Geschichte[n] zu Märkten

Geschichte des Ochsenmarktes

Einst fand in Wedel ein sehr lebhaft besuchter Ochsenmarkt statt. Ab etwa Mitte des 16. Jahrhunderts wurde unter dem Roland Handel getrieben. Bis zu 30.000 Tiere sollen zur Blütezeit des Ochsenmarktes um das Jahr 1600 über den Ochsenweg aus Jütland kommend in Wedel verkauft und mit Fährprähmen über die Elbe verschifft worden sein. Das Ende des Ochsenmarktes verlief schleichend. Der Dreißigjährige Krieg, die in den darauf folgenden Jahrzehnten grassierenden Viehseuchen und die veränderten Handelsbedingungen und Routen trugen dazu bei, dass er Mitte des 18. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung verlor und sich zu einem "normalen" kleinstädtischen Viehmarkt wandelte.

Dieser Vieh- und Krammarkt fand auf dem Marktplatz beim Roland statt und Händler verkauften noch 1885 um 700 Tiere. Der Markt fand normalerweise am 14. April statt, es sei denn dieser Termin kollidierte mit den stillen Tagen vor dem Osterfest oder mit den Märkten in Itzehoer, Horst oder Uetersen. Dann wurde der Markttag verlegt. Auch zum Ende des 19. Jahrhunderts gab es Regelungen für die ordnungsgemäße Durchführung des Markte. Die zum Markte gebrachten Tiere (1901 waren es immerhin noch 520 Magerochsen)  wurde polizeilich durch den Landgendarm und den vom Königlichen Veterinair-Physikus in Altona berufenen Tierarzt Hansen überwacht. Die Marktbeschicker kamen aus der näheren Umgebung, aus Altona, Hamburg oder Elmshorn. Für die erbrachten Aufwendungen wurden schon damals Marktstandsgelder erhoben. Um die Gebühren zu umgehen trafen sich - zumindest ist es für das Jahr 1904 aktenkundig - die Händler und die Käufer bereits vor dem eigentlich Markttermine. Etwa zweidrittel der Tiere wurden direkt von den "Gräsern" aufgekauft und sofort in deren Stallungen geführt. Somit entging der Stadt Wedel einiges an Marktgeld, aber auch der Veterinär konnte sich nicht davon überzeugen, dass die Tiere gesund waren.
1913 beklagt der Bürgermeister Friedrich Eggers das nachlassende Interesse am Kram- und Viehmarkt. Während des Ersten Weltkrieges kam nur zu seuchenbedingten Einschränkungen des Marktes, es grassierte vermehrt die Maul- und Klauenseuche.

Ab etwa 1920 gewann der Nahtourismus an Bedeutung. Wanderer suchten die Schönheit der eigenen Umgegend und dadurch rückten auch regionalen Feste in den Fokus. Wedel besann sich auf den "historischen Ochsenmarkt". Insbesondere in den 1930er Jahren wurde in Werbeanzeigen und Heimatbüchern fabelhaftes zur Geschichte des Marktes geschrieben und die altehrwürdige Bedeutung hervorgehoben.
Während des Zweiten Weltkrieg fand der Markt nur noch im April 1940 statt, musste aber auf das Sportgelände an der Bergstraße ausweichen. Erst neun Jahre später, im April 1949 fand der nächste Ochsenmarkt mit dem Auftrieb von immerhin 250 Ochsen statt. Ein Jahr später zog der Roland von seinem angestammten Platz an der Einmündung zur Austraße um und steht seitdem neben der Einfahrt in die Küsterstraße. In den Jahren 1970 und 1971 fanden auf dem Marktplatz Bauarbeiten statt. Der Ochsenmarkt zog für zwei Jahre an Pinneberger Straße und Marienhof. Danach kam er für wenige Jahre wieder zurück zum Roland. 1979 wurde der Ochsenmarkt auf den Festplatz an der Schulauer Straße gelegt und verlor immer mehr von seiner Ursprünglichkeit. Konnten die Tiere in früheren Jahren mit einem einfachen Strick an die Zäune gebunden werden, so machten Auflagen des Veterinäramtes u.a. den Einsatz von massiven Gitterboxen und eine vollständige Pflasterung des Festplatzes notwendig. Bedingt durch verschiedene Viehseuchen wie BSE, Maul- und Klauenseuche oder Rinderpest wurde der Auftrieb der Tiere in einigen Jahren völlig verboten oder drastisch eingeschränkt. Hinzu kam, dass die Viehhändler ihre Tiere eigentlich nur noch aus der historischen Tradition heraus zum Markt nach Wedel brachten, eine Notwendigkeit gab es für sie eigentlich nicht mehr. Die Stadt Wedel versuchte, gegen den Niedergang des Marktes anzuwirken. Sie zahlte einige Jahre lang eine Art Handgeld an die Viehhändler, damit sie dennoch ihre Tiere in Wedel auf den Markt trieben. Aber auch das führte nicht dazu, dass sich der Ochsenmarkt wiederbelebte. Die Anzahl der Tiere wurde geringer, im Jahr 2003 wurden nur noch 88 Tiere zum Markt gebracht. Während der COVID-19-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 konnte der Ochsenmarkt nicht stattfinden. Im März 2022 hat der Verein Wedel-Marketing, dem die Durchführung von Veranstaltungen in Wedel übertragen war, die Durchführung des Ochsenmarktes bis auf Weiteres abgesagt.

Impressionen vom Ochsenmarkt