Ein Schimmel ist ihr Star

Wedeler Traditionsveranstaltung gut besucht. Pferdezüchter haben Sorgen, Rinderhändler optimistisch

in Wedel Marketing

Wedel. Für Nele (10), Marit und Lotta (beide 9) ist die Pferdewelt noch in Ordnung. "Oohh, ist der süüß!" strahlten die drei Schwestern, als sie den wuscheligen Schimmel erblickten. Wie viele Mädchen finden nämlich Nele, Marit und Lotta Pferde "echt toll", in den Ferien geht es häufig auf den Reiterhof. Marit nimmt sogar jede Woche Stunden und das würden die anderen auch gern, wenn nicht für Ballett, Basketball und Klavier schon so viel Zeit draufginge. Aber wenigstens auf der Wedeler Traditionsveranstaltung konnten sie ihren Lieblingen nahe sein.

Für Händler Otto Reiners hingegen sah die Sache ganz anders aus. "Der Markt ist tot. Das Pferdegeschäft ist vorbei", sagte Reiners, der nur noch ein "bisschen aus Tradition" dabei ist. Von vielen Seiten werde den Züchtern das Leben schwer gemacht, etwa bei den Kosten: Der Preis für einen Pferdepass ist von einst 35 auf 80 Euro pro Tier gestiegen, für Untersuchungen von Tieren, für die einmal 40 Mark ausgegeben werden mussten, sind heute 250 Euro fällig. Dazu die Garantievorschriften. "Ich muss ein Pferd auch zwei Jahre nach dem Verkauf noch zurücknehmen, wenn Probleme auftreten - da kann es sein, dass jemand ein Sportpferd für 10 000, 15 000 Euro hart reitet und es mir kaputt zurückbringt", sagt er. Gar nicht gut zu sprechen ist Otto Reiners auf die Förderpolitik in Bezug auf Energie aus nachwachsenden Rohstoffen. "Da wird nur noch Mais für Biogas angebaut. Da sind bis zu 900 Euro pro Hektar drin statt 300, die Getreide einbringen. Stroh ist deshalb kaum noch zu bekommen. Ein Ballen Heu kostet mittlerweile 50 Euro", sagte er. Andererseits sei die Nachfrage zusammengebrochen. Während er früher für ein Palomino-Fohlen rund 1500 Euro bekommen habe, seien es heute nur noch 450. "Es ist ein Trauerspiel." Etwa 80 Pferde waren auf dem Ochsenmarkt, dazu 30 Rinder.

Und bei den Rinderhändlern sah es ein wenig besser aus. Knud Voss, seit Jahrzehnten Stammgast auf dem Wedeler Ochsenmarkt: "Im Schnitt sind die Tiere rund 100 Euro teurer als im vorigen Jahr. Das liegt daran, dass die Milchpreise zur Zeit hoch sind." Außerdem sei das Angebot an Vieh sehr gering, weil viele Landwirte ihre Viehzucht aufgegeben und nun andere Einkommensquellen hätten. Welche? "Mais für die Bioenergie."

Bürgermeister Niels Schmidt und Stadtpräsidentin Sabine Lüchau machten mit den Trachtenfrauen des Heimatbundes ihre Runde bei den Händlern und Ausstellern und begrüßten sie traditionell mit einem klaren Kurzen.

Bis Sonntag ist der Jahrmarkt noch geöffnet, und heute Abend werden im Festzelt die "Zydeco Playboys" sowie die "Folk Friends Wedel" auftreten. Und am Sonntag beginnt um 10 Uhr ein "Kommunaler Frühschoppen" mit dem Spitzerdorf-Schulauer Männergesangverein dem Akkordeonorchester "Viva la musica" und vielen anderen.(fr)

Hamburger Abendblatt/Pinneberger Zeitung

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