Hugo Möller - visionärer Unternehmer

und Weltreisender

Mit ihm kam der große Aufschwung: Hugo Möller wurde am 8.  August 1880 als zweiter Sohn des Präparators Johann Diedrich Möller und seiner Frau Johanna in Wedel geboren. Der junge Hugo verbrachte eine unbeschwerte Kindheit am Wedeler Rosengarten. Seinen Schulabschluss machte er an der Schlee – Realschule in Hamburg. H.M. war vielseitig interessiert, wobei die künstlerische Ader seines Vaters wohl nicht so ausgeprägt war. Aber an Schaffenskraft und Motivation machte ihm keiner etwas nach. Sein Motto: "Kiek in de Sünn un nicht in't Muslock!"

Hugo Möller inmitten seiner Belegschaft - mit Töchtern Hanna und Ruth
Hugo Möller inmitten seiner Belegschaft - mit Töchtern Hanna und Ruth, Hugo Möller Belegschaft

Ende 1897 trat er als Lehrling in den väterlichen Betrieb ein. In den Folgejahren wuchs die Auftragslage der Fa. J.D.Möller ständig an. Alle namhaften Firmen gehörten zu den Kunden. Als im Oktober 1907 recht plötzlich sein Vater Johann Diedrich starb, konnte der Betrieb von Hugo Möller weitergeführt werden. 1908 kaufte er die Firma J.D. Möller mit Gebäude und Inventar von seiner Mutter Johanna und war Werksbesitzer. Von der Struktur her war die Firma eher ein Handwerksbetrieb.

Hugo Möller begann sofort nach der Übernahme die Firma in Richtung Industriebetrieb umzugestalten. Der Erfolg dieser Maßnahmen ließ nicht lange auf sich warten, der Umsatz stieg und schon 1909 / 1910 wurde ein, für damalige Verhältnisse sehr modernes, neues fünfstöckiges Werkstattgebäude gebaut. Hugo Möller entwickelte sich zu einem visionären Unternehmer, es gelang ihm, die Firma JDM innerhalb weniger Jahre zu einer der führenden Firmen auf dem Gebiet der Präzisionsoptik zu machen.

Die wachsende Optikfertigung war mit steigendem Wasserbedarf verbunden und so ließ er 1911 auf dem Firmengelände einen Tiefbrunnen bohren, ein Jahr später wurde ein Wasserturm gebaut. Der Brunnen war so ergiebig, dass die Firma Wasser an benachbarte Grundbesitzer und  verkaufen konnte. Hierfür wurde ein eigenes Rohrnetz gelegt. Selbst die königliche Eisenbahndirektion Altona schloß mit Möller einen Vertrag zur Wasserlieferung für den Bahnhof Wedel zur „Lokomotivspeisung und für Trink- und Wirtschaftszwecke“. Ein gutes Geschäft - der Preis betrug 0,30 RM / m³ - geliefert wurden bis zu 150 m³ täglich. Für das von Möller verlegte Rohrsystem wurden zusätzlich Kosten berechnet.

Möller Betriebsgebäude Ansicht Beginn 20. Jh.
Ein Blick auf Wedel und das Werk vom Beginn des vorigen Jahrhunderts - unübersehbar der Wassertum. Fotos: Stadtarchiv Wedel,…

Aufbauend auf die Kontakte, die sein Vater in anderen Europäischen Ländern, wie z.B. England und Russland geküpft hatte, gelang es Hugo Möller in den Jahren um 1912, den Export seiner qualitativ hochwertigen Produkte in diese Länder zu steigern. Hierfür mussten neue Mitarbeiter eingestellt werden und bald arbeiteten mehr als 100 Fachkräfte für die Firma. Er traf die Auswahl seiner Mitarbeiter sehr sorgfältig und hatte dafür stets ein glückliches Händchen. Vorausschauend, wie Hugo Möller nun einmal war, kaufte er weiteres Gelände am Rosengarten für eine Betriebserweiterung.

Doch dann kam der erste Weltkrieg und der florierende Export der Möller Produkte nach Russland und England, brach zusammen. Die Produktion von Kriegsgeräten jedoch ließ die kurze Stagnation überwinden, es ging wirtschaftlich steil bergan.  Am Ende des ersten Weltkrieges waren mehr als 300 Mitarbeiter beschäftigt. In all den Jahren zeigte Hugo Möller seine soziale Verantwortung. Familien der Möller Mitarbeiter, die für den Kriegsdienst eingezogen wurden, bekamen weiterhin Unterstützung.

Mit Kriegsende 1918 brach die Fertigung, die zu mehr als 70 % auf militärischen Aufträgen aufgebaut war, zusammen. Finanziell eine sehr schwierige Zeit! Man versuchte sich mit Kleingeräten und optischen Komponenten, Glasteilungen und Spiegeln, sowie mit Typenplatten und mikroskopischen Präparaten über Wasser zu halten. Im September 1919 wurde das 50 jährige Firmenjubiläum im Schulauer Fährhaus nachgefeiert,  das eigentliche Gründungsjubiläum 1914 konnte kriegsbedingt nicht gefeiert  werden, es musste ausfallen. Etwa um diese Zeit begann Hugo Möller wieder mit der Entwicklung eigener, neuer optischer Geräte. Dieses Vorhaben war durch den Krieg unterbrochen worden.

50 Jahre J.D.Möller

Jubiläumsfoto 50 Jahre
Nach dem Krieg wurde nachgefeiert: Im Jahr 1919 trafen sich die Mitarbeiter der Firma zum großen Jubiläums-Fest vor…

Maßgeblich an diesen Entwicklungen war Otto Möller, der jüngere Bruder des Fimeninhabers beteiligt.  1920 wurden zwei neue Fernrohre auf den Markt gebracht, zuerst das THEATIS ( 3,5 x 15 ) und kurze Zeit später das THEATOUR ( 5 x 15 ).

Theatis
Theatis

Im März 1920 erfuhr Hugo Möller eine sehr große Ehrung – er wurde in das Kuratorium der Physikalisch Technischen Reichsanstalt berufen. Er war der einzige Nichtakademiker in diesem erlauchten Kreis von Wissenschaftlern, wie  Albert Einstein, Max Planck, Konrad Röntgen. Deutlicher kann die Wertschätzung für Hugo Möller nicht ausgedrückt werden. Diese Berufung eröffnete die Möglichkeit weitere Kontakte zu Politik und Wirtschaft zu schließen. Selbst mit dem Reichspräsidenten Ebert kam er zu Gesprächen zusammen.

Wenig später, am 19. November 1920, meldete die Firma J.D. Möller das Patent D.R.P. Nr.: 358868 an. Erfinder ist möglicherweise Otto Möller, sein Name wird aber in der Patenschrift nicht erwähnt. Das Patent beschreibt ein Penta - Prisma, mit dem die Baugröße der Ferngläser wesentlich kompakter gestaltet werden konnte. Noch wesentlicher war der Helligkeitsgewinn der Ferngläser, der durch das neue „Möller – Prisma“ erzielt wurde. Möller baute damit die Geräte TOURIX ( 6 x 24 ) und TOUROX ( 8 x 24 ) und gab in der Werbung einen Helligkeitsgewinn von mehr als 25 Prozent an. Die leichten, qualitativ sehr hochwertigen Geräte verkauften sich sehr gut und brachten die Konkurrenz in Aufregung, speziell der 25prozentige Helligkeitsgewinn wurde angezweifelt

Anzeige Prozess
Beleg des Sieges vor Gericht: Möller veröffentlicht das für ihn triumphale Urteil, Anzeige Prozess

Es folgten Klagen wegen unlauteren Wettbewerbs. Alle damals namhaften Firmen, wie Zeiss, Busch AG, Rodenstock, Voigtländer und Spindler & Hoyer beteiligten sich an dieser Klage. Die gerichtlichen Auseinandersetzungen mit diversen Gutachten und Gegengutachten zogen sich über mehrere Jahre hin. Der Prozess endete mit einem Urteil am 27. November1924, in dem die Klage gegen Möller abgewiesen wurde.

Möller nutzte dieses für ihn sehr positive Urteil, um am Markt noch aggressiver zu werben. Aber die damalige Zeit war schwierig. Auch Möller blieb davon nicht verschont. Um 1925 änderten sich die Absatzbedingungen rasch. Die Folge war, Bankkredite mit teilweise über 20prozentigen Zinssätzen in Anspruch genommen werden mussten. Es dauerte nicht  lange, bis die Bank „Altonaer Bank - Verein“ die Daumenschrauben anzog und Hugo Möller dazu drängte, die Firma in eine AG umzuwandeln. Hugo Möller wollte dies nicht, die Bank kündigte daraufhin den Kredit. Aus dieser Notlage heraus suchte Hugo Möller den Anschluss an die Firma Zeiss.

Am 21. 0ktober 1925 kam es zur Umwandlung der Firma JDM in eine GmbH und zum Abschluss des Vertrages mit der Firma Zeiss. Hugo Möller wurde alleiniger Geschäftsführer,  Firma Zeiss erhielt 51 Prozent der Firmenanteile. Bedingt durch die Zeiss-Übernahme reduzierten Kunden Aufträge und anstelle des erhofften Aufschwungs ging es mit der Firma bergab. Hugo Möller versuchte sich mit allen Mitteln gegen diese wirtschaftliche Rückläufigkeit zu stemmen und gründete im Mai 1928 am Rosengarten 14 eine Autowerkstatt mit Tankstelle. Er wollte unbedingt weitere Einnahmequellen erschließen.

Möller Ägypten
Seine Geschäftsreisen füherten Hugo Möller in die weite Welt - hier ist er im Jahr 1928 mit seiner Frau in Ägypten…

Ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Finanzen erfolgte 1929. Mit der Stadt Wedel wurde ein Monopolvertrag für die Wasserlieferung und den Ausbau des dazugehörigen Rohrsystems geschlossen. Tiefbrunnen waren auf dem Möllergelände bereits vorhanden, bzw. es wurden weitere gebaut. Die Firma Zeiss war zwischenzeitlich mit der wirtschaftlichen Entwicklung der Firma Möller unzufrieden, man hatte mehr Ertrag erwartet. Wieder einmal zeigte sich  um 1930 Hugo Möllers Geschick. Es gelang ihm der Firma Zeiss klar zu machen, dass eine Trennung für beide Seiten das Beste sei. Zeiss willigte mit etlichen Bedigungen ein und Hugo Möller suchte nach  Finanzierungsmöglichkeiten zum Rückkauf.

Er verkaufte Ländereien in Wedel und in der Marsch, die Stadtsparkasse Wedel gewährte einen Kredit. Nachdem alles geklärt war, kündigte Hugo Möller den Geschäftsführer-Vertrag bei der Firma Zeiss. Der Rückkaufvertrag mit Zeiss wurde geschlossen und am 01. Januar1931 war Hugo Möller wieder alleiniger Besitzer „seiner“ Firma. Die schmerzhafteste Bedingung die Zeiss aber gestellt hatte, war: Möller musste sich verpflichten, keine Fernrohre mehr zu bauen.

Seit Mitte der 20iger Jahre, also nach der Zeiss Übernahme, hatte Möller eine Reihe von optischen Kleingeräten entwickelt. Diese versuchte man nun verstärkt zu vermarkten.  Ebenso hatte Möller Kontakt mit Militärischen Kreisen aufgenommen und sich um Reparaturaufträge bemüht. Dies wurde von den Beschaffungsstellen wohlwollend zur Kenntnis genommen, man wollte eine gewisse Unabhängigkeit von der großen Firma Zeiss haben. Langsam verbesserte sich nun die Lage der Firma. Richtig bergauf ging es dann ab 1933, Neueinstellungen und Betriebserweiterungen waren erforderlich. Auch das Maschinenhaus  wurde vergrößert.

1934 trat der älteste Sohn Alfred, der an der Technischen Hochschule Berlin seinen Abschluss erworben hatte, in den väterlichen Betrieb ein. Auch die drei Töchter waren  im Betrieb tätig. Die allgemeine politische Lage führte bald zu enormen Produktionssteigerungen. Der militärische Auftragsbestand wuchs ständig,  Firma Möller war zu einem Markenbegriff geworden und stand für Qualität.

Möller Postkarte
Sogar auf Postkarten wurde Wedels Vorzeigebetrieb präsentiert, Möller Postkarte

 Firma J.D. Möller florierte auf Grund der Wehrmachtsaufträge, der optische und feinmechanische Bereich wurde ständig modernisiert.  Hugo Möller vergaß seine soziale Verantwortung aber nicht: Der JDM-Wohlfahrtsverein, von Hugo Möller in den 20ziger Jahren auf dem Grundstück Elbstraße 13 für seine Mitarbeiter gegründet, partizipierte ständig von diesem Wirtschaftsaufschwung.

Hugo Möller war zwangsläufig zu einer wichtigen Person – wenn nicht sogar zu der wichtigsten – in Wedel aufgestiegen. Dies gefiel nicht allen Bürgern, es gab  ernsthafte Differenzen und Auseinandersetzungen mit der Ortsgruppenleitung. Erst durch Einspruch von höchsten Regierungsstellen in Berlin wurden diese Auseinandersetzungen beendet. Der Betrieb war zwischenzeitlich für die Wehrmacht und für die Politik sehr wichtig geworden und so wurde Hugo Möller im Oktober 1938 zum Wehrwirt- schaftsführer von Schleswig Holstein ernannt. Bei dieser Entscheidung spielte sicherlich eine wesentliche Rolle, dass die Firma J.D.Möller GmbH die einizige, namhafte optische Firma in Norddeutschland war. 

Im selben Jahre noch begann H. M. ein weiteres, großes Betriebsgebäude, das sogenannte Gebäude V zu planen. Dieser Neubau wurde notwendig, da die Firma Möller faktisch Monopolist für Glasteilungen geworden war.

Fährhaus
Das Möller-Logo ist seit rund 100 Jahren fester Bestandteil der Fähhaus-Fassade., Fährhaus

Auch bei diesem Vorhaben zeigten sich die Fähigkeiten von Hugo Möller. Er plante ein fünfstöckiges Gebäude mit einem siebenstöckigem Wasserturm. Bestandteil dieses Wasserturmes war ein ist ein Wasserbehälter vom sechsten bis siebten Stockwerk mit einem Stock mit einem Fassungsvermögen von fast von fast 400 Kubikmeter. Er hatte den zunehmenden Wasserbedarf der wachsenden Stadt Wedel erkannt.

Im Gebäude sollte eine moderne optische Fertigung, die Teilerei eingerichtet werden. Die rasante Entwicklung der Firma und der damit verbundene wirtschaftliche Aufschwung ermöglichte es Hugo Möller im März 1938 das Schulauer Fährhauses zu kaufen. Das bekannte Ausflugslokal stammte aus dem Besitz der Familie seiner Mutter (Heinsohn ), durch den Kauf kam es in den Familienbesitz zurück. H.M.  führte umfangreiche Umbauten und Modenisierungen durch und 1939 wurde es als Gefolgschaftshaus wieder eröffnet. Seitdem ist das typische Möller - Logo am Giebel zur Elbseite weithin sichtbar

Bombenangriffe
Wedel war durch Bombenangriffe schwer in Mitleidenschaft gezogen worden., Bombenangriffe

Die Kriegsmaschinerie lief 1939 in Deutschland auf vollen Touren, so auch bei Möller. Am 01. September 1939 brach der zweite Weltkrieg aus. Die Produktion wurde nochmals gesteigert, noch mehr Mitarbeiter wurden eingestellt, das Bauvorhaben Gebäude V stockte, es wurde erst 1942 fertig gestellt. Die Gründe hierfür waren vielschichtig, hauptsächlich waren Materialengpässe und langwierige Genehmigungsverfahren für die Materialbeschaffung ausschlaggebend. In diesen schwierigen Zeiten zeigte sich Hugo Möllers Ausdauer und Zielstrebigkeit, aber auch sein Mut und seine Unerschrockenheit gegenüber der Obrigkeit wird in 1943 deutlich. Durch Rammarbeiten zum Projekt „Wenzel“ - dem U - Boot Bunkerbau  - entstanden Erschütterungen, die in den Fabrikationsräumen der Firma Möller zu spüren waren. Hochgenaue Optikarbeiten waren gefährdet. Hugo Möller intervenierte beim obersten Marinekommando – ein mutiges Unterfangen. Die Rammarbeiten wurden in die arbeitsfreie Zeit verlegt.

Durch Zwangsarbeiter und Gefangene war die MA - Zahl auf fast 1300 angestiegen. Die Zwangsarbeiter waren in einem Lagerhaus am Zuckerspeicher untergebracht, die vorherige Nutzung, die Getreidebe-  vorratung, war erheblich eingeschränkt worden.

Anfang März 1943 kam es zu einem schweren Luftangriff auf Wedel, viele Häuser wurden zustört, auch die Firma Möller war betroffen. Auf dem Elbgrundstück – dem ehemaligen Zuckerspeicher – wurden zwei Lagerhallen total zerstört.

Hugo Möller
Er machte auch nach den schweren Rückschlägen durch den zweiten Weltkrieg erfolgreich in seiner Arbeit weiter: Hugo Möller.,…

Am 8. Mai 1945 war der Krieg endlich vorbei. Wedel wurde von englischen Truppen besetzt. Firma Möller und auch das „Elbgrundstück“ wurden beschlagnahmt.  Möller war in England für qualitativ hochwertige, optische Fertigung bekannt. Besonders interessierte man sich für die Teilerei und versuchte, diese Technik nach England zu übertragen. Dies misslang und so konnte die Firma Möller schon bald nach Kriegsende die Fertigung von Strichplatten und Gitter wieder aufnehmen. 

Wedel lag in Schutt und Asche, die Deutsche Industrie war am Boden, aber Hugo Möller blickte nach vorn.  Schon im Juni 1945 kamen die ersten Anfragen nach optischen Komponenten und Brillengläsern von anderen deutschen Firmen. Die Mitarbeiterzahl betrug am 10. Juni 1945 noch 503.  Mit Improvisionen und Geschick wurde die Produktion wieder aufgenommen. Zuerst arbeitete die Teilerei für englische Dienststellen, bald wurden Kleingeräte und Brillengläser gefertigt und auch an Neuentwicklungen wurde schon wieder gedacht. Die Betriebsabläufe jedoch wurden von Besatzungsbehörden bestimmt. Hinzu kamen ab Anfang 1946 Einflussnahmen  von „Außen“. „Links“-orientierte, radikale politische Kreise behinderten den Betrieb stark. Im Herbst 1946 musste sich H.M. der „Entnazifizierung“ unterziehen und  er erhielt Hausverbot für seine Firma. Davon betroffen waren ebenfalls sein ältester Sohn Alfred, sowie weitere leitende Angestellte. Die verbleibenden Mitarbeiter versuchten  den Betrieb aufrecht zu erhalten. Mitte 1948  wurde Hugo Möller vollständig rehabilitiert, er war nie Mitglied der NSDAP gewesen.

Mit der Währungsreform 1948 war Hugo Möller wieder Geschäftsführer seiner Firma. Langsam, aber stetig „normalisierte“ sich die Situation. Neue Geschäftsfelder wurden erarbeitet, so zum Beispiel wurden Einspritzpumpen für Schiffsdieselmotoren gefertigt. Die Nähe zum Hamburger Hafen ließ diese Sparte recht gut florieren. Die Brillenglasfertigung und die Entwicklung und Herstellung medizinischer Geräte und Einrichtungen wurden intensiviert. Zu nennen sind Geräte für die Augendiagnostik und für die Gynokologie. Die „alte Spezialität des Hauses“   - Fernrohre - wurde wieder in das Fertigungsprogramm aufgenommen. 

Möller Wedel
Das Wirtschaftswunder kann kommen: die Möller-Werke 1959., Möller wedel

Anfang der 50ziger Jahre  lief  die Produktion ziviler Produkten immer besser. Hugo Möller war es gelungen die familiären Strukturen, sowohl auf der Führungs- als auch auf Betrieblicher Ebene wieder  aufzubauen.

Er musste jedoch feststellen, dass die Kapitaldecke zu dünn war – zu hoch waren die Verluste der letzten Jahre.  Aus dieser Situation heraus entschloss sich Hugo Möller die „Elbgrundstücke“ mit Ausnahme des Fährhaus – Areals zu verkaufen. Für die Elbgrundstücke war ein Bebauungsplan der Stadt Wedel vorhanden der vorsah, das Gelände an die Wohnungsbaugesellschaft Kiel GmbH / „Neue Heimat“  zu verkaufen.   

Mit dem Verkaufserlös, der sicherlich nicht dem Markwert der hochwertigen Immobilen in Elbnähe entsprach, ließ sich aber erst einmal wieder gut wirtschaften. Im November 1954 feierte die Firma auf Wunsch von Hugo Möller das 90jährige Firmenjubiläum im Schulauer Fährhaus. Mehr als 400 Gäste aus Politik und Wirtschaft nahmen an der Feier teil und Hugo Möller erhielt aus der Hand von Minister Börnsen das Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland - wieder eine sehr hohe Auszeichnung für den unerschrockenen Unternehmer.

Eine Weltneuheit, die CamBinox wurde Anfang 1955 präsentiert Die CamBinox ist ein Prismenfeldstecher mit eingebauter Kleinbildkamera. Die Entwicklung dieses einzigartigen Gerätes hat sehr viel Geld gekostet, leider konnte es nicht wesentlich zur Gesundung der Firma beitragen.

1956 wurde das Möller eigene Rohrnetz für die Wasserversorgung der Stadt Wedel, an die Stadt Wedel verkauft. Die Brunnen zur Lieferung des Frischwassers, die sich auf dem Möller Firmengelände befinden, blieben im Besitz der Firma. Auch heute noch wird etwa ein Drittel des Wedeler Wasserbedarfs aus den Möller Brunnen gefördert. 1957/58 waren die Beschäftigungszahlen wieder auf mehr als 600 angestiegen, wobei der Lehrlingsausbildung ein hoher Stellenwert eingeräumt wurde. Möller produzierte Qualitätsoptik, diverse Kleingeräte, Fernrohre, medizinische Geräte, Gitter- und Strichplatten und optische Messgeräte.

Am 20. März 1959 starb Hugo Möller im  79. Lebensjahr an den Folgen einer Gelbsucht, die er sich auf einer früheren Ägyptenreise zugezogen hatte. Er hinterließ seiner Frau Catharina Elisabeth Möller, geb. Heinsohn – und seinen Kindern Hanna Möller, Gertrud Wiebach, geb. Möller, Ruth Prignitz, geb. Möller, Alfred Möller, Walter Möller und Dr. Hans Möller ein bestelltes Haus. (Rudolf de Wall, 2014)

J.D. Möller Serie Folge 1

J.D. Möller Serie Folge 3

J.D. Möller Serie Folge 4

J.D. Möller Serie Folge 5