Jürgen Möller und Klaus Möller -

Hightech und harte Zeiten

Der 1. Februar 1980: Die Rockband Pink Floyd eroberten mit ihrem Hit "Another brick in the wall" die Spitze der Single Charts - und Jürgen und Klaus Möller stürmten an die Unternehmensspitz. Die vierte Möller-Generation wurde zu Geschäftsführern berufen.

Dipl. - Ing. Jürgen Möller, Sohn des Technischen Geschäftsführers Alfred Möller, trat nach dem Studium der Feinwerktechnik am 1. Januar 1970 in die Firma ein.  Dipl. - Ing. Klaus Möller, Sohn des Kaufmännischen Geschäftsführers Dr. Hans Möller, trat nach dem Studium der Organisations- und Betriebstechnik und Lehrjahren bei den Rollei – Werken in Braunschweig und Singapur Ende 1975 in die Firma ein.

Möller refraktometer
Möller refraktometer

Die neuen Geschäftsführer modernisierten den öffentlichen Auftritt der Firma. Mit einer professionellen Marktforschungs- und Marketingfirma wurde eine neue Corporate Identity entwickelt ( Markenname „ Möller Wedel “, Farbe „ Blau“ ).

Gleichzeitig wurde das Produktprogramm für niedergelassene Augenärzte konsequent modernisiert und erweitert. Es wurden Planung und vollständige Bestückung von Augenarztpraxen angeboten, inklusive aller Diagnosegeräte und sogar inklusive aller erforderlichen Möbel.  Die folgenden Abbildungen sind Beispiele dafür.

Auch Wedeler  Augenärzte wurden mit modernen  Untersuchungseinheiten beliefert.

Ein Innovationssprung war die Untersuchungseinheit COMFORTA. Zum ersten Mal wurde die prozessorgesteuerte, neuartige Refraktionseinheit VISOTRON eingesetzt. 

Das VISOTRON wurde zum ersten Phoropter auf dem Weltmarkt mit Computerintelligenz. Kurze Zeit später wurde das VISOTRON PLUS vorgestellt. Neben einem noch modeneren Design wurden die Bedienung weiter automatisiert.           

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Eine weitere Neuheit war das REDITRON – ein Augenrefraktometer. Die damals bekannten automatischen und manuellen Refraktometer waren aus Kosten- und Bedienungsgründen nicht immer die günstigste Lösung.

Reditron
Reditron

Die Vorteile des REDITRON: einfache Handhabung, schnelles und sicheres Messverfahren, analoge und digitale Anzeige, integrierbar in Untersuchungseinheiten und in die elektronische Datenübertragung zum Phoropter VISOTRON.

In den folgenden Jahren entwickelte sich die Medizintechnik immer mehr zum Kerngeschäft. Hochmoderne, computergesteuerte Mikroskope für die Mikrochirurgie - nicht nur für die Augenchirugie - wurden entwickelt und konnten weltweit verkauft werden. Diese „medizinischen Arbeitsplätze“ wurden mit Foto- und Fernsehkameras ausgerüstet, das gesamtes Operationsteam konnte live und direkt in den Operationsablauf eingebunden werden. Darüber hinaus ermöglichten die Kameras die Aufzeichnung und Wiedergabe der Operationen und dienten zur Dokumentation der Vorgänge.

Anfang 1985 fanden Möller Mikroskope eine spektakuläre Anwendung:  Der Russische Augenchirug Prof. Fjodorow operierte mit seinem Team in einem sogenannten Fließbandverfahren gleichzeitig fünf Patienten, mit dem Ziel der Korrektur einer  Fehlsichtigkeit der Augen. Nach einer solchen OP musste keine Brille mehr getragen werden. 

Durch das Fließbandverfahren konnte die Anzahl der Operationen auf ein Vielfaches gesteigert werden. Ausgestattet waren die „Fließbänder“ mit Möller – Mikroskopen und Deckeneinheiten. Eine der Bandanlagen wurde sogar auf einem Schiff installiert, um reiche Patienten in den Golfstaaten zu operieren. Prof. Fjodorow war später für kurze Zeit unter Boris Jelzin Minister in der Russischen Regierung.

fjodorow
Prof. Fjodorow und sein OP – Team, fjodorow

1985 war ein entscheidendes Jahr in der Geschichte der Firma J.D. Möller GmbH.

Die Geschäftsführer Jürgen und Klaus Möller waren nach sorgfälltiger Positions- bestimmung, sowie intensiven Analysen und Beratungen – auch unter Mitwirkung externer Experten – zu dem Ergebnis gekommen, dass eine zukunftsorientierte, langfristige Unternehmensausrichtung unter den gegebenen wirtschaftlichen Bedingungen aus eigener Kraft nicht möglich war. Der weltweite Vertrieb der Medizintechnik gegen Kokurrenten wie z.B. Zeiss hätte eine viel stärkere Vertriebsgrundlage mit eigenen Niederlassungen in den Hauptabnahmeländern vorausgesetzt.

Durch „Anlehnung an einen starken Partner“ sollte die langfristige Sicherung des Unternehmens erreicht werden. Mehrere mögliche Partner wurden geprüft. Entschieden hat man sich für die amerikanische Firma COOPER VISION. Cooper Vision war eine recht junge Firma mit rasanter Umsatzentwicklung auf den  Gebieten der Kontakt– und Intrakularen Linsen. Die Arbeitsgebiete beider Firmen ergänzten sich hervorragend.

Handaplammationstonometer
Mit diesem Gerät konnten die Astronauten um Ulf Merbold den Augeninnendruck während der Schwerelosigkeit messen und…

Mitte 1985 übernahm Cooper Vision eine Mehrheitsbeteiligung an der Firma J.D.Möller; Klaus und Jürgen Möller blieben die Geschäftsführer.

Im Oktober 1985 konnte in der Geschichte der Firma J.D.Möller GmbH ein besonderes technisches Ereignis vermeldet werden: Ein Möller Handapplanations-Tonometer, ein  Gerät zur Messung des Augeninnendruckes, wurde mit dem Europäischen Spacelab (D1 Mission) in den Weltraum geschossen.

Die Beteiligung von Cooper Vision an J.D.Möller brachte schnell den erhofften wirtschaftlichen Aufschwung, die betriebliche Auslastung ging steil bergauf. Große Geräte - Stückzahlen wurden gefertigt, ein Ruck ging durch die Firma.

Die Fertigung wurde mit modernsten Maschinen rationalisiert. Die Entwicklung und Ausbreitung der Medizintechnik wurde vorangetrieben und brachte technisch und wirtschaftlich spürbare Erfolge. Bald jedoch machte sich Ernüchterung  breit. Die Entwicklung und die Fertigung liefen, der notwendige Absatz stockte.  Noch fataler war, dass Cooper Vision sich mit ihren weltweiten Expansionsgelüsten übernommen hatte und wirtschaftlich selbst ins Schlingern geriet.

1989 verkaufte Cooper Vision völlig überraschend die Mehrheitsbeteiligung und die Option auf Übernahme des Restes an das Schweizer Optik - Unternehmen Haag – Streit, den Weltmarktführer für Spaltlampen. Der Geschäftsführervertrag mit Klaus und Jürgen Möller wurde nicht verlängert und so schieden sie zum 31.12.1989 aus der Firma aus.

Nach Ausübung der Option war die Familie Möller nicht mehr an der Firma beteiligt.  Nach vierter Generationen war die Firma J.D. Möller Optische Werke GmbH keine Familienfirma mehr. Doch die Firmengeschichte war damit natürlich nicht beendet. (Rudolf de Wall und Klaus Möller)

Teil 1 der Serie: Johann-Diedrich Möller

Teil 2 der Serie: Hugo Möller

Teil 3 der Serie: Alfred und Hans Möller

Teil  5 der Serie: Mit Haag Streit in die Zukunft