Johann Rist wurde am 8. März 1607 in Ottensen (heute ein Stadtteil Hamburgs) geboren. Sein Vater Caspar Rist stammte aus Franken und war Pastor. Rist war das erste Kind der Familie – sieben weitere sollten folgen. Rist wurde anfangs von seinem Vater unterrichtet.
1618 – Rist ist gerade erst 11 Jahre alt – brach der Dreißigjährige Krieg aus. In den nächsten drei Dekaden wurden insgesamt um die 15.000 Dörfer zerstört. Etwa acht Millionen Menschen überlebten den Krieg nicht. Auch Rist selbst war von den Kriegshandlungen mehrfach betroffen.
Im Alter von 12 Jahren kam er auf die Hamburger Gelehrtenschule Johanneum. Danach besuchte er das Gymnasium Illustre in Bremen, eine Zwischenstufe zwischen Schule und Universität.
1626, mit 19 Jahren, verließ Rist die Weserstadt und zog an die Ostsee: Er begann ein Studium in Rostock, vermutlich aber nur als Begleiter anderer Studenten aus Hamburg – in den Matrikellisten der Universität ist er nicht zu finden. Folgt man Max von Waldbergs Eintrag in der Allgemeinen Deutschen Biographie, studierte Rist nicht nur Theologie, sondern auch orientalischen Sprachen, Botanik, Mathematik, Chemie und Heilkunde; Letztere vor allem, weil sie ihm für seinen Wunschberuf als Landpfarrer überaus nützlich schien.
Als Rostock von Wallenstein besetzt wurde, verließ Rist – wie viele andere Studenten auch – die Stadt. Zwischenzeitlich erkrankte er an der Pest, überlebte aber die Epidemie. Erst 1629 setzte Rist sein Theologie-Studium an der Universität Rinteln fort. Hier wurde er von Josua Stegmann, einem führenden Theologen und berühmten Dichter von Kirchenliedern, unterrichtet. Doch schon ein Jahr später vertrieben ihn auch hier die Wirren des Krieges.
Rist landete schließlich wieder in Hamburg, wo er mit Ernst Stapel Theaterstücke schrieb und auch als Schauspieler auftrat. Stapel, ursprünglich aus Lemgo stammend, hatte ebenfalls in Rostock studiert. Er starb 1635.
1633 wurde Rist Hauslehrer bei dem Landschreiber Heinrich Sager in Heide. Hier veröffentlichte er seine ersten Werke. In demselben Jahr verlobte er sich Elisabeth Stapel, Ernsts Schwester.
Erst 1634 gelang es Rist, das Prediger-Examen in Bückeburg zu absolvieren. Ein Jahr später erhielt er die Pfarrstelle in Wedel – dank der Unterstützung des Pinneberger Amtmanns Franz Stapel, Bruder von Elisabeth und Ernst. Auch die Eheschließung mit Elisabeth wurde vollzogen.
Auf dem Kirchengrundstück, das sich etwa bis zur heutigen Pinneberger Straße erstreckte, legte Rist zwei Gärten an. Er hatte neben einer landwirtschaftlich genutzten Fläche den kleineren „Südergarten“ mit Zierpflanzen und den größeren „Nordergarten“ mit Obst, Gemüse und Heilpflanzen.
Rist widmete sich nicht nur seinen Gärten und seiner Gemeinde, sondern auch weiterhin der Schriftstellerei. 1642 etwa veröffentlichte er seine Sammlung „Himmlische Lieder“.
Ein Jahr später marschierte eine starke schwedische Armee unter General Torstensson durch das Land – er führte den Kriegszug gegen Dänemark an. Rist rettete sich und seine Familie nach Hamburg. Sein Anwesen und seine Gärten werden vollständig zerstört. 1645 beendete der Friedensschluss von Brömsebro den Krieg in Holstein vorläufig.
Rist wurde Mitglied im Nürnberger „Löblichen Hirten- und Blumenorden an der Pegnitz“ unter dem Ordensnamen „Daphnis aus Cimbrien“ sowie in der 1617 gegründeten Weimarer „Fruchtbringenden Gesellschaft“ („Palmenorden“), in der er den Namen „Der Rüstige“ trug. Auf Porträts trägt Rist ein Medaillon, auf dem eine Palme abgebildet ist.
„Offiziell“ endete der Dreißigjährige Krieg 1648 mit dem Westfälischen Frieden, aber noch ein Jahr später veröffentlichte Rist ein Theaterstück mit dem Titel „Das Friedewünschende Teutschland“.
Seine Veröffentlichungen von Gedichtbänden und geistlichen Liederbüchern machten Rist populär. Er knüpfte zahlreiche Kontakte zu höhergestellten Kreisen, nutzte seine Aufstiegschancen aber bewusst nicht – seine Stellung als Pastor und freischaffender Dichter in einer Landgemeinde zog er dem Leben bei Hofe vor. Auch seine botanischen und medizinischen Kenntnisse konnte er im ländlichen Wedel anwenden.
Dennoch ernannte Kaiser Ferdinand III. ihn 1653 zum „Poeta laureatus“ und verlieh ihm den Adelstitel eines Hofpfalzgrafen (Comes Palatinus Caesareus). Zudem bekam Rist ein Wappen – es zeigt einen Schwan und einen Lorbeerkranz. Seine neuen Titel erlaubten es dem Pastor, ebenfalls Dichter zu krönen, Notare zu ernennen und Adels- und Wappenbriefe sowie akademische Würden auszustellen. Zudem hatte er die Vollmacht in manchen Fällen des – wie es heute heißen würde – „Familienrechts“ (etwa die Legitimation unehelicher Kinder, Volljährigkeitserklärungen, Adoptionsbestätigungen etc.). Diese Privilegien nutzte Rist fleißig – gegen Bezahlung, die ihm ein kleines Vermögen einbrachte.
Zwischen 1656 und 1660 gründete Rist seine eigene Sprachgesellschaft, den „Elbschwanenorden“ (Mitgliedsname „Palatin“). Er diente „zur Bereinigung der deutschen Sprache“. Mitglied durften nur Männer werden, die der deutschen Sprache so mächtig waren, dass sie Gedichte schreiben konnten. Alle Mitglieder wurden dazu angehalten, die deutsche Sprache weiter zu entwickeln und eigene Werke zu publizieren.
1657 wurde Schleswig-Holstein erneut durch kriegerische Auseinandersetzungen im Zuge des Zweiten Nordischen Krieges in Mitleidenschaft gezogen. Abermals waren es schwedische Truppen, die über Wedel herfielen. Zum zweiten Mal floh Rist nach Hamburg, wieder wurden die Kirche, das Haus und seine Gärten verwüstet – auch seine Bibliothek ging unwiederbringlich verloren, darunter einige seiner Schauspiele, die nur handschriftlich vorhanden waren.
Nach langer Krankheit starb Elisabeth, seine Ehefrau, 1662. Fünf Kinder waren aus der Ehe hervorgegangen, von denen drei die Kindheit überlebten. Zwei Jahre später heiratete Rist erneut: Die Witwe Anna Hagedorn.
Die unter dem Titel „Monatsgespräche“ (1663–67) zusammengefassten sechs Prosadialoge sind Rists letzte Veröffentlichung. Alle diese Gespräche beginnen mit einem Spaziergang im Garten und mit ausführlichen Erörterungen, in denen die im jeweiligen Monat blühenden Pflanzen im Mittelpunkt stehen. In der Tradition barocker Streitgespräche wird jeweils ein bestimmtes Thema behandelt, z.B. was das edelste Nass der ganzen Welt sei – Milch, Wein, Wasser oder Tinte. Johann Rist bewegt sich mit diesen ersten Monatsschriften im Vorfeld des Journalismus.
Am 31. August 1667 starb Johann Rist in Wedel. Am 12. September wurde er nach einer großen Trauerfeier in einem Grab in „seiner“ Kirche bestattet. Der Hamburger Musikdirektor Christoph Bernhard spielte die eigens für Rist komponierte Trauermusik „Der letzte Schwanengesang“ („Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte“).
Rist schrieb 30 Dramen, über 200 weltliche Gedichte und Lieder, über 659 geistliche Lieder, Bücher und Artikel. Der Elbschwanenorden jedoch ging mit Rists Ableben wieder ein.
Verwendete Literatur:
Waldberg, Max von, "Rist, Johann" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 79-85 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118745425.html?anchor=adb
Frank, Horst Joachim: Johann Rist, in: Ders.: Literatur in Schleswig-Holstein. Von den Anfängen bis 1700, Neumünster 1995, S. 330-387. ·
Diecks, Thomas, "Rist, Johann von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 646-647 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/ppn118745425.html
Text: Juni 2015 von L. Stahn für das Stadtarchiv Wedel
Johann Rist
Die Johann-Rist-Gesellschaft
Johann Rist (1607 – 1667) war einer der prägenden Gelehrten, Poeten und kulturstrategischen Organisatoren des 17. Jahrhunderts. Von 1635 bis zu seinem Tod war er protestantischer Pastor in Wedel. Sein vielfältiges Werk aktiv zu pflegen hat sich die 2015 gegründete Johann Rist-Gesellschaft in Wedel zur Aufgabe gemacht.
Möchten Sie sich über die Projekte der Gesellschaft informieren oder einen Blick in die informative "Ristipedia" werfen, schauen Sie gern auf die Homepage der Johann-Rist-Gesellschaft
Johann Rist
Der Wedeler Pastor und Dichter Johann Rist (1607–1667) ist bis heute als Autor zahlreicher geistlicher und weltlicher Schriften weit über Wedels Grenzen hinaus bekannt. Er besaß umfassende Kenntnisse der Theologie, Philosophie, Geschichte, Kunst, Naturwissenschaften und Medizin und gründete 1656 eine eigene Sprachgesellschaft, den „Elbschwanenorden“. Einige seiner Texte sind im Evangelischen Gesangbuch zu finden – aber auch in Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium.
Als Wegbereiter im Vorfeld des aufkeimenden Journalismus ersann der Dichter und Pastor Johann Rist das erste 1663 seiner sechs Monatsgespräche. Die Bücher basieren auf Streitgesprächen des Pastors mit jeweils drei Freunden, die er nach Wedel einlud.
1663 veröffentlichte Johann Rist das erste seiner Monatsgespräche. Die Bücher basieren auf Streitgesprächen des Pastors mit jeweils drei Freunden, die er nach Wedel einlud.
Jedem der Bücher ist ein einleitender Blumendiskurs vorweg gestellt, in dem sich Johann Rist seiner „Gartenlust“ hingibt. Dort stellt er verschiedene Blumensorten vor und erörtert beispielsweise deren heilende Essenzen. Im Anschluss an diese Vorgespräche wird vom Gastgeber die jeweilige Streitfrage zur Diskussion gestellt und mit den anwesenden Besuchern erörtert.
Die letzte von Johann Rist fertig gestellte Unterredung wurde 1668 nach seinem Tode herausgegeben. Der Korrektor des Nürnberger Verlegers, Erasmus Francisci, führte die Monatsgespräche fort.
Gespräch für den Monat Januar:
Das alleredelste Nass der gantzen Welt
| Zuschreibungen: | Johann Weinmann, Michael Wydemann, Joachim Flagge |
| Gesprächspartner: | Georg Grefflinger (Celandon) aus Danzig, Franz Burmeister (Sylvander), Theologe und Dichter aus Lüneburg, Balthasar Kindermann (Kurandor), Dichter und Lehrer aus Magdeburg |
| Thesen: | Wein (Celandon), Milch (Sylvander), Wasser (Kurandor), Tinte (Rist) |
| Weitere Themen: | Blumen und deren Wirkung, Heilung von vergifteten Kindern, Tollwütige Hunde |
Gespräch für den Monat Februar:
Das AllerEdelste Leben der gantzen Welt
| Zuschreibungen: | Joachim von Debbern, Georg Reichen, Anthon Bilderbek |
| Gesprächspartner: | Friedrich Sager (Kleander), Dänischer Rittmeister, Georg Schönberg, (Kallorin), Pastor, Constantin Dedekind (Concord), Konzertmeister aus Dresden |
| Thesen: | Kriegs- oder Soldatenleben (Kleander), Bürgerliches- oder Stadtleben (Kallorin), Hofleben (Concord), Landleben (Rist) |
| Weitere Themen: | Safran, Krokus, Narzissen, Blumen und deren Wirkung, Bäuerliches Leben, Einquartierung von Soldaten |
Gespräch für den Monat März:
Die Alleredelste Tohrheit der gantzen Welt
| Zuschreibungen: | Christoff von Gabeln, Paul Tscherning, Paul Klingenberg |
| Gesprächspartner: | Anton Burmeister (Philanthon), Kantor, später Pastor in Dahlenberg bei Hannover, Michael Lankisch (Strephon), und Christoph Horn (Chariander) Prediger in Papst, Kummersdorf und Hohenstein |
| Thesen: | Astrologie, oder die Weissagung oder Verkündigung zukünftiger Dinge aus dem Gestirn (Philanthon), die Erforschung des Perpetuum Mobile, die immerwährende Bewegung (Strephon), wenn man für eine Blume, Staude oder Gewächs zu viel Geld ausgibt (Chariander), Nachforschung nach dem Stein der Weisen (Rist) |
| Weitere Themen: | Astronomie und Astrologie, Kalender, Perpetuum Mobile, Tulpen, Alraunen, Mahlzeiten |
Gespräch für den Monat April:
Die Aller Edelste Belustigung Kunst- und Tugendliebender Gemühter
| Zuschreibungen: | Georg von Wehrtern, Daniel Neuberger und Matthäus Merian |
| Gesprächspartner: | Daniel Neuberger (Ingeniander), Matthäus Merian (Artisander), Buchdrucker aus Frankfurt und Jeremias Erbe (Phoebisander), Musiker aus Hamburg |
| Thesen: | Schauspiele (Ingeniander), Musik (Phoebisander), Dichtkunst (Artisander), Malerei (Rist) |
| Weitere Themen: | Tulpen, Blumen und Garten, Comödie Holternes, Schilderkunst von Merian |
Gespräch für den Monat Mai:
Die alleredelste Erfindung der Gantzen Welt
| Zuschreibungen: | Friderich Sager, Renat Kellers, Nicolaus Spreht |
| Gesprächspartner: | Daniel Bärholz (Philoklytus) aus Elbingen, Gottfried Zamehl (Almesius) aus Elbingen und Friedrich Hofmann (Epigrammatocles) aus Glogau |
| Thesen: | Erfindung der Mühlen (Almesius), der Pharmazie oder Arzneikunst (Epigrammatocles), des Magneten (Philoklytus), der Buchstaben (Rist) |
| Weitere Themen: | Rists Gärtner Jacob und sein Bruder Michael (der die Gartenkunst mit Fleiß in dem weitberühmten Kur-Brandenburgschen Lustgarten gelernt hat, nunmehr aber einem vornehmen königlichen Minister in der Stadt Hamburg dient), Mühlenarten, Arznei, Kompass, Druckkunst, Garten |
Gespräch für den Monat Juni:
Die alleredelste Zeit-Verkürtzung der Gantzen Welt
| Gesprächspartner: | Johann Hertel (Aretophilos), Verleger aus Hamburg, Martin Kempe (Cleodor) aus Jena, Benjamin Winkler von Winkelfels (Nobilidor) aus Burg/Brandenburg |
| Thesen: | Erbauliche Gespräche (Aretophilos), Geschichtsbücher, Romane und Reisebeschreibungen lesen (Cleodor) Handwerkskunst mit natürlichen Dingen (Bernstein, Korallen, Einhornstücke) (Nobilidor), die Betrachtung des herbeieilenden Todes (Rist) |
| Weitere Themen: | Rists Aquavit und Beschreibung seiner Instrumente, Urnengräber und der Stein am Riesenkamp in Wedel, Camera Obscura |
„Hinter meinem Norder-Garten / liegt ein kleines Höltzlein / der Wyde geheißen / hinter diesem Wäldlein / war noch für etlichen Jahren ein ziemlich grosser / runder Platz / der Riesenkampf genennet … Dieser Riesenkampf war rund umher besetzet mit grossen Steinen / welche / wie eine starcke Maur waren anzusehen. … Fast in der Mitte dieses Riesenkampfes / lag ein überauß grosser Stein / fast wie ein kleines Hauß … Dieser erschreckliche grosse Stein / hatte vier Absätze oder Stiegen / die gleichwol nur grob waren ausgehauen / man nennete ihn der Riesen Opferstein / und sahe er recht oben … nicht anders auß / als wann er natürlich mit Blut und Gehirn durch einander wäre bestrichen oder besprenget / und dieweil dieses eine so treffliche Antiquität / habe ich in Sommerzeiten / mit den Meinigen / manche Abendmahlzeit auff diesem Heydnischen Altar gehalten … da wir dan nach vollbrachter Malzeit auff diesem Heydnischen Altar / (da unsere Vorfahren dem leidigen Teufel hatten gedienet und geopfert / ja wol Menschen geschlachtet) mit schönen geistlichen Liedern und Lobgesängen / den wahren Gott und eintzigen Schöpfer Himmels und der Erden / hertzlich pflegen zu preisen.”
Soweit die Beschreibung des Dichters und Pastors Johann Rist in den sechsten und letzten seiner Monatsgespräche mit dem Titel "Die alleredelste Zeit-Verkürtzung der Gantzen Welt" aus dem Jahr 1668 über den Opferstein in Wedel.
Dieser Stein soll, so schreibt er an anderer Stelle, bereits zu seinen Lebzeiten eingegraben worden sein. Über die umstehenden Bäume berichtete er, dass sie abgeholzt wurden, um sie nach Holland zu verkaufen.
In einigen Heimatbüchern hat der Stein Erwähnung gefunden. Im Jahr 1907, so steht in dem Buch „Vor den Toren der Großstadt“, soll man bei einer Grabung auf einen auffällig großen Stein gestoßen sein, doch wurde die Grube wieder eingeebnet. In dem Wedeler Heimatbuch von 1962 wird berichtet, das 1906 der damalige Altonaer Museumsdirektor die Stätte untersucht hätte und dieser die Schilderungen Rists als blühende Phantasie abtat. Im Buch von Claus Ahrens „Vorgeschichte des Kreises Pinneberg und der Insel Helgoland“ von 1966 wird der Standort des als Steingrab bezeichneten archäologischen Denkmals in der Wiedestraße angegeben.
Sollte dies zutreffen, so wäre die Straßenbezeichnung Riesenkamp unkorrekt. Aber stand er wirklich an der Wiede oder ist er woanders zu suchen?
Beginnen wir die Suche zunächst mit dem Ort des Nordergarten von Johann Rist. Er soll sich in fußläufiger Entfernung zum Pastoratsgebäude befunden haben. Und müsste dem Namen nach im Norden gelegen haben. Eine weitere von Rist selbst aufgeschriebene Ortsbezeichnung lautet Wyde. Nun gibt es auf alten Flurkarten Wedels keine Wyde, sondern nur Wieden, eine Flurbezeichnung die gleich mehrfach genannt wird und nach Wolfgang Schmidt „Die Flurnamen der Gemarkung Wedel, ihre Lage und ihre Bedeutung“ von 1987 als Wald zu deuten ist. Das Gebiet mit den Nennungen Wieden liegt etwa zwischen den Straßen Gärtnerstraße/Steinberg und Pinneberger Straße, nördlich vom „Redder“, auf dem heute das Gymnasium steht. Neben diesen Flurbezeichnungen aus Karten und Erdbüchern von 1790 und 1815 gab es noch einen „verdächtigen“ Flurnamen, nämlich „Auffm Langen Stein“. Diese Bezeichnung, die auf ein Steingrab hinweisen könnte, wurde schon 1597 erwähnt, findet sich aber nach 1702 nicht mehr in den Unterlagen. Sie ist heute nicht mehr konkret lokalisierbar. Schmidt vermutete sie aber auch an der Wiedestraße, etwa neben der heutigen Steinberghalle. Auch hier lässt der Flurname Steenbarg, oder Steinberg auf viele Steine schließen. Vermutlich hat der Oferstein dort gestanden und ist wie so viele archäologische Denkmäler als "Steinbruch" dem Straßen- oder Gebäudebau zum Opfer gefallen.
Das Werk von Johann Rist ist sehr umfangreich und vielfältig. Er schrieb über 30 Dramen, weltliche und geistliche Gedichte sowie Kirchenlieder; einige stehen noch heute im Evangelischen Kirchengesangbuch und werden im Gottesdienst gesungen.Beträchtlichen Ruhm erwarb Rist mit seinen Gedichtsammlungen „Musa Teutonica“ und „Poetischer Lustgarten“ (1638). Eines seiner Liederbücher mit Liebesgedichten veröffentlichte er 1642 aus Rücksicht auf sein Pfarramt unter dem Pseudonym „Daphnis aus Cimbrien“.
Besonders eindrucksvoll sind die noch erhaltenen Dramen über den Dreißigjährigen Krieg, die „Irenaromachia“ (1630), „Das Friede wünschende Teutschland“ (1647) und „Das Friedejauchtzende Teutschland“ (1652); sie drücken wie viele andere seiner Werke seine Sehnsucht nach Frieden aus.Bedeutend sind seine Monatsgespräche (1663-1668), der „Neuer Teutscher Parnaß“ (1652) ist mit 920 Seiten die umfangreichste weltliche Gedichtsammlung von Rist.
Im Folgenden sollen hier einige Beispiele aus seinem Werk präsentiert werden. Die Zusammenstellung der Texte von Johann Rist wurde durch Schüler eines Projektkurses vom Johann-Rist-Gymnasium in den Jahren 2003-2004 unter der Leitung von Monika Thöm angefertigt. Als Quelle diente ihnen eine Ausarbeitung von Heinz Kegel (+) aus dem Jahr 1997.
Eine durch den Projektkurs erstellte CD-Rom mit reicher Illustrierung und weitergehenden Informationen ist über das Johann-Rist-Gymnasium erhältlich.
Die Textauswahl wird hier zum Herunterladen bereit gestellt.
Texte von Johann Rist: Texte von Johann Rist
Genealogische Daten zu Johann Rist (1607-1667) und zu einer verzweigten norddeutschen Pastorenfamilie (Rist-Schepler-Richert)
Die Autoren Jens Kirchhoff und Michael Kohlhaas stellten anläßlich des Johann-Rist-Jahres 2007 ihre familiengeschichtlichen Forschungsergebnisse der weitverzweigten Pastoren-Familien Rist, Schepler und Richertz vor, die weiterhin laufend ergänzt werden. Beide Autoren stehen für Fragen zur Verfügung und sind für Anregungen und Hinweise dankbar. Ihre Kontaktdaten können Sie den u.a. Links entnehmen. In die Stammfolgen sind neben den zur Verfügung stehenden Lebensdaten auch Randnotizen zu einzelnen Personen aufgenommen worden. Literatur- und Quellenangaben gehören ebenfalls dazu.
Zur Verbesserung der Übersichtlichkeit sind die Stammfolgen in verschiedene Familienverbände aufgeteilt. Verbunden sind diese Stammfolgen durch Heirat „Rist-Schepler“ und „Schepler-Richertz“.
Hier gelangen Sie direkt zu ihren Forschungen:
Familie Rist [externer Link]
Familie Richertz [externer Link]
Familie Schepler [externer Link]
Familie Ringemuth [externer Link]
Johann Rist Denkmal
1908 wird das Denkmal für den Wedeler Dichter und Pastor an der Kirche in Wedel feierlich eingeweiht. Neben den Honoratioren von Stadt und Kirche war auch der Erschaffer des Kunstwerkes, der Schulauer Bildhauer Joachim Ramcke und ein Nachfahre von Johann Rist – der damals 23-jährige Schauspieler Preben Rist aus Kopenhagen, bei der Feier anwesend.
Den Ersten Weltkrieg überstanden Bildnis und Plakette leider nicht. Das Denkmal wurde im Juli 1917 durch die Kirchengemeinde für 2.000 Mark verkauft und wurde vermutlich für Munitionszwecke eingeschmolzen. Zehn Jahre nach dem Krieg veranlasste die Kirchengemeinde Wedel mit finanzieller Unterstützung der Stadt und weiteren Spendern, die Wiederherrichtung des Denkmals. Obwohl der Provinzialkonservator Dr. Ernst Sauermann in dem Denkmal keinen großen künstlerischen Wert sah und von einer Wiedererrichtung abriet. So wurde von dem alten Modell ein neuer Abguss angefertigt und den Johann Rist wieder auf den steinernen Sockel neben der Kirche gestellt. Einzige Zusage an die moderne Zeit war die Neugestaltung der Plakette. Hier ist nun nicht mehr das Wappen von Johann Rist zu sehen, sondern es sind nur noch die Lebensdaten zu lesen.
Im Zweiten Weltkrieg brannte die Kirche vollends aus. Das Denkmal überstand das Flammenmeer und ist heute noch dort zu finden.
Das Johann-Rist-Archiv
Das Johann-Rist-Archiv ist eine Forschungssammlung von Unterlagen über den Pastor und Barockdichter Johann Rist (1606-1667).
Zusammengetragen wurden die Unterlagen seit den 1960er Jahren durch den Büroleitenden Beamten der Stadt Wedel Gustav Maushake und den Kantor der Wedeler Kirchengemeinde, Heinz Kegel. Nach einer vertraglichen Vereinbarung zwischen der Kirchengemeinde und der Stadt Wedel ist das Johann-Rist-Archiv seit Dezember 2003 Teil des Stadtarchiv Wedel. Es seht zu den Öffnungszeiten des Stadtarchivs allen Interessierten offen.
- Familie Rist
- Biographisches
- Schriften
- Elbschwanenorden
- Korrespondenzen
- Johann-Rist-Archiv
Findbuch: Findbuch des Rist Archiv
Verzeichnis von Werken und Noten von Johann Rist im Rist-Archiv
Auflistung der Werke des Dichters und Pastors Johann Rist (1607–1667) die sich im Original, Mikrofilm und Rückvergrößerung im Stadtarchiv Wedel befinden. Das "Werkverzeichnis" wird ergänzt durch eine vom Wedeler Kantor Heinz Kegel zusammengetragenen Noten-Sammlung. Sie enthält Kompositionen zu Texten Rists wie auch andere Werke zeitgenössischer Komponisten.
Auflistung hier zum Herunterladen:
1. Noten-Sammlung Johann Rist
2. Werke Johann Rists im Stadtarchiv
Vortrag gehalten von Anke Rannegger vor der Johann-Rist-Gesellschaft Wedel, Mai 2025