Der Opferstein am Riesenkamp

Wo der Opferstein von Johann Rist war, liegt im Dunkel der Geschichte, dass es ihn in Wedel gab, ist außer Zweifel.

Hinter dem Norder-Garten des Pastorats von Johann Rist lag ein kleines Wäldchen, das Wyde hieß. Hinter diesem Wäldchen war ein ziemlich großer Platz, der Riesen-Kampf genannt wurde. Johann Rist beschreibt diesen Stein in seinem sechsten Monatsgespräch sehr anschaulich. Der Platz sei mit Hecken oder Steinen umstanden. Zwischen diesen ragten hohe Eichbäume empor und in der Mitte des Platzes lag ein überaus großer Stein, den er Opfer-Stein nannte. Der Stein hatte vier Absätze und war rot marmoriert.
Er soll bereits zu Lebzeiten Johann Rists eingegraben worden sein und die Bäume seien abgeholzt worden um sie nach Holland zu verkaufen.

In einigen Heimatbüchern hat der Stein Erwähnung gefunden. Im Jahr 1907, so steht in dem Buch „Vor den Toren der Großstadt“, soll man bei einer Grabung auf einen auffällig großen Stein gestoßen sein, doch wurde die Grube wieder eingeebnet. In dem Wedeler Heimatbuch von 1962 wird berichtet, das 1906 der damalige Altonaer Museumsdirektor die Stätte untersucht hätte und er die Schilderungen Rists als blühende Phantasie abtat. Im Buch von Claus Ahrens „Vorgeschichte des Kreises Pinneberg und der Insel Helgoland“ von 1966 wird der Standort des als Steingrab bezeichneten archäologischen Denkmals in der Wiedestraße angegeben.
Sollte das hier zutreffen, so hat man in Erinnerung an den Stein eine falsche Straße in Wedel Riesenkamp genannt. Aber stand er wirklich dort oder ist er vielleicht woanders zu suchen?

Beginnen wir die Suche zunächst nach dem Nordergarten von Johann Rist. Er soll sich in fußläufiger Entfernung zum Pastoratsgebäude befunden haben. Und müsste dem Namen nach im Norden gelegen haben. Eine weitere von Rist selbst aufgeschriebene Ortsbezeichnung lautet Wyde. Nun gibt es auf alten Flurkarten Wedels keine Wyde, sondern nur Wieden, eine Flurbezeichnung die gleich mehrfach genannt wird und nach Wolfgang Schmidt „Die Flurnamen der Gemarkung Wedel, ihre Lage und ihre Bedeutung“ von 1987 als Wald zu deuten ist. Das Gebiet mit den Nennungen Wieden liegt etwa zwischen den Straßen Gärtnerstraße/ Steinberg und Pinneberger Straße, nördlich vom „Redder“, auf dem heute das Gymnasium steht. Neben diesen Flurbezeichnungen aus Karten und Erdbüchern von 1790 und 1815 gab es noch einen „verdächtigen“ Flurnamen, nämlich „Auffm Langen Stein“. Diese Bezeichnung, die auf ein Steingrab hinweisen könnte, wurde schon 1597 erwähnt, findet sich aber nach 1702 nicht mehr in den Unterlagen. Sie ist nicht konkret lokalisierbar. Schmidt vermutete sie aber auch an der Wiedestraße, etwa neben der heutigen Steinberghalle. Auch hier lässt der Flurname Steenbarg, oder Steinberg auf viele Steine schließen.

Sicherlich gibt es den Opferstein von Johann Rist heute nicht mehr, aber es könnte ihn gegeben haben. Vielleicht erinnern sich noch Wedeler Einwohner an gruselige Geschichten über den großen Stein und verraten den Platz wo der Stein denn sein könnte. (Text: Stadtarchiv Wedel)

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