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Rudolf Höckner - Meister der Landschaft

Der Kunstmaler lebte fast drei Jahrzehnte in der Stadt - und dokumentierte das Wedel der Vorkriegszeit

Bei manchen ist ein Schuss Heimatstolz dabei, bei anderen ein Stück melancholische Erinnerung an ein Wedel, das vergangen ist. Und dritte finden sie einfach nur schön – die Bilder des Malers Rudolf Höckner (1864 bis 1942). Wohl kein anderer Künstler genießt bei so breiten Schichten der Bürgerinnen und Bürger der Rolandstadt so einmütige Anerkennung wie dieser Maler, der auf seinen Bildern ein  zauberhaftes Wedel guter, alter Zeiten festgehalten hat. In vielen guten Stuben der Bürger hängt „ein Höckner“, in den Räumen der Stadt sind es gleich 272, ein Gutteil davon wird im Rathauskeller verwahrt – klimatisiert und kontrolliert.

Das Selbstportrait des Malers Rudolf Höckner.
Das Selbstportrait des Malers.

 „Weg nach Fährmannssand“, „Marsch bei Wedel“, „Beim Breiten Weg“, „Schulauer Hafen“, „Alte Stocksbrücke“ – diese und andere bodenständige Titel tragen die Bilder Höckners, der auf Gut Hilmersdorf im Erzgebirge geboren wurde. Rudolf Höckner - der „Maler der Stille“, der „Meister des Geheimnisvollen“, der „Mittler zwischen Mensch und Natur“. Diese Bezeichnungen wurden ihm von Kunstkritikern und -sachverständigen ob seines Werkes zugedacht. Ein Werk, das zum überwiegenden Teil in und um Wedel entstand; und zwar zwischen 1915 und 1941, als der Maler in der Rolandstadt lebte und hier seine Heimat fand.

Und Freunde und Liebhaber fand er weit darüber hinaus – nach seinem Tod wurden seine Bilder begehrt und teuer. Jürgen Doppelstein, Kunstfachmann und Vorsitzender der Ernst Barlach Gesellschaft, beschrieb sie so: „Nichts Märchenhaftes, keine Mythen, kein Übersetzen des Irdischen ins Transzendente, weder religiöse noch mystische Themen finden sich im Werk Rudolf Höckners, sondern immer wieder die in der Malerei des freien Lichts realisierten Bilder einer Landschaft. Ländlich, bäuerlich, beinahe ärmlich, sektiererisch... sind Höckners Bilder ein Hymnus an die Natur Norddeutschlands und ihrer durch die Unterelbe geprägte Welt der Marschen und Geesthänge. Auch das Wasser ist sein Element.“ Und weiter: „Höckner erweist sich als Meister der groß-strukturierten Landschaft, dem es gelingt, Stimmungen so zu formulieren, dass sie anhalten und nachwirken, der die Landschaft so eindringlich vorführt, als hätte man sie gesehen, hätte sie erlebt, würde sie kennen. Höckners Bildern fehlt das Drängende das Suchende, nichts von Eile haben sie, nichts von Dramatik haben die auf der Wasserfläche erscheinenden Spiegelungen der Bäume, die ausgefächert ihr strahlendes Laubwerk entfalten, das der Maler mit sanftem Pinsel nachformt, der erste Schnee oder das blumigbunte Hellgrün im Mai, das Fließen des Lichts, der Himmel, die bewegte Luft, die alle harten Kanten auflöst, indem sie sie leicht umspielt, alltägliche Naturereignisse Holsteins, einmalig in ihrer Selbstverständlichkeit, das sind sie, die Bilder, wie sie nur Höckner malen kann.“   

Er konnte sie malen – von ihnen leben konnte er kaum. Kunst gegen Lebensmittel lautete häufig sein Angebot. Viele von jenen, die in den 30ern und während des Krieges eher widerwillig und aus Mitleid darauf eingingen, bereuten es später nicht. Vor allem für deren Kinder zahlte sich die gute Tat aus. So werden wohl auch die ersten Bilder, die die Stadt erhielt, Gaben Höckners gewesen sein, mit denen er sich für Fürsorgeleistungen revanchierte. Manchen Bildern sieht man an, dass sie in ärmlichen Verhältnissen entstanden sein müssen. Sie sind auf Papierresten gemalt.

Nach dem Krieg wurde die Sammlung der Stadt bei Gelegenheit Stück für Stück vergrößert. Ein ganzer Schwung kam hinzu, als 1990 Höckners Nichte ins Altersheim ging und ihre Sammlung auflöste.

Von Postkartengröße bis zu stattlichen Formaten von 50 mal 70 Zentimetern reichen die Bilder, die teilweise in den Amtsstuben des Rathauses hängen. Denn die Mittel, eine eigene Höckner-Galerie zu betreiben, besitzt die Stadt nicht. (Jörg Frenzel)

Das Leben des Rudolf Höckner

28. Juli 1864 Geburt auf dem väterlichen Gut Hilmersdorf bei Wolkenstein im Erzgebirge
1872 Tod des Vaters und Umzug nach Freiberg in Sachsen
1877 Umzug der Familie Höckner nach Leipzig
1885 Abitur mit anschließendem Theologiestudium in Tübingen und Leipzig
1886 Kunsthochschulbesuch in Weimar an der Großherzoglichen Sächsischen Kunstschule
1890 Studienstipendium und Diplom für Leistungen in der Landschaftsmalerei
1891 Freier Maler in Weimar, Eheschließung mit Brigitte Ebsen und Übersiedlung nach Flensburg
1895-1905 Reporter für Segelsport für die von Satori begründeten "Nord-Ostsee-Zeitung"
1905-1909 Umzug nach Hamburg. Hier arbeitet er als Lokalredakteur bei den "Hamburger Nachrichten"
1908 Freischaffender Künstler. Mehrere Einzel- und Gruppenaussstellungen in Galerien und Kunsthandlungen in Hamburg, Altona, Berlin und Stade
1909 Etablierung als Maler
1915 Niederlassung in Wedel
1929 Ehrenmitglied des Altonaer Künstlervereins
1939 Ernennung zum Ehrenbürger
22. April 1942 Tod in Bad Mergentheim, Beisetzung in Wedel

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