraße
Auch wenn die Mühlenstraße recht kurz ist, ist sie eine der Lebensadern der Stadt. Der Name ist bereits im 16. Jahrhundert nachweisbar und seitdem unverändert. An der Straße zentrierten sich noch im vorigen Jahrhundert die Ladengeschäfte, die Gastwirtschaften und die Arztpraxen. Es begann bereits in der Mühlenstraße 1. Hier war Jahrzehntelang eine Arztpraxis, die bereits der Vater von Ernst Barlach, Georg Barlach (1839-1884) innehatte. Der letzte Arzt dort war der ehemalige Generalstabsarzt Dr. Gerhard Karehnke.
Das Geburtshaus Ernst Barlachs wurde 1981 von der Stadt Wedel erworben und aufwändig saniert. Zuvor war die Barlach-Gesellschaft an die Stadt Wedel herangetreten und hatte angekündigt, dass sie dort gern mit Werken des berühmten Bildhauers und Grafikers und Dramatikers Ernst Barlach eine Dauerausstellung einrichten wolle. Ein Jahr später stellte die Barlach-Gesellschaft der Öffentlichkeit einen Grundstock von 15 Barlach-Plastiken vor, die in Wedel ein würdevolles Heim finden sollten. 1987 konnte das Museum eingeweiht werden, die Barlach-Gesellschaft hatte dann allerdings schon einen anderen Schwerpunkt für das Geburtshaus gewählt. Hier sollten nun nicht die Jahre zuvor zugesagten Plastiken, sondern lediglich die Grafik und die Literatur Barlachs ausgestellt werden.
Dem gegenüber in der Mühlenstraße 2 liegt noch heute ein früheres Traditionshaus: der „Wedeler Hof“. Die Schankwirtschaft wurde 1891 durch Christel Kleinwort begründet, dann ab 1919 von Karl Ramcke weitergeführt. Das Gebäude brannte 1943 nach Bombenschäden vollständig aus, wurde aber 1950 wieder errichtet und weitergeführt. Ab 1972 trug es den Namen Hansa Grill und wechselte danach mehrfach Namen und Pächter.
Das letzte Haus an der linken Seite ist die Mühlenstraße 35, die heutige „Villa“. Der 36-jährige aus Salzkotten stammende Arzt Dr. Aloys Rochell erbaute für sich und seine junge Ehefrau 1908 ein Wohnhaus direkt am Mühlenteich. Das Grundstück kam vom Schwiegervater, dem Mühlenbesitzer Johann Hinrich Heinsohn und ein voreheliches Kind der Braut gab es gleich obendrauf. Die Verbindung hielt nicht lange, da der Arzt bereits im November 1911 verstarb. Das Haus wurde vermietet. Ab mindestens 1914 wohnte dort der frühere Postassistent Theodor Johannsen, der u.a. mit seiner Margarine ein Vermögen machen sollte.
Die Stadt Wedel erwarb das Gebäude 1977. Während der Bauzeit des Rathauses 1978 bis 1981 war das Bauamt in einer Büro-Baracke im Garten des Gebäudes untergebracht. 1982 wurde das Gebäude für das selbstverwaltete Jugendzentrum AJC ausgebaut, das den bisherigen Standort – das alte Spritzenhaus in der Pinneberger Straße - wegen Nachbarschaftsstreitigkeiten verlassen musste. Von Februar 1983 bis Juni 1987 war dort das AJC beheimatet. Danach nutzten verschiedene Träger für Sozial-, Kinder und Jugendarbeit (Bund für Sozialarbeit mit dem JUKS, die MIKO, KJSA) das Gebäude. Seit dem 1.1.2019 ist die Villa eine städtische Einrichtung.
Dieser Villa gegenüber steht das schöne Eck-Gebäude Mühlenstraße 46. Hier stand bis 1932 ein kleines Gebäude, in dem 1907 eine Zeitlang die Fahrradhandlung Joh. Leppek untergebracht war. 1909 wurde von dem Fischhändler Jacob Mewes mehrere Räucheröfen errichtet. Die Fischräucherei expandierte und 1932 ließ der Fischhändler das Haus abbrechen und durch den jungen Architekten Willy Krämer einen außergewöhnlichen Eckbau als Wohn- und Geschäftshaus planen und umsetzten. Hinter diesem Gebäude wurde 1937 eine weitere Räucherei erbaut. Während der Bauzeit zog die Fischräucherei in ein Holzhaus auf die gegenüberliegende Straßenseite. Nach dem Kriege sah der Fischhändler eine weitere Geschäftsidee und züchtete ab 1954 für einige Jahre auf seinem Grundstück Nerze, die er mit Fischabfällen fütterte. Mehr zu den Sturmfluten, die auch die Mühlenstraße heimsuchten gibt es hier zu lesen.
Mühlenweg
Der Mühlenweg führt heute von der Feldstraße bis zur Einmündung der Rissener Straße, wobei er bei der Einmündung in den Müllerkamp einen Knick Richtung Norden macht. Dieser Straßenverlauf ist erst nach dem Krieg entstanden. Ursprünglich überquerte der Mühlenweg die Rissener Straße und führte direkt auf den heutigen Mühlenstieg – der damals Windmühlenweg hieß – zu und endete an der Bahntrasse. Auch der Name der Straße änderte sich. 1934 wollten die NSDAP-Mitglieder gern an ihre „Märtyrer“ denken, und benannte somit die Straße nach Albert Leo Schlageter, einem militanten Aktivisten, der 1923 wegen mehrerer Sprengstoffanschläge während der Ruhrbesetzung verurteilt und hingerichtet wurde. Eine Benennung, die 1945 zurückgenommen wurde.
Die ersten Gebäude an der Straße entstanden um 1904. Gegenüber der Einmündung der Straße Beim Hoophof, Mühlenweg 23, stand der 1904 erbaute Hof des Landwirtes Peter Biesterfeldt, der im Krieg schwere Schäden erlitt. In der Nähe dieses Gebäudes gibt es einen Fußgänger-Durchweg zur Rudolf-Breitscheidstraße, der heute entlang von Wohnbauten, aber bis 2008 entlang des abgebrochenen Hallenbades führte. An der westlichen Seite der Straße bis zur Straße Beim Hoophof sind die Werkstätten der Firma J.D. Möller zu finden. Aber auch Gebäude, in denen die Mitarbeiter der Firma Möller wohnten. An der Einmündung zur Rissener Straße, Mühlenweg 5 steht noch heute in einem alten Garten das Wohnhaus der Gärtnerei Max Wien, dessen große Treibhäuser nun überbaut sind. Dem gegenüber liegt ein großes Areal, dass Anfang des 20. Jahrhunderts im Eigentum von Johann Cäsar Godeffroy war. Dieses Gelände wurde nach dem Kriege für den Bau einer Schule, der Theodor-Storm-Schule, die heute nach den Gebrüdern Humboldt benannt ist, abgetrennt und aus dem Grunde der Straßenverlauf geändert wurde.
Organistenstraße
Die Organistenstraße umfasst nur wenige Häuser und führt auf einen kleinen Platz, von dem aus durch eine kleine schmiedeeiserne Pforte hindurch der Kirchhof der Immanuelkirche zu erreichen ist. Ebenso führt ein Fußweg zur Straße Hinter der Kirche. Den Namen trägt die Straße nach dem dort stehenden Schulgebäude in der Organistenstraße 5, das zugleich das Wohnhaus des Organisten war. Hier waren, bis 1956 die Pestalozzischule dort Raum fand, auch die Dienstwohnungen der Lehrer. Die Pestalozzischule wurde unter dem Namen „Hilfsschule“ in Wedel erst im September 1946 in der Küsterstraße 5 mit 35 Kindern und einem Lehrer gebildet. Obwohl Schulrat und Lehrkräfte bereits in den 1930er Jahren drängten, den Schultypen einzurichten, da es in Wedel überproportional viele lernschwache Schüler gebe. Der erste Leiter der „Hilfsschule“, die ab Juni 1951 den Namen Pestalozzischule trug, war Max Wetzel. 1973 erhielt die Schule ein eigenes Gebäude an der Straße Autal und zog aus der Organistenstraße aus. Heute ist das Gebäude Teil des Johann-Rist-Gymnasiums und wird dort „Stall“ genannt.
Pestalozzistraße
„Entwicklungsgebiet Schulau-Ost“, hätte es heißen können. Der Bauunternehmer Johann Hinrich Hatje erwarb bereit Anfang des letzten Jahrhunderts in verschiedenen Schulauer Gegenden große Gebiete und überplante es dann gemeinsam mit der Stadt Wedel. Die Stadt legte dann mit einem Fluchtlinienplan die Straßenzüge fest und baute die Straßen, der Maurermeister Hatje baute die Häuser entlang dieser Straße und verkaufte die bebauten Grundstücke anschließend. Auch in der Pestalozzistraße, die bis 1945 den Namen Moltkestraße trug, war es so. Hier wohnten in den 1930er Jahren zahlreichen Arbeiter, unter ihnen Johann Heinrich Martin Kleinikauf (1856 – 1943), ehem. sozialdemokratischer Stadtvertreter und Vorsitzender des Arbeiter- und Soldatenrates. Bekannt war die Straße auch dafür, dass die Umgangssprache polnisch war, da hier zahlreiche Bewohner lebten, die in der Zuckerfabrik arbeiteten und aus dem polnischen Sprachraum eingewandert waren.
Pferdekoppel
Pferdekoppel
Die Pferdekoppel ist eine Parallelstraße der Pinneberger Straße. Die Benennung der Straße in Pferdekoppel sollte 1970 ein Kuddelmuddel auflösen. Im Prinzip sollten Straßennamen eindeutig, gut verständlich und einprägsam sein. Namen, die zu Verwechslungen, Missdeutungen o.ä. Anlass geben, sollten vermieden werden. Und Verwechslungsgefahr war hier gegeben. Denn die Pferdekoppel trug zuvor den Namen Wiede. Und da es neben der Wiede in Wedel zudem die historische Wiedestraße, und die Straßennamen Wiedetwiete und Wiedkamp gibt, sollte die Straße, die über einen ehemaligen Reiterplatz führte, nun den Namen Pferdekoppel erhalten. Aber damit nicht genug der Verwirrung: Nachdem es beim Straßenausbau der Pferdekoppel nicht zu einer Straßenverbindung zur Straße Wiede kam, wurden die westlich von der Wiedestraße gelegene Stichstraße wieder zurück in Wiede umbenannt. Da können wir froh sein, dass die Straße Weidenweg in Schulau kriegsbedingt verschwunden ist.
Pinneberger Straße
Kuhstraße war der frühere Namen der Nebenlandstraße von Pinneberg bis zum Wedeler Marktplatz. Einige große Gehöfte waren im 19. Jahrhundert dort ansässig, aber auch der 1808 gegründete Zimmereibetrieb von August Ohle. In der Kuhstraße war gleich hinter dem Wohnhaus Mühlenstraße 1 eine Scheune gelegen, die bis zum Neubau des Spritzenhauses in der Kuhstraße 9 im Jahr 1890 für die Unterbringung der Feuerlöschgeräte diente. Acht Jahre später wurde die Straße gepflastert und mit Sielleitungen versehen. Ab dann wurden dort auch Stadthäuser errichtet, die Straße wurde ein klein wenig vornehmer und in Pinneberger Straße umbenannt. In dem Wohnhaus Pinneberger Straße 4 wohnte ab 1902 eine Zeitlang die Familie von Friedrich Eggers und vermutlich war hier bis zur Fertigstellung des Rathauses an der Austraße 1906 auch dessen Büro eingerichtet. Zudem wird in dem Gebäude eine Atelier-Wohnung gewesen sein. Denn Ernst Barlach zieht hier am 01.10.1901 aus Charlottenburg kommend ein und drei Jahre später weiter nach Höhr im Westerwald. 1912 zieht erneut ein Künstler in das Haus. Der Kunstmaler Julius von Ehren (1864 – 1944) wohnt hier für ein paar Jahre. Vielleicht besuchte ihn dort Rudolf Höckner, mit dem er gemeinsam studiert hatte. Denn dieser entschied sich 1915 nach Wedel in die Mühlenstraße zu ziehen.
Pulverstraße
„Gestern Abend um 10 ½ [Uhr] ist die Pulverfabrik fast gänzlich explodiert. Die Häuser in Schulau, Spitzerdorf und Wedel sind arg beschädigt; auch sind drei Leichen aus einem Gehöfte und Zimmern des Wohnhauses gezogen worden. Außerdem sind fünf Arbeiter und der alte Schlu noch vermißt.“ Das sind Worte aus dem ersten offiziellen Bericht des Schulauer Ortsvorstehers Ladiges an den Kirchspielvogt in Blankenese, in dem er das Unglück vom 6. Mai 1878 meldet. Doch er irrte, denn insgesamt zehn Menschenleben kostete das Explosionsunglück am Schulauer Ufer, das wohl durch die Fahrlässigkeit der Betreiber entstand. Es war nicht das einzige, aber wohl spektakulärste Unglück in der Schulauer Fabrik, das sich durch den heiklen Produktionsstoff ereignete. Erbaut wurde die Fabrik am Elbhochufer im Sommer 1877 durch die Firma Klée und Koecher der Herren Wilhelm Klee und Heinrich Adolph Rudolph Köcher. Die ersten beiden Arbeiter der Pulverfabrik waren Köhler aus dem Harz. Diese waren zunächst damit beschäftigt, die für die Fabrik benötigten Kohlen in den Köhlermeilern, die für diesen Zweck in den Dörfer Appen, Winseldorf und Garstedt errichtet wurden, zu fertigen. Die dazu benötigte riesige Menge an Holz – Erlen und Weiden – entnahm man kurzerhand den heimischen Wäldern.
Bereits im Winter 1877/1878 läuft die Produktion an und gleich im Februar 1878 gibt es den ersten schweren Betriebsunfall. Der „Arbeiter Kock geriet beim Schmieren der Maschine in selbige und ihm wurde der Arm total zermalmt, so daß die Amputation nothwendig wurde“. Und kein viertel Jahr später dann die schreckliche Explosion. Die Gaststätte von Peter Heinsohn, das spätere Schulauer Fährhaus, war der Sammelort der Leichen. Neben dem 56-jährigen technischen Direktor und Teilhaber von Klée und Koecher, August Schlu, traf es die Familie des Pulvermeisters 39-jährigen Hans Heinrich Bostelmann, Catharine Maria Bostelmann geb. Meyer (46 Jahre alt) und deren sechsjähriger Sohn Wilhelm, die aus dem zertrümmerten Wohnhaus geborgen wurden. Außerdem starben der Fabrikarbeiter Johann Dietrich Behrmann aus Rissen und Peter Friedrich Kuphaldt (31) aus Spitzerdorf am Kollerwerk, sowie die Arbeiter Adolph Bender (37) und Friedrich Wilhelm Ludwig Röder (21), die an der Presse gearbeitet haben. Später wurden noch die Leichen des 30-jährigen Arbeiters Friedrich Wilhelm Schmitz und des 36-jährigen Arbeiters Heinrich Wilhelm Poggenmeier entdeckt.
Das Entsetzen über dieses schreckliche Unglück war groß. Überregionale Zeitungen berichteten, Fotografen, wie Johann Diedrich Möller hielten die Schäden im Bild fest. Im weiteren Umkreis entstanden beträchtliche Schäden an Gebäuden. Die Fabrikbesitzer selber schienen unbeeindruckt und beantragten bereits im Juni 1878 eine neue Baukonzession für den Neubau der Anlage. Der Sohn ihres verstorbenen Teilhabers, August Schlu (* 1853) wurde Inspektor der Pulverfabrik. Die Anwohner liefen gegen den Neubau Sturm, organisierten sich und trug die Bedenken zur Neuerrichtung mit einer Petition an „Sr. Kaiserlich-Königliche Hoheit den Kronprinzen des Deutschen Reiches“ und weil diese nicht fruchtete an den „Hohen Reichstag zu Berlin“ vor. Aller Aufwand der Anwohner, ein neues Werk zu verhindern, schlug fehl. Auch der Kampf der Anwohner um die Entschädigung zog sich mürbend lange Jahr hin und erbrachte erst im Sommer 1885 Erfolg auf dem Klageweg. Die Fabrik produzierte letztlich noch bis zum 30.06.1903 und die Anwohner hatten mindestens zwei weitere Explosionen zu ertragen. So flog im März 1882 der Mengeschuppen in die Luft, am 25.11.1893 zerlegt es das Körnerwerk II und das Polierwerk II.
Wollen Sie mehr zur Geschichte der Pulverfabrik, über die Explosion und die Schwierigkeiten bei der Erstattung der Entschädigung wissen, dann werfen Sie einen Blick in den Aufsatz von Stefan Wendt.
Ein Teil des Geländes der früheren Pulverfabrik kam Jahre später in den Besitz des Kaufmannes Theodor Johannsen. Er ließ dort einen Park anlegen und nannte ihn Schwarz-Bunt-Park nach der von seiner Firma Petersen und Johannsen produzierten Margarine-Marke. Anfang der 1930er hatte er Planungen, dort ein Kinderheim zu bauen. Nachdem er 1931 überraschend starb erbte seine Tochter Hertha Ladiges geb. Johannsen sein Vermögen. Sie verstarb bei der Geburt ihres Kindes wenige Jahre später. Ihr Witwer benannte den Park anschließend nach ihr und setzte ihr dort einen Gedenkstein. Der Park diente als Naherholungsgebiet, aber auch der Hitlerjugend als Übungsgelände. Nach dem Kriege wurden die Bäume gefällt und zu Feuerholz verarbeitet. 1957 wurde dort die Albert-Schweitzer-Schule errichtet.
Rathausplatz
Dieser Platz ist ein Teil der Bahnhofstraße und trägt den Namen erst, seitdem dort ein Rathaus steht und das Gelände umgestaltet wurde. Das erste Gebäude mit Diensträumen für Verwaltung, Stadtkasse und Stadtsparkasse wurde 1927 bezogen. Wenige Jahre später wurde der städtische Gasthof, der sich gegenüber dem Bahnhofsgelände befand, abgebrochen und machte 1936 Platz für den Neubau des Rathauses. Zu diesem Zeitpunkt war der Platz bereits umbenannt und trug bis zum Mai 1945 den Namen Adolf-Hitler-Platz.
Dem Rathaus gegenüber, Rathausplatz 6, errichtete der Schuhmachermeister Johann Thee 1907 ein Wohn- und Geschäftshaus. Der Schumacher verstarb jung und das Grundstück wurde an den Bäcker Lepthien verkauft. Die Familie betrieb dort zunächst selbst bis 1971 ein Café, verpachtete das Lokal dann an Gastwirte, die bis 1991 Gäste unter wechselnden Namen, zuletzt Rathaus-Eck bedienten. Daneben errichtete das Kaiserliche Postamt 1912 ein Gebäude. Nach Fertigstellung des Gebäudes in der Bahnhofstraße 18 zog die Polizei in das Gebäude. (Weitere Standorte von Polizei und Post sind hier zu entdecken).
Reepschlägerstraße
Die kleine verkehrsberuhigte Parallelstraße zur B431 zwischen Gärtnerstraße und Schauenburgerstraße trägt seit 1970 den Namen Reepschlägerstraße. Schmucklose viergeschossige Mehrfamilienhäuser sind heute dort zu finden. Nichts deutet mehr darauf hin, dass in der zuvor genannten Hinterstraße noch zahlreiche hübsche und geschichtsträchtige Kleinbürgerhäuser standen, die den Bombenabwurf im Zweiten Weltkrieg überstanden hatten. Dennoch wurden sie fast alle im Zuge des B-Plans 36 Ende der 1960er Jahre abgebrochen, um für das Bauprojekt der Alten Leipziger Platz zu machen. Lesen Sie hier die Geschichte einzelner Häuser der Hinterstraße.
Riesenkamp
Der Name erinnert an einem großen Opferstein, den Johann Rist im sechsten und letzten seiner Monatsgespräche mit dem Titel "Die alleredelste Zeit-Verkürtzung der Gantzen Welt" aus dem Jahr 1668 beschreibt. Ob er tatsächlich hier zu finden war, ist ungewiss. Gewissheit gibt es aber, dass in der heutigen Einfahrt in den Riesenkamp bis zum März 1943 das frühere Armen- und Werkhaus der Stadt Wedel stand. Näheres zur Geschichte der Alters- und Armenversorgung Wedels finden Sie hier.
Rissener Straße
Wenn man vom Bahnhof aus den Rosengarten hochgeht, dann beginnt hinter der Straße Bei der Windmühle die Rissener Straße. Das erste Gebäude links, erbaut 1909 durch den Arbeiter August Lieb wurde erst im Herbst 2024 abgebrochen. Auch sonst befanden sich bis vor einigen Jahren am Anfang der Straße noch einige schöne bürgerliche Villen aus dem beginnenden 20. Jahrhundert. Da auch viele Straßenbäume dort standen, war der Name der Straße auch eine lange Zeit Rissener Chaussee.
Gastwirtschaften gab es an der Straße zahlreiche. Da war in der Rissener Straße 21 bis mindestens 2010 die 1969 eröffnete Spatenkate von Frieda Becker, das zwei Jahre zuvor eröffnete Willys Bierstübchen, später Hotel Senator von Willy Geschke in der Rissener Straße 31, das 1994 abgebrochen wurde und mit einem Mehrfamilienhaus bebaut wurde. In der Rissener Straße 67 gab es ab 1909 bis mindestens 2008 die Schankwirtschaft Gröner Born von Louis Grabow. Diese Gastronomie ist spurlos verschwunden, genauso wie die Gaststätte Downtown, die Bar „Das kleine Teehaus“, die Spielhalle Casablanca und die Großdiskothek Mr. Pomeroy, die sich am Ortsausgang befanden. Wo die 1986 errichtete Diskothek stand ist noch heute die Brachfläche des 2018 durch Feuer vernichteten Gebäudes zu sehen.
Hier gegenüber ist übrigens das Nebenlager des KZ Neuengamme gewesen, dass vom 13.09. – 20.11.1944 im Barackenlager II zwischen der Rissener Straße und der Feldstraße lag. Nähere Infos darüber gibt es hier.
Neben dem erst kürzlich geschlossenen Fitnessstudio in der Rissener Straße 94 gab es übrigens noch weitere Sportstätten. Der Tennisclub Wedel hatte seit Anfang der 1950er Jahre bis 1984 Tennisplätze in Höhe der Rissener Straße 39. Und ganz am Ende der Straße, kurz vor der Grenze nach Hamburg gab es bis 1992 ein Squash-Zentrum, das zum Hotel Kreuzer umgebaut wurde.
Riststraße
Der Fußweg, der von der Mühlenstraße zur Pinneberger Straße entlang führte, wurde 1907 zu einer Straße ausgebaut. Hier entstand eine Siedlung mit schönen gutbürgerlichen Wohnhäusern. Hier wohnte der Maler- und Glasermeister Heinrich Ludwig Walter, der auf keiner Feier fehlte und dessen Sohn Hellmuth in den 1930er Jahren in Kiel den „Walter-Antrieb“ für U-Boote entwickelte, die aber aus verschiedenen Gründen nie in Serie gehen sollte. Lesen Sie hier von Uwe Pein die Geschichte der Riststraße und deren Bewohner.
Roggenhof
Die kleine Straße Roggenhof ist eine Verbindungsstraße zwischen Schloßkamp und Hafenstraße. Bis zum Dezember 1937 trug sie den Namen Am Lieth und sollte eigentlich in Roggenkamp benannt werden. Aber der Ratsherr Wilhelm Ladiges, der dort an der Straße wohnte, setzte durch, dass die Straße fortan Roggenhof heißt.
An der Einmündung der Hafenstraße in Richtung Westen reichten die Grundstücke Roggenhof 1-3 bis an die Schulauer Straße heran. Hier hatte der Altonaer Küpermeister John Hinrich Carl Groneweg 1885 Grundstücke gekauft, um Fabrikationsgebäude für seinen Bandreißereibetrieb zu schaffen. Hier ließ er hölzerne Reifen, die Fässer zusammenhielten, herstellen. Abbildungen der Werkstatt von 1897 zeigen etwa dreißig Männer, Frauen und Kinder, die dort in den Schuppen arbeiteten. Bis um die vorletzte Jahrhundertwende war die Produktion von Fassreifen noch sehr gefragt, es gab in Wedel und Schulau zahlreiche Bandreißerbetriebe. 1900 ging die die Firma Groneweg in den Konkurs, der Altonaer Firmensitz, aber auch die Grundstücke in Schulau wurden verkauft. Zunächst erwarben es Carl Vogelgesang, der Direktor der Zuckerraffinerie und der Maurermeister J.H. Hatje und haben die Produktionsräume zu Arbeiterwohnhäusern umgebaut. 1916 wurde es weiterverkauft an die Gesellschaft Kruse und Bleichwehl und deren Inhaber, den Ingenieur Bernhard Scherbaum. Der 1876 in Altona geborene Erfinder war Inhaber von Patenten und betrieb dort durch die Kriegsjahre eine Maschinenbauanstalt und auch Landwirtschaft. 1926 reichte der Wedeler Mediziner Robert Neudörffer die Planunterlagen des Hamburger Architekten Karl Schneider für den Neubau einer Maschinentechnischen Versuchsanstalt beim Bürgermeister Eggers ein, der Bau kam nicht zur Ausführung. 1927 ist in der Zeitung nachzulesen, dass sich der Fabrikant Scherbaum wegen Meineides vor dem Altonaer Gericht zu verantworten hat. Ein Jahr später ist er in die Hafenstraße umgezogen, danach verliert sich die Spur des Erfinders.
Rolandstraße
Die Rolandstraße beginnt am Marktplatz und geht bis zur Einmündung der Reepschlägerstraße. Die Rolandstraße trägt erst seit dem 30.01.1939 diesen Namen. Bis dahin war Ansgar von Bremen (801-865), der „Apostel des Nordens“ der Namensgeber der Straße, die ab 1860 Ansgariusstraße genannt wurde. Zuvor aber auch mal als Grote Straat oder Hauptstraße bezeichnet wurde. Am Eingang der Straße, in der Rolandstraße 1 war bereits seit mindestens 1895 der Kolonialwarenhändler Carl Ketel zu finden. Dieser erstellte sich bereits 1907 eine Wagenremise und beantragte 1926, eine Autogarage mit Werkstatt anzubauen. Gleichzeitig beantragte er eine Dapolin-Pumpanlage der Firma Deutsch-Amerikanische Petroleum-Gesellschaft errichten zu dürfen. Die Firma Ketel zog Anfang der 1960er Jahre in den Kronskamp, zunächst hatten sie zwei Geschäftssitze. Anfang der 1970er Jahre wurde das Grundstück in der Rolandstraße an die Stadt Wedel verkauft und 1976 das Gebäude abgebrochen.
Auf der gegenüberliegenden Seite stand seit 1873 ein Denkmal, dass an die Gefallenen in dem Krieg von 1870/1871 erinnert, dass 1977 in Einzelteile zerlegt und in veränderter Form in dem Bürgerpark wieder aufgestellt wurde. Dieser Bürgerpark, der sich hinter dem Parkplatz eines Supermarktes befindet, war der erste Friedhof Wedels. Als der Platz um die Kirche herum für die Begräbnisse nicht mehr ausreichte, wurde 1838 der Friedhof angelegt. Dieser wurde 1874 erweitert und letztlich nach Ablauf der Ruhefrist im Jahr 1973 eingeebnet und zum Bürgerpark umgestaltet.
Rollberg
Die erst ab 1900 befestigte und mit Wohnhäusern bebaute Straße „Zu den Landungsbrücken“ erhielt 1904 den Namen Rollberg nach der historischen Flurbezeichnung dieses Areals. Das erste Haus an der Einmündung zur Doppeleiche war das Fischgeschäft von Jakob Völkers. Gleich dahinter, im Rollberg 3 wurde Anfang 1927 ein Ladengeschäft der PRODUKTION eingerichtet. In Wedel war dies die zweite Verteilstelle des gewerkschaftseigenen Konsum-, Bau- und Sparvereins in Wedel. Die erste fand am 20.07.1906 in dem mit Stroh gedeckten Gebäude Rosengarten 3 Platz. Da diese Ladengeschäft Ende der 1920er Jahre nicht mehr groß genug war, zog die Verteilungsstelle 38 1929 in die Mühlenstraße 4, im gleichen Jahr folgte die dritte Verkaufsstelle im Kronskamp 56.
Die gewerkschaftseigenen Geschäfte wurden nach 1933 gleichgeschaltet und fanden sich in der Hand der Deutschen Arbeiterfront, ab 1936 als Niederelbische Verbrauchergenossenschaft wieder. Erst nach 1949 konnten die Geschäfte wieder unter dem Namen PRO eröffnet werden. Auch in Wedel kamen dann wieder Konsumgenossenschaftliche Einkaufsgeschäfte. Das zerstörte Haus Mühlenstraße 4 wurde errichtet und 1949 eröffnete dort die Pro. Auch das im Krieg zerstörte Gebäude am Rollberg 3 wurde durch einen Neubau ersetzt. Hier wurde am 10. Mai 1951 die Verkaufsstätte wiedereröffnet. Das Ende der Filialen wurde in Wedel im Dezember 1964 eingeläutet, zunächst schloss die Filiale in der Mühlenstraße 4, die Filiale Rollberg 6 hielt sich bis zum Mai 1968, im Kronskamp 56 schloss die Filiale am 13.4.1974. Nur die Betriebsstätte in der Bahnhofstraße 45, die am 16. Mai 1968 eröffnet werden konnte, hielt sich bis zum 31.01.1985. Auch in der Friedrich-Eggers-Straße 77 war eine Zeitlang ein PRO-Geschäft zu finden.
Rosengarten
Die Bundesstraße B 431 vom Rathausplatz bis zur Einmündung des Mühlenstieges trägt die Bezeichnung Rosengarten. Die Benennung der Straße ist auf ein Flurstück zurückzuführen, das erstmals in dem Kornregister von 1601 Erwähnung findet. Die Bedeutung des Namens ist unklar. So kann der Name sowohl auf einen alten Kultplatz oder einen Turnierplatz, aber auch auf einen Friedhof oder einen Arzneigarten hinweisen. Der Straßenverlauf führte zunächst an der Windmühle vorbei und wurde erst beim Straßenausbau der Landstraße von Elmshorn über Uetersen nach Blankenese in der Mitte des 19. Jahrhunderts begradigt.
Neben dem Bahnhof lag der Rosenhof, deren spannende Geschichte hier nachzulesen ist.
An der östlichen Seite des Rosengartens waren die Besitzungen von Johann Diedrich Möller mit den Villen Rosengarten 6 – 10 und den dahinterliegenden Fabrikationsräumen zu finden. Neben dem Gebäude Rosenhof war Jahrzehntelang die 1894 gegründete Meierei zu finden. Sie wurde im Zweiten Weltkrieg schwer zerstört, aber gleich wiederaufgebaut. Die Produktion wurde im Frühjahr 1967 eingestellt, das Gebäude 1977 abgebrochen und ab den 1980er Jahren mit dem Ärztezentrum überplant. Am Rosengarten 25 erwarb der Wedeler Turn- und Sportverein 1912 ein großes Areal und richtete hier einen Sportplatz ein, der 1926 mit einer Sporthalle bebaut wurde. Diese Sporthalle hatte von Beginn an einen Versammlungsraum und eine Badeanstalt. In dieser Badeanstalt gab es Wannenbäder, nach dem Kriege ist dort auch eine Sauna dort eingezogen. 2005 wurde die Halle abgebrochen und durch ein Firmengebäude ersetzt, ein Denkmal vor der Tür erinnert noch heute an sie.
Rudolf-Breitscheid-Straße
Die Rudolf-Breitscheid-Straße verläuft von der Rissener Straße aus Richtung Süden, kreuzt die Feldstraße und mündet in den Tinsdaler Weg. Ursprünglich war dies die Trasse einer 1896 geplanten Fabrikbahn vom Bahnhof Wedel zur Zuckerraffinerie Schulau. Diese Planungen kamen nie zur Ausführung. Stattdessen begann Bürgermeister Friedrich Eggers gleich nach dem Ersten Weltkriege damit, im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine Industriebahnstrecke, die von der Rissener Grenze abzweigt und von dort Richtung Elbe verläuft, auszubauen. 1921 wurden die Grundstücke der Bahnstrecke gegen die Grundstücke der Verbindungsstraße Rissener Straße bis zum Tinsdaler Weg getauscht. Zeitgleich sorgte Eggers dafür, dass die beiden Industriebetriebe Vacuum Oil AG und Zuckerraffinerie die „Wedel-Schulauer Industriebahn-Gesellschaft“ gründeten, damit die Industriebahn gemeinsam betrieben wird.
Die Straße trug zunächst ab Dezember 1937 den Namen Nordschleswigstraße. Hier wurden Anfang der 1940er Jahre durch Baukolonnen der Kriegsmarine Holzfertighäuser, sogenannte „Finnen-Häuser“ errichtet, die ab 1941 aus Finnland importiert wurden und als Unterkunft für bombengeschädigte Familien errichtet wurden. In Wedel dienten sie als Ersatz für die im Zuge des Bauprojektes „Wenzel“ enteigneten Familien. 1948 wurde die Straße nach dem im Konzentrationslager Buchenwald zu Tode gekommenen sozialdemokratischen Politikers Rudolf Breitscheid benannt. Anfang der 1950er Jahre errichtete die Siedlungsgenossenschaft Eigenheim zwischen Rissener Straße und Kronskamp mehrere Mehrfamilienhäuser. Hinter den Hochhäusern Rudolf-Breitscheid-Straße 38 und 40 wurde 1974 eine Dreifeld-Sporthalle, 1980 ein Pflegeheim der Arbeiter-Wohlfahrt und 1990 ein Tagespflegeheim der AWO errichtet. Das 1969 dort erbaute Hallenbad wurde 2003 abgebrochen.
Rudolf-Höckner-Straße
Die Rudolf-Höckner-Straße ist eine sehr alte Straße und führt von der Rolandstraße hinunter zur Marsch. Sie trug bis zum 19.02.1948 den Namen 1. Hörnstraße und wurde dann nach dem Kunstmaler und Wedeler Ehrenbürger Rudolf Höckner (1864-1942) benannt. In der Straße gab es noch nach dem Krieg beeindruckende Bauernhöfe, die nicht zerstört waren. So die schönen nebeneinanderliegenden Gebäude Rudolf-Höckner-Straße 5 und 7. Der Hof Rudolf-Höckner-Straße 7 wurde 1757 durch Michael Breckwoldt und seiner Frau Anna Catherina erbaut. Der Hof war ein eingetragenes Kulturdenkmal und wurde dennoch am 26. Februar 1973 abgebrochen. Der davorstehende Hof aus dem Jahr 1782 wurde bereits im Mai 1960 abgebrochen.
Immerhin ist auf der gegenüberliegenden Seite noch heute der Bau Rudolf-Höckner-Straße 6 zu finden. Das Gebäude gehörte bis in die 1970er Jahre der Tischlerei Uhl. Der Tischler hatte Wohn- und Werksgebäude 1964 an den Orgelbauer Christian Lobback verpachtet. Dieser hat dort seine Werkstatt eingerichtet, verzichtete aber 1979 auf den Kauf des Gebäudes. Den Zuschlag erhielt die Stadt Wedel, die plante, das Gebäude abzureißen, um die Straße auszubauen. Das wiederum wollte die Stadtvertretung einige Zeit später nicht mehr, sondern sie wollte dem DRK ermöglichen, dort eine Altentagesstätte einzurichten. Nach unerfreulichem Hin- und Her konnte das DRK seine Altenarbeit voranbringen und der Orgelbauer entschied sich, seine Werkstatt nach Neuendeich in der Seestermüher Marsch zu verlegen. Hier fertigte der im Januar 2015 verstorbene Orgelbauer zahlreiche beeindruckende Orgeln für Kirchen in ganz Deutschland. Eine der Orgel steht auch in Wedel und ist zu den Gottesdiensten in der Christuskirche Schulau regelmäßig zu hören.
Schauenburgerstraße
Die Schauenburgerstraße ist nach dem Schauenburger Grafenhaus benannt. Deren Pinneberger Linie herrschte noch bis ins Jahr 1640 in der Grafschaft Holstein-Pinneberg und somit auch hier. Die Straße ist kurz und beginnt in der Verlängerung der Rolandstraße an der Einmündung der Reepschlägerstraße und endet gleich hinter der Einmündung der kleinen Straße Lüttdahl in die Holmer Straße. Das wohl bekannteste Gebäude steht in der Schauenburgerstraße 4 und ist das Reepschlägerhaus. Verschwunden ist das danebenstehende Wohn- und Geschäftshaus Schauenburger Straße 2. Hier war das Lebensmittelgeschäft von Hermann Biesterfeldt, dass Mitte der 1990er Jahre abgebrochen wurde. An der Straße waren bis in die 1980er Jahre noch mehrere Bauernhöfe zu finden. Der Bauer Hermann Röttger hatte 30 Kühe und Getreideanbau, verließ seinen Hof in der Schauenburgerstraße 16 um 1985 und siedelte sich in Gnutz bei Neumünster an. Der Bauer Berend Langeloh, Schauenburgerstraße 12, hatte 50-60 Kühe und Getreideanbau siedelte etwa 1991 nach Grabau, Kreis Stormarn. Grund dieser Aussiedelungen war, dass zum einen die Weideflächen zu weit auseinanderlagen und zudem das Vieh nicht über die B431 getrieben werden konnte. Das letzte Haus liegt in der Schauenburgerstraße 17. Bekannt ist ein Hof bereits seit dem 17. Jahrhundert und war höchstwahrscheinlich im Eigentum des Pastor Albert Kirchhof. Dieser war von 1622 bis 1635 zunächst Pastor in Wedel und ging dann an die Kirche nach Rellingen. Ihm folgte im Amt anschließend Johann Rist, die beiden sollten enge Freunde werden. Die Wohnstelle ging über die Jahrhunderte über hinweg in die Familie Treuel. Dies Wohnhaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, aber auch wiederaufgebaut.
Schulauer Straße
Die Schulauer Straße, die vom Schulauer Hafen bis zur Stocksbrücke führt, trug bis zur Eingemeindung Schulaus in Wedel 1909 den Namen Weidenstraße. Die Straße ist erst im Zuge der Errichtung der Stocksbrücke 1864 entstanden. Sie ist beim Straßenausbau 1971 – 1975 ein wenig überdimensioniert geraten und wurde im Volksmund nach dem damaligen Leiter des Stadtbauamtes Antonius Blanke, Blanke-Chaussee genannt. Hintergrund dieses opulenten Ausbaus lag vermutlich in der sogenannten kleinen Deichbaulösung, zu der hier nachgelesen werden kann. Am Schulauer Hafen gab es verschiedene Gebäude der Werften. Auch die Gebäude in der Schulauer Straße 7 bis 11 gehörten zu der ehemaligen Werft, die hier um 1800 durch Johann Christopher Behrens und dessen Sohn Johann Diederich Behrens gegründet wurde. (Nachzulesen hier in der Darstellung der Geschichte des Schiffbaus und der Schifffahrt von Wedel von Dagmar Jestrzemski) Dessen Nachkommen betrieben noch bis vor einigen Jahren die Gaststätte und Pension Elblust.
Weiter Richtung Stocksbrücke befanden sich wenige alte Gebäude, die meisten waren kleine Wohnhäuser mit Stallungen, auch einige Wochenendhäuser standen bis 1930 entlang des Weges. Bis auf die Villa in der Schulauer Straße 69, einem Eckgrundstück zur Höbüschentwiete. Hier erbaute sich der Bildhauer Joachim Hinrich Ramcke um 1900 ein stattliches Wohnhaus. Nach ihm hatte der aus Berlin-Charlottenburg kommende Direktors Gustav H. Wark ab 1916 das Gebäude für einige Jahre im Eigentum. Ab 1930 lebte dort der erste Chefarzt des Krankenhauses, Dr. med. Holzweißig mit seiner Familie, der aber bereits 1933 zurück in seine Heimatstadt ging. Vermutlich ab 1936 gehörte das Grundstück dem Korvettenkapitän Alfred Stoß (1885-1944), der es mit seiner Familie bewohnte. Stoß war Autor mehrerer antisemitischer und völkischer Publikationen, zudem publizierte er regelmäßig im „Völkischen Beobachter“. Das schöne Gebäude wurde 1964 abgebroche. Heute ist das ganze Areal neu bebaut.
Schulstraße
Eine kurze Straße mit vielen Namen! Der Teil, der zum Markt führte wurde Mückenpforte genannt. Hier in einem der ältesten Gebäude, dem Freihof, wurde 1851 Hermann Molkenbuhr geboren, der später Reichstagsabgeordneter und eine der prägendsten Persönlichkeiten der SPD Deutschlands werden sollte. In dessen Lebenserinnerungen „Ich wollte nach oben!“, die 2006 herausgegeben wurden, lassen sich bezaubernde Beschreibungen des verträumten Wedels mit dem belebten Markt, mit den großen Kastanien vor dem Haus und spielenden Kindern am Wedeler Hafen finden. An dem südlichen Teil, dem damaligen Englischer Berg, war bis 1900 die Dachziegelfabrik des Baumeisters J.P. Jörgensen zu finden. Wenige Jahre nach dem Verkauf des Unternehmens wurde die Wohn- und Betriebsräume durch einen Großbrand vernichtet und der Betrieb ging Konkurs.
Schützenkamp
Die im Moorweggebiet liegende Straße soll die Erinnerung an den einst dort vorhandenen Schützenplatz wachhalten. Dieser wurde Anfang des letzten Jahrhunderts mit 3 Jagdstände mit 60 Metern, 4 Auflagescheibenstände und 4 Standscheibenstände mit jeweils 175 Meter und 4 Feldscheibenständen mit 300 Metern in der Feldmark errichtet. Für die Schützen und deren Besucher wurde eine rund 200 m² großen Schießhalle erbaut. Diese wurde durch einen offenen Pavillon gekrönt, der mit einer 8 Meter hohen Aussichtsplattform versehen wurde. 1908 konnte dort das 37. Norddeutschen Bundesschützenfest ausgerichtet werden. Als besondere Attraktion wurde ein Münchner Festwirt angekündigt, der mit seinen 30 Original-Oberlandern fidele Gesangs- und Biermusik machte und von 15 bayrischen Kellnerinnen in Nationalkostümen Bayerische Schweinswürstel servieren ließ. Dem fröhlichen Treiben machte der Erste Weltkrieg ein Ende, die Schützenhalle wurde 1925 abgebrochen. Das Gelände wurde ab 1953 überbaut.
Spitzerdorfstraße
Die Spitzerdorfstraße war das Zentrum des ehemals zum Hamburger Domkapitel gehörenden Ortes Spitzerdorf. Die Benennung der Straße war nicht einheitlich. So wurde der Teil von der Bahnhofstraße über die Einmündung der Bekstraße hinweg bis zur Bahnhofstraße „Bürgerstraße“ genannt. Der daran anschließende Teil von der Bahnhofstraße in Richtung Feldstraße war die „Wilhelmstraße“ und das letzte Stück bis zur Feldstraße wurde Lohtor genannt. In der Sitzung der Gemeindevertretung von Schulau entschloss man sich, der Straße den Namen Spitzerdorferstraße zu geben. 1937 wurde das in Spitzerdorfstraße abgeändert. Spitzerdorfstraße 1 war lange Jahrzehnte die Gastwirtschaft „Scharpe Eck“, über die hier nachgelesen werden kann. Dem gegenüber lag die Spitzerdorfstraße 2, ein Anbau am Gebäude Bahnhofstraße 36 und 4, das Wohnhaus des Zimmermeisters Koopmann, dass im Bombenhagel 1943 total zerstört wurde.
Besonders in der Straße ist das Gebäude Spitzerdorfstraße 6. Das Hirtenhaus wurde im 18. Jahrhundert durch mehrere Einwohner Spitzerdorfs finanziert. Das Haus, sowie der dazugehörige Garten, die Moorflagen, sowie auch Korn- und Wiesenländereien wurde dem Kuhhirten und seiner Familie als Gegenleistung für dessen Dienste zur Verfügung gestellt. Das Gebäude brannte 1798 ab. Grund und Boden wurden 1827 verkauft und vom Käufer neu gebaut. Ab 1850 war es im Eigentum des Tischlers Riedemann. 1978 geht es durch Tausch in das Eigentum der Stadt Wedel und sollte zunächst abgebrochen werden, um den Zulieferverkehr für das gegenüberliegende Kaufhaus zu erleichtern. Bürgerproteste verhinderten den Plan. Zum März 1990 kauft der Verein Lebenshilfe für Behinderte e.V. das Gebäude und sanierte es umfangreich. Seit dem 25.05.1991 ist hier eine Freizeit- und Begegnungsstätte eingerichtet, einige Jahre später auch eine Kinderkrippe.
In der Spitzerdorfstraße 5, wo heute Mehrfamilienhäuser zu finden sind, war die Bäckerei von Gundlach, später von Hans Gollup weitergeführt. Dem gegenüber in der Spitzerdorfstraße 14 ist noch heute der Hof von Körner zu finden. Über die Geschichte dieser Familie können Sie hier nachlesen. In der Hausnummer 18 war lange Jahrzehnte Köhlers Gasthof zu finden. An der Hausecke zur Bahnhofstraße mit der Hausnummer 10 stand der große Hof des Milchbauern Körner aus dem Jahr 1802. Das stattliche Gebäude wurde im Krieg nur leicht zerstört, wurde aber im Juni 1965 abgebrochen, um einem Wohn- und Geschäftshaus Platz zu machen. Über die Bahnhofstraße hinweg finden wir auf der linken Seite hinter der Bahnhofstraße heute den Schulauer Marktplatz. Dies war bis zum März 1943 der Hof des Bauern Dittmer Biesterfeldt, Bahnhofstraße 47. Die Zerstörungen waren gravierend, der Hof wurde aufgegeben. Auch gegenüber des Hofes wurden die Gebäude durch die Bombenabwürfe schwer zerstört und zunächst durch Baracken ersetzt. Erst nach und nach wurde der Bereich mit Mehrfamilienblocks überbaut. Das galt auch für das Strohdachhaus Spitzerdorfstraße 34 von Wilhelm Burmeister.
Tondernstraße
Die Tondernstraße war Teil der sogenannten Nordschleswig-Siedlung. Die Heimstätte Schleswig-Holstein und die Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft Eigenheim errichteten ab 1934 in dem Siedlungsbereich zwischen Kronskamp und Feldstraße Mehrfamilienhäuser. Die Namen der Straßen sollten an die Städte erinnern, die seit der Volksabstimmung 1920 nicht mehr in Deutschland, sondern in Dänemark lagen, so auch an die Stadt Tondern. In der Tondernstraße, erbaute die Kriegsmarine ab 1941 vier Doppelhäuser des Typs Turku. Diese Finnenhäuser waren Holzfertighäuser, die aus Finnland importiert wurden. In Wedel dienten sie den Familien, die ihr Wohneigentum durch den Bau des Kriegsprojektes „Wenzel“ verloren, als Ersatz. Weitere Häuser gab oder gibt es auch am Kronskamp, an der späteren Rudolf-Breitscheid-Straße und an der Ecke Tinsdaler Weg / Galgenberg. Die vier Finnenhäuser in der Tondernstraße wurden im August 1971 abgebrochen, um dort zwei Mehrfamilienhäuser zu errichten. Interessant ist noch die Straßenbenennung. Nach 1945 war eine Erinnerung an die Volksabstimmung von 1920 nicht mehr angebracht. Die Straßen erhielten Namen von Personen, die im Dritten Reich ermordet wurden, so wurde aus der Tondernstraße die Ernst-Thälmann-Straße. Ernst Thälmann (1886-1944) war ein in Hamburg geborener Politiker in der Weimarer Republik und Vorsitzender der KPD Deutschlands. Dann kam der Oktober 1956. Der blutige durch die Sowjetarmee niedergeschlagene Ungarische Volksaufstand in Budapest war für Westdeutsche eine Zäsur. Entsetzt schaute die Bevölkerung auf die Opfer und die Spätfolgen im kommunistischen Ungarn. Nachdem bereits im August 1956 in der BRD die KPD verboten wurde, folgte eine blindwütige „Abrechnung“ mit allem kommunistischen. Dem fiel in Wedel das Ansehen des im Konzentrationslager Buchenwald ermordeten Politikers Ernst Thälmann zum Opfer. Auf Antrag des Deutschen Wahlblock – ein Zusammenschluss von FDP, CDU und DP – wurde am 14.12.1956 in der Stadtvertretung gefordert, die Straße umzubenennen, „weil ein Wachhalten des Gedankens an einen Politiker der kommunistischen Weltanschauung mit Rücksicht auf den Volksaufstand in Ungarn nicht mehr vertretbar sei“. Der Einwand der SPD-Fraktion, dass der Ungarn-Aufstand den Antragstellern nur als Vorwand dienen würde, einen lang gehegten Wunsch umzusetzen, führte zu einer erhitzten Debatte in deren Verlauf die Wahlblockfraktion kurzzeitig den Ratssaal verließ. Die daran anschließende Abstimmung verlief der Verteilung der Ratssitze nach erwartungsgemäß, die Straße wurde somit wieder in Tondernstraße umbenannt.
Voßhagen
Die Straße Voßhagen beginnt an der Feldstraße und zieht sich über den Kronskamp und die Rissener Straße hinweg bis an die Bahnlinie. Die meisten der Gebäude sind durch die Siedlungsgemeinschaft Eigenheim in den Jahren 1927 – 1933 errichtet worden. Geschäfte gab es in der Einmündung Lindenstraße und Rissener Straße, nämlich die Bäckerei Behrmann, später Gäschke (Rissener Straße 68) und der Friseur Gerhard Heinsohn (Rissener Straße 66) außerdem der Schlachter Jonny Hardorp, der im Voßhagen 56 auch sein Schlachthaus hatte.
In der Straße Voßhagen lebten zahlreiche Sozialdemokraten, die in den Jahren 1933 – 1945 unter Repressalien zu leiden hatten. Unter diesen die Familie von Paul (1880-1945) und Pauline Bröker geb. Roszek (1889-1943) die im Voßhagen 67 wohnten. Beide waren sie seit 1919 kommunalpolitisch aktiv. Während er bis zum Mai 1924 Stadtverordneter war, war sie bereits Mitglied des Fürsorgezweckverbandes, in der Schuldeputation und ab 1924 übernahm sie ein Mandat in der Stadtvertretung Wedel. Von Januar 1930 bis 1933 war sie zudem Mitglied des Kreistages. Aktiv war sie auch in der SPD-Frauenbewegung. Deren beider Kinder waren ebenso politisch aktiv. Beide beteiligten sich aktiv an der Anfertigung und Verbreitung von Protestschriften und wurden wegen Vorbereitung zum Hochverrat 1938 vor dem Volksgerichtshof verurteilt. Willy verbüßte 18 Monate im Gefängnis Moabit und wurde seine Militärzeit im Strafbataillon eingesetzt. Beide traten nach dem Krieg wieder der SPD bei. Marta, nun Marta Damkowski, wurde Frauensekretärin und wurde 1947 in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt, Willy Bröker war von 1948-1974 Mitglied der Wedeler Stadtvertretung.
Die Stadt Wedel hatte in den 1930er Jahren die Gebäude Voßhagen 53 und Voßhagen 55, die zeitweilig für die Unterbringung von wohnungslosen Personen genutzt wurde. Hier wohnte auch der in Schulau geborene Arbeiter Johannes Rehder (1902 – 1975) mit seiner Familie, sein Sohn Helmut blickte 1934 im Obdachlosenhaus in der Blücherstraße 5 das Licht der Welt. Der Arbeiter Rehder war seit 1929 Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands. Er wurde 1933 in die Stadtvertretung gewählt, aber nicht geladen. Bis 1945 litt er unter Repressalien, war sogar in Lagern, aber er überlebte die Zeit.
Das Gebäude der Ev. freikirchliche Gemeinde in der Boockholtzstraße gibt es seit 1963. Die Kindertagesstätte der Gemeinde am Voßhagen, die Kita Löwenzahn wurde im Januar 1972 in Betrieb genommen. Seit Januar 2022 ist sie unter der Trägerschaft der ev. luth. Kirchengemeinde Wedel. Gleich daneben befindet sich seit 1990 eine Fußgängerbrücke über die Bahnschienen. Bis Anfang der 1960er Jahre gab es dort einen ebenerdigen Bahnübergang.
Altstadt Wedel
Im Oktober schien in Wedel der Drang der Nachkriegszeit, alle alten Häuser abzureißen und mit neuen zu ersetzen, zunächst erschöpft.
Man besann sich auf die Bewahrung des Alten und die Stadtvertretung beschloss nach längeren Jahren der Planung 1982 den städtebaulichen Rahmenplan für die Wedeler Altstadt.
Auch war Wedel in das Förderprogramm des Landes gekommen. Dies wirkt sich nicht nur auf die sogenannte Altstadt, sondern auch für viele alte Gebäude Wedels förderlich aus.So wurde im Oktober 1986 die Sanierungen des Gebäudes Hafenstraße 10 und des Heringsgangs finanziell durch die Stadt Wedel unterstützt. Das alte Haus an der Hafenstraße, erbaut um 1800 durch die Schifferfamilie Brunckhorst glich zu diesem Zeitpunkt einer Ruine.
Es wurde mit viel liebevoller Arbeit der Eigentümer nun zu einem Schmuckstück in der schon ziemlich verbauten Straße.
Auch über die typischen Gesindehäuser im Wedeler Heringsgang können sich die Wedeler heute noch erfreuen.
„Gartenstadt Elbhochufer“
Im Dezember 1954 zeigten zahlreiche Fahnen und ein riesiger Richtkranz das erste Richtfest des Großbauvorhabens „Gartenstadt Elbhochufer“ an.
750 Gäste, unter ihnen der Vertreter des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holsteins, der Geschäftsführer der WOBAU und der Landrat Schinkel. Sie alle genossen den an den Richtspruch anschließenden Richtschmaus im Fährhaus. Dennoch gab es mahnende Worte des Landrates, der betonte, dass das ungewöhnlich schnelle Wachsen der Stadt Wedel beim Kreis Pinneberg ernstliche Bedenken hervorgerufen hätte. Man befürchtete die Stadt Wedel würde sich übernehmen. Dem zum Trotze wurde das wohl größte Bauvorhaben Schleswig-Holsteins erfolgreich vollendet und bot Tausenden von Menschen endlich die Gelegenheit aus den Baracken in soliden Wohnraum zu ziehen.
Um März 1964 begann der Abbruch der Werkswohnungen der Zuckerfabrik, um Platz für die Erweiterung des Großbau-Projektes Gartenstadt Elbhochufer zu machen. Die alten Rotklinkerhäuser wurden um 1892 erbaut. Dort hatten zu Zeiten der Hochkonjunktur bis zu 480 Mitarbeiter aus Zuckerrüben Zuckerhüte gekocht. In den 3- und 4-Familienhäusern mit außen liegenden Toiletten und Schuppen wohnten die Fabrikarbeiter. Darüber hinaus gab es Häuser für Beamte der Zuckersteuerstelle, ein Portierhaus und Häuser für die Hauptamtsassistenten der Zuckerfabrik. Die einfachen Arbeiter und Arbeiterinnen fanden Unterkunft in den sogenannten Arbeiter-, bzw. Arbeiterinnenkasernen.
Weitere Geschichten zur Gartenstadt Elbhochufer können Sie in dem Aufsatz von Barbara Scharf in den Beiträgen zur Wedeler Stadtgeschichte entnehmen.
Ladenzeile am Elbhochufer
Im September 1957 zentrierte sich das Interesse der Bevölkerung auf die Stadtentwicklungen in Schulau. Inmitten der neu erstellten Gartenstadt Elbhochufer wurden nun weitere Planungen umgesetzt.
Nach Eröffnung der Albert-Schweitzer-Schule wurde im September 1957 der zweite Teil der Ladenzeile eröffnet. Nachdem in die erste Ladenzeile, die im April 1956 bezogen wurde, bereits das Kaufmannsgeschäft „Produktion“, ein Papierwarengeschäft, ein Frisörsalon, eine Drogerie sowie ein Milch- und Gemüsegeschäft eingezogen waren, befanden sich in der zweiten Ladenzeile neben der Zweigstelle der Stadtsparkasse Wedel auch eine Dependance der Post und diverse Fachgeschäfte. So gab es die Fischhandlung Anneliese Schwan, den Schlachter Walter Höpermann, die Parfümerie Richard Lewark, die Kosmetikerin Siggy Bayer, die Drogerie Oskar Stanischewski und die Lebensmittelhandlungen Willi Hoffmeister und Kurt Dauge. Lange Jahre war diese Ladenzeile das Herz der Siedlung Elbhochufer, bis der innerörtliche Kleinhandel zugunsten der Großmärkte verstärkt zurückgedrängt wurde. Langer Leerstand und der Fortgang von Post und Sparkasse mündeten 2002 in Abbruch der Ladenzeile und Neubau eines Supermarktes. In der anderen Ladenzeile wurde das Stadtteilzentrum „mittendrin“ eingerichtet. Zur gleichen Zeit wurde unter großer Beteiligung der Bevölkerung am „Tag der Heimat“ das Ostlanddenkmal am Hans-Böckler-Platz feierlich enthüllt. Trotz einer weltweit herrschenden Pandemie – die asiatische Grippe, die in Deutschland insgesamt 30.000 Opfer forderte, führte auch in Wedel zu vielen Krankheitsfällen – nahmen 1.000 Personen an der Enthüllung teil. Mit umfangreichem Programm erinnerten die Vertriebenenverbände und Bürgermeister Heinrich Gau an die ehemaligen deutschen Ostgebiete.