Erinnerung an die Opfer der Kriege

Schleswig-Holsteinische Erhebung 1848

Kampfgenossen-Verein - Foto um 1884

In ganz Europa erhoben sich im Frühjahr 1848 die Völker, Franzosen, Deutsche, Italiener, Ungarn, Tschechen, Polen und Südslawen. Sie wollten Freiheit, eine Verfassung, Autonomie oder einen Nationalstaat, wie die Deutschen ihn forderten. In allen deutschen Einzelstaaten lauteten die Parolen: Pressefreiheit, Volksbewaffnung, Schwurgerichte und ein deutsches Gesamtparlament. Die Folge waren Barrikadenkämpfe, Tumulte, Sturz der Minister. Auch Schleswig-Holstein wurde von diesem Taumel erfasst.

Die Schleswig-Holsteinische Erhebung war eine politische und militärische Auseinandersetzung der deutschen Nationalbewegung in den Herzogtümern Schleswig und Holstein mit dem Königreich Dänemark. Die Erhebung vom März 1848 wurde zum Ersten Schleswig-Holsteinischen Krieg, die Auseinandersetzung dauerte bis 1851 an.

Von den Soldaten aus dem Kirchspiel Wedel (Wedel, Schulau, Spitzerdorf und Holm), die an den Schlachten teilnahmen ist noch nicht sehr viel bekannt. Im Stadtarchiv hat sich die Kopie eines Briefes vom 1. Juni 1849 des Wedeler H. Molkenbuhr an seine Eltern, verfasst in Düppel, erhalten. Auf dem Briefpapier, auf dem die Düppeler Mühle und eine Schlachtenszene abgebildet ist, fragt er danach, ob Jochim Möller (vermutlich * 26.11.1827 in Schulau + zwischen 1853 und 1858, Unteroffizier bei der Infanterie) noch am Leben sei und er bedauere, dass M. Körner bereits tot ist.

Den Eintragungen des Wedeler Kirchenbuches sind weitere Kriegsopfer zu entnehmen. So wurde der Musketier des 8. Schleswig und Holsteinischen Infanterie-Bataillons Jürgen Ladiges (* 12.02.1825 Spitzerdorf) am 23. April 1849 in der Schlacht bei Kolding von einer Kugel am Kopf getroffen und tödlich verwundet. Auch der Musketier des 3. Bataillons der Schleswig-Holsteinischen Infanterie, Johann Hinrich Körner (*17.11.1827 Schulau) wurde am 23. April 1849 in der Schlacht bei Kolding schwer verwundet. Dieser verstarb am 7. Mai 1849 im Lazarett in Christiansfelde. Wenig später nach ihm traf es Hans Hinrich Haartje (* 26.08.1827 in Holm). Haartje war Musketier im 9. Schleswig und Holsteinischen Infanterie-Bataillons und erlitt am 07.05.1849 bei Gudsö in der Schlacht bei Kolding schwere Verwundungen durch Gewehrkugeln, an denen er zwei Tage später verstarb. Ein Jahr später verstarb Johann Hinrich Beckmann (* 20.04.1829 in Holm). Dieser war Musketier der berittenen 1. Schleswig-Holsteinischen Infanterie und wurde in einem Gefecht am 12.09.1850 vor Missunde durch eine Kugel verwundet. Am 18.09.1850 verstarb er im Lazarett in Schleswig.

Nach dem Krieg ließen die Einwohner eine Gedenktafel, auf der die Namen dieser Toten verzeichnet waren, anfertigen. Für einige Jahre fand diese ihren Platz neben dem Altar im Wedeler Kirchenschiff, bis eine Anordnung des Landdrosten aus Pinneberg dieses Gedenken an den revolutionären Volkswillen verbot. Der damalige pro-dänische Pastor Christian Volquarts, seit 1857 in Dienst, stellte die Tafel daraufhin auf den Kirchenboden. Diesen Affront ließen nun wiederum die Wedeler Einwohner nicht unerwidert und es entbrannte ab Dezember 1863 ein heftiger Streit um diese Gedenktafel. Näheres zu dieser spannenden Geschichte über den „Bauernkampf in Wedel“ können Sie hier nachlesen.

Die Erinnerungen an die Kriege ab 1848 wurden durch Kriegervereine wachgehalten. Auch in Wedel gab es ab 1865 ein 27 Mitglieder zählender „Ortsverband“ der Schleswig-Holsteinischer Kampfgenossen. Und ab 1884 gründete sich der Kriegerverein Wedel und Umgegend. Diese Vereine waren zunächst weitestgehend neutral und parteipolitisch unabhängig, entwickelten sich aber mit der Zeit zu einem wichtigen Instrument zur Bekämpfung der aufkeimenden Sozialdemokratie. Das lässt sich auch für Wedel und Schulau vermuten. Der Kampfgenossen- und Kriegerverein Wedel richtete Feiern zu Ehren des Kaisers, veranstalteten Fahnenweihen und Schießwettbewerbe.

Anlässlich der 50-Jahrfeier der Erinnerung der Erhebung der Herzogtümer Schleswig-Holstein wurde in Wedel auf dem ehemaligen Begräbnisplatz vor der Kirche und in Schulau an der Straßenkreuzung am südlichen Ende der Bahnhofstraße jeweils eine Doppeleiche gepflanzt. Nur der Schulauer Baum überlebte, während die Wedeler Doppeleiche bereits wenige Jahre später einging.
10 Jahre später wurde in Schulau am 24. März 1908 dem 60. Jahrestag gedacht und zu der Doppeleiche ein Gedenkstein gesetzt. Zu diesem Anlass wurde in der Sitzung der Gemeindevertretung Schulaus die Veteranen der Erhebung geehrt. Am Leben waren damals noch Hans Hinrich Rodenburg (* 29.08.1829 Spitzerdorf + 09.01.1915 Wedel) und Hans Hinrich Fock (* 11.01.1828 in Spitzerdorf + 23.03.1912). Für die Witwen der Veteranen Jochim Hinrich Petersen (*25.01.1829 in Wedel + 02.07.1907 in Wedel), Claus Hinrich Wehlen (* 08.08.1830 in Wedel + 18.10.1898 in Wedel) und Heinrich Nicolaus Matthias Volquartsen (*24.02.1831 in Meldorf + 13.04.1902 in Hamburg, Lehrer in Spitzerdorf) gab es eine finanzielle Unterstützung. Der Kriegerverein von Wedel und Umgebung ehrte am 24.03.1908 seine Kameraden von 1848/51. Das Protokollbuch vermerkte hier den Bandreißer und Grünhändler Jochim Kruse aus Spitzerdorf, der Stellmachermeister Jacob Alpers (*25.09.1827 Wedel + 25.01.1911 Wedel) und die Herren Franz Hinrich Kleinwort und Borchert. Von diesem, ebenso wie von dem Veteranen Stoltenberg, der wegen Krankheit nicht an der feierlichen Sitzung teilnehmen konnte, sind die Vornamen nicht mehr bekannt.

 

Deutsch-Französicher Krieg von 1870/71

Kriegerdenkmal in der Rolandstraße

Von 1870 bis 1871 fand der Deutsch-Französische Krieg statt. In dieser militärischen Auseinandersetzung zwischen Frankreich einerseits und dem Norddeutschen Bund unter der Führung Preußens sowie den mit ihm verbündeten süddeutschen Staaten Bayern, Württemberg, Baden und Hessen-Darmstadt andererseits, wurden auch Wedeler Einwohner zu den Waffen gerufen. Einige von ihnen fanden den Tod.

Zu Ehren der Gefallenen stellte das Kirchspiel einen Gedenkstein in der heutigen Rolandstraße auf. Nähere Informationen zu dem Gedenkstein, der nur noch als Kopie im Bürgerpark an der Rolandstraße zu finden ist, lesen Sie hier.

Auf diesem Stein sind die Namen der Opfer aufgeführt, die da waren: Die Füseliere des Regiment Nr. 85 der 10. Comp. Johann Hinrich Abel (* 08.02.1843, über den nichts weiter bekannt ist) und Johann Hinrich Brügmann (* 03.05.1845 Wedel + 25.08.1870 verstarb an den Verletzungen vom 18.08.1870 in einem Lazarett und hinterließ seine schwangere Verlobte). Außerdem die Musketiere des Regiment Nr.85 der 8.Comp. Wilhelm Fälschlein (ein aus Celle stammender Dienstknecht, der Vater eines unehelichen Kindes in Holm war) und Martin Oeding (* 18.02.1846 in Wedel + 04.10.1870 verstarb im Lazarett Schloß Buy bei Metz in Frankreich, nachdem er am 01.09. 1870 bei Faily schwer verwundet wurde.) Den Tod fanden auch Carl Wilhelm Martin Kleinwort (* 29.10.1850 in Wedel + 04.06.1871 in Wedel), Musketier des Regiment Nr. 84 der 1. Comp. Der Sohn des Wedeler Bürgermeisters Johann Kleinwort erholte sich nicht von den Strapazen des Krieges und verstarb an der Schwindsucht. Auch der Gefreite Hein Körner (* 07.02.1844 in Spitzerdorf) kam nicht mehr zu seiner jungen Familie zurück. Er hatte seine schwangere Verlobte erst im Mai 1870 geheiratet. Der Gefreite des Infanterie-Regiments Nr. 84 starb an den Folgen einer Verletzung, die er am 18.08.1870 in der Schlacht von Granelotte erlitten hatte, am 09.03.1871 in Frankfurt/Main im kurfürstlichen Lazarett.

 

Erster Weltkrieg

Grabmal Otto Hatje

Was mag es für eine Kleinstadt bedeuten, wenn auf einen Schlag die Männer im Alter zwischen 18 und 40 weg sind? Wenn in den 1.100 Wedeler Haushalten 300 Ehemänner, Väter und Söhne fehlen? Und in welcher Familie kam der Sohn, der Vater nicht wieder nach Hause? Und wo ließen sie ihr Leben? Die Liste der Kriegstoten des ersten Weltkrieges kann das Leid nicht ermessen, aber den Opfern einen Namen geben.

Liste der Kriegstoten Erster Weltkrieg

Zweiter Weltkrieg

Plakette für Gefallene

Anders als im Erste Weltkrieg war die Wedeler Bevölkerung nicht nur durch die Vielzahl von Toten auf den Kriegsschauplätzen, sondern auch durch zivile Opfer und die Zerstörungen der Gebäude durch Bomben in Mitleidenschaft gezogen. Eine umfassende Auflistung der militärischen Opfer des Zweiten Weltkrieges aus Wedel ist nicht ohne weiteres möglich, da die Kriegssterbefälle über die Wehrmachtsauskunftsstelle, die spätere Deutsche Dienststelle eingetragen wurde. Die Eintragungen von Personen, die über deutsche Gerichte für tot erklärt werden, wurden ab 1938 im Standesamt I in Berlin beurkundet. Wenn das Standesamt vom Sterbefall unterrichtet wurde, sind Eintragungen im Geburtsregister oder im Heiratsregister vorgenommen worden. Die namentlich zusammengetragenen Personen sind in einer Liste aufgeführt, die hier eingesehen werden kann. Ergänzt wurden die Angaben zudem durch eine Abfrage der Datenbank der Kriegsgräberfürsorge.
Liste der Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges

Luftkrieg über Wedel

Bahnhofstraße

Nachdem Deutschland im September 1939 den Zweiten Weltkrieg begonnen hatte, fanden bereits Anfang 1940 die ersten Angriffe der deutschen Luftwaffe auf britische Städte statt. Der Zerstörung von London folgten nun Luftangriffe auf deutsche Städte durch die Royal Air Force. Daher fiel die erste Bombe auf Wedel auch bereits am 28. Mai 1940. Viele Neugierige bestaunten zu dieser Zeit noch die Beschädigung an den Wohn- und Gewächshäuser der Gärtnerei Schormann am Kronskamp. Schon einen Monat später am 18. Juni 1940, beim zweiten nächtlichen Bombenabwurf waren die Wedeler bestürzt. Denn mit Wilhelm Oelrich, Arbeiter auf dem Hof Scharenberg gab es das erste Bombenopfer, dass die Kleinstadt Wedel zu beklagen hatte. Die unglücklichsten Stunden für die Stadt Wedel ereigneten sich im März 1943.

Der Auftrag der Royal Airforce für den 3. März 1943 kann heute anhand briti­schen Archivmaterials nachvollzogen werden:

  • 417 Flugzeuge sollten Hamburg, bzw. Altona angreifen
  • Kampflugzeuge Typ Mosquito sollten Störangriffe ins Ruhrgebiet fliegen
  • 14 Bomber sollten bei den Friesischen Inseln Minen legen
  • 5 Flugzeuge sollen Flugblätter abwerfen

Um zu verstehen, wie die Royal Airforce 1943 arbeitete, hier zunächst ein kleiner Exkurs zum Einsatz der Radartechnik der RAF: Die Bomber flogen in Bomberpulks. Dem Pulk vorweg flogen Pfadfinderflugzeuge, die mit dem Radargerät Typ H2S ausgestattet waren. Das System arbeitete so, dass Radarwellen den Erdboden der überflogenen Gegend abtastete und auf die Bodenbeschaffenheit reagierte. Bebaute Flächen zeigten ein starkes Signal, offenes Gelände weniger starke Signale, die schwächsten Signale gaben Wasserflächen ab. Das Echo wurde auf einem Bildschirm, der sogenannten Braunschen Röhre abgebildet. Hier zeigte sich ein sehr grobes Kartenbild, dass der Navigator des Flugzeuges interpretieren musste. Meinte er, das Ziel erreicht zu haben, gab er das Zeichen für den Abwurf der verschiedenfarbige Leuchtbomben, der sogenannten "target indicators", um die nachfolgenden Flugzeuge zu ihrem Ziel zu leiten.

Am 03. März 1943 flog nun der Bomberpulk, der seine tödliche Fracht über Hamburg-Altona abwerfen sollte, bis zur Küste bei Husum völlig planmäßig. Dann gaben weiße "targets" das Kommando nach Südosten zu schwenken. Hier sollten 25 km vor dem Ziel rote und direkt am Ziel Altona grüne Zielmarkierungsbomben, die sogenannten Tannen- oder Christbäume abgeworfen werden.

Dabei passierte dem Navigator des Pfadfinderflugzeugs der entscheidende Fehler. Er interpretierte die auf dem Bildschirm erscheinende Land- Wasser-Verteilungen falsch. Zum einen berücksichtigte er nicht den Tidenhub der Elbe und zum anderen war die Wedeler Aue im Mühlenteich stark aufgestaut und ähnelte daher ein klein wenig der Außenalster. Deshalb wähnte er sich beim Überflug über Wedel bereits in Hamburg und setze über Wedel die grünen Farbmarkierungen, die das Hauptziel markieren sollten. Daraufhin wurde die gesamte Bombenlast der Flugzeuge nun ab 20.55 Uhr hier abgeworfen. Es waren 259 Sprengbomben (250-1.000 kg), 22 Luftminen und rund 20.000 – 25.000 Brandbomben.

Während die Bevölkerung in den Bunkern Schutz suchte, schoss die Flak auf Wedeler Gebiet zwei Flugzeuge ab. Ein Flugzeug stürzte um 21.30 Uhr am Siedmoorweg ab. Ein zweites Flugzeug stürzte auf das Ihlenseegelände. Von der Besatzung konnten fünf Mann nur noch tot geborgen werden. Entwarnung gab es um 22.10 Uhr.
Diese massiven Bombenabwürfe legten die kleine Stadt nahezu in Schutt und Asche, 70% der Wohnbebauung waren nur noch ein Trümmerfeld. Insbesondere im Altstadtgebiet waren neben Hunderten von Wohnhäusern auch 22 Bauernhöfe, der Bahnhof, das städtische Elektrizitätswerk, die Meierei und die Kirche zerstört. Mehrere Gastwirtschaften und auch das Kino in der Bahnhofstraße trugen erhebliche Schäden davon. Zu betrauern waren 37 Tote, 157 Menschen trugen Verletzungen davon.


Liste aller zivilen Opfer

Zerstörungen Wedels durch die Bombenabwürfe in der Nacht vom 3. auf den 4. März 1943

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